Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 23.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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‘ ' '' — 187 —» / -<i- **■ i . ■ CmiffnUbriuf HRb GewissenSzivang kann bei >m« gar nicht; bk 8kbe sein, unb wir twbauern daher, wen» die Gesetzgebung ans Grund der Agitation Einzelner diesen Weg beschreitet.* Ost genug Hab« ich beobachtet, in wie bedeutender Welse ein geinrinsameS Leben zum Stutzen und Frommen aller Milglieber sich gerade in de,l jüdischen Gemeinden gebildet, welche Opferfreudlgkeit sich bei einzelnen Juden oft in weit größerem Maße at» bei anderen Conscssionen enlwickelt hat, wie sehr bedeutende Einrichtungen auf diese Weise geschaffen sind. Ich kan» mich daher sehr lebhast aus diese» Standpunkt versetzen und vermag die Entstehung dieser Agitation sehr wohl zu verstehen. Nichtsdestoweniger können wir voil dem Standpunkte aus, den unsere gejamnlte Gesetzgebung in diesen 'Singen elngenovimen, nicht umhin, die Eonsequenzen derselben auch sUr diese» Gebiet zu ziehen. Die Anhänger des Alten, wenii ich sie so nennen soll, sagen: die Fragen, die in den christiichrit Eonfessionen zu de» Maigesetzen und zur Gewährung de« freien Austritte« au« einer bestimmten Confessio», ohne damit daS Chriftenthum selbst preiszugcden, gesührt habe», werden bei uns gar nicht aufgeworfen. Da» Judenthum hat keine bestiinmte Confessionalität, weil es keine bestimmten B^kennlniffe hat. Run hat bereit« mein Freund LaSker heroorgehobeu, daß diese Frage von uns und von der Gesetzgebung gar nicht entschieden werden kann. Die wissenschaftliche, phiwiophijche oder religiöse Ansicht einzelner jüdisch«! Gelehnen wird aber durchaus nicht allgeniein gelheilt, und die dagegen hervortreleude Agitation muß unS gelingen, die Freiheu zu gewähren, au« einer bestimmt gearteten, von bestinimten Grundsätzen ausgehenden und geleiteten jüdischen Gevieiuichasl auszulrelen, ohne direct die ganze Grundlage de» südliche» religiösen Denkens und daS Judenthum selbst auszugeben. Mail bedauert nun wohl, daß die Gesetzgebung dadurch die Neuichöpfung wenhvoller kirchlicher und humaner Einrichtungen und die gesicherte Erhaltung ehrwürdiger, bereit« bestehender erschweren unb gefährden kann. Dasür aber einen Jwang zu schagen ober beizuhalten, ist bie Gesetzgebung nicht berechtigt. Die LebenSverhäilniffe der Juden haben sich ja t.n Folge brr modernen Gesetzgebung in dieser Beziehung auch außerordentlich geändert. In vielen preußischen Provinzen, bie ich genauer kenne, standen früher bie Juden ganz außerhalb der politischen Gemeinschast, sie bildeten eigene religioS-poliliiche Vereine mit staatlich zwangsmaßigem Charakter. In Aol..e be>jen mußten sie viele Einrichtungen auf ihre befonbereit Ko>lrn schaffen, welche sonst bie allgemeinen politischen Genreinden stch herftellten. In Schule unb Armenverwaltung war bas namentlich unb zwar in sehr ausgedehntem Maße der Fall. Ja es führte vielfach dahin, baß bie Juden ihre Schulen, Armenansmlten unb Hospuäler auf eigene Kosten erhallen unb noch obendrein zu den Lasten der allgemeinen po- Utifchen Gemeinde beisteuern mußten, von denen sie keinen Vortheil hatten. Dadurch sind diese Einrichtungen vielleicht eine Rvlhwendigkeit geworden. Von dem Augenblick an, wo diese pnvilegia odioua wegsallen, wo die Separatbelastung der Juden aufhört unb sie lebendige Mitglieder der gesammten polltiichen Gemeinde werden, trUt eine sehr wesentliche Veränderung in Beziehung aus bie Lage dieser jüdischen Gemeinden ein, unb bie Skvthwendigkeit, derartige separate Eimichtungen zwangsweiie ausrechtzuerhalten, fällt für den Staat vollständig hinweg. Die r efürchtung, daß da» Recht der freien Austritts Alle« auf den Kopf stellen würde in den bisherigen jüdischen Genreinden, lhrile ich nicht. So viel ich bie Sache Hab« beobach.en können, hat im Laufe der Jahrhunderte gerade in den jüdischen Gemeinden ein so starker Geist der Gemeinschaft sich emwickelt, baß ich unmöglich glauben kann, daß Alles nur auf Zwang beruht. Ich bin vieluiehr überzeugt, die Erfa ruug