Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Ravten Pole bezeichn«» wird, so nmrd« dies« erste Gemeinde die pst»,sch« genannt, ivelchen Namen sic »och henke führt. I» de» 40er Jahren entstanden fast gleichzeitig zweiGrmein- > den, eine sogenannte bairische und eine böhmische; da sie aber beide zu klein waren, um sich halten zu können, und so ziemlich denselben Minhag hatteil, 'verschmolzen sie zu einer Gemeinde unter dem Namen „Bnai El Congregation.“ Juda ' Louro schenkte dieser Genieind« die beträchtliche Summe von 3000 Dollar-, und man ging in Folge besten daran, eine Synagoge zu erb>iuen. die denn 1855 feierlichst eingeweihl murde. Im Jahre 1868 spaltete sich die über 200 Mitglieder zählende Gemeinde, und die größere und reichere Hälfte 1 baute unter einem Aufwand von 125,000 Dollar« einen prachtvollen Tempel, führte Einharn'S Gebetbuch und damit die Radikal-Reform ei» und berief vr. Sonneschein, der kurz vorher au« Prag nach Rcwyork gekommen war, zu ihrem Prediger. Die nun aus ca. 60 Mitglieder zusammengeschmolzene Bnai-El Congregution erwählte 1870 Dr. S. Wolfensteil, zu ihrem Prediger, und erfreut sich nun unter dem Banner de« gemäßigten Fortschritt«, mit einer Anzahl von ISO Mitgliedern, eine« blühenden Zustande«. Jede dieser ,Geinciadeu hat eine unter der Leitung ihrer Rabbiner stehende ReligionSschule, in der aui Eabbath und Sonntag in Hebr. Lesen und Übersetzen wie in bidl. Geschichte Unterricht ertbeilt «iid Außerdem bestehen hier noch zwei kleinere ganz orthodoxe Gemeinden, deren Mitglieder Galizianer und Russisch- Polen sind. Ihren EiniguugSpnnkt hat die jüdische Bevölkerung unserer Stadt in den Unterstützung-Vereinen. Seil dr« Brande von Chicago besteht hier ein von den DDr. Sonnescheiu u. Wolsenstein in» Leben gerufener Unlerstützung»- Lcrein unter dem Namen: United Hebrew Relief Association; demselben gehören di» Mitglieder der verschiedenen Gemeinden und auch solche J-raelilen an, die sich keiner Gemeind« angeschlosteu haben. Der Verein unterstützt jeden Hilfesuchenden ohne allen Unterschied nach seinen Kräften. Di« Durchschniltsjumme der Jahre-auSgaben beträgt 4500 Dollar«. — Die Grsammt-Anzahl der hier lebenden J-raeliten beläuft sich nach einer allerding« nur muthmaßlichen Abschätzung auf ca. 1000 Fainilicu, wovon kaum die Hälfte den Gemeinden angehört. Eine den europäischen Verhältnissen völlig unbekannte Wirksamkeit entfaltet da« amerikanische Judenlhum innerhalb des Logen-Wesen«. Ueber den Hauptrepräsenlanten derselben, ,Bnai Brith“, hat Ihr Eorrespondenl ans R K >" dir. IS c. Einzelheiten gebracht, die vollkomnien der Wahrheit entsprechend sind. Außer de» Bnai Brith existiren noch mehrere andere jüd. Orden, von denen die bedeutendsten: Kescher schel Barsei uns free suns of Israel sind. Ueber diese Orden und deren Wirksamkeit will ich Ihnen nächsten« Aursührlichere« melden. (Wir bitten uin Fortsetzung. Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 13. Mai. In der heutigen Sitzung de« Abgeordnetenhauses standen zwei Petitionen auf der Tagesordnung, welche sich mit dem Umstand« beschäftigen, daß die Juden nicht a»,« ihrer Religionsgesellschaft treten dürfen, ohne zugleich au« der gesammten Religionsgesellschaft sämmtlicher Juden auszutreten. Nachdem der Berichterstatter gefnrochen, wird ein VertagungSantrag angenommen. (Bericht über die Sitzung von, 20. in nächiter Rr. Sonntägliche Plaudereien der Berliner Börsenzeitung, rl. d. 17. Mai 1874. „So unbestreitbar es ist, daß Herr Laster mtt enormer Gewandtheu und Unerschrockenheit sich bestrebt zeigt, da» jeuütijche Blut von dem Vorwürfe ererbter Geldgier >uw angestammten Schachergeiste« dadurch zu reinigen, daß er einerseits sich selbst oi» den schlackenfreien Engel de« Lichtbeständig der Welt vor Augen führt, andererseits gewaltige Anklagen schmiedet gegen Männer, welche nicht dem. auseiwählten Volke angehören — so unleugbar da« auf diesen Wegen von ihm bewiesene Talent ist, so wird der bered!« Mann doch wenig damit erreicht haben, wenn gelegentlich siih Herausstellen sollte, daß seine Nerven schwächer al« feine Zunge seien, und daß mit seinem Muthe, Kränkungen auszusprechen, nicht seine Bereitwilligkeit, dieselben zu vrrtretm, gleichen Schritt halte. Heute freut sich ganz Israel, daß David Larker zwn Goliath», zwei Prinzen der Philister, mit einem Wune erlegt habe. Allein der Tanz de» Sieger« um die BundeSlade wird wahrscheinlich gestört werden." Hätte eine gebildete und vorunheilSsreie Redact,on den vorstehenden Putschereien und A Slaffungen eine Uebenchrist zu geben, so würde sie al« geeignetere wählen dürfen: „Sonntägliche Pöbelhaftigkeiten oder Hepp Hepp." (i*. u. H. Z.» Buefea, 14. Mai. Hr. vr. Horovicz, Rabbiner in Lauenburg in Pommern, ist heute einstimmig zum Rabbiner hiesiger Gemeinde erwählt worden. Da die Stellung, in der sich die HH. vr. Gebhard und Zuckermandel nicht« weniger al« behaglich fühlten, durch da« jüngst erfolgte Ableben de« Inhaber« des Rabbinat« eine andere geworden ist, so steht zu hoffen, daß sich dem nunmehr Erwählten ein Feld friedlicher Thätigkeit eröffnen werde. Pari». Zu Ehren de», wie man sich erinnern wird. t«i einem der blusigsten Kämpfe vor Pari» gefallenen Eommandanten Franchetti hat Ehanzy, Generalgouverneur von Algerien, einer neuen Niederlassung den Namen de« Helden gegeben. Ein gewiffe« Gegenstück hierzu bildet folgender Bericht der „N. F. Pr«: Ein royalistischer Depusirter, Herr de la Sico iere, IM einen Bericht über die Acte der National-Regