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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ai7 — Ittnbifp Wethrede. In derselben verglich der Redner da» Leben einer Gemeind« mit dem Vau« ihrer Synagoge; — beide müßten aus gutem, festen, gesunde« Baugründe ruhen, beide müßten sich aus starkem Fnnvam.ntc austrb.men — Der gute Grund, auf dem da» Juvenwum unv die Geim-inv« bisher gestanden l,allen, seien di« rein meuschlicheu Tugenden, Liebe, Mid«, Friede, Ernst und Würoe; — das Fundament sei zu allen Zeilen gewesen, und müßt« noch heule seine Lehre m»d Leben im Sinne der Religion (7N12V und mW). Mit einem alle Zuhörer tief ergreifenden Gebete für da- Getingen de« Baue« und da- Wohl der Gemeind« schloß der Rabbiner sein« Rede, und e« bestieg al-dan» der Vorsteher der Gemeind«, Herr Hugo Shrrnsried, die Tribüne, um in einer wohldurchdachten Rede der Gemeinde für da« bisherige Interesse an dem Werte zu danken und zu regem Eifer für die Zukunft auszufordern — Al«dann verla» derselbe die vom Rabbiner verfaßte Urkunde, die in den Grundstein hineingelegt wurde. — In der Urkunde ist ein ausführlicher Bericht über dir Gemeind«, deren Geschichte und Verhältnisse gegeben. Demnächst hielt der Repräsentanten-Borsitzende, Herr Marcus Kuttner, ein« Ansprache an die Versammlung »nd verla« dl« hebräische Uebersetzung der Urkunde, und darauf hielt der hiesige Rabbinat«-Afleffor, Herr J«rael Wittkowski, eine angemeffenr Ansprache an die Gemeind«, in der er lange al« Rabbiner gewirkt hatte. Hieraus fa,»d die Versenkung der Urkunde und die Grundsteinlegung statt. Den ersten Hammerschlag that der Rabbiner, den zweite» der Landrath de« Kreise«, Herr Feig«, den dritten der Vorsteher der Gemeind«. Mit einem inutschen, gletchfall« vom Rabbiner Kdichteten und von Herrn LewandowSkt componirten Thoral laß dt« Feier, di« in allen Thetlen eine überau« gelungene zu nennen war. Eine gesellige Zusantmenknnft veretnte al«- dann die Mitglieder der Genieinde und die Ehrengäste bi« in späte Abendstunde. — Ein desonderer Dank gebührt auch dem Königlichen Musikvirector Herrn LewanbowSki für die vortrefflich« Eomposttlon, die eine wesentlich« Verschönerung de« Festes ausmachr«. — Möge der Synagogendau so glücklichen Fortgang habe», wie sein Anfang verspricht I A»s be» Kreise Lützinghausen. vom Eultu-ininister ist jüngst ein« Entscheidung getroffen, die wegen ihrer prinzipielle» Bedeutung für weitere Kreis« von Interest« sein dürfte. Der Sachverhalt ist in kurzen Worten folgender: Sin Dissident schickte sein Kind in die jüdisch« Privatschule. Der Ort»- vorftanv reelamirt« jedoch daffelbr für die öffentliche Schule, »nd da se,nem verlangen nicht Folge geleistet wurde, verhängt« «an ein« Ordnuugrstrafe von 2 Thir., die bei fortdauernder Hartnäckigkeit erhöht werden sollte. Hiergegen protestirte der Vater in einer Eingabe an den Landralh, sowie an die Regierung, aber ob»« Erfolg. Letztere Instanz machte Eltenv, daß bei Errichtung der betreffende» Privatschul« die »ncejfion nur zur Aufnahme jüdischer Schüler gegeben sei, er mithin sein Kino unbedingt der katholischen Schule überweisen «üffe. Die über ihn verhängte Strafe niederzuschiage«, liege kein Grund vor. Gleichzeitig erhielt der Leiter der jüdischen Schule die Weisung, da« Klnd de« Dissidenten sofort zu «nilaffen. Jetzt wandte sich der Vater an den Eultnsmtnister, welcher die sofortige Rteverschiagung der Orv- »ungsftrase veranlaßt«. In der Motivirung wird treffend bemerkt, daß der Dissident seiner ihm von der Verfassung auferlegten Pflicht nachgekommen sei, indem er sein Kind in rin« Schul« schickte, die etn examinirter Lehrer leitet und in welcher nach Bericht der Aufsicht«behürden in allen vom Staate vorgeschriebenen Dt«ciplinen unterrichtet werde. Ob aber der Leiter jener Schul« zur Aufnahme de« Kinde« berechtigt war, da« zu prüfen lag dem Vater nicht ob. Wa« NUN'den zweiten Punkt der Beschwerde, die Srlaubniß, da« Kind fernerweit in dt« jüdisch« Privatschule schicken zu dürfe«, anlangt, so läge kein Grund zur Verweigerung derselben ssr-'da ja das Kind