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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 23. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 23.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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tigen Grenzen — je ander» als zweckmäßig «nh perdisiffilsch gefunden!? Man hat aber unsre» Wissen» noch nicht wiesen, daß wi^ja ist der Biflel selbB mehrere einer wirklichen lonfi^matioij haben, nuK«U e-^ich Knaben oder MdcheE hagelt, Has jetzt hier in Rede stehenden Punkt uf hingeijptele von i nicht M Hißstche nnf den Unterschied macht. Sinai wäre längst geschloffen, gültig und kräftig auch für das junge Geschlecht, welche» nicht selbst am Sinai gestanden hatte. Dennoch läßt Mose» ihn, nach vorhergegangener Verwarnung und Ermahnung, noch einmal erneuern. Wollte man aber einwenden, daß er die» auf göttliche» Geheiß gethan habe, und daß wir un» auf sein Beispiel nicht berufen können, so verweisen wir weiter auf Josua Kap. 23 und 24, besonders 24, 14—22. Da» ist das vollständige Vorbild für eine israelitisch« Eonfirmation. Josua beruft da» Volk, jung und alt, die längst „vom Sinai her Äerpflichteten.* Er hält ihnen vor, was Gott an Hnen gethan hat, mahnt und warnt, dann ftagt er: wollt ihr nun Gott dienen? ihr habt die Wahl, entscheidet und erklärt euch; wollt ihr nicht, so werden ich und mein Hau» Gott dienen! Und das Volk verspricht und wiederholt das Versprechen, und Josua ruft die» ihr Versprechen als Zeugniß an. — Ist Josua ein Ketzer, hat er nicht gewußt, was er sprach, ist er «in Phrasenheld, ist er ein Lügner?! Dürfen wir den Eonfirmanden gegenüber nicht genau ebenso sprechen und — haben wir nun nöthig, irgend ein fremde» Vorbild zu suchen, Protestanten oder Katholiken zu copiren, da wir mit Aenderung weniger, da» Wesen der Sache nicht berührender Worte (die wohl;eber, der die Stelle nachliest, selbst findet) un» getreu an die Worte der h. Schrift, d. h. an die Verse Josua 24, 14—15 halten können?!*) Da» Hab« ich denn auch, seit ich amtire, meisten» gethan, ohne gerade stereotyp immer dieselben Worte zu gebrauchen. Mitunter Hab« ich mich auch mehr an die Stellen im 5. B. Mos. gehalten; immer aber Hab« ich, wie dort geschieht, an die Wohlthaten Gotte» erinnert, habe da» Gute und da» Böse „vorgelegt" und dann gesagt: ihr seid jetzt religiösmündig, e» ist an euch, zu wählen! — Wa» unter diesem „Wählen" zu verstehen sei, da» hatte ich den Toafirmandrn hinlänglich vorher erklärt; ich stütz« mich aber, wenn ich auffordere zu wählen und zu erklären, auf Mose» und Josua. Wer w.ll mich in dieser Position angreifen?! Mögen Andere die Eonfirmation ander» auffaffen; daß sie in dieser Auffaffung und Anwendung streng btblftch und vom Ursprung an jüdisch ist, da» wird Niemand bestreite» könne». Darau» ergibt sich aber auch noch manche» Andere, keinesweg« Nebensächliche. E« ergibt sich darau«, daß auch die Mädchen nicht von der Eonfirmation ausgeschloffen werden sollen, denn da» haben auch Mose» und Josua nicht gethan; bei Erfterem ist ausdrücklich gesagt, daß Frauen und Kinder mit berufen worden, bet Letzterem ist wenigsten« da» Gegentheil nirgend» angedeutel; warum sollte er nicht da» Beispiel seine« Lehrer« befolgt haben? Ferner, daß die Eonfirmation öffentlich, d. h. in Gegenwart der Gemeinde, nicht nur der Eltern, Verwandten u. s. w., vorgenommen werden »1 Vetter ist noch »uf «ehemi» 1V, oesonder« 8 80 |u erweisen. Ue»e» b»l .wittzlet" M Josua vergleich« mam »barbanet %. 