Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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Färbung umhängen möchte», gehört nun der Milah-Reniteut S dieser Elafl«, so vergingt cr, nachdem da« Kind bereit» ne» Platz in der Matrikel r.ach Angabe de« Namen» gesunde«, daß r» ihm gestattet sei, dem unbejchnittenen Kinde ven Name» im Tempel, wie d»e« bei neugeborenen Mädchen geschieht, bei der Thora geben zu lafien; der Rabbiner aber glaubt seinerseits diese» Ansuchen geradezu zurückweisen zu müssen, und zwar schon darum, weil er durch da» Eingehen auf diese» Modu» der Ramenerlheilung bei Knaben, die Nichlbeschneidung gewissermaßen sanclioniren würde. *) Man merke aber nur auf die wunderbaren Blasen, die die religiöse Strömung in der Jetztzeit mitunter auch in Israel aufwirft; derselbe Barer, der sich leichten Sinne» und ohne jedwede GewtffenSscrupel über da» GotteSgebot Miloh hiawegsetzt, glaubt der RamenSertheilung seilen» de» Ehasan» im Tempel für fein unbeschnittene» Kind nicht entrathen zu können. Ad vocem Beschneidung mag hier noch registrirt werden, daß in dem deutschen Dorsc P.z, nächst der Bahnstation M. dem dortigen christlichen Arzte ein männliche» Kind geboren «urd«, da» einige Tage nach der Geburt an Harnbeschwerden litt, in Folge deffen der Bater sich veranlaßt sah, da» Kind der Beschneidung more judaico unterziehen zu lassen, »odei er jedoch die löbliche Vorsicht gebrauchte mit der Operation, obwohl er selbst ein geschickter Chirurg, den jüdischen Lrzt und Mohel au« der benachbarten EultuSgemeinde H. zu betrauen, und war auch die Operation von den wohllhätigsten Folgen für die Gesundheit de« Kinde» begleitet. Freilich wird ein derarliger Fall nicht an die groß« Glocke gehängt, während etwaige nachtheilige Folgen der Beschneidung an» jüdischen Kreisen nicht rasch genug al« pikante Zcitung«- »otizrn verarbeitet werde», nicht ohne im Sinne der Ultrareform Capital darau« zu schlagen. Bon dem genialen jungen «tudiosuo juris H.FritzMaulh- «er au» Prag ging jüngst rin Drama „Anna" über die Bretter der deutschen Bühne Prag». Der junge Verfasser wird von der Kritik allgemein gelobt. Pcß, 2 Juni. In Angelegenheit de» israelitischen Lchuifond» hat der CultuSminister in der gestrigen Sitzung de» Lbgeordnetenhauje« seinen Berich: eingereichl. Derselbe gibt «ine Darlegung der Geschichte de» Fond» uird de» bi-her verfolgten Berfahren» bei der Gedahrung und Brrwendung derselben. Zum Schluffe erklärl der Minister, er halte auch jetzt an der Uederzeugung fest, daß die Errichtung de» projektirten Raddinersemtnar« je eher zu bewerkstelligen wäre, doch sei er well entfernt, gegen die andere Partei, welche der Errichtung einer solchen Anstalt mit allem Nachdrucke widerstrebt, unbillig oder gar ungerecht sein und derselben ihr unzweifelhafte« Recht, an dem Genüsse de« gemeinsamen Fond» theilzunehmen, verkümmern zu wollen. Di« J-raelüen seien nicht nur in »userem Baterlande, sondern auch in anderen Ländern durch schroffe Gegensätze »n zwei divergirend« Parteien geschieden, deren ein« dem gewaltigen Druck« der Eivilisation nachgrbt und der Idee de» Fortschritte» huldigt, ohne deshalb von dem, »ou iurru Vorjahren überkommenen Glauben abzuweichen, «ährend di« andere in jeder Neuerung, selbst wenn sich dieselbe nur auf ererbte alte Gepflogenheiten bezöge, «in die Religion selbst bedrohende» Attentat erblickt, trotzdem sie auch beim besten Willen die sammtlichen alten keremoniauiorschrtften selber nicht zu halten vermag. (?) E» find da» Gegensätze, welche sich ebenso wenig versöhne,» lassen, al» Fortschritt und Stagnation E« ist da« ein Kampf, welcher, eben well er in religiösen Anschauungen und üebrrzeuguugeu wurzelt, oder doch wenigften» mit solchen im Zusammenhänge steht und darau« seine meiste Nahrung schöpft, nur mll religiösen Mitteln auSgekämpfl werden, nicht aber durch Unterstützung der *) Daß dem Rabbiner höchst peinlich« Lonfitkt« erspart «erde», wmm r Mit ton »Matrikeln" nicht« zu schaffe» hat, ist klar. Dagegen ist bi« Znneathnng tor Ramenserrhi ilung, dem di« veschneiLnng heilig, haltenden Rabbiner ae^ntltor, «in« Infamie. Sir