Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— aoi — «Arte |»r Folge habt«, daß der Staat für die Erhaltung de» Judenthum» sorgt, r» käute am letzte» Ende der Zustand z»r Erscheinung, in welchem die Jude» in Frankreich sich befinden " — Und bat ist dem Hru. L. da» Non plus ultra alle» Schrecken»!! Er sieht nicht, daß damit eben di« Pa ritäl erzielt wäre. Der französische Staat baut und erhält Kirche, Tempel/) Synagoge, besoldet den Cur«, den Ministre, den Rabbia, da» Domkapitel, da» protestantische und i»raelitische Eonststoir«. Dabei bleibt dem Einzelnen jede denkbare religiöse Freiheit. E» hat Niemand nöthig, sich zu einem Euitu» zu bekennen, es bedarf keine» Gesetze» über den L»»tritt, denn Niemand braucht einzutreten, die Religion»gesellschaften sind durch denStaat so gestellt, daß sie de« Einzelnen nicht bedürften, weder seine» guten Willen», noch seiner gezwungenen Beiträge. So gleicht sich'« au». Aber in Preußen wird der Staat der Synagoge, 'und nur dieser, «ine ihrer bisherigen Existenzbedingungen entziehen oder schwächen, ohne ihr etwa» zn geben! Laster hat diesen Punkt kluger Weise nicht berührt, Lehseldt stößt un» daraufI Daher suhlt er sich auch ueranlaßt, ans di« Schattenseiten der sranzösiichen Religion»- «erfoffung hinzuweisen. Wir sehen von Prüfung derselbeit hier ab; er aber schlägt dazu den denkbar verkehrtesten Weg ein. Er spricht von dem „Aufschwung", den die Juden in Deutschland mehr al» in Frankreich genommen haben. Wer hat ihn zum Nichter darüber gemacht, wa« geht da« die Kammer an? Wer verlangt vom Staate, daß er un» zum Aufschwung helfe, und wodurch hätte der preußische Staat da» gethan?! Doch nur so, daß er den Juden die Flügel unterbunden und verschnürt und sie dadurch gezwungen hat, sich um so kräftiger zu regen, um dennoch emporzukommen. Nn» ja, da» ist wahr! Aber daß wir un» dafür auch «och bedanken, da« System auch noch rühmen sollen, da» ist doch nur entweder Hohn oder — da» Gegentbeil von Einsicht. Nur al» da» letzter« können wir e» aber ansehen, wen» übersehen wird, daß doch jeder einigermaßen Vernünftige fragen wird: Woher denn dies« zärtlich liebevolle Rücksicht auf die Juden, warum gönnt ihr denn Katholiken und Protestanten solchen Aufschwung nicht, indem ihr sie von jeder staatlichen Fürsorge und Unterstützung befteft und sic für ihr« kirchlichen Bedürfnisse ganz allein und freiwillig sorgen läßt? Aber da fühlt ihr euch bemüssigt, den Herrn Pfarrer für jeden Dreier zu entschädigen, der ihm dadurch entgehen könnt«, daß ein Bäuerlein oder ArbeitSmann sich in Zukunft ohue kirchliche Trauung behelfen möchte, während « ir un« «och dafür bedanken sollen, daß «an nicht brvvl manu wohlerworbene Ansprüche, Schuldverhältnisse, die, gestützt auf da» StaatSgesetz, contrahirt worden find, annullirt.... Hält mau un» für so stupid, daß wir da» nicht sehen sollten?! Aber Hr. Lehseldt weiß, daß die Juden in Frankreich daher auch gesellschaftlich weniger hoch stehen. Wer hat ihm diese« direkte Gegentheil der Wahrheit ausgebunden? Er spricht dabei von Elsaß-Lothringen. Daß die dortigen Dorfjnden gesellschaftlich nicht so hoch stehen, wie die Berliner jüdischen Finanzier«, da« ist wahr, aber sonst, ein« mit dem *) Bqve bedeutet nach -»»iheUiche« Sprachgebrauch da« kathelisch«, D»»pl» »2 protestwnisch» Seeteotzau«.