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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 25. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 25.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 202 — bereits geübten Lehrer von anerkannter Tüchtigkeit zuzufuh ren, weshalb er iür die drittletzte, mit 980 Thlrn. dotirle Stelle dem königlichen Schulkollegium ve,l Oe. Holtzma » u präsenkirte, dcffen wiffenschaftliche und pädagogische Befähigung durch da« Prüsungszeugniß und durch mehrjährige höchst erfolgreiche Thäligkeil an zwei diesigen jüdischen Schulen außer Zweifel steht. In Anbetracht dieser Qualifikation glaubte der Magistrat, das königliche Schulkollegium werde von der Ableistung der zweiten Hälfte deS Probejahres Atstaud nehmen; er hat sich jedoch darin getäuscht, denn die Behörde verschiebt durch Bescheid von» 30. April er. die Wahl des vr. H. definitiv bis zur Vollendung beS ganzen Probejahre-. Da nuu Dr. H. im Vertrauen darauf, baß seine Wahl nicht würde beanstandet werden und wohl auch, um seinerseils alles zu rhun, die Abnormität der Anstellung jüdischer Lehrer an höheren Lehranstalten zur Mythe werden zu laffen, sein« Stellung an der jüdischen Gemeinde-Knabenschule und am jüdischen Lehrer-Seminar und dauiit ein Gehall ausgab, welches das der ihm zugedachlen Stelle ülertrifft, und da die Stelle an der Sopbien Realschule von ihm nicht gesucht, sondern chm angelragen worden ist, bedauert der Magistrat sehr, wenn er den» wackern und bescheidenen Manne nichts weiter bieten könnte, als das vorschriftsmäßige-Honorar für Extrastunden. Er ersuchte deshalb die Stadtverordneten Versammlung, sich damit einverstanden zu erklären, daß dem vr. H, bis die Bestätigung erfolgt, das ganze Gehalt der von ihm verwalteten Stelle gezahlt werde; was diese auch genehniigt hat. (Vr. H. ist aus Ostrowo und erhielt seine wisseuschaflliche Ausbildung aui jüd. theol. Seminar in Breslan.) , Leipzig. Dem Bericht an die Mitglieder der israel. Religionsgemeind« für das Berwallungsjahr 1873 entnehmen wir die Airgabe, daß zum Andenken au den verstorbeiren Professor Fürst eine „Fürststiflung" kür Sludirend« der jüdischen „Wissenschaft" in's Leben gerufen word u ist. Sonst enthält der Bericht gegen die früheren nichts für weitere Kreise Interessantes. Desto mehr bietet der gleichzeitig mitgetheilte Bericht der Fremden-Abtheilung des isr. Unterstützung»«-«»»- zu Leipzig. Er ist sehr lehrreich und verdiente wohl weitere Verbreitung, da ein kurzer Auszug, wie wir ihn hier wohl geben könnten, nicht genügt. ES ist nämlich ein gelungener Versuch zu einer Statistik der Unterstützten und der ihnen gewährten Unterstützungen gemacht; die Zahl der Personen und der Summen, genau nach der Heimalh, den Gewerbe» — sit venia verbo — dem Untcrstützungsanspruch «ingetheilt und nach den Monaten, in denen sie Vorgesprächen haben, verrheill. Würde eine solche Zusammenstellung in nur etwa dreißig Orten in verschiedenen Segenden Deutschland» gemacht und dann veröffentlicht, so wurden daraus erhebliche, praktische, ersprießlich« Resultate sich fast von selbst ergeben Ein paar Hauplsummen theilen wir hier mit, obgleich nur das Detail, welches bei übersichtlicher Zusammenstellung dennoch gar nicht verwirrt, eigentlich Jntereffe und Belehrung bietet. Unterstützt wurden 1873: 712 Personen mit 8S1 Thlr., nämlich f82 Männer, 122 Frauen, 8 Kinder. Darunter 138 s. g. Handeltreibend«, 282 gewerbsinäßige Bettler, d. h. solch«, die nach eigenen Angaben ohne alle ErwerbSthätigkeit planlos umherziehen, zusammen also 420. Handwerker 187 (darunter ist ja auch mancher halb« und ganze Landstreicher.) Daun 45 Lehrer und Lehrerwittwen, 21 Studenten und 39 Kranke. Hat nun auch von den gewerbsmäßigen Bettlern jeder durchschnittlich noch nicht einen Thaler, von den Kranken aber ebenso jeder etwa drei Thaler erhalten, so ist dennoch der größere Theil der verausgabten Gelder — auf die Straße, „auf das Gewech des Hirsches" gelegt, d. h. auf die Eisenbahn getragen. Der Heimalh nach waren unter den Unterstützten: aut Rußland 801, au« Oesterreich 191, aus Deutschland 176, au« Rumäitieu 27; aus verschiedenen anderen