zwinge» Rieman», »«Gm na» ab« auch w* RMm» pninge» lassen. (Im.) eine» und Bergewallignng der anderen Partei beende« werde»! kann. Ein »wangSweise« Eingreifen wäre einerseits «ine lla< gerechtigkei: und könnte anvererjeil» da» bereit» bestehend« Nebel nur verschlimmern. Diese Uederzeugung hat da« Abgeordnetenhaus bei seinen Beschlüssen vom 18. März 187V und vom S1. März 1871 geleitet, welche auf de» Gebiete de» religionSgenoffenschaftltchen Leben» der Israeliten der freien Bewegung Raum gaben und dieselbe sicherten; der Minister hält seinerseits auch heule an den Grundsätzen fest, welche in diesen Beschlüsse« Ausdruck fanden. Bon diesem Gesichtspunkte ausgehend, wäre auch in Hinkunft al« leüende» Prinzip beizudehalten, daß jede israelitische Gemeinde, wie bisher so auch in Hinkunft da» Recht habe« solle, ihren Rabbi und chre Talmud-Thora- Lehrer frei zu wählen, ohne daß sie in dieser Hinsicht auf die im Rabbiner-Seminar gebildeten Rabbinat» - Kandidaten beschränkt wäre; gerade deshalb aber, weil diese» Recht der einen Partei zugestanden wird, kann und darf der anderen, welch« fachmäßig gebildete Rabbi» wünscht, die Möglichkeit nicht bemnnmen werden, Rabbiner und Talmud-Thora-Lrhrer zu bekonimen, welche in einem im Vaterland« bestehenden gut organisirten und aus der Basi» der der gesamiilteu Judenschast gemeinsamen mosaisch - rabbinischen Glaubenslehre stehenden Seminar gebildet sind. Nachdem nun aber vorläufig leider vorauszusehen ist, daß die Partei, welche sich die orthodox« nennt, da» zu errichtend« Radbinerseniinar weder zur Ausbildung von Eandidate« aus ihrer Mitte, noch auch zur Anstellung daselbst gebildeter Candidaten al» Rabbiner benützen werde; so erachtet e» der Minister überhaupt für motivirt und auch der Parität entsprechend, daß andererseit» bei Bertheilung jene» beträchtlichen Restes der Reuten aus dem israelitischen Schulsond, welche« da» Rabbinersrminar, die genleinsam benützte Lehrerblldung»- anstalt und da» Taubstummen- und Blindeninstitul nicht in Anspruch nehmen, insbesondere bei der Sudventionirung armer Volksschulen ausschließlich die'Schulen der orthodoxen Partei berücksichtigt werden «olle«, welch« »m Durchschnitt ohnehin ärmer und vernachlässigter sind, und daß sonach auch in dieser Richtung der in der allerhöchsten Entschließung vom 29. März 1856 au-gebrückten Absicht de» Gründer» entsprochen werde, welche verlangt, daß die Einkünfte de» Fond«» einzig nnd allein mit Rücksicht ans di« obwaltend« RothwendigkeU vertheilt werden sollen. Selbstverständlich müßte dies« Sudventionirung armer Volksschulen der orthodoxen Partei auf solche Bolkeschule beschränkt werden, welch« den Anforderungen de» G.-A. XXXVlll 1868 entsprechen, beziehungsweise müßte di« Bedingung gestellt werden, daß die suboenlionir:en Schulen mit Hilfe der Subvention zu Anstalten umgrwandelt werden, welche eben dem genannten Gesetz entsprechen." Da» vorstehende Resumä der ministeriellen Denkschrift ist dem „P. Bl." entnommet. Der uubefaitgene Leser wird wohl von vornherein mit dem Kerne der Ausführung, dem vorgeschlagenen Modu» der Bertheilung, einoerftandea sein. Daß bi« Organe der beiden ungarisch-jüdischen Parteien nicht damit zusrieden sind, daß beide meinen, e» sei der Gegenpartei mehr bewilligt, al» ihr zukomme, überrascht un» auch nicht; da» liegt einmal in der menschliche» Natur. Gefordert hätte» beide wohl nicht mehr, aber daß chneu nun gleich soviel geboten wird, wie sie gefordert haben würben, da» — thut weh. (Bekannte» jüd. Sprüchwortl) Wir können di« Summen nicht gegeneinander adwägen, e» würde ein nähere« Eingehen darauf unsre Leser auch nicht interessiren. Aber wir sehen voran», daß der Minister mit dieser Denkschrift nicht durchdringen wird, sie bietet zuviel Handhaben, um sie zu bekämpfen. Sie ist parteiisch gehalten. Wir haben oben nur zu einem Satz« rin Fragezeichen gemacht, dieser charakterisirt aber da» Ganze. Der Minister hat sich viel zu sehr auf jüdische Theologie eingelassen. Recht, Unrecht, Stillstand, Fortschritt ». s. w. geprüft — da» gehl ihn al» Minister aber gar nicht» an. Man sieht, daß er von der