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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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gibt kaum einen wohltätigen Verein, welchen Fachnicht in , reichlicher Weise unterstützt batte, doch gab er immer nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß man seinen Namen jverschweige und ihm mit keinem Worte danke. - Bor zehn Jahren wurde »r von einem schweren Herzleiden betroffen; er mar so karg gegen sich, daß er sich nicht einmal während seiner Krankheit einen warmen Schlafrock gönnte, und als man ihn fragte, für wen er eigentlich spare, so antwortete er kurz: „Ich habe 34 Kinder, für welche ich sorgen muß." Damil meinte er die 34 Waisenkinder im Waisenhause. Selbst gegen seine Freunde sprach er kein überflüssige- Wort. Als einmal ein Herr zu ihm gekommen, der sehr viel gesprochen, stand Fachs auf, um forzugehen. Der gesprächige Herr fühlte sich beleidigt und fragte ihn: „Was. Eie werden doch nicht fortgehen?" „Ich muß fortgehen," antwortete er; „denn ich kann nicht so viel schweigen, wie Eie reden können." Lus Lemberg schreibt man: „Während der GotteSandacht am 13 Juni (heil. Anton) in Zbaraz drängten sich vier Juden, mit Sabbathmützen angelhan, in die Kirche, sie suchten dort einen gewiffen Abraham Weinstein, welcher vor einiger Zeit sich hatte taufen laffen. Als sie den Neophytcn fanden, wollten sie ihn mit Gewalt aus der Kirche heran«- schleppen, was eine solche Erregtheit heroorrief, daß der Gottesdienst unterbrochen werden mußte. Es kam zu einem Kampfe und den Juden wäre es schlimm ergangen, wenn daS energische Einschreiten der Gendarmerie weitere Exceffe nicht verhindert hätte. Abraham Weinstein wurde unler Bedeckung weggefühlt, die vier Juden wurden sogleich verhaftet. Ich muß noch bemerken, daß an dem Tage eine Pilgerfahrt (Oäpnst) statifand und in dem kleinen Städtchen Zbaraz mehr als KOÜO Personen versammelt waren." Als Ursache der betlagenSwerlhei: Auftritte wird uns von einem anderen Eorrespondenten die sonderbare Thatsache bezeichnet, der Convertit Weinstein habe seiner früheren jüdischen Gattin den I Echeidebrief verweigert und siw doch ein Weib christlichen Glaubens antrauen laffen. Die Version kling: w-nig glaubwürdig. Bemerkt muß noch werden, daß sich der Bezirkshauptmann Ritter v. Morawski große Verdienste um die Hintanhaltung weiterer Exceffe erwarb. (N. F. P) Brvdh. Mehrere Juden aus Galizien waren, um Getreideeinkäufe zu machen, nach Knesk in Rußland gereist und von der Polizei ausgewiesen worben, weil ausländischen Juden der Aufenhalt im Innern Rußlands verbalen sei. Die Handelskammer in Brody wendete sich an bas österreichische auswärtige Ministerium, welches wegen der Angelegenheit in Petersburg Vorstellungen machen ließ Die Antwort lautete dahin, daß das Gesetz, auf welches die Polizei sich bezogen, so bestehe, es sei nur jüdischen Kaufleuten erster Gilde und solchen, die überhaupt eine hervorragende'geschäftliche Stellung einnehmen, gestattet, im Innern Rußlands Geschäfte zu ma chen. Die Handelskammer hat sich jedoch bei diesem ihr mitgetheilten Bescheide nicht beruhigt, sie hat dem österreichischen Ministerium vorgestelli, daß russische Unterthanen ohne Unterschied der Religion in Oesterreich sich frei bewegen dürften, daß der Handel in Galzien größtentheils in Händen von Juden sei, und die Maßregeln der russischen Regierung daher dem LandeSwohle schade. Man kann auf die Lösung der Frage gespannt sein. (Standard.) Arad, 7. Juni. (Tod des allerersten jüdischen Offiziers in der österreichischen Armee). Gestern starb hier nach kurzem Krankenlager Herr Gabriel Weiß, k k. Major in Pension. Ju> Jahre 1800 von nicht bemittelten israelitischen Ellern in Beßprim geboren, trat er 1820 als Unterarzt in den Militärdienst. Durch den unmittelbaren Verkehr mit der Lebensweise des Soldaten vertraut geworden, gewann er bald eine solche Vorliebe für diesen Stand, daß er sich 1822 als Gemeiner in das Inf.