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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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roic auch ihre Vorzüge kennt, und dazu bedarf f» eine« gebildeten, talmudisch-geschulten Manne» Wer die» in Abrede stellt, der mutz eine Bind« vor den Augen haben, oder er Hütte sie sich deshalb um die Augen gebunden, um Opposition machen zu können. Wahrlich, wer Jntereffe an der Sach« hat, und die verwahrlosten Zustände und die Krebsschäden mit eigenen Augen anfiehl, der muß mit den» Dichter rufen: difficile eat aatyram non scribere! Darum möge immerhin petitionirl, skandalisirt, protestirr werden Der Vorstand wird sich kaum zurückhalten lasten aus der einmal betretenen Bahn weiter zu gehen. Wir wünschen von Herzen eine glückliche Fahrt, und möge e» der Gemeinde gegönnt sein, eine Persönlichkeit zu finden, die ihren Wünschen in religiöser und wiffenschaftlicher Beziehung entspricht. — Bernhard. L-the», 7. Juli. (Or.-E.) Trotzden» von Tag zu Tag gottlob die gehässigen Borurtheile gegen uitsere GlaubeuSgenosten schwinden, macht man doch noch heute nicht selten die Wahrnehmung, daß, wenn e» sich um ausschließlich israelitische Zwecke handelt, oder gar um Milderung der Norh orientalischer oder polnischer Juden, die christlichen Mitbürger sich mit wenigen Ausnahmen theilnahmSlo» verhalten und ihre ererbt«? anliparhische Zurückhaltung bewahren. Und doch ist die Mildthätigkeit erst dann nur rein und echt, wenn sie durch consessionell« oder territoriale Schranken unbeengt alldem menschlich fühlenden Herzen quillt. Die Israeliten zeigen doch häufig, daß sie diesen Satz in der freigebigsten Weise dethäligen und niemals nach Land und Confession de» Leidenden fragen. Um so mehr beeile ich mich, die wahrhaft erfreuliche Mittheilung den Lesern diese» geschätzten Blatte» zu machen, daß der hiesige nur au» christlichen Mitgliedern bestehende Handwcrkerverein eine theatralische Vorstellung zu Gunsten der palästinensischen Juden veranstaltete, in welcher recht paffend und geschmackvoll neben zwei Lustspielen die bekannte von den drei Ringen handelnde Scene aus „Nathan der Weise" von begablern Mitglieder» aufgeführt wurde. War da» materielle Lrgebniß auch nicht so groß (27 Tblr.), wie es der mildherzige Anreger gehofft, so verdient doch diese» humane Vorgehen öffentliche Anerkennung und unser» vollen Dank, llt desinc vires, tarnen est iaudanda voluntas. Dr. Deffauer. ©•ml, 1. Juli. (Or.-Eorr) Die jetzt so viel ventilirte Friedhofsfrage hat auch im Echooß« der hiesigen städtischen Behörden zu einer längeren Debatte geführt, welche in diesem Blatte unisomehr eine Erwähnung verdieitt oder sie vielmehr erfordert, da e» sich um den ältesten und berühmtesten jüdischen Begräbnißplatz in ganz Deutschland handelt. Die Stadt legt einen neuen Friedhof an, will den Israeliten einen Theil desselben nach Verhältniß der Seelrnzahl einräumen, und eS war daran der Antrag geknüpft, den alten Friedhof nunmehr zu schließen. Diesen Antrag bekänipfte im Gemeinderathe der Landtagsabgeordnete Edinger (JSraelit) lebhaft, er berief sich auf die Gefühle der Pietät gerade d i efem Begräbnißplatz« gegenüber, mies nach, daß der uralte Platz schon lange nicht mehr benutzt werde, sondern ein vor Jahren an und zu demselben erworbener und bestritt die GesuudheitS-Gesährdung, weil die Zahl der jährlich Begrabenen nur 10 durchschnittlich betrage. Gleichwohl ist der Antrag durchgegangrn. Da viele sehr alte und ehrwürdige jüdische Begräbnißplätze, z. B. die in jPrag und Frankftm a. M., ebenfalls längst geschloffen, dabei aber vor jeder Prosanation geschützt find, so ist dies auch wohl nicht sosehr zu beklage»; von hoher Wichtigkeit ist aber die Edingersche Opposition darum doch gewesen, weil sie eS zu Wege gebracht hat, daß ausdrücklich deschloffen worden ist, auf das Recht, den israelitischen Friedhof 35 Jahr nach dessen Schließung für städtisch« Zwecke zu requiriren, zu verzichten. Bon einem Mugliede war auch der Antrag gestellt, keine besondere israelitisch« Adlheituug einzurichten, sondern die Leiche« der Reihe »ach beisetzen. Die» wurde fast einstimmig verworfen. >»! Bicher», 2 Juli. (Or.