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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 26. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 26.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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mehr da«, wa« sie vor Jahrzehnten gewesen, als sie Knaben bi« zur Quarta de« hies. Gymnasium« vorbereitete und ihnen -»gleich, und nicht nebenher, tüchtige Kenntniß im Hebräischen, in Bibel und Mischnab, ja selbst die Anfangsgründe de« Talmud deibrachte, so liegt da« in den Zeitverhältniffen, in manchen Umständen, aber nicht an Herrn Lcseritz. Tie wohlerworbene Liebe und Hochachtung kam daher auch am festlichen Tage nicht nur von Setten der Gemeinde, naher und ferner atter und jüngerer Schüler des Jubilar«, sondern auch i« wetteren Kreisen zum Ausdruck. Eine Auszählung von Angebinden und Ovationen Seitens Privater gehört nicht vor die Oefsentlichkeit. erwä hnt kann jedoch werden, daß am frühen Margen der Bürgermeister die Gratulation des Magistrat« und der Stadtverordneten überbrachte, und von Seiten des regierenden Fürsten eine silberne Verdienstmedaille nebst Eabi- «etsschreiben überreicht wurde. Dies geschah mit passender Ansprache durch den Curator der Stiftung, Herrn Procurator Spanier-Herford. Der an der Schule wirkende christliche Lehrer fand sich mit Schülerinnen ein. und diese trugen einen Gesang vor, während Mittags, nach der Schulzeit, die Lehrer der städtischen Schulen ihre Glückwünsche abstatteten. Möge dem Jubilar eine noch lange rüstige Wirksamkeit beschieden sein! Ls» Neckar. Ter „Schwäbische Merkur" bringt von hier folgenden Artikel: „In der ersten Iuniwoch« wurde sett vielen Jahren wieder eine zwette Dicnstprüfung württ. Rabbinatscandidaten in Stuttgart durch die Ä. israelitische Oberkirchendehbrde vorgenommen. Welcher Umschwung ist seit der ersten staatlichen Besetzung der Rabbinate Anfangs der 30er Jahre in den socialen Zuständen der Israeliten Württembergs vor sich gegangen! Ursprünglich waren es 13 Rabbinate, später wurde das Rabbinal Berlichingen ausgehoben; alle waren mit landesangehörigen Rabbinen besetzt. Aus Mangel an inländischen (Kandidaten wurden aber in den letzten zwei Jahrzehnten sieben Ausländer alsPiabbinen berufen. Ob aber 12 Rabbinen im Lande noch nothig sind, mögen folgende Zahlen beleuchten. Stuttgart zählte bei der ersten Besetzung des Rabbinats 110, jetzt gegen 2000 Israeliten. In Hellbraun wohnten bei der ersten Besetzung des Radbinats Lehrensteinsseld, besten Rabdinatssitz nachßÄeilbronn verlegt wurde, keine, jetzt 610 Israeliten; dagegen find die acht eingepsarrten Gemeinden von Israeliten fast ganz entvölkert; ne zählten früher 1050, jetzt noch 750 Israeliten. Jebenhausen zählte 440 isr. Einwohner, Göppingen gar keinen; jetzt zählt Jebenhausen 121, Göppingen 194, zus. 315. Ini Jahre 1776 erthellte Herr v. Liebenstein den ersten Israeliten den Schutz und das Wohnrecht; bis das Jahrhundert abgelaufen, werden nur wenige mehr dort wohnen. Laupheim zählte 584 und Ulm 12; jetzt ersteres 732, letzteres 555, zus. 1287 Israeliten. Das Rabbinat Oberdorf zähtte früher 1096 Rabbinatsangehörige, jetzt 800, darunter aber Ellwangen, wo früher 6 und jetzt 62 Israeliten wohnen. Das Rabbinat Freudenthal zählte mit Filialen 687; jetzt nur 315, darunter Aldingen, wo die Synagoge geschlossen ist, well nur noch eine einzige israelitische dort wohnt. Diese Statistik beschrärckt sich aus fünf Rabbinatsbezirte, bei den übrige» 7 werden die Zahler» eben so überraschende Ergebniste liefern. Als Resumä dürste der Vorschlag begrüillret fein, daß 12 Rabbinatsbezirke für Württemberg zu viel sind, und daß bei den veränderten Verkehrsmitteln, wie Eisenbahnen und Telegraphen, vier bis sechs Rabbinatsbezirke in den vier Regiernngstreisen vollständig genügten, dadurch könnten auch die fungirenden Rabbinen finanziell bester gestellt werden. Die Zahlen sind aus Staatshandbüchern von 1832 und 1873 geschöpft; die neueste Zä lung würde noch eclatantere Resultate liefern." Stnttgirt. Es dürfte viele Leser dieses Blatte« interessiren. Rädere« über die zweite Dienstprüfung, welche jüngst mit 2 Rabbinatscandidate». die beide schon als Rabbinerstellvertreter fungirt.. und die erste Staatsprüfung au der UuiveisitLt Tübingen bestanden hoben, vorgenommen wurde, zu erfahren. S« wurde« folgeude Prüfungsthesea ausgestellt,- Exegese: ») schriftlich: Irrem, c. 10, oergl. mir Jes. 44, d) mündlich: Psalm 65. Einleitung in da« alte Te> stament: a) schriftlich: 1) Wie verhält sich die Art und der Geist der Weissagung des Jesajah zu der des Jerein.? 