Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 337 — Berichtigung vom 19. Juni angefügt« Bemerkung ich au erNären, daß ich lediglich und allein den Thatbe- » constatirt, im emferntesten aber nicht daran gedachl habe, bic Perfon de» allverehrten sol. Oberraddtners Ertlinger, der w^er unsrer Benheidigung, noch irgend welcher Ehrenanerkennong von andrer Seile bedarf, in die Debatte zu ziehen*). Ob die Prüfung, wie sie hier, weil staatlich geboten, vorgenommen wird, mit der anderwärt» so sehr beliebten und au» eigner Jnitia:io« eingesührien Eonsirmation ideMisch sei, überlasten wir dem Urtheile jede« Unbefangenen **), müfsm un» aber ernstlich gegen di« Unterstellung, al» hätten wir dt« Person de» fei. Oberrabbiner» zur Deckung vorgeschoben, verwahren ***). E. Gledvttz, 7. Juli. (Or.-Eorr.) Unsere Gemeindeschul« , hat ihre Jnspection gewechselt, Im Januar d. I. kam ein ' Regierung»rat > und revidirt di« einzelnen Elasten, ohne davon dem Lokalschulen-Jnspector, Herrn llr. Hirschseld, eine Anzeige zu machen; e» war kurz nach Etnsührung de» neuen SchuUilane», machte Ausstellungen g«en dt« Unterricht»merhode einzelner Lehrer und tadelte die ungleiche Entwickelung der Elasten im Einzelnen. Der Lokal-Jnspector beschwerte sich über diese» Verfahren und deutete darauf hin, daß e» unmöglich sei, in der kurzen Zeit eine» Monat» eine Einheit zu erzielen; worauf die St Regierung durch den Magistrat ihm eröffnen ließ, daß sie sein« Enthebung ron den Functionen eine» Revisor» nicht beabsichtige; dt« Lurstellungen wurden jedoch vom Magistrat aufrecht erhalten. Der Lokalschultnspector hat darauf seine Enthebung von den Pflichten eine« Revisor« gefordert, und'ist ihm diese gewährt worden. An seiner Stelle ist der Aewerdeschuldirector Herr Werntcke ernannt worden. vtnkbau«. I. Juli. (Or.-torr.) Me wahr in jeder Beziehung Ihr jüngster, wohl den Meisten au» dem Herzen gesprochener Artikel über da« bekannt« La»ker'sch« Referat gewesen, dafür gtedt folgende» Factum «inen sprechenden Be- »et». Unterzeichneter war bei de» städtischen Behörden ei»g«- kommen, ihn mit Rücksicht auf tz s der Städteordnung, und daß er al« Rellgionstehrer an der Simultauschul« angestellt worden ist, von den Eommunalftouern zu befreien. Hierauf ist ihm folgender Bescheid geworden: »Euer Wohlgeboren benachrichtige» wir auf da« Gesuch vom l. Juni cr., betreffend die Befreiung von den städtischen Eommunalabgade», ergebenst, daß die städtischen . Behörden zwar Ihre Befreiung von Zahlung der qu. Abgaben deschloffen, daß aber die Königlich« Regierung zu Posen diese Beschlüste al» gesetzlich nicht zulässig erklärt und augeordnet hat, solche nicht zur Aubsührung zu bringen. Der Magistrat.* Diese Lerfügung der Königlichen Regierung zu Posen bedarf keine» Eommenlar», und zeigt zur Genüge, daß, ivenn wir nicht Pflichten, sonder» auch Rechte haben sollen, «in ganz »»derer Weg eingrschlage» werden muß, um eine wirkliche Gleichstellung der Juden zu erringen l)r. Lesser, Rabbiner. (Wir haben erst vor Kurzen, über die Lommunal-Beßeuerung i»ra«liiischer Eultu«beanten gesprochen; da» hier Mitgetheilte bedarf aber allerdings eine» Eommenlar». oder e» bedürfte eine» solchen — wir vermögen ihn nur nicht *) Dies ist ganz richtig. »1« MNtfmAfcig gehalten, au« »tzatfi ' Mir aber haben es für ebenso erlaubt den »on dem chrn. Loeresp. desprochektzatfachen zu beweis«», dag der sel. 0--A. tttlinaer die Feierlichhrit, welch« «an Lonstrmation zu nennen pflegt, »ich» für unjübisch und »ergl. «halten haben könne, söted ) •*) Da« thun wir ebenfalls. (9teb.) ***) Da diese Sendung sehr leicht auf di« verwuthung führen könnt«, »ap di« Korrespondenz jon tzrn. Dr. Lob ansgeh». so halte« wir »ns für »er»stichtet zu erklären, daß dies nicht der Fall ist. Da »ns nun die« Verhättniß doch ixkornt war, so versteht es sich von selbst, »wir auch nicht «einen knnnten, »er -orr. »oll« sich detke», wir deninach dl« „Untorstelluna-' auch «ich» «ns ihn bezieh«« k» nnbefserer »«»«»Utchnng f« die« jevach «nsdrtiikltch