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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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diese« Gegenstand in gewisser Beziehung Epoche machend« Erscheinung zu Tage gefördert. E« ist die» die Bildung einer besondern „Sektion für jüdischen Religionsunterricht," welche fortan einen inlegrirenden Bestandtheil des großen deutschen Lehrertageauimachen wird. Da dieselbe gewissermaßen improoisin wurd,'. indem erst in der zweiten Plenarsitzung da« Präsidum aus Beranlaffung de« Hrn. Oe Wedell die erste Sitzung jener neuentstehenden Sektion auderaumte, so konnte diese blor ein« constituirende sein und mußte sich daniit begnügen, einen Statuteneniwurs zu beratben, welcher der nächste» SektionSsitzung zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt werden soll. Beifolgend erhalten Sie den Entwurf selbst, welcher von, Herrn l>r. Wedell vorgelegt wurde. Die Bersaninilung, welche iin großen Saale de» Magvalenen-Äymnafiums tagte und von etwa 30 Mitgliedern besucht war, wählte den Genannten mit Acclamatio» zum Vorsitzendeil und ging nach einer kurzen und treffenden Ansprache desselben in die Einzelbcralhung de« Entwürfe« ein. Derselbe wurde mit wenigen unbedeutenden Modificationen angenommen, und man schritt dann im Sinne seine« letzten Paragraphen zur Wahl de« Ausschusses Dabei leitete besonder« sie Rücksicht auf eine möglichst vollständige Vertretung der einzelnen Provinze» Gewählt wurden: Herr Dr. Wedell — gegenwärtig hier Religionslehrer und stellvertretender Prediger, aber vermöge seiner frühern Stellung mit den Posener Zuständen sehr vertraut —, Herr Dr Samuelsohn in Breslau, als Fachmann längst vorthcilhaft bekannt —, Herr Dr H. Bogelstein, Rabbiner und jüd. Religionslehrer an den Mittelschulen in Pilsen (Böhmen) —, Herr Lehrer Jaffä in Deutsch-Krone, welcher zu den ersten Anregern dieser Sektion gehörte, und endlich Herr Lehrer Reinheim in G-vern (Oberhessen). E« steht zu erwarten, daß dieser durch noch andere Mitglieder ergänzbare Ausschuß mit sachgemäßer und d«n Angelegenheiten des jüdischen Religionsunterrichts sörderlichen Vorlagen vor die nächste S»klionssitzung wird treten können, welche al» ein Theil de» 22. LehrerlagcS wahrscheinlich in einer süddeutschen Stadt berathen wird. Hoffentlich wird dann auch eine regere Betheiligung von Seilen der jüdischen Lehrerwelt stch kundgeben, und diese Reuichöpsung, welche wir der Breslauer Lehrerverjammlung verdanken, kann zu einem KrystallisalionSpunkte für diese« im Allgemeinen noch unter chaotischen Zuständen leidende Gebiet werden, zu einer willkommenen Stätte lebendiger gegenseitiger Anregungen und kräftigen gemeinschaftlichen Handeln« zur Förderung und einheitlichen Neugestaltung de« jüdischen Religionsunterricht» an den Schulen Deutschland«. M ti ttttcsivtlmtf Mt Ctftln für indische« Reltnt»»«»«» «erricht. 1. Mitglieder der Sektion für jüd. Religionsunterricht sind immer diejenigen Fachmänner, welche an der allgem. deutschen Lehrer-Versammlung Theil nehmen 2. Aufgabe der Sektion ist, eine Verständigung herbeizufahren über Ziel, Stoff, Verfahren und Lehrniittel de« jüd. Religionsunterrichts 8. Die Lösung dieser Aufgabe soll angestrebt werden a, durch Borträge und daran sich knüpfende Besprechungen über einschlägige Frage» in den Eektionssitzungen, d. durch Besprechung der von zu ivählenden Eommisfionen gemachten Vorschläge über OrganisanonSfragen des Unlerrcchts. 