2) I» wie iveit MoseS die Autorschaft de« Pentateuch zugeschriebe, werden kan», d) mündlich: Wrnn wurde der Kanon abgeschloffen und über die späteren Bücher und Schriftei» des alten Testaments. Dogmatik und Dogmengeschichte, a) schriftlich: 1) Enthält das im Talmuud aufbewahrt« mündliche Gesetz nur di« Erklärung des schriftliche« oder auch Erweiterungen und Modifikationen desselben? 2) Ist der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele biblisch, und welche Epoche» hat dieses Dogma im Indenthnm bi» auf vie neueste Zeit? b) mündlich: lieber da« Dogma der Unkörperlichkeit Gottes bei Maimuni und seinen Gegnern; über da« Berhältniß der Dogmen de« Maimuni zu denen des Aldo und über die Frage, ob eS im Indenthnm Dogmen gab. Pädagogik und Didaktik. 1) Läßt sich die Unterscheidung zwischen Geistes- und Gemüihsbildung sachlich begründen, und worauf ist im Religionsunterricht das Augenmerk zu richten? 2) Ist da« Bestreben mancher Pädagogen der Reuzeit, de« Unterricht in der biblischen Geschichte au« den unterste» Klaffen zu entfernen, von pädagogisch-didaktischem Gesichtspunkt gerechtfertigt? Talmud: a) »christlich: Traktat Jebamoth, fol 43b fr. bis zu Mischna. b) mündlich: Traktat Megillah, fol. 25 b fr. Ri tnalgesetze: schriftlich: 12 Schaaloth. Diverse praktische Ausgaben. Homiletik: Text: Ps. 18,24. Katechetik: Text: Pi 50, 23. O«-erret«h. r Prag, I I. Juni. (Or -Eorr) Die Saison mort« beginnt in Prag »vegen der Rabe der berühmten Eurorte früher als anderwärts, alles geht seinen ruhigen Gang, selbst die hier so häufig vorkommenden Bereinssitzungen pausiren; für Eorrespoildenzen eine wenig ergiebige Zeit. Zum Glücke bin ich mit meine» Berichten im Rückstand,, kann jetzt also das Versäumte nachholen Die langersehnte Eröffnung der großen isr. Gemeindebil liolhek erfolgte endlich iin Monate Mürz c., der reiche Bücherschatz ist nun der allgemeine» Benutzung freigegrden und steht da als eine Zierde der Geiueinde. Welche Bedeutung die freie Benutzung einer so reichhaltigen Büchersammlung für eine jüd. Gemeinde hat, braucht hier nicht eines Weitern MiSeinandergesetzt zu iverven. schon die Thatsache allein, daß in ihr sich auch ein Ort für die Tora, für Jedermann zugänglich, findet, stempelt sie zur „hell. Gemeinde". Besreurdenv ist es daher, daß keiner der Herren, welch« das Wort GotteS zu lehren berufen sind, in ihren religiöse« Borträgen aus die Eröffnung der Bibliothek, dieses echk-jüd. GrmeindeinstitirteS, zu sprechen kam. Ich wäre der Meinung, daß gerade in umerer Zeit, wo die Tora, wie der altklassische Ausdruck lauter: in einem Winkel liegt, nach jeder Gelegenheit mit beiden Händen zu greise» ist, sie auS dem Winkel hervorzuholen; die Eröffnung einer so bedeutenden hebr. Bibliothek ist wahrlich eine jüd. Thal, und verdient es, zum Gegenstand« eines Kanzelvortrages gemacht z» werden. Der »Besuch den Bibliothek ist ein ziemlicher, und läß sich, wie es sich bisher gezeigt, eine immermehr sich steigernde Theilnahme erwarten Der Bücherschatz wird aber auch vermehrt iverden, da zur Anschaffung neu erschienener Werke jährlich eine gewisse Summe verwendet wird, welche uoch durch eine zu diesem Zwecke gemachte Stiftung vermehrt wurde. Besondere Sorgfalt zur gedeihlichen Entwickelung der Bibliothek wendet Herr G. Feigl in seiner Eigenschaft als Obmann der BibliothekScommission an. Die Bibliothekarstell« hat Herr vr. R. Grün übernommen. Italien. Padue. Der „Gazetta di Venezia" wird von hier geschrieben: „Am 30. März traf ein schwerer, herber Verlust nicht nur unsere Gemeind« und Stadt, sondern unser gaiqes Vaterland. Der Eommaudeur Graf Michel vr. Eorinatdi,

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