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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 25. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 25.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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a»ch Die ventajdttn jüd. Dorfbewohner au« der Umgegend beisteuern must len, erhalten konnten, nunmehr in Verfall gerathcn, wenn jene nur ihren Parteistrcit siegreich durchführen, ihr Mülhchen kühlen. Da« sind Pyrrhus-Siege, die dem kann» anfblühende» jüd. Genuinwescn den Untergang bereite» Ohne festen Etat, kein« fest angeftellten Beamten, kein fester Eontract, kein Neubau, ja vielleicht nicht einnial die nothwendigstr Reparatur; denn welcher Vorstand wird irgend eine «eitergehend« Antgobe machen können, wenn er nickt bestimmt darauf rechnen darf, sie im nächsten Jahre decken zu können. Der feste Boden fehlt, die Grundsäule ist erschüttert, da« Gebäude wankt. Einsturz befürchten wir vor der Hand nicht, aber »a« unbehagliche Gefühl der Unsicherheit beschleicht unsere mittleren und kleineren Gemeinden. Unter diesen gehört die zu Rybnik in jeder Beziehung zu den strebsamsten, im Aufblühen begriffenen. Der zeitige Borftind zeigt ein rege« Streben, die Gemeinde-Institute zu verdeffern und zu verschönern. Nachdem es ihm erst jüngst gelungen, den jüdischen Begräbnißplatz durch Ankauf de« nedenliegenden Areal« zu vergrößern und mit einer festen Mauer z« uvigrbe», ist er gegenwärtig damit beschäftigt, den Ein- 8ang zum hochgelegenen Tempel durch eine Terrasse zu verhönern. (Die Rosten sollen durch eine Verloosung gedeckt w«rd«n) Die Gemeinbeschule geht einer völligen Reorganisation entgegen. E« ist znm 1. Oktober ein neuer Dirigent engagirt, der die Verpflichtung üdernoinmen, die Schüler bi« zur Quarta de« Gymnasiums vorzubereiten, daniit die Rinder nicht allzufrüh genöthigt stnb, da« Elternhaus zn verlaffen, um eine der höheren Schulen zn besuchen. Dem Dirigenten ist vom Vorstände ein JahreSgehalt von 1000 Thlr. garantirt, wofür derselbe allerdings einen Hilfslehrer zu unterhalten hat. Wie beim Fonfall der Beitragspflicht der Vorstand später seinen Verpflichluirgen wird Nachkommen können, ist eine offene Frage, die un» Herr LaSker beantworten mag. Man begreift nicht, wie dieser sonst so praktisch denkende und den gegebene» Verhältnissen sonst Rechnung tragend« Abgeordnete sich in dieser jüdischen Genieindefrage auf den rein theoretischen Standpunkt stellt, und noch weniger begreiflich ist er, wie ein Mann des „Recht-", der für uns die Parität erstreben will, daß auch seine Glaubensgenoffen der Wohlthat de« Gesetze« von, Austritt au« der Rirche theilhaskig werden sollen, den andern Theil der Parität, daß der Staat auch für Erhaltung unserer Geistlichen und Lehrer mit keinem Sterbenswörtchen berührt. Denn daß die nächste Consrquenz diese« Gesetze«, wie «in Orthodoxer, dem ich meine vesorgniß äußerte, mir beschwichtigend einreden wollte, die sein würde, daß der Staat die Au-gaben für den jüdischen Eultn« auf seinen Etat »erd« nehmen nlüffen, ist denn doch reine Flunkerei. So weit halten wir in Preußen noch lange nicht; da lautet die Devise für die Inden: „Laßt die Hoffnung draußen!" (Liehe den „Leitartikel." Red.) — Daß man unter solche» Umständen in Gemeinden wie S oh rau und Tarnowitz nicht daran denkt, die erledigte» Rabbinattsttze wieder zu besetzen, ist ja zu begreifen, wenn auch nicht ganz zu rechtfertigen; denn je mehr wir auf Selbsthilfe angewiesen sind, desto mehr sind die Leiter eine« Gemeinwesen« angewiesen, Alle« zu thun, um da« Gemeindeband zu festigen und die Gemeinde-Institute so zu leiten, daß die Nothwendigkeil ihre« Bestände« eine innere Nöthigung auf die Gemeindemiiglieder ausübe. Dem hiesigen Rabbiner ist auf seine Eingabe au da« Ministerium in Betreff seiner Ausnahme in die städtisch« Schuldeputation die nachstehend« Antwort zugegangen. „Berlin, IS. Mai 1474. Auf die Eingabe vom 17. Februar cr. gereicht Ihnen zu« Bescheid«, daß ich keine Leranlnffung finde, in der gegtgenwärllgen Zusammensetzung der städtischen Echnldeputation