wird zeigen, baß brr freie Wille und das natürliche Jntereffe hier weit wirksamer ist, als der gesetzliche Zwang." Leipzig. Die Menbel«sohn-Sliftung hat ihren ö. Bericht für bi« drei Jahre 1871—73 ausgegeben Dieselbe bezweckt, getheilt in zwei Sectionen, deren Conto'« separat geführt «eroen: I) Verleihung von Stipendien an Siudirend«, 8) Unterstützungen in besonderen Fällen an movientan HilsSbidürftigr verschiedener Rrl, mit Ausschluß eigentlicher Bettler. (So soffen wir, nach den int Bericht aufgefnhrlen Posten, diese Sectio» zusammen.) Der Einleitung entnehmen wir einige Sätze: „Sänimtliche Berichte bieten dar Bild eine« allmähligen, in steter und gesunder Entwickelung begriffenen WachSthum« der Stiftung. Die Zahl der Mitglieder und der Jahresbeiträge, soivie ganz besonders der ziirstragende die Zukunft der Stiftung sichernde „feste Fonds" vermehrten sich in erfreu - lichster Weise. So weist beispielsweise der erste Bericht 1861—1862 nur 103 Mitglieder, 622 Thlr. Jahresbeiträge, 732 Thlr. 16 Ngr. feste Fond« und 934 Thlr. Unterstützungen, also 467 Thlr. jährlich aus beiden Sectionen; gegen 198 Mitglieder, 777'/, Thlr. Jahresbeiträge, 4463 Thlr. feste Fond« unb 2144 Thlr. Unterstützungen, also durchschnittlich 724'/, Thlr. jährlich aus beiden Sectionen im vorliegenden Berichte. Aber auch die Zahl der zu Unterstützenden wächst von Jahr zu Jahr, da namentlich der wohlverdiente glänzende Ruf unserer Hochschule und ihrer eminenten Lehrkräfte eine ungleich größere Zahl Jünger der Wiffenschaft in unsere Stadt zieht, al« zur Zeit, da unsere Stiftung in» Leben tra:. Nicht immer aber sind bie eifrigsten Jünger der Wissenschaft auch die mit Reichlhüin.rn gesegnetesten. Vielmehr giebt es unter den unsere Hochschule aus weitester Fern« Aussuchenden eine beträchtliche Anzahl solcher, die nur mit sehr geringen Mitteln versehen, oder völlig mittellos sind, und untir den größten Schwierigkeiten und Entbehrungen ihren Studien obliegen. Solche« Streben aufzumuntern und zu befördern ist abir Zweck unserer Stiftung. Im Verfolgen desselben werben wir durch die freudige Wahrnehmung ermuntert, daß unter denjenigen, welchen die Mendelssohn-Stiftung das Studiren an unserer Hochschule, und die künstlerische Ausbildung an den bisherigen Kunstinstituten ermöglicht hat, eine nicht geringe Zahl sich auf dem Gebiete der Kunst und Wiffenschaft durch hervorragende Leistungen auszeichnet und sich bereits in Avlt unb Mürben besindet. Einer derselben hat zu unserer nicht geringen Freude in bie* fern Jahre mit dem Motto „als ein Zeichen dankbarer Erinnerung" der Stiftung eine Schenkung zukommen lassen. Freilich müssen wir mit Belrübniß constatiren, daß di>^ da» erste Zeichen der Erinnerung von Seilen der vielen durch die Stiftung Unterstützten ist Leider ist auch die Betheiligung von auswärts im Allgemeinen noch immer eine sehr geringe, während doch unsere Stiftung hauptsächlich armen fremden Studirenden zu Gute kommt Durch die ersolgreichen Bemühungen de« Herrn Stadt - ralh Vorsteher Moritz Kohner ist unsere Stiftung von d:n Mitgliedern unserer Gemeinde bei freudigen wie bei traurig:» Gelegenheiten mit größter Freigebigkeit bedacht worden Die feit säst 2 Iahen von Seiten des hiesigen israelitischen GemeindevorstandeS geregelte, von Gemeindemitgliedern in vollster Hingebung verwaltete Armenkasse überhebt die Sccturn II. unserer Stiftung der peinlichen Lage, ihre Gaben wie bisher zersplittern zu müffen, und verschafft ihr dadurch die Genuglhuung, da, wo es nöthig ist, mit größeren Sui»ul:n aushelfen zu können." Stabt LengSftlb (Großheczogthum Sachs. Weim ), d. 18. Mai. (Or.-Eorr.) Daß der Satz: „bie Torah wird nicht vergessen werden," seine Wahrheit nicht verloren hat, beweist die besondere Aufmerksamkeit, die unserm Herrn Landrabbin er Dr. Kroner in diesen Tagen von der hiesigen Chewra B kk. Cholin, zu Therl wurde. Trotzdem, baß da« „Lernen" seit Jcchren hier im Argen lag und jede« Interesse dasür systematisch unterdrückt wurde, hatten die in uneigennütziger Weise «m B'IV im Vereine gehaltenen Vorträge de« Herrn Dr. tkr.