Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 192 — nicht, daß man mich darum der Eigenliebe zeih«: „Wer haben im letzten Augenblicke geglaubt, daß e« vielleicht nöthig sei, die NaturaUation durch ein Gesetz zu ertbylen; wenn aber ein so gelierter Juriß, wie Hers^Kmjeux P«»t, daß eine Verordnung genüge, so wich» sei« »NMht von große» Gewicht sein." varau Haje ich mich tzeMllchn, ab» 8k Regierung hat sich nicht gehalten, sie ist gefallen (Lachen und Lärm.) " " Die Juden in Algerien sind nicht für französische Bürger erklärt worden. Aber was ereignete sich nun? Das von Napoleon III. vorbereitete kaiserliche Decret fand ich redigirt unter den Papieren des Justizministeriums, und als ich, wie man so eben sich auszudrücken beliebt hat, zun> Gesetzgeber avancirte, hatte ich weiter nichts zu thun, als es zu veröffentlichen und in Kraft treten zu lassen. Nur eins muß ich Ihnen, meine Herren, bemerken, was Hie interessiren wird, weil nicht ein jeder, so wie ich, weiß, was nach der jüdischen Religion erlaubt oder verboten ist. Der Artikel 3 deS Kaiserlichen Dekrets enthält die Bestimmung, daß während eines Jahres jeder Jude das Recht haben solle, das ihm angetraoene Bürgerrecht abzulehnen. Die jüdische Religion ist in ihren Einzelheiten nur Wenigen bekannt und wird oft ganz falsch beurtheilt; diese so alte Religion befiehlt die strenge Beobachtung gewisser Vorschriften, mit denen jeder gute, jeder wahre Jude (Heiterkeit) vertraut ist. Man kann sicherlich ihre religiösen Gefühle nicht tadeln. Die von ihrer Religion durchdrungenen Juden sind fest überzeugt, daß Alles, was sie betrifft, unmittelbar von Gott kommt, daß Gott es gewollt und angeordnet hat. Run hören Eie den Grund, weshalb der dritte Artikel der Rapoleonischen Verordnung nicht bestehen bleiben konnte. Die Juden find 1500 Jahre den gehässigsten und schrecklichsten Verfolgungen auSgesetzt gewesen. Ich, der ich vor Ihnen rede, der ich di: Ehre gehabt habe, Ihr Gesetzgeber zu sein, wie man gesagt hat, ich bin der Nachkomme Derjenigen, die man unter Ferdinand und Jfabella auS Spanien vertrieben hat. Wir sind Alle in der Person unserer Vorfahren gehässig verfolgt worden, und wir wurden vor 1791 als eine niedrige und entwürdigte Klaff« der Bevölkerung angesehen. Frankreich hat uns zu dem gemacht, was wir find! Darum müssen Sie mir verzeihen, meine Herren, wenn ich sage, daß in dieser Versammlung schwerlich Jemand ist, der Frankreich so lieben kann, wie ich er liebe. (Sehr gut! Beifall zur Linken.) Also nun: Gott, der Alle« vorherfieht, hat vorausgesehen, daß über die Juden in fremden Ländern Verfolgung und Sklaverei kommen werde, und er hat eine Vorschrift gegeben, welche in chrem Borhersehen des Zukünftigen bewunderuSwerth ist. Er hat gesagt: „Leberall, wo chr wohnen werdet, sollt chr redlich dem Gesetze de» ftemden Lande», in dem ihr seid, Folge leisten, wenn man eS euch auferlegt." Merken Sie wohl auf diese Worte: „wenn man es euch auferlegt." Den Juden gelten diese Worte als von Gott ausgesprochene. Daraus ergibt sich, daß kein Jude freiwillig eine Rationalität verlangen kann, die nicht ganz die jüdisch« ist; er kann keine andere Rationalüät verlangen, als die, welche noch immer für di« unsterblichen Reste einer Nation besteht, di« seit Jahrtausenden existin und heute zahlreicher ist, als in de« Lage« Davids und Salomos. Wen» «an also einem Juden