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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 193 — $xtn da» frauzösischt Gesetz verstattek, sich nach jüdischen RechtSgesetz zu richten; et war chnen also z. B. die Schwagerehe gestattet, sie „ahmen in Civilprozessen untereinander Recht ran den Rabbinen, nach masaisch-rabdinischem Rechtege,etz, et galt für sie da» jüdische Erbrecht (z. B. für den Ersuieborenen Anspruch aus doppelte» Antheil), da» eheliche Güterrecht u. s. w. u. s. w. Gestattet dat Staattgesetz dem Juden, sich in diesen Stücken nach jüdischem Recht zu richten, so verlangt da» Religionsgesetz, daher die» thue. Er darf mit Nichten freiwillig dem jüdischen RechtSgesetz entsagen und sich nach »fremdem" Gesetz« richten. Verlangt aber da» Staatsgesetz, daß die inländischen Jude» sich nach seinen cioilrechtlichen Bestimmungen richten, hebt e» da» jüdische Eivilrrcht (Via thora oder Din Jusroel) auf, dann fügt sich der J»raelit de jure, traft der Bestimmungen de» RrligionSgefetze» selbst, den staatlichen Anordnungen. Da» meint Trömieux. Er spielt auch daraus an. daß in Frankreich selbst (ec spricht von Rtme» im Jahre 1816) manch« Juden ehedevi Skrupel in dieser Beziehung gehegt haben; in andern Ländern ist e» ebenso gewesen. Da» Eintreten der Juden unter da» französische Civilgesetz nennt er Auferlegen der französischen Rationalität. Den Berhält- »iffen Algerien» entspricht da» auch. Die algerischen Juden und Mohammedaner sind oder waren französisch« llnterthauen, aber keine französischen Bürger, keine Franzosen, und darum ging sie der französisch« oockv civil nicht« an. Werden sie Rational sranzosen, so gilt für sie da» bi» dahin »fremd«- Gesetz. »Jew. Thron.- sagt: »Wir stimmen durchaus nicht mit Herrn Cr. Ansichten über jüdische Rationalität überein.- Die löbliche Redaclion hat den Alten, der »au» Jugenderinnerungjüdische» Recht wohl kennt, weder verstanden, noch scheint sie zu wissen, daß seine Sätze dem orthodoxen Judenthum, welche» jene vielleicht mehr ehrt al» kennt, vollkommen entsprechen. Berichte and Correspoadeazen. Deutschland. Stettin, 3 Juni. (Notizen.) Freundschaft und Feindschaft, Lieb« und Hah, sagt der Talmud, beeinträchtigen da» llrthril. Roch mehr, sie bringen oft dasselbe oder doch ei» ähnliche» Resultat hervor. Auch Juden unb Judenthum haben die» oft erfahren, in wichtigen Dingen, zuweilen auch in Kleinigkeiten. Vereine geben sich jede erdenkliche Müh«, verwenden sabelhafte Gummen, lassen Sendboten und Geldrollen reisen, um Juden zu Ehristen zu machen. Da» geschieht bekanntlich von Manchen au» purer Liebe zu dem Samen Abraham», von dem sie da» Heil erwarten. Dafür sucht man wieder Ehristen zu »Judenzu machen, — im figürlichen Sinn — und auch da« geschieht bald au» Liebe und Bewunderung, bald au» Hah. Ultramontan« und feudal« Blätter wollen jeden ihnen Mißliebigen zum Juden stempeln; so hat da» Leiborgan der Eurie, die „Voce de la Verita*, jüngst den Abgeordneten Miquel einen Juden genannt, nachdem, d. h. weil er eine wohl der Wahrheit, aber nicht chrer s. g. »Stimm«" zusagende Rede gehalten hatte. Wiederum hat der Earl of ShasleSbury, der Oberprotector der englischen MissiouSgesellschaften, der in der That au» lauter Liebe und Ehrfurcht gegen Juden sie beseligen möchte und für da» Treiben der Söldlinge der Gesellschaft nicht haftbar gemacht «erde» kann — in einer Generalversammlung der Vereine zu beweisen gesucht, baß der jüdisch« Stamm immer mehr zur Herrschaft in der Welt.gelange. Diöraeli herrsch« in Eugl land — Eastelar in Spanien — BiSmarck in Deutschland — alle Drei seien jüdischen Ursprung». (Vom Zweiten ist'» n«? nigsten» möglich, vom Drillen natürlich der reine Blödsinit.) Wir haben kürzlich oon Napoleon'» 1. Marschällen gesprochen, von denen mau