Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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brr rWf Helfer der Armen, der hochherzige Mären der Künste unv Wissenschaften, knr berühmte Neuerer auf dem Gebiete - der systematische» Bodeubcwirlhschaflung, der glühende Patriot «nd vielgeliebte Bürger — er schied mit unvermntheter Plötzlichkeit dahin Nicht ist die Trauer um ihn ans die Familie beschränkt, nicht auf Padua allein, welche» eine so ausgezeichnete Persönlichkeit an» der Nähe bewundern gelernt hatte. An derartigen Todesfällen nehmen nothwrndigerweise alle Wohlthätrr der Menschheit auf der eine», nnd die unzählbare Schaar der mit Wohlthaten Ueberhänsten ans der anderen Seite gerechten Antheil. Ei» Glück für die Hinterbliebenen, daß die gütige Natur, um die harmvolle Herbheit so grausamer Schicksaltschläge zu mildern, dafür sorgt, daß die edlen Sprößlinae berühmter Dahingeschiedener, mit den herrlichen Eigeniebaste» ihrer Vorgänger ausgerüstet, heranwachsen, und al» Glück wolle» auch wir et betrachten, daß der lies betrauerte Graf Michel Eorinalbi un» zum Tröste einen ausgezeichneten Sohn zurückläßt, begabt mit sellenein Eharakter und erleuchtetem Geiste, nnd eifrig bestrebt, auf seiner Ledenslausbahn in dir Fußtapsen de» berühmten Vater« zu treten." lieber das Leben de» verstorbenen Grafen M. C. veröffentlicht „Educ. i»r." aus einem Privatbriefe folgende Details: M. C. wurde im Jahre 1812 geboren und stanimte aus einer nur mäßig begüterten Fainilie. Er studirte auf der Univerfitär zu Pisa, seiner Balersiadt, ward Baccalaureus, konnte es aber nicht zum Advoeaten bringen, weil er ein Jude war. Er vermählte sich in Padua mit l enedetta Tre es de'Bonsili tm Jahre 1839 und blieb daselbst bis zum Jahre 1859. Wegen seiner italienisch-patriotischen Gesinnungen, denen er unverhohlen Ausdruck gab, wurde er damals der östreichischen Polizei verdächtig und mußte, nachdem er eine strenge Untersuchung durchgemacht hatte, Padua verlassen. Er begab sich zuerst, wie ich glaube, nach Florenz und dann auf jeden Fall nach Turin. Hier unterstützte er angelegentlichst die politischen Emigranten und zeigte sich auch imnier als Förderer der schönen Künste, indeni er in hochherziger Weise große Summen auf den Ankauf von Gemälden verwendete. Er wurde zum Ritter ernannt, hierauf zum Offizier, dann zum Commandeur und Grafen. In Folge der kostspieligen Erwerbung eines Gemälde». welches er einer Akademie der schönen Künste — ich glaube, der Turiner — schenk! e, erhielt er einen Brief mit der eigenhändigen Unterschrift de» König» Victor Emanuel nebst einer goldenen Medaille, aus deren Vorderseite das Md des König» sich befand, auf der Rückseite die Aufschrift: „Al conte Michele Corinaldi protetlore stelle arti belle“. Er war ein Mann von vielem Scharfsinn, von rührigem und lebhaftem Geiste und warmem Herzen. Mit vielen literarischen Rotabilltäten , taliens stand er in Correspondenz. und selbst mit dichterischem Talent begabt, veröffentlichte er einen Band Gedichte, der in der ersten (ich weiß nicht, ob auch in der zweite«) Ausgabe unter dem Pseudonym Ercole Michelandi erschien. Er erhielt auch da» Äroßkreuz des Orden» von San Marino und war Ritter eine» Tunesischen Ordens. Der Tod. der bereit» mit starken Schritten sich ihm näherte, da er von einem schweren Rückenmark-leiden befallen wurde, ward durch eiven Schlaganfall beschleunigt, der seinen Leiden rasch ein Ende machte. Er hinterläßt einen Sohn von ebensoviel GesinnungSadel, al» Geist und Bildung. R>». Einige neue italienische Gemeinden haben sich Rabbiner ausgenommen, so Moncalvo und Mzza (Monferrato). Ein Sehnliches steht binnen Kurzem in Correggio und einigen andern Orten zu erwarten. Auch in Rom denkt man nunmehr ernstlich an eine Reorganisation der jüd. Gemeinde. An gutem Willen fehlt e» nicht, wohl