sagt: „Willst Du Franzose werde«, so s o l l st Du es sein; willst Du eS nicht, so sollst Du es nicht sein" — sa muß dieser Jude sich saHn: ich kann nicht HhrA^mnehmen, die nLtt die meinigen Ruh, kann nicht ein «etz übernehmen, wAchßjk nicht megt Gesetz ist. Und nun, |\ da ich diese Sacht wußte, Hache ich ihnen diese Gesetz« »uferlegt (Allgemeine Heiterkeit, Beifall auf verschiedenen Bänken.) i Gras de Bastard: Sie haben die Roll« de» himmlischen Vater» übernommen! Crämieux: Das hat man mir schon früher und wieder gestern in Ihrer Commission gesagt: „Warum haben Sie ihnen das Bürgerrecht auferlegt?" — Sie haben nun die Erklärung gehört. Und glauben Sie ja nicht, daß mir einer von diesen zu Franzosen gewordenen Juden Borwürfe gemacht hat. Nicht Einer, hören Sie wohl! hat sich gegen das Dekret aufgelehnt, sie haben es insgesamnit als eine Wohlthat empfunden, wie wir das 1791 gethan habe»." (DieS sind die Sätze, welche wir zu erläutern Vorhaben. Der Rest der Rede ist für unfern Zweck nicht wichtig; wir geben nur einen kurzen Auszug.) * „Die algerischen Israeliten habe ich Ihnen, 35,000 an der Zahl, in einem Augenblick als Mitbürger zugesührt, da Frankreich sich mußte einen Theil seiner Landeskinder — aber nicht auf immer (Beifall) — entreißen lassen. In diesen drei Jahren hat keiner dieser 35,000 neuen Mitbürger unter einer schimpflichen Anklage vor Gericht gestanden, und als davon die Rede war, sie der Militärpflicht zu entheben, tele* graphirten mir die Consistorien: Wir sind Franzosen, wir wollen als Franzosen leben und sterben. Wir sind auf den ersten Ruf bereit! (Sehr gut.) Sie haben diese neuen Mitbürger und Mitstreiter; sie werden Ihnen keine Unehre machen, verlassen Sie sich darauf. Wenn ich es al» Ehre und Glück - betrachte, Frankreich diese neue Familie gegeben zu haben, so geschieht dienicht, weil ich, wie sie, Israelit bin. Niemand kann mehr Ehrerbietung gegen alle Religionen hegen, als ich. Ich begreife nicht die Religionen, die einander bekämpfen, sondern nur diejenigen, die einander die Hände reichen." (Sehr gut!) Redner führt ferner au», wie es (am, daß der General Chanzy, weil die algerischen Abgeordneten volles Vertraue« in chn fetzten, an die Spitze der Militär- und Civilverwaltung zugleich gestellt und im Zusammenhang mit dieser Reuerunder von Herrn Lambert erwähnte Antrag eingereicht wurde. Er fordert die Versammlung auf, beide Anträge in Betracht zu ziehen, und sein Vorschlag wird angenommen. Was meint nun Erämieux mit dem Auferlegen einer ftemden Nationalität und ftemder Gesetze? — Er hat allerdings da» Wo« Rationalität in etwa« elastischer Bedeutung genommen, er hat in etwas advokat arischer Weise mit diesem elastischen Begriffe operirt, und er hat die Sach« seinem Audi, torium mundgerecht zu machen gesucht. Jüdische Rationalltät im eigentliche» Sinne und französische, deutsch«, englisch« u. s.« schließen einander nicht aus, d. h. man kann Franzose u. f.» werden, ohne aufzuhören, Jude zu sein. Aber Erämimx weiß . dennoch recht gut, was er wist, er weiß sehr wohl, was «ach orthodoxen Principien — und wer kann dm algerischm Judm , gegenüber von anderen ausgehen? — int Judenthum Rechtens ist, und kennt die Berhältniffe Algeriens. So lange"di« algerischen Judm noch nicht französische Bürger «area, hnktt t « r - •- v» . rischen Judm noch nicht ftanzöfische Bürger «area, hnktt t « r - •- v»