Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935028-5935792--2209-5371719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Malbim 2× ep/1002711
OCR text
-- 114 ge« die Mischen Freiwillige» mit „Judenbeugel, feige Ratio« re. rc." um sich zu werfen." tbü Eisenach. Die Besoldung de« Landrabbiner» wird aut der Kaffe des CultusdcpartementS gezahlt, jedoch wird eia Dheil dieser Besoldung durch Beiträge der jüdische» Gemeinden aufgebracht. Wie aus einer eben veröffentlichten Mi»>fteriald«kanut«achuug ersichtlich, wirst das Eolmsveparle- «ent auf Grund der von der israelitischen Aufsichtsbehörde eingerrichtcn Verzeichnisse für jeden Bezirk di« Beiträge, welche die Gemeinde» und Privaten zu entrichte» habe», auS. (Magd. Zeit.) Wie». (Israelitische» Mädchen-WaisenhauS.) Am 14. d. M. Vormittags eröffnet« der „Verein zur Versorgung hilssbedürstiger israelitischer Waisen" in feierlicher Weise daS von ihni im ehemaligen JSrapliten-Spitale errichtete Mädchen-Waisenhaus. Alls signier Kraft hat:« er diese» Act nicht vollziehen Annen, da seine, namentlich seit den finanziellen Katastrophen M» Vorjahres weit spärlicher fließenden Einnahmen ganz von den Ansgaben für die Unterstützung und Erziehung von nicht weniger als ISO Pflegebefohlenen Waise« absorbirt werden. Die Munificenz zweier dem Vorstand« angehörenden Männer, der Brüder Wilhelm und David Gutmann, kam chm jedoch rechtzeitig zu Hilf«, um den alten Bau, der seil der Eröffnung des Rothschild-Spitalnicht mehr al» Krankenhaus benutzt wird, nach jeder wünschenswerthrn Richtung hin fast ganz als Re «bau zu gestalte» und mit allen für die Verpflegung und Erziehung von 40 Waisenmädchen nöthige» Behelfen zu versehen. Die Adaptirungskosten beliefen sich auf 36,000 fl. BemerkenSwerth erscheint, daß die wohlthätige Aktion der Neuzeit auf althistorischem Boden geübt wird, denn schon vor Jahrhunderten wurde der Raum, auf dem jetzt da» Hau« und der dazugehörige groß« Garten sich befinden, als Acht für Hilflose und al« israelitischer Begräbnißplatz benützt; so oft die Juden ans Oesterreich verwiesen wurden, erkauften sie mit chrein schweren Geld« die Znsicherung, daß die Ruhe chrrr Tasten nicht gestört werden soll«. Deingrmäß ist auch der Friedhof bis auf den heutigeü Tag erhalte» geblieben. Die israelitisch« EultuSgemeinde ist somit, indem sie ihr altes Krankenhaus den Zwecken des Waisen-Bersorgungs- Vereine» widmete, um eine unter den besten Auspirien begründete und darum vielversprechende WohlthätigkeitS-Anstalt reicher geworden. Der Begründer des „Waisenvereint" ist der sehr rühmens- «erthe. nm die österr. Kinderwelr auch durch die Gründung der ersten Kinderbewahranftalt o-rdiente Jos. v. Wertheimer. Derselbe hielt di« Einweihungsrede, in der er hervorhob, daß von dem im Jahre 18S0 gegründete» Verein« bereit« über lausend Kinder unterstützt wurde» und derzeit!S0 Waisenkinder ein« solche Unterstützung genießen. Redner sagte sowohl den beiden anwesenden edlen Spender», al» auch dem EultnsvorstanS« uüd dem Daüten-Schützkomit« der Anstalt Dank. Bon der Leiters» der Anstalt wurden nun die ganz gleich gekleideten Wais.nmädcheii in den Saal geführt, und eines derselben trug «in von Dr Kompert verfaßtes, sehr ansprechendes Äelegenheüsgedicht vor*). Es folgt« dann eine religiös« FeUr, vollzogen von den beide» Predigern der Gemeind« und dem Obercantor Salzer. — Der Vorstand der Ehewra kadischa, bestehend aus den HH. 0r. I. v. Hoffmannsthal, Hieldburghäuffer, S. Simon, M. Biach und L. Wertheimer (unter Eooplation der HH. Lich tenstadt, Singer, Glücksman» »nd de« Rabb. Dr. Güdemanu) bot sich zu einem Vereine für Begründung einer jüdiichen Bottttüche in der Leopoldstadt