- (fcafo Etzslt e« sich «it den , Aqüstmw»» »er Geistlich«. andern richtig verglichen? E» gibt in Frankreich einzeln« jüdische Familieitkrcise, welche niehr auf der Nangstufenleiter de« Militär- und Livilvienste» Hochstehend« unter ihren Mitgliedern zählen, al« alle deutschen Inden zusammen. — Oder will nian un« glauben machen, daß z. v. dem Herrn Ab,;, selbst noch nie „der getaufte Jude" gesellschaftlich hinderlich gewesen sei? Wa« über die angebliche Trennung von Staat und Kirche gesagt ist, ist un», und sicherlich Jedem, in dem Zusammenhang« durchaus unverständlich. Endlich noch über dach angeführte Schlußargument der Gegner der Resolution Wenn der Austritt fteigegeben werde, so bleibe alle« Gemeinde-«- gentbum im Besitz der Orthodoxen. Aber gerade di« letzteren wollen ja vielfach au-treten! Doch dieser Satz verrätd, daß man in Berlin den allerding« sehr thürichjten Versuch gemacht hat, die maßgebenden Stimmen im Abgeordnelenbause dadurch zu captiviren, daß man ihnen sagte: „ihr wirkt für die Orthodoxie, für den Rückschritt, hemmt unser« Bemühungen für den Fortschritt." Solche» Flüstern mußte freilich bei LaSker gerade da« Gegentheil von dem damit Beqlisichtigten bewirken, der Streich müßte zurückprallen, und auch Lehfeldt niußte sagen: „da» geht den Staat nicht» an" — und diesmal allerdings mit Recht. Berichte und Correfpondenzen. Dewtfchlswb. Berlin. In Beziehung auf Zulassung zur Habilitation al» Privaldocent hat der EultuSminister unterm 24. März d. I. folgende Entscheidung getroffen: „Durch eine Eingabe des dem jüdischen Glauben ange-- hvrenden GerichtSaffeffor« a. D. Dr. jur. R zu 9t., welcher sich an der juristischen Facultät al» Privaldocent zu habilittren wünscht, ist meine Aufmerksamkeit darauf gelenft worden, daß im §. 32 Al 2. dr» Reglement» der Facultät vom s 3. Septeniber 1840 unter den Erforderniffen für die Zutäffüäg zur Habilitation al« Privatdocent unter anderm auch die christliche Eonfession de» Bewerber» aufgeführt ist Gegenüi>er dem Artikel 12 der B«rfaffung»urkunde vom 31. Janrrar 1850 und dem BundeSgesetz vom 3. Juli 1889 kann ich »ie längere Aufrechterhaltung deftaglichen Vorschrift nicht sür statthaft erachten und will daher den ß 32 SU. 2. de» gfa* cultätS-Reglrment», soweit er dieselbe enthält, hiermit ar»> drücklich aufheben. Ew Hochwohlgeboren ersucht ich ergebenst, der dortigen Universität diesen meinen Erlaß zur Keuntniß zu bringen." (Zu dieser einfachen Rotiz über eine sehr selbstverständliche Verfügung können wir zwei Bemerkungen nicht zuritöft halten. Einmal zeigt sich wieder und zum hundrrtsttnuigl, wie viel Schutt, wie viel Barrieren «» htnwegzuräun»» Siebt, ehe die Gleichberechtigung der Juden überall durchgx- Ihrt ist. Zweiten« erinnert un» eben die« an da« Napoteozk. in den Mund gelegte Dictum über russtsche Soldaten: ,,t» genügt nicht, einen solchen Kerl todtzufchlagen, man muß Ihn nachher auch noch umwerfen, sonst bleibt er doch noch stehen." Man muß jede einzelne Ausnahme und Besch ist aftlng «rft noch umwerfen, nachdem sie inSgesammt längst aufgeholien find.) Berlin, 11. Juni. In der heutigen Sitzung der StcdtverordnctewBersammlung komutt folgender viele Leser diese- Bl. interessirende Fall zur Verhandlung. Nach dcm Tode eine« Oberlehrer« und dem Manege zweier ordentlicher Lehrer von der Sophien-Realschule hielt e» der Magistrat sür dringend« Wicht, der tzWM.eiire«