Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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fr. Oberkrchenbehörde sich einverstanden erklärt hat, lasien sich dahin zufammensaffen: n) die iSraeliti'chen BolkSschullehrrr al» solche würden, dem bisherigen Rechte entsprechend, bei der Schullehrerpensionsanstalt pensionsberechtigt sein. Die Porsän- St als solche dagegen würden analoge Pensionsrechte au» rem jeweiligen Stellengehalte mit Einrechnung der etaismäßigen Alterszulagen auf die iSr. Centralkirchenkaffe erhalten, welche somit zu einer Pensionsanstalt für die Vorsänger, die nicht zugleich Lehrer find und ihre Hinterbliebenen würde, t») Im Falle des Uebertritt» vom Schuldienst zum bloßen vorsängeramt oder vom bloßen Borsängeramt zum Schuldienst würden die im beiderseitigen Dienst mit (aktuellem oder eventuellem) Pensionsrecht zugedrachten Jahre bei der Pensionirung zufammengerechne». o) Der zum bloßen Vorsängerdienst übertretende Lehrer würde in den Verband der VörsängerpenfionSanstalt, der zum VrlkSschuldienst übertretende Vorsänger dagegen in den Verband der Schullehrer-PensionSanstalt je mit den davon abhängigen Rechten und Verbindlichkeiten treten und hinsichtlich der an diejenige Kaffe, mit der er zuvor in Verbindung gestanden, bezahlten Einlagen von dieser Kaffe gegenüber der andern Kaffe vertreten werden Der Ges.-Enlw. besteht aus 6 Art. Die Kenun. beantragt Zustimniung zu jedem Art. Die Kammer nimmt den Entwurf ohne Debatte an. Minister v. Geßler tritt ein, als der Berichterstatter erklärt : gegen Eingang und Schluß des Gesetzentwurfs ist nichts zu erinnern. Minister und Kammer begrüßen sich unter solchen Umständen mit einiger Heiterkeit. In der Endabstimmung wird der Gesetzentwurf einstimmig (77 St.l angenommen. — Dieser glänzende Erfolg, die Anerkennung der i»r. ReligionS- Lehrer und Schulen in Württemberg als staatliche, ist den Bemühungen des Ausschusses des israelitischen Lehrervereins mit zuzuschreiben, dessen Vorstand der emeririrte Seminarlchrer L. Lieb mann mit unermüdlichem Eifer die geeigneten Petitionen und Denkschriften bei den zuständigen, gesetzgeberischen Factoren einbrachle. Die israelitische Oberkirchen ehörde hat die Bitte beim K. CultuSministerium eisrigst befürwortet. Ueberhaupt hat diese Behörde in ihrem Präsidenten, Herrn v. Schmidt, der zugleich Vorstand der katholischen Oberschulbehörde ist, einen eifrigen Förderer de« iSr. Schulwesen« und einen Freund der Lehrer. Ihm zum großen Theile verdanken die israelitischen Lehrer die finanzielle Besserstellung, besonder» die Altertzulagen und die Pensionsberechtigung. Dieser PartieulariSmu« in Württeniberg hat gewiß feine volle Berechtigung und dürfte für das ganze Deutsch« Reich mustergiltig sein. k Fürth, 27. Mai. (Or.-Eorr) In der hiesigen Gemeind« herrschte in den letzte» Jahren zwischen dem Rabbiner und der liberale» Majorität einerseits und der orthodoxen Minorität andererseits ei» friedliche» Verbäluiiß, zumal der letzteren Seilen» der Beiwaltiing eine besondere Synagoge mit den, erforderlichen Personal und Zubehör ans Kosten der Gemeinde eingeräumt wurde. Dank den bekannten Hetzereien, bekamen jedoch uiisere Orthodoxen separatistische Gelüste, und wurden noch kurz vor dem Tode de» seligen Oberrabbtner« vr. Lewi bei der königl. Regierung »nd dem EultuSministeriuni in München mit dem Gesuche um völlige LoStrennung von der Hauptgemeindc mündlich und schriftlich vorstellig. Rach einer in den jüngsten Tagen ergangenen Entschließung de» königl. EnltuSministeriumS ist jedoch diese« Gesuch abschlägig beschieden worden. Mil diesem Entscheide sind auch bie wenigen einsichtigen Orthodoxen wohl zufrieden, denn dieselben sehen ein, daß die Auflösung de» Gemrindeverbande» die meisten bayerischen Landgemeinden zu Grund« richten und auch manche große Gemeinde, in welcher bisher die liberalen Elemente durch die Orthodoxie niedergehalter werden, arg schädigen würde.*) Rußland. H. JL Warschau, Ende Mai. (Or.