-Reg. Graf Bellegarde, gegenwärtig Erzherzog Albrecht, übersetzen ließ und avancirte bis 1842 durch alle Grade zum Oberlieutenant. Im Jahre 1848 machte er den ruhmreichen Feldzitg von Verona nach Malland mit, i» welch letzterer Stadt er 6 Feldspiiäler unter seine alleinige - Leitung übernahm, ohne sich dem Kommando seiner Kompagnie entziehen zu wollen. Eine Folge dieser Verdienste war e», daß er im September 1848 zu dem Range eine« wirklichen HauptmannS avancirte. Rach zurückgelegter 34jähriger Dienstzeit sah er sich 1854 wegen zerrütteter Gesundheit genöthigt, seine Versetzung in den Ruhestand anzusuchen, die ihm mit MajorScharakter verliehen wurde. Zil seiner ihm gebührenden Pension erhielt er als Zeichen besonderer Gnade eine außerordentliche jährliche Zulage von 100 fl. von Seite Sr. Majestät zugesichert. — Seit Kurzem erscheint in P r e b b u r g ein neues jüd- Wochenblatt unter dem Namen „Jüd. Beobachter"; der Redakteur ist Rabbiner Back. Das Blatt vertritt die FortfchrittSpartei in Ungarn. Die hiesige „jüd Gem. u. Schulzeit." geht dafür ein. Araukrelch. Paris. (Monatsbericht »er Alliance JSr.Univ. für Juni.) Reue Mitglieder 368 (darunter au» Deutschland 23S.) Aus dem Berichte über die Schulen werden wir im nächsten Blatte einige intereffantere Mittheilnngen bringen. Heute geben wir zunächst den Bericht über die in der Westrussischen Angelegenheit abgehaltene Eonferenz. „Die Berliner Eonferenz vom 21. und 22. April cr. hat sich mit der traurigen Lage der Westrnjsischen Israeliten und den Mitteln zu ihrer Abhilfe beschäftigt. Dieselbe erkannte einstimmig an, daß die vom Auslande gebotenen Mittel der Wohlthätigkeil absolut unzureichend sind, und daß da« Heil von Innen kommen muß, von den russischen Israeliten selbst, und insbesondere aus den Schulen und dem Fortschritt i« Unterricht. Zu diesem Zwecke sollen die russischen Israeliten in einem an sie zu richtenden Eircularfchreiben aufgefordert werden, fortan nachdrücklicher, al« e» bisher geschehen, mit den hebräischen Studien da» Studium der LandeSspr che und Geschichte, sowie derjenigen wiffenschaftlichen Kenulniffen zu verbinden, welche in der modernen Gesellschaft unerläßlich geworden sind, ebenso Handwerker- und Gewerbeschulen zu gründen, um tüchtige Meister auszubilden, die im Innern Rußlands sich niederlaffen könnten und nach und nach auf demselben Wege und mit denselben Mitteln Andere ihre Glaubensgenossen nach sich ziehen würden. Die Konferenz hat außerdem die Ueberzengnng ausgesprochen, daß die Bemühungen der russischen Israeliten zur Verbesserung ihrer materiellen und geistigen Lage von de^ kaiserlichen Staatsregierung mit der lebhaftesten Sympathie werden begrüßt werden, nnb daß Se. kaiserliche Majestät, die für alle ihre Unterthanen ohne Unterschieb des tzultuS so voll Wohlwollens und von den edelsten Gefühlen beseelt ist, unzweifelhaft diese Bestrebungen unserer Glaubensgenoffen unterstützen werde, die aus diese Weise ihrem Vaterlanbe, sei es in der Armee, sei es in Handel und Industrie, größere Dienste leisten und mit noch größerem Erfolg als bisher zum Gedeihen desselben werden beitragen können; dieselben sind stets ausgezeichnete und treue Unterthanen gewesen, und die neuen Beweise von Wohlwollen, die man ihnen gewähren wird, werden in Urnen die Liebe zu ihrem Kaiser und die Gefühle tiefer Dankbarkeit gegen ihn stärken." Ueber die Verhältniffe in R u.m ä n i e n hat das Central* Eomire eine ausführliche Denkschrift erhalten. Dieselbe führt n. A. au», daß die diplomatisch.n Interventionen fruchtlos geblieben feien, weil sie gewöhnlich erst nach den geschehenen Gewaltakten eintraten und dann auf systematische Lblängnung Seitens der rum. Regierung stießen. Die rum. Israeliten hätten die Rolhwendigkeit wohl erkannt, selbst die Wieder» «, Herstellung ihrer Rechte von der Kammer zu fordern, schon um dadurch die Lage der einheimischen Israeliten klarzusiellen und die rum. Gesetzgeber zu zwingen, daß sie erklärten, auf Grund welche« Gesetzes sie dieselben, die bi- Ende 18SS offiziell die Israeliten de« rumänischen Ritu« genannt wurde»,

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