-Eorr) Zur näheren Erläuterung und Kennzeichnung der verschiedenartigen „cousesfionelleu Bedenken", welch« nach der Läsker'schen Resolutioa zu« Austritt aus der Synagogengemeinde berechtigen sollen, kan» ich Ihnen au» unserm Nachbarlande ein Exempel anführen. Der Dr. jur. P in St., welcher vor einiger Zeit mit einer Witiwe ein gewaltige» Vermögen, man spricht von 4 bis 5 Millionen Francs, erheiratbet hat, wurde aufgefordert, der jüdischen Gemeind« die gesetzlichen sog Hakdamah-Gebühren zu entrichten Die Gemeinde bat nn» etwa ein Viertel der ihr gesetzlich zustehenden Summe verlangt, nämlich 1250 st. Um chiese Zahlung zu meiden, ist da» Ehepaar nun au» dem Judenthum ausgetreten. Die Gemeind« wird den Rechtsweg betrete», oder hat e» bereit» gethan — „Wenn das au grünem Holz« geschieht", wenn da» «in Dr. jiir. und Landtagsabgeordneter. Angehöriger einer von Alter» her hochangeseheuen jüdischen Familie thut — ti ist nicht meine Schuld, wenn die von mir gegebenen NamenS-Ehiffren jetzt sehr durchsichtig werde», — wa» hätte man denn von Leuten niederer Bildung und Geiinnung zu erwarten. A»l Württemberg. Ter Staatsanzeiger bringt unter den Verfügungen de» Departement» des Kirchen- und Schulwesen» eine Bekanntmachung der K. israelitischen Oberkirchenbehörde, betreffend das Rechnungsergebniß der israel. Eemralkirchenkaffe pro 1872/73. Tie Einnahmen betrugen: 41,584 fl. 7. kr.; die Ausgaben 39,060 fl. 3 kr.; Ueberschuß 2.524 fl. 4 kr. Unter den Einnahmen laufen: Kapitalzin»: 3592 fl. 9 kr.; Personalfteuer: 6131 fl.; RabbinatSbesodlungSbeiträge: 3747 flL; Zuschuß der Ä. StaatShauptkasse: 10,800 fl. Ausgaben: Aufsicht»- und Verwaltungskosten: 3849 fl.; Rabbinatsbesoldungen und QuieScentengehalte 12160 fl.; Gebaltsaufbenerung für Lehrer und Vorsänger 5420 fl.; Turnus- und Kirchenkosten 1703 fl; Unterstützungen an Schulamtszöglingen 585 fl. — Da» Vermögen der isr. Teatralkirchenkaffe beträgt: 85,563 fl. -- 48,321'/, Thlr. Am 28. und 29. Juni wurde in Reutlingen da» jährliche allgemeine Liederfest de» Schwäbischen Sängerbundes abgehalten. Gegen 100 Gesangvereine betheiligten sich bei dem Feste mit mehreren Tausend Sängern. Beim Wettefiugen concurrirten: Ländllche' Bereine 10; kleinere städtisch« Vereine 10; größere städtisch« Vereine 7; zusammen 27. Der Gesangverein „Frohsinn" von Laupheim, zugleich Synagogenchor, erhielt, den kleineren städtischen Vereinen zugetheilt, den ersten Preis. ES ist diese» das drittemal, daß dieser Verein mit Preisen beim Wettsingen gekrönt wurde. 28 Sän- - ger des Vereins trugen das Lied: „Der Wald von E. Häs e r" vor. Reben dem Preise, der in einer silbernen Denkmünze gereicht wurde, erhielt der Verein noch eine Ehrengabe, ein kunstvoll gearbeitete», mit'Silber eingelegtes Trinkhor«. In der letzten Woche des Juni hielt Se. Majestät König Karl Truppenmusternng in Mm und besichtigte, geführt vom Oberbürgermeister Helm, die neuerbaute Synagoge. Di« Mitglieder des isr. Kirchenvorsteheramie» erwarteten Se. Majestät am Eingang des Tempels. Der König unterhielt sich huldreichst mit dem Senior des Vorsteheramtes Oberjustizprocurator Heß und gab sein Jntereffe für die CultuSverhältniffe der Israeliten in humanster Weise kund. M«. Der Rürnb. Pr. wird von hier geschrieben: Es mögen beiläufig vierlhalb Jahre her sein, daß im WirthShause zu Oberdorf bei Ehingen in Würtemberg eine dort übernachtende Dienstmagd Morgen» mit durchschnittener Kehle im Bette gefunden ward, und da ihre Effekten fehlten, war alle Annahme zu deui Verbrechen de» Raubmorde» gegeben. Wer aber der Mörder war — da» war die Frage, welche Jedermann und auch die Justiz auf da» Lebhafteste beschäftigt. Bald siet nun der allgemeine Verdacht aus einen jüdischen Händler, Namens Weil, welcher während der Mord» i nacht in gleichem Gasthofe logirt«, und verstärfte sich der 8erdachl dadurch, daß sich h-rausstellte, daß der tädtliche Schnitt i von kunstgerechter Hand geführt ward und Weil früher bal j

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