Ländern 17 Personen. Alt»«. Sonntag, de» 81. Mai, fand in der große» , Synagoge vor eine« überaus zahlreich versammelten Publikum die diesjährige öffentliche Religionsprüsung der Knaben und Mädchen statt AlS um 10 Uhr diese die Halle betraten, begrüßt« sie ver Ehor uiu ven 4 letzten Sch ußoerjen des 118. Psalmen«, woraus sie vor der Kanzel sich uiederließeu. Hier wurden sie von Herrn Overrabbiner vr. Löb begrüßt, der die Bedeutung dieses Tage» für die Genleinde und besonders für die Eltern der Zöglinge anSeinandersetzte. Alsdann sang der Chor den 24. Psalm, worauf der Oderrabbiner nach kurzer Anrede an die Zöglinge die Prüfung derselben vornahm. Diese erstreckte sich über die 18 von MaimonideS ausgestellten Glaubensartikel, die 10 Gebote, deren Erklärung und über dir sich daran anschließenden übrigen Wichten und Gebote. Rach beendeter Prüfung ermahnte der Redner die Zöglinge, indem er chueit die Pflichten nochmals erklärte, diese genau zu befolgen; denn nicht habe er heute von ihueu ein GlaubenSbekenntNiß zu verlangen, überhaupt nicht haben sie heute erst das Gelübniß abzulegen, diese Pflichtru anzunehmen; als Juden geboren, feien sie auch verpflichtet, als Jude» zu leben. Hierauf schloß er, indem er den Priestersegeu über die vor ihm stehende Jugend sprach. Die circa 30 Schülerinnen und Schüler waren von den Lehrern Munk und Willkowrr unter Leitung de« Oberrabdiuers vr. Löb vorbereitet worden. (Es scheint, wie aus diesem dr« „Alt. Merk." enlnommeneu Berich« ersichtlich, diese Religionsprüfung in der Synagoge eine Art Sonfirmalion gewesen zu sein; man scheut nur den Raine») Alt«». Rach den alten landesherrlichen Gesetzen, welche größteulheils auch nach dem Eintritt unsere« Herzogthnms in den preußischen Staalsoerband bestehen blieben, haben fämmtliche Eigenlhümer von Gebäuden, gleichviel welcher Religionsgemeinde sie augehören, aii die evangelisch-lutherische Hauptgemeind« eine Steuer von 1'/,'/, vom Miethewerth zu entrichten. Wie ungerecht diese Kirchensteuer ist, muß selbst di« Regieruiig zugeben, trotzdem hat sie sich bis jetzt nicht bewegen laffen, diese unrechtmäßige Steuer aufzuhede». Di« israelitische Gemeinde hat zu verschiedenen Maien Schritte gelhan, um sich dieser lästigen, uugerechteu Bürde zu entledigen, ist aber stet« abschlägig deschieden worden. Gegen die Entrichtung der Steuer ist auch die hiesige katholisch« Gemeind« in allen Instanzen de- Verwalt»,HswegeS eingekommen, ohne ern andere« Resultat erreicht zu haben, als auf den Rechtsweg verwiesen zu sein. Letztere aber hat den Rechtsweg betreten, sondern Deputirl« der israelitischen und reformlrttn Gemeinde zu einer Zusammenkunft aufgeforderl, um gemeinsam über zu unternehmend« Schritte zu beralhen. Auf diese Anregung wurden zum Zweck der Berachung über weiter« Schrille in dieser Angelegel,heit von den genannten Äemeinden Vertreter commlrrirt und zwar von der lsraelitischeu Gemeind« die Herren Rechtsanwalt Heymann und R. Samson. In der ersten Sitzung dieser Eommisston wurde nun beschlossen, sich mit einer Eingabe um Befestigung jener Steuer an da» Hau» der Abgeordneten zu wenden, welche hoffeustich ihren Zweck nicht verfehlen wird. (I. P.) Au« Oderschlesieo. (Or.-Eorr.) Au« den größeren schlesischen Gemeindrn dringt hin und wieder eine Kund« in Ihr Blatt, au« den kleineren jedoch selten oder gar nicht; und doch dürfte ein Wort der Aufmunterung, Anerkenn«»- oder berechligleu Tadel» in Ihrem in Schlesien vielgelesen«» Blatte zur Hebung und Förderung gemeinnütziger Unte nehmungen, sowie zum Brechen des Jndifferentismus und Ansgeben d«S alten Schlendrian« Manche« beitragen. Jetzt, wo die Lockerung de« Gemeindebande« durch Aushebung der Beitragspflichl in Sicht ist, da sind es ja hauptsächlich die kleineren Gemei. den, deren Existenz in Frag« gestellt ist, und die von den Führern der Orthodoxie, di« Lasker bearbeitet haben, oollständig unberücksichtigt geblieben find. Was küm« wert'« die Herren in Frankfurt a /M. und Berlin, ob so und! so viel steine Gemeinden, bi« ihre religiöse» Institutionen und ihr« Beamten nur durch einen feststehenden Eta», zu de«

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