4. Zur Wahrnehmung und Förderung der SektionSintereffen während der Zeit, in welcher die allgemeine deutsche Lehrer- Versammlung nicht tagt, wird jede« Mal ein ständiger Ausschuß gewählt, welcher a, di« Verbindung mit dem ständigen Aurschusse der a. d. L. V. unterhält; d, au» den von SektionSmitgliedern angemeldeten Vorträgen und au« den Referaten der Lommtsfionen die geeigneten auSwählt und auf die Tagesordnung der nächste» SektionSfitzung setzt, «ad o, einen Bericht über die Entwickelung de« ReligioSunter» richt« im oerfloffenen Jahre zu erstatten h«. ». Der Verkehr de« AuSschuffe« mit den Sektionsmitglieder» wird durch Berichte in pädagogischen und jüdischen Zeitschriften DeuischlanbS hergestellt. S. Für da« laufend, Jahr 1874/75 hat der Ausschuß die Statuten der Sektion zu berathen und bi« spätesten« 8 Wochen vor deni Zusammrntrelen der a. d. L. B. in öffentlichen Blättern zur Besprechung zu bringen 7. In den st ä » d i g e n A u «s chu ß werden iür die Zeit bi« zum Zusanimeutreffen der 22. a. d. L. V. durch absolut« Majorität ö SeklionSmitglieder mit dem Rechte geivählt, höchsten« 4 bewährte Fachmänner zu coopliren. Vreschen, 29. Mai. Ein eigenlhümliche« Lei^enbegängniß wurde (wie man der Pos. Ztg. schreibt) gestern von der hiesigen jüdischen Gemeinde veranstaltet. Bei den Erdarbeitcn behus« Legung de« Fundament« der neu zu erbauende« Synagoge stießen die Arbeiter aus zwei inenschlich« Schädel, in welchen riesige, etwa lOzöllige Nägel steckten. Bei der daranfsolgenden Bloßlegung der Skelette fand man diekelbe« in einem fast »och ganz erhaltenen Sarge liegend, und zwar erkannte man das eine al« ein männliche«, da« andere al« rin weibliches Skelett. Auch ließe» die vollständig und tadellos erhaltenen Zähne auf die Jugend der hier Getödtete» schließe». Längst schon erzählten alte Leute, daß aus dem Synagogenplahe drei jüdische Märtyrer begraben lägen, n.ich zwar ein Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, und ein Brautpaar, welche in der schrecklichen Jndenversolgung de« Jahres I6S6 nebst vielen anderen Gemcindemitgliedern umgedracht worden waren. Man erzählte sich, daß früher auf jenen Gräbern niehrcre Male im Jahre Gebete verrichtet wurden, doch war die genaue Bezeichnung der Stelle im Lause der Zeiten iheilweise in Vergeffenheit geratben. Denn die 4 Pfähle, welche dis deute zur Umzäunung jener Trüber diene» sollten, waren, da« wußte man, nach und nach voir ihrer Stelle gerückt. Gestern nun fand die Beerdigung der wieder au« Licht geförderten Gebeine unter Theünahmc säst der gauzen Gemeinde statt, welche tief ergriffen der bei dieser Gelegenheit gehaltenen Rede de« Rabbiner« lauschte und jenen so grausani um ihres Glauben« willen Dahingemordelen manch« Thräne widmete. Stuttgart, 27. Mai. In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten stand auf der Tagesordnung der Gesetzentwurf über die Pension-Verhältnisse der israelitische» VolkSichulleurer und Vorsänger. Berichterstatter Prälat Dr. v. Hauber. Ueber de» Zweck dieser Vorlage theilen Motive und Komm.-Bericht Folgende« mit. In Württemberg bestehen bei den Israeliten 9 definitiv« Vorsängerstellen und 10 VorsängeramtSverwesereien; sodann mit dem Vorsängeramt vereinigte Schuldienste an Gemetndeschulen 8, an freiwilligen EonsesfionSschulen 19, tSrael. Schuldienste endlich, welch« nicht mit einem Vorsängeramte vereinigt sind, gibt eS zwei. Ter iSr. Volksschullehrer steht mst seinen Tienstr-chten ganz auf demselben Boden, wie die christliche» Lehrer, der Vorsänger dagegen ist al« solcher reiner Kirchendiener und daher mit seinen dienstlichen Ansprüchen an seine Eentralkirchenbehörd« angewiesen. Zwischen beiden Stelle» findet ein häufiger Wechsel statt. Während der Schuldienst Pensionsansprüche gewährt, bietet da« Vorsängeramt solche nicht; ja e« konnten sogar beim Uebertritt von letzterem z»« ersteren die im Schuldienst erworbenen Pensionsansprüche wickwr verloren gehen. Hierzu kommt noch der Umstand, daß i» Folge de« Wegztehen» nicht weniger iSraelittschen Familie» au« bisherigen Landgemeinden in größere Städte die Zahl der zurückbleibenden da und dort sich so verringert, daß die israelitisch« Schul« eingeht, und so von dem bisher vereinigt gewesenen Schul- und Vorsängerdienst nur noch der letztere verbleibt, der Lehrer aber ohne all feine Zuthun die i» dieser Eigenschaft durch seine Einlage» erworbenen PenfionSansprüche verliert. Die kettenden Gedanke« de» Entw., mit welch« die

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