constituirt. Ungefähr 7000 fl. find bereit» als Betriebskapital gezeichnet. Die Eröffnung der Küche wird im August erfolge». Pest. Eine Roriz in, „Hamagid" giebt folgende, wie dort angegeben wird, amtlichen Quellen entnommene, wirtlich *1 Sir Mag» das »wicht i« nächst«, „graUUm".. frappante Zahlen über die jüdische Bevölkerung der Stadt Pest (ohne Ofeu, wo bekanntlich von altersher eine große Mische Gemeinde bestanden hat.) Im Jahre 1781: zwei (wohl Familien); 1786: SS Personen; 1787: 94; 1788: 600; 1835 über 6000; 1848: 10,000; 1851: 12,000; 1870 über 40,000, jetzt wohl an 50,000 jüdische Einwohner. Lsnban. „Iew Chron" berichtet: Trübner u Comp, veröffentlichen so eben mehrere inlereffante Werte, deren Titel schon die Aufmerksamkeit der Freunde der hebräischen und orientalischen Literatur erregen werden. Da» eine Werk heißt: „Fragmente einer samaritanischen Targum, enthaltend Theil« deS dritten und vierten Buche- Moses, auS einem Bodleiant» scheu Manuskript, mit einer Einleitung von I. W. Rutt, Unterbibliothekar an der Bodleiana." DaS zweite Wort bezieht sich auf die Verba, ist von Ehajug verfaßt, ins Hebräische übersetzt, mit einer Abhandlung über Punklation. Das dritte Wrk ist „Jbn Esra's Commentar zum Hohenlied«" mit englischer Uebersetzung von H. I. Matthews. Petersburg. Der Verein für Verbreitung der Aufklärung unter den Juden kündigt die von ihm zu bewerkstelligende Herausgabe einer russischen Bibelübersetzung an. Zunächst erscheint der Pentateuch. — Deni „Hamagid" wird berichtet, daß der Rabbiner M. L. Malbim in Mohilew (früher in Kempen und Bukarest) auS Rußland ausgewiesen ist, weil er, nach Art eines neuerdings Vielgenannten in Deutschland, Anlaß gegeben hat, daß. Männer und Frauen bei ihni Wunderhülfe suchten. In Ruß« land liebt man kurzen Prozeß, und Malbim ist rin Ausländer. Jerusalem „Iew. Ehr." meldet gerüchtweise, daß Dr. London, Chefarzt am Rothschild'schen Hospital, demnächst seiüt Stellung aufgeben und nach Europa znrückkehren «olle. — Ztbei notable englische JSraeliten, welche Palästina bereist haben, berichten dem Blatte, daß 52 jüdische Knaben, 49 polnische, und 3 portugiesische, eine englisch-preußische Missionsschule besuchen. Feuilleton. jüdische» an» A»r-r-chchs 8m Dr. S. v. (Fortsetzung und Schluß.) Wieviel des Wahren die letztere Bemerkung i« Mund« eines Christen hat, wild Icker leicht erkennen. Auch Lesstntz hat zur Verkörperung seine» Humanität-ideales eine« Jtckeü gewählt, weil eben da» Judenthum, rein gefaßt, am wenigste» vom dogmatischen Parsicularismu» beengt und am tiefste» von echt sittlicher Humanität durchdrungen ist, so daß es, mtt Vfl» düng verschwistert, seinen Anhänger nach außen hi» nicht s» sehr als Juden, denn al» Mensche», al» „Richtchristen" erscheinen läßt. — Und Offenheimer ist bei weitem nicht — cta* sowenig wie „Nathan" — ein indifferenter Jude. Hatte er sich doch ganz von der einzigen Schwester zurückgezogen, Mil fl« zum Christenthum übergetreten war. Er hatte verlatrgt, baß sie in ihrem angestammten Glauben bleibe «nd sich nur bürgerlich trauen lasse. Sie aber war ihrem Manne — einem Offizier — zu lieb katholisch geworden. (I, 27S) — Rur al» ihr Mann im Kriege gefallen war, eilte der Bruder, die vereinsamte Schwester auszusuchen und zu trösten. — Was nun diese Schwester selbst betrifft, die von Auerbach mit besonderer Liebe und Sorgsälügkett gezeichnete Auuett«, so bildet sie ei» besonder» belebende« und anregendes Element in dem Familienkreis« Waldsried«, dem sie als Freundin einer seiner Töchter angehört. Voll Witz uud Geist u»d zngleich von immer mehr sich offenbarender Tiefe des Gemüthe», kam Annette als Typst« der so zahlreichen jüdischen MM gelte».