aber an dem ersten Anstoß; doch wir dürfen mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß, sowie dieser einmal gegeben ist, der gegenwärtige Zustand der Dinge in Rom, der, gelinde gesagt, nichts Anziehendes hat, bald besseren Berhältniffen Platz machen wird. (Nnitt. Der vor Kurzem dahingeschiedene Salomo» 1 Levi, ein edler und stets wohlthätiger Rann, hat seine irdische Laufbahn mit glänzenden AohlthätigkeitSacten abgeschlossen. Er vermachte 1000 Fr. jährlich der Jsraeliten-Gemeind« in Eoragna zum Zwecke der Aufnahme eine» Rabbiner», 500 si. jährlich dem Hospital und 600 Fr. jährlich den Armen non Eoragna. Kant». Bei Gelegenheit einer größeren Arbeitseinstellung erfuhren di« hiesigen Juden nur allzusehr die Uebelstände, welche einen Bolksauflauf zu begleiten pflegen. Den Häusern de» Ghetto drohte förmlich Plünderung und Raub. Nur die bewundernSwerthe Energie der Polizei und de» Militär» r«rmochte da» gefürchtete Unheil hintanzuhalten. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 14. Juni. (Or.-Corr.) Der in den Kreise» der Kenner der jüvischen Literatur, besonder» als Mathemabker und Schriftsteller über jüdische» Kalenderwesen sehr wohlbekannte CH. Tel. SlonimSty, bisher Lehrer an der Rabbinerschule in Sitomir, ist, nachdem diese aufgehoben worden, hierher übergesiebelr, und kündigt ein neue» hebräische» Wochenblatt CrrVBXH) an, welche» vom 1. Juli ab hier erscheinen soll. E» soll, nach Art de» Hamagid. sowohl Zeitungsnachrichten wie literarische Aufsätze, auch Holzschnitte, wo »öthig, bringen. Die Klage über die Gleichgültigkeit des Publikum» gegen jüdische Literatur und über Vernachlässigung der hebräischen Sprache — welche übrigen» schon sehr alt und dersits von Poeten de» Mittelalter» au»g:sprochen worden ist — sollte eigentlich als grundlo» erscheinen, wenn man sieht, wie stet» neue Zeitschriften in hebräischer Sprache auftreten So in diejeul Jahre drei: 0r Thora och Kohn-Zedek; die Fortsetzung der Stern'schen Koclibe Jizchak durch M Weibmonel, und nun da» SlonimSky'jche Blatt. (Nähere Besprechung der beiden ersteren im nächste» Literatur-Blatt. Red.) Magdeburg Die Gemeinden werden gegenwärtig in zwiefacher Weise durch Sammlungen für Palästina in Anspruch genomine», einmal für Diejenig-n, die durch die Theuerung der Lebensmittel zu leiden hatten, und dann für di« vom Ministerium genehmigte Hau»c>>llecte behus» Errichtung jüdischer Waisenhäuser daselbst. Da Elftere» eine vorübergehende — nnd wie wir von Glaubwürdigen erfahren, bereits vorübergegangene — Calamüät betrifft, durch Letztere» aber dauernde Abhilfe geschasst werden soll, so wurde sich vielleicht, um die Gemrinden in dieser geschäft-stillen Zeit nicht doppelt zu belästigen, empfehlt n. di« eingegangenen Beträge zur Hälfte für die momentane Rol h, und zur Hälfte für de zu errichtend n Waisenhäuser zu bestimmen; e» kommt ja Beide» den „R o t h leidenden" in Palästina zu Gute. Breslau. Der Berliner „Bolk-zeitung" vom 2. Juni wird von hier berichtet: „De: Einjährig-Freiwillige Mandowsky von der 10. Compognie, 2. Schief. Grenadier-Regiment», hat sich vor circa 8 Tagen bei den tzxercierüdungen nicht aufmerksam genug gezeigt, da er die Nacht vorder bei einem chm verwandten Kranken gewrcht hatte. Sein Vorgesetzter, der Hanptmann v. Benlivegni, darob oerniuthlick, in Zorn geralhen, fuhr seinen Untergebenen mit den Worten an: „Sie verdammter Jndenbengel, Sie kriegen Arrest!" Ist letztere Strafe, nachdem dem Herrn Hanptmann die Thalsache vorgestellt worden, daß der Freiwillige wirtlich bei seinem alten vom Schlage getroffenen Großvater die Rach« zngebracht halte, und deshalb nicht ganz aufmerksam sein konnte, — auch nicht zur Vollstreckung getummen, so verdient da« Gebahren de- Herrn Hauptmaun umsomehr öffentlich gerügt zu werden, al» er es sich zur Sewichnheit gemacht hat, ge-