8t. zffung au» der Erricht» behandelt. > Faktisch wird di« immensallen, aber scAf. Mandat sie an manchen Orten iir die Schule verlegt, d. h. nicht gerade in da» Schullokal, da» "wäre mehr nebensächlich, sondern man hat stst al n»ttule, ßt^tkbichluß de»Rek^io»»u nn nftt a(» eAszEechend betrautet Äetl lauJI n$ Br Entlassung m'cffteaft die beiden Akte decken einander nicht, und man sollte «» vermeiden, jene zu einem nur in die Synagoge verlegten Schulart'»» zu wacher' Soll ferner die Eonfirmation zu "einer religiösen Feierlichkeit erhoben werdm, so darf sie nicht an einem beliebigen Tage vorgenommen werden. Abgesehen davon, daß es mindesten» sehr sonderbar auSfieht, wenn die jüdische Eonfirmation, wie e» dann häufig geschieht, an einem christlichen Feiertage, Sonntag, Himmelsahrt-tag u. d. m. vorgenommen wird, so läßt sich auch die festlich« Sinnmung der Gemeind« nicht an einem beliebigen Tage commandiren. Daß die Eonfirmation am besten, wie sich die» in viel« Orte» fett mehr al» einem Menschenalter eingebürgert hat, am Wochenfeste vorgenommen wird, liegt durchau» in der Rattrr diese» Feste». Und nun noch ein Wort über da» „Hrrsagen" von Auswendiggelerntem. Nicht al» ob wir e» iür nöthig fände» zu beweisen, daß e» nicht ander» möglich sei, daß «inen freie« Vortrag eigener Gedanken nach de» Moment» Eingebung zu fordern rein sinnlos wäre — nein, wir möchten nur dir tadelsüchtigen und spottlustigen Orthodoxen ftagen, ob den« da» „Einschärfen, Einprägen, in den Mund Legen" der religiösen Lehren etiya unbiblisch, unjüdisch, neue Erfindung u«d Nachahmung und nicht vielmehr an vielen hundert Stelle« un» zur Pflicht gemacht jei. Jigdal und Ani Maamin, auswendig gelernt oder au» dem Buche, täglich hersagen, da» ist löblich, aber in deutscher Sprache wohl eingeprägl« Slaubcn»>, Eiltenlehren und Bibelverse aussagen, da» soll eine Komödie und wa» sonst noch sein! Und schadet e« etwa der Gemeinde der Erwachsenen, wenn sie einen Abriß der ReltgionSlehre und auSgewählte Bibelsprüche einmal von Jahr zu Jahr wieder hören?! Ist da» heutzutage so überflüssig, so nutzlos? Ist e» nicht von erheblichstem, unläugbarstem Nutzen, wenn die ftüher Sonfirmirlen da» einst Erlernte und wahrlich leider oft genug dem Gedächtniß halb Entschwundene, wieder durch Anbören auffrischen, wenn sie dabei sich mancher Lehre wieder erinnern, auch die eine oder dt« andere mtt inzwischen gereifterem Verstände, auf Grund gewonnener Erfahrungen prüfen, immerhin auch kritisch prüfen, so fl« nur wieder einmal den Gesammtinhalt der Religionslehre überdenken — während Predigt u. dergl. m. immer nur einzelne Punkte hervorheben kann? Wir ziehen «» daher vift, wenn die Prüfung mir der Eonfirmation zu einem Ganzen verbunden werden kann, e» ist jedoch in großen Gemeinden nicht wohl lhunlich. Wenn aber jahraus jahrein wesentlich dieselben Fragen und Antworten Vorkommen, und wenn — weil ei» denkender und sich selbst fortbildender Reltgion»lehrer de«« doch immer wieder an dem Vorzutragenden ändern und feilen wird — auch wieder nicht wörtlich da»s«lb« gehört wird, wenn in dem «inen wie in dem andere« Fall« älter« Zuhörer, ältere Geschwister, da« Wiederholte hören, da» Geändert« bemerken, so kann beide» nur gute Folgen haben. Muß schließlich noch der Vorwurf, daß e» bet der Lo»« firmation vornehmlich auf Rührung abgesehen sei, zurückge-

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