-Eorr.) Wir befinden *) Ihr« «eitere vemrrtuag dürste jetzt nicht «ehr zutreffend sein. (**.) un« hier am Vorabend einer wichtigen Entscheidung In der Mitte de» MonatS Juni sollen die Wahlen für die Vorsteher der Gemeinde stattfinden, uud dieser Vorgang hat diesmal für un» eine Bedeutung, wie nie vorher. Doch find« ich, kii aller Bewegung, die er heroorruft, immer nicht jene» tiefgehende Interesse, welche« diese Angelegenheit verdient, jene» volle verständniß für die gegenwärtige Situation. Wir kranken hier an Jahrhunderte alten Uebeln, an Auswüchsen aller Art, und sie sind um so schwerer zu kuriren, weil mau sich an dieselben gewöhnt hat und man jede Operation schritt. Dazu kommt, daß der äußere, ungefällige Anblick unsere» Volke», die eigenen Söhne mit Vorurrheilen erfüllt, und ihnen den Blick für die Erkenntniß de? inneren, schöneren Wesen» verdunkelt. Da» Judenthum in Polen ist noch jene« holde DornenröSchcn, welche« die böse Zauberin „Mittelalter* in tiefen Schlaf versenkt hat, und während sein Seelenleben traumhaft nach innen sich kehrte, ist ring» um da» HauS »in Wall von Dornen und Disteln ausgeblüht, der seine wahre Schöndeil verbirgt. Wann wird auch für un« jener Prinz komme», der sehr gut weiß, waS unter dem dunklen Aeußeren verhüllt ist, der mit liebender Hand den Schlag gegen die Umhegung führt, und mit der wahren Liebe im Herzen da» wahre ErlösungSwort auSjpricht? Aber bi» jetzt wird diese dunkle Rose au» den Thälern von Saron noch sehr getreten, gestoßen und verhöhnt: „Sin arglos 2chimps«n, W«rf«n, «in Stoß und Solchrrlri, Da« müssen sie erdulden und steht den Schülern frei." Leider liegt hier die Schuld an un» selbst, denn wie können wir von dem Fremden Achtung und Rücksicht verlangen, wenn in den eignen Reihen eine solche gegenseitige Geringschätzung noch vorherrscht? Seltsam! Es zeigt sich vier ein WohlthätigkeitSsinn, wie kannl anderweitig, man scheut hier kein Opfer, »m zu Helsen, aber diese ganze Tugendüdung scheint mehr wie eine innere Ralurnothwendigkeil, wie die Fürsorge eilte» Vater« selbst snr ein ungeliebte», mißrathene» Kind, e» sihlt der Gabe der begleitend«, liebevolle Blick, der allein sie zu einer segensreichen That erheben kann. Und noch eine dritte Ursache kam hinzu, um unsere Entwickelung zu hindern: Air haben hier eine Menge von Juden, aber keineGemeinde, und bis vor wenigen Jahren fehlte un» eine würdige Gemeindevertretung, welche allein die Seele, den centralen Mittelpunkt in jeden» Gemeinwesen auSmacht. Mit der letzten Wahl vor drei Jahren bekamen wir hier zum ersten Male «inen solchen Vorstand an der Spitze unserer Verualtung, der durch sein« Bildung un» Achtung nach Außen, rmd durch da« warme Intereffe für seine Aufgabe, wie auch durch richtigen Takt sich baS Vertrauen nach Innen zu erwerben verstand. Und schon sahen wir in dieser kurzen Zeit die Vorarbeiten zu einer Synagoge entstehen, dir Frage wegen einer Religionsschule zur Tagesordnung erheben, und die Brffeigesinnlen allmälig um diesen Tentralpunkl zu einem Gemeinwesen sich gruppiren. Aber le.der stehen diese schönen Saaten de» neuen Leben« jetzt auf einem schwanken Boden, denn die Bertretungszeil de« gegenwärtigen Vorstand«» ist abgelaufen, und die Neuwahlen stehen vor Ur Thür. Wir Hasen zwar Hoffnung einer Wiederwahl deffelden Eomite'S, aber wer kann e« mit Gewißheit behaupten? Dazu kommt noch, daß hier eine Gegenpartei vorhanden ist, die mit allen Mitteln agitirt, um die Wiederwahl zu hindern, und un» mit einem Lomite nach altem Style zu beglücken Dies« Partei steht in solidarischer Verbindung init dem demissionirten Rabbiner Gesundheit, dem durch einen solchen Umschwung der Berhältntffe wieder auf seinen RabbinaiSstuhl vrrholfen werden soll. Unter anderen edlen Mitteln zur Erlangung ihre» Ziele» (pseudonyme Klageschriften gegen den zeitigen Vorstand beim Hits. Stndtprästdenten, welch« dieser dem Gemetndearchiv zu v«rsch«r.ten die Güte hatte) bediente sich diese Partei in letzter Zeit euch zweier Pasquille, welch« in deutscher Sprach« in einer Dre ckeret in Wien al» Bastarde (ohne Autorschaft) erschienen. Diese Broschüren zeichnen sich au» durch schlechte« Styl, durch große Bcrnirtheit und dnrch eine Füll« gemeiner Schmähua-