hier wie in der katholischen Schule keinen Religionsunterricht erhallen könne, dt« Grtheilung tzesselb«,i dem Vater aberlaffen bleiben müff«, in de« ander,. Dtsclpltnen aber in der Privatschule daffelb« geleistet würde, wie i» der öffentlichen Schule — Diese Angelegenheit, bin zweimal bi« zur höchste» Instanz verfolgt werden mußt«, txi j«d«r Punkt der Besch oerv: besonders entschieden wurde, nahm l»o zum ooUjtäit'iigtu Auskrag« stark zwei Jahre in Anspruch. Geldern, 18. Juni. Die Grundsteinlegung der Synagogc hat heule Morgen gegen 10 Uhr unter Vetheiligung der ganzen Gemeinde, sowie unter großem Andrange Veit Publikum« von »ah und fern statlgefuuden. Die Herren Bürgermeister Fischer und Geschichtsforscher F. Nettesheim waren al« Ehrengäste anwesend. Di« Festrede, gehalten öor, Herr» Lehrer Sohn, enwickelte in klaren Zügen und tiefergreifender Weise die hohe Bedeutung de« Ereignisse«, und hm die Rede allgemeinen Beifall gefunden. — Nachdem der erst« Vorsteher der Gemeinde, Herr D. Francken, eine von deni Gemeindelehrer nach angeführten Quellen entworfen« GeschichtSübersichl der Juden in Geldern von frühesten Zeiten bi« zum heutigen Tage verlesen und von den Anwesendeil hatte unterschreiben lassen, ivurde dieselbe nebst einem gedruckten Gemeinde-Statut und einer Anzahl murr ReichSmünzen versenkt, worauf dann der übliche Hamnlerschlag fiel. Ein erhebende« und dem Momente airgepaßte« Gebet für das Gedeihe» de« Baue«, sowie für da« Heil de« LandeSsürsten uni» de« Herrscherhause«, der hohen Behörden von Staat und Stadl und der israelitischen Gemeinde insbesondere schloß dei» feierlichen Akt. — Da» ganze Fest verlies in einer der Bedeutung würdigen Weis«. — Wünschen wir der ganzen Gemeinde eine gedeihliche Fortentwickelung und dem angefangenen Werke etn« baldige glücklich« Vollendung. (Geld. Zeit.) Oesterreich. Pest Ueber den kürzlich verstorbenen Anton Fach«, besten ebenso edle wie großartige, im Leben wie duxch lytzi« willige Verfügung bekundet« Wohlthätigkeit ihm »in höchst ehrenvolle« Andenken sichert (s. Nr. Sü), berichtet die Jßcjl. j. Z " folgende charakteristischen Züge, die wir unfern Lesern nicht vorenthalten dürfen. In seinem Nachlaste befinden sich auch sechs Oelgemäld«, welche «in und dieselbe Landschaft darstellen. Die Gemä>d! sind höchst zwetfelhasten Derthe«, ihr« Beschicht« ist ckber wieder eine Illustration der Nächstenliebe de« verstorbenen Der Maler dieser Bilder war ein au«gevient«r Honoevoffizier, der sich und sein« Familie durch die Anfenigung von Bilder» kümmerlich ernährte. Fach« hörte hiervon, bestellte bet de»r Maler eine Landschaft, und ließ dieselbe sodann, jedoch immer unter fremvem Namen, fünf Mal copiren. Auf diese Weise kam der arme Maler zu einem hübschen Sümmchen, abgesehen vavon, daß ihm die schmeichelhaften Bestellungen viel Freude bereiteten. Auf dieselbe Weise kam Fach« in den Besitz von viele» Exemplaren von Büchern und Broschüren, die in Pest verlegt wurden und deren Verfasser sich an beit Menschenfreund wegen Anempfehlung ihrer Werte gewandt. Anton Fach« war al« merkwürdiger Sonderling bekannt. Er halte beinahe eine Million, wirr unverheirakhel, hatte we - nig Umgang, und war gegen Jedermann verschlossen, lebte meisten« zurückgezogen und sehr karg. Man sollte glauben, daß ein solcher Rann niemals einen Kreuzer zu einem wohlrhätigen Zwecke geben würde; ja, öffentlich gab er selten eine«, Kreuzer, aber im Geheimen spendete er Tausende lütv Zehntausende. Bor fünf Jahren kam ein Geldbrief an die hwngi- Gemeind«, in welchem 48,000 fl. enthalten waren, mit der Bestimmung, davon ein jüdische« Knabrnwaisenhau« zu gründen. Di« Sendung war ein« anonyme; schon damal« ve<- muthete man, daß diese« Geld von Foch« komme, wa« er aber in mehreren Zeitungen dementirt«. Rach seinem Testamente stellte sich herau«, daß er wirklich der Srendrr grausen; er wünschte in demselben, daß man da« Watsenhau«hau» »ach dem Namen seiner Ettern nenne. Der veistorbene war Lteeprüfes i der Gemeinde, Präses der Waisencommisfion. S»

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