hier tv- > zu geben. Wir begreifen nicht, wie der fragliche Beschluß > der städtischen Behörde von der Königlichen Regterung hat annullin werden können; wa» diese überhaupt mit der Sach« zu thun Val. d je».' in der Besteuerung oder Richtbesteuerung ihrer Orisangehörigen selbstständig ist, so lange keine Reclamatio» bei den Staatsbehörden erhoben wird. Es scheint, daß entweder Reclamaiion von irgend einer Seite eingelegt ist, oder daß der Magistrat bei der Regierung a»gefragt hat. ES wäre gleichwohl nicht unzweckmägig, wenn di« Angelegenheit einmal durch eine Petition vor da» Abgeordnetenhau» gebracht würde. Wir sehe» zivar vorau«, dag man darüber mit der Erklärung, die Eommunalsteuerbefreiuungen seien überhaupt abzuschaffen, zur Tage»ordnung übergehen werde, aber es schadet nicht», wenn recht oft und deutlich gezeigt wird, wie mit verschiedenem Maaße gemessen wird. Red.) Kempen, Prov. Posen, d. 2. Juli. (Or.-Eorr.) Wer die alte Zeit kennt und für ihre Vorzüge sich ein warme« Herz bewahrt hat. aber dennoch nicht blind ist für die Bedürfniff« der Gegenwart, den muß e» tief schmerzen, wenn jede edle Regung durch Fanali«mu« und Parteileidenschast gleich bet ihrem Aufkeinitn erstickt und nirdergehalten wird. Ein Blick auf die Zustände der hiesigen itraelttischen Gemeind« zeigt jene« trostlose Bild de« Zelotismu«, wir e» in Zeiten, die eigentlich tempi pauati sein sollten, sich abgespielt hat. Die Vorsteber und Repräsentanten der jüdischen Gemeind« zu Kempen fühlen da« vedürfniß und die Roihwenbigkeit, «inen zeitgemäßen Rabbiner und Prediger an die Spitze der Gemeinde, dt« noch «ine Reliquie au« der guten, alten Zeit ist, zu stellen, wa« der Au«druck de« überwiegend größten Thetle» der Gemeinde ist. Aber siehe dal bald wird seandaltstrt, in Zeitungen gepoltert, über Neuerungen geklagt und gejammert, gerade al« ob r» sich um Abschaffung eine» Gebetstücke« oder de« stereotypen Jekuin Purkan u. dergl. handelt«. Und doch ist hier die Sach« viel ernster, entscheidend für ein« ganz« Generation Man denke sich ein Geschlecht heranwachsen in einer frommen jüdischen Geineind«, da« zivar alte Sitten und Gebräuche beobachten und halten steht, dem aber der Lehrinhalt de« Judenthuin« vollständig abhanden gekommen ist. Die Eitern dringen di« größten Opfer, st« darben r« sich an ihrer Nahrung ad, um ihren Kischsrp jüdischen Unterricht geben zu lasten. Aber wa» für Lehrer giebt es denn! „in einer fremden Sprach« spricht man zu diesem Volke I* Da« Kind, wenn e« für den jüdischen Religionsunterricht empfänglich gemacht werden soll, muß heut' denselben »ach Art uud Methode der profane« Gegenständ« erhalten (und dazu gehört vor Allem ein« richtige deutsch« Sprache). Der Mel&mmed kann ein deutsches Kind nicht mehr erziehen. E» muß die» jeder einseheu, der auch noch so sehr der alten Orthodossi« da« Wort redet. Man sollte ineinc», e» sei die« Alle« so klar, daß eine deutsche Gemeind« bei der Anstellung eine» gebildeten Rabbiner« und Religionslehrer« gar nicht mehr auf Wiederstand stoßen könnte. Uud doch, lieber Leser, höre und staune! Nimm dir den „Israelit* Nr. 2s. zweit« Beilage vor, und Du wirst eia Inserat sindrn, da» die Bewerber um die in hiesiger Gemeinde ausigeschriebe»« Rabbinerstelle zurückschrecken macht. E« heißt daselbst: 200 Gemetndemitglieder seien mit dem al» talmuvisch« Eavacität hochberühmten Rabbiimtsoerweser Herrn Rehstsch zufrieden und wünschen keinen „zweiten Rabbiner.* Al» ob jemand von den andern Mitglieder» nicht mit Herrn Rehstsch zufrieden wäre! S« sind alle erfüllt von Achtung vor dem im Studium de» Talmud ergrauten Mann. Aber wir brauchen Jemand, der die Jugend mit den Lehre» ve« Judenthum« in moderner Form bekannt machen, Jemanr, der vor der Gemeinde an Sabbath- und Feiertagen über Pflichten- und Glauben«lehrea de» Judenthum» spreche», der das Judenthu» in lebendige» Aluste erhalte» lost; wir brauchen Jemünd zu de» di« jünger« Generation vertrauen hat, »eil er «4 ihrer Zeit hervorgegange», der di« Gebreche» der Zeit,