drei zu Juden hat machen wolle». Der dritte ist, wie wir inzwischeu gesunden haben, Maffena, den DiSraeli in seinem SoningSby ursprünglich einen Manajse sein läßt. Also lediglich ein Anagramm, zu dessen Erfindung nicht einuml so viel Schars»»!, gehört , wie Dieraeli defizt. »Uniorr» Jrraelitehat unsere Bemerkung über Hullia «ad Victor ohne weiteren Eommentar wiedergegeben, ein Beweis für deren Richtigkeit, denn in Frankreich müßte man'» ja wissen, und Herr Bloch reicht obendrein mit seinen Jugenderinnerungen noch an die Zeitgenossen de» ersten Kaiserreich» hinein. Aber selbst in unmittelbar thalsächlichen Dingen begtgnet man oft den allerwunderlichsten Urtheilen über Jüdin, wiederum auch da, wo da» Gegentheil oon bösem Willen in» Spiel kommt. So demonstrirle unlängst in einer amerikar.ischen MedizinischenZeitschrift ein Arzt, die Schwindsucht komme unter Juden nicht vor, ihm sei in seiner Praxi» kein Fall bekannt geworden, er habe nur einmal einen Juden behandelt, der sich ein ge redet habe, schwindsüchtigzu sein. Es ist immerhin bemerken-werth, daß auch da» »Trad. Judenthfür Maßregeln zur Beseitigung de» permanenten Rolhstande» in Palästina*) da» Wort ergreift. Die Ungenirtheit, mit der da» Blatt auf Alle» und Alle lo-schlägt, hat e» also mit sich gebracht, daß e» nicht vor der Behauptung zurückbebl, e» sei wohl nicht Alle» rein und heilig und tadellos, wa» in Palästina lebt, und wa» dort geschieht oder unterbleibt — während die deutschen Blätter fraglicher Fqiche schon den Gedanken solcher Möglichkeit ruchlo» finden. Ä)ir geben die Worte wieder. »Jndeß glauben wir, daß mit einer momentanen Hilstleistung noch nicht Alle» gelhan ist. Unsere» Dafürhalten» müßte diese wichtige Angelegenheit eine durchgreifeild« Organisation erfahren. E» ist mindesten» eine nalionalökonomische Versündigung, wenn mail in fatalistischer Ruhe die Katastrophe an sich herantreley läßt. Man ziehe doch i« Erwägung. daß auch diesmal die HungerSnoth im heiligen Lande in einem Zeitpunkte erschreckende Dimensionen annahm, in welchem die materiellen Mittel auch hier nur spärlich vorhanden. tz» müßte die Sache sür die Zukunft geregelt werde,»; auch die Kollolim-Frage sollte einer envgiltigen Lösung «nt* gegengesühct werden. Wir empfehlen die wichtige Angelegenheit jenen ehrwürdigen Herren Oherrästbinen,. welche geg:nwänig in Ungar» di« Würde von »Reßie Erez-Hakdoschahbekleiden; wir empfehlen selbe aber nicht minder jenen Privatmännern, die vermöge chrer tozialen Stellung und ihre» organisatorischen Talente» zur segensreichen Mitwirkuna in dieser heiligen Sache Beruf und Befähigung in sich fühl:». Auf, auf zur Arbeit! Im Kampfe sür eine wahrhaft jüdische Sache giebt es keine Rangabstusungen; da darf Niemand in tiefer Bescheidenheit dem Andern zurusen: Ihr seid ein Moren», ein Godol, ei» Gaon, Euch gebührt die Eh de — schiebt Ihr früher V B. Breslau. 2. Juni. (OrEorr.) Die in immer weitere Kreise dringende Bewegung zu Gunsten einer Regelung, resp. Gleichstellung de» jüdischen Religionsunterrichte» hat auch innerhalb der 21. Allgem. Deutschen Lehreroersammlung, welche in voriger Woche hierorts staltfand, «ine für •]®t ersuchen die oerehrliche Redaction de« »llnio. Israel.-, hr« Siotiz auf S. 665 de« neuesten Hesie« in Beziehung auf unsere veo,ertung in Rr. 20, di« sie flüchtig gelesen oder au« dem Sedächtniß ritirt habe» muß, berichtigen »u wollen. Wir haben mch» gejagt, daß da deutschen Juden kein Veld sür di« Hungerleidenden in Palästina gebet. würden — da« würde ja der thariöchlichen Wahrheit geradezu m« Srficht geschlagen — sondern wir rechnen für «in« Lhärigkett zur L erbesserung der Zustände i« heilige, Land« «icht aus di« »rutsihen Juden, au« den dort angegebenen Äründen.

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