t» Rattoasitz eine Lenoeruag noch Ihre« Anträge herbeizuführea. Dieselbe entspricht de» maßgebenden Bestimmnngen der Rr. S der Verordnnng der Röniglichen Regierung in Oppeln vom >8. Juli 1812. Durch Ihr« Aufnahme in die Deputation würde e« bei der dann vorhand ne» Anzahl von 8 technischen Mitgliedern bedingt sein, der allegirten Vorschrift gemäß auch die Zahl der Mitglieder an« dem Magistrale und den Stadtverordneten ebenfall« um je 8üi<* zu verstärken, und e« würde somit der Personalbestand der Deputation di« an die Grenz« gelangt sein, welche im Sinie der Verordnung nur für die großen Städte maßgebend ist, während Rattowitz zu den viittleren Städt-n gehört, der» Deputationen der Regel nach sich au« je :l Mitgliedern der genannten städtische» Eollegien und eben so viel technisch» Mitgliedern zusammen zu setzen haben. Der Minister der geistlichen u s. w. Falk." O-sterreich. 0. An« Ungarn, 22.Mai. (Or.-Eorr.) (Die christlichen Bibelübersetzungen.) Es werde» oft literarisch« Erscheinungen ungerechter Weise ignorirl, die dann in einer später» Zeit zu Ehren gelangen. Ein solche- Geschick traf auch das geistreiche anonyme Werk, da- 1871 in Pest l»ei G. Hechenast unter dem sonderbaren Titel: „Die Gottr«- mörder" erschienen ist.*) Der geistreiche Verfasser, der sich „einen Gläubigen" nennt, weist historisch nach, daß di« Priester aller christlichen Eonfessionen, ohne Unterschied, daS Ehristenlhum, d. h. wie der Vers, sagt, die reine Lehre Jesu getödtel und gemordet, und daß selbst di« Apostel di« wahren Absichten ihres Meister« gänzlich verkannt haben Da« Buch, da« durch seinen überschwenglichen, geschraubten Styl manch:» Leser abstoßen mochte, bietet dennoch eine überau» reich« Lsse von geistreichen Ideen und trefflichen Wahrheiten, die man in andern verbreiteten Werken nicht so leicht findet. Die Gegenwart mit ihren religiösen und konfessionellen Rämpse» scheint die Ausmerksamkeit de« Publikum« auf diese« W:rk wieder zu lenken, und daruni wollen wir eine Stelle daran« hervorheben, die die Leser dieser Zeitung interessiren kann. Wir meinen nämlich die Stelle 107 ff. über die christlich« n Bibelübersetzungen, die wir hier in «»tonoo folgen lassen, damit der geehrte Leser von dem Styl de« Verfass»« sich ein Bild entwerfe» mag. „David, beginnt der Vers., nachdem er gesagt, daß t-a« alt« Testament die Epopoe der Menschheit sei, David ist der Homer der Hebräer: nur daß sein Schauplatz der Himrnel und sein Held der Schöpfer ist. Die Psalmen David'« «erde» erst später der Schatz der Nationen werden, wie sie jetzt der unverstandene Schatz der ungelehrten Frommen und der Rirchenmusiten sind. Di« Psalmen David'« warten noch auf einen Uebersetzer, gleich dem hohen Lied«. Denn gehe man dir beste der bestehenden Uedersetzungen durch, sie wird vie ein doalbaftischer, rituell anerkannter Wortschwall rauschen, gleich unverständlich murmelnden großartigen Waffern. Ich habe oft Andächtige die Plalmen David'« herberen hören — aber sie konnten mit der unerklärten, krampfhaft auf die katholische und protestantische Rirche bezogenen Sprache keinen Sinn verbinsen. Da« Wort war ihnen heilig, wenn auch der Begriff fehlte. Raum daß Hirmbold, dieser große Renner der Natur, auf den 104. Ps. aufmerksam gemacht und gestanden hat, er vereinige alle« Wisst u aller später« Gelehrten in seiner Seherpoesie. Die« sprach der größte Raturweis« über den Psalm, welcher die Natur besingt in ihrem Schöpfer. Aber jeder Psalm ist in seiner Art ein Wunder, die Gabe eine« Genin«: wa« für köstlich« Miniatnrbildch« n schließt de» kleinsten Pialmrahmen ein, Bildchen, für dir leider kein Humbold, kein Winkelmann sich findet. Man lehrt heutzutage den Rnaben lateinisch uub griechisch. Da« Hebräische, den Laien gelehrt, würde wie ein Licht in unser» versumpften Glauben, in unsere matte Poesie strahlen. Man lehrt e« aber nur •) Der LuSdruck ist »on Um Stef. nicht erfunden »otVn. ti hat ttz« nur «me andere vedeutung tze-eden. Di« christt. Iheeto^t« versteht unter toUidiu» dt« «reuzi-un, tu* »nier d*rid— Mi Juden. (K*4

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