Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 23.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 184 — tigen Grenzen — je ander« al« zweckmäßig und VNdlfuslljch gesunden l? Man hat aber unsre« Wissen« noch nicht darauf hinge wiesen, daß wt^fa fi» der Bibel felbS m/hrere Mijptele von einer wirklichen Ronfirmatiolt haben, nusv« erlich Eei nicht M Knaben oder Mdcheik harch^lt, chä« AcH jnHinffAt nuf den jetzt hier in Rede stehenden Punkt mnen Unterschied macht. »A? Sinai wäre längst geschloffen, gültig und kräftig auch für da« junge Geschlecht, welcher nicht selbst am Sinai gestanden hatte. Dennoch läßt Mose« ihn, nach vorhergegangrnrr Verwarnung und Ermahnung, noch einmal erneuern. Wollte man aber einwenden, daß er die« auf göttliche« Geheiß gethan habe, und daß wir un« aus sein Beispiel nicht berufen können, so verweisen wir weiter auf Josua Kap. 23 und 24, besonder« 24, 14—22. Da» ist da« vollständige Vorbild für eine israelitisch« Eonfirmatton. Josua beruft da« Volk, jung und alt, die längst „vom Sinai her verpflichteten.* Er hält ihnen vor, wa« Gott an ihnen gethan hat, mahnt und warnt, dann fragt er: wollt ihr nun Gott dienen? ihr habt die Wahl, entscheidet und erklärt euch; wollt ihr nicht, so werden ich und mein Hau» Gott dienen! Und da« Volk verspricht und wiederholt da« Versprechen, und Josua ruft die« ihr Versprechen al« Zeugniß an. — Ist Josua «in Ketzer, hat er nicht gewußt, wa« er sprach, ist er ein Phrasenheld, ist er ein Lügner?! Dürfen wir den Eonfirmanden gegenüber nicht gmau ebenso sprechen und — haben wir nun nüthig, irgend ein fremde« Vorbild zu suchen, Protestanten oder Katholiken zu copiren, da wir mit Aenderung weniger, da« Wesen der Sach« nicht berührender Worte (die wohl ieber, der die Stelle nachliest, selbst findet) un« getreu an die Worte der h. Schrift, d. h. an die Verse Josua 24, 14—15 halten können?!*) Da« habe ich venn auch, seit ich amtire, meisten« gethan, ohne gerade stereotyp immer dieselben Worte zu gebrauchen. Mitunter Hab« ich mich auch mehr an die Stellen im 5. B. Mos. gehalten; immer aber Hab« ich, wie dort geschieht, an die Wohlthaten Gotte« erinnert, habe da« Gute und da« Böse „vorgelegt" und dann gesagt: ihr seid jetzt religiösmündig, es ist an euch, zu wählen! — Wa« unter diesem „Wählen" zu verstehen sei, da« hatte ich den Eonfirmandrn hinlänglich vorher erklärt; ich stütze mich aber, wenn ich aufforder« zu wählen und zu erklären, auf Mose« und Josua. Wer will mich in dieser Position angreifen?! Mögen Andere di« Konfirmation ander« auffaffen; daß sie in dieser Auffaffung und Anwendung streng diblstch und vom Ursprung an jüdisch ist, das wird Niemand bestreiten könne». Daraus ergibt sich aber auch noch manche« Andere, keineswegs Nebensächliche. E« ergibt sich daraus, daß auch die Mädchen nicht von der Eonfirmatiou auSgeschloffen werden sollen, denn da« haben auch Mose« und Josua nicht gethan; bei Elfterem ist ausdrücklich gesagt, daß Frauen und Kinder mit berufen worden, bei Letzterem ist wenigstens da« Gegeiltheil nirgends angedeutet; warum sollte er nicht da« Beispiel seine» Lehrer« befolgt haben? Ferner, daß die Confirmation öffentlich, d. h. in Gegenwart der Gemeinde, nicht nur der Eltern, Verwandten u. s. w., vorgenommen werden ») Weiter ist noch ans Stehemio 10, besonder« L 30 zu »erweisen. Heber do« .Wählet" bei Jos», vergleich« aum »bartanel J- St. JqJJf. Man J)Ot sie an manchen Orten t» die Schul« verlegt, d. h. nicht gerade in da» Schnllokal, da« wäre mehr nebensächlich, sondern man hat ftf <# PMßffung au» der Son»ftylt, tsUMbjchluß de« RahioGuMrricht» behandelt. >nn nnt all «chsFechend betrachtet tverÜW Faktisch wird di« matuM nÜ 9fr Entlassung meistert Mtmmensallen, aber die beiden Akte decken einander nicht, und man sollte «» vermeiden, jene zu einem nur in die Synagoge verlegten Schulactut zu machfti.' Soll ferner die Eonfirmatton zit °«iner religiösen Feierlichkeit erhoben werden, so darf fl« nicht an einem beliebigen Tage vorgenommen werden. Abgesehen davon, daß e« mindesten« sehr sonderbar au»steht, wenn die jüdisch« Eonfirmatton, wie e« dann häufig geschieht, an einem christlichen Feiertage, Sonntag, Himmelfahrt«tag u. d. m. vorgenommen wird, so läßt sich auch die festlich« Stimmung der Gemeind« nicht an einem beliebigen Tag« commanbirtn. Daß die Eonfirmatton am besten, wie sich die« in vielen Orten fett mehr al» einem Menschenalter «ingebürgert hat, am Wochenfeste vorgenommen wird, liegt durchau» in der Natur diese« Feste«. Und nun noch ein Wort über da« „Hersagen" von Au«- wendiggeierntem. Nicht al« ob wir e« für «öthig fänden zu beweise», daß e» nicht ander« niöglich sei, daß «inen freie« Vortrag eigener Gedanken nach de« Moment« Eingebung zu fordern rein sinnlos wäre — nein, wir möchten nur die tadelsüchtigen und spottiustigen Ottbodoxen ftagen, ob den« da« „Einschärfen, Einprägen, in den Mund Legen" der religiösen Lehren etwa unbiblisch, unjüdisch, neue Erfindung und Nachahmung und nicht vielmehr an vielen hundert Stellen unS zur Pflicht gemacht jei. Jigdal unv Ani Maamin, auswendig gelernt oder au» dem Buche, täglich hersagrn, da« ist löblich, aber in deutscher Sprache wohl eingeprägte Glaubens-, Sittenlehren und Bibrlverse aussagen, da« soll eine Komödie und wa« sonst noch sein! Und schadet e« etwa der Gemeinde der Erwachsenen, wenn sie einen Abriß der ReltgionSiehre und auSgewähite Bibelsprüche einmal von Jahr zu Jahr wieder hören?! Ist da« heutzutage so überflüssig, so nutzlos? Ist e« nicht von erheblichstem, unläugbarstem Nutzen, wenn die ftüher Eonfirmirten da« einst Erlernte und wahrlich leider oft genug dem Gedächtniß halb Entschwundene, wieder durch Anhören auffrischrn, wenn sie dabei sich mancher Lehre wieder erinnern, auch die eine oder die andere mft inzwischen gereifterem Verstände, auf Grund gewonnener Erfahrungen prüfen, immerhin auch kritisch prüfen, so fl« nur wieder einmal den Gesammttnhalt der Religionslehre überdenken — während Predigt u. dergl. m. immer nur einzelne Punkte hervorheben kann? Wir ziehen e« bahör vift, wenn die Prüfung mit der Eonfirmalion zu e i n e m Ganzen verbunden werden kann, e« ist jedoch in großen Gemeinden nicht wohl lhunlich. Wenn aber jahraus jahrein wescntlich dieselben Fragen und Antworten Vorkommen, und wenn — weil ei« denkender und sich selbst fortbildender Religionslehrer den» doch immer wieder an dem Vorzutragenden ändern und feilen wird — auch wieder nicht wörtlich dasselbe gehört wird, wenn in dem «inen wie in dem anderen Falle ältere Zuhörer, ältere Geschwister, da« Wiederholte hören, da« Geänderte bemerken, so kann beide« nur gute Folgen haben. Muß schließlich noch der Vorwurf, daß e« bei der Eonfirmation vornehmlich auf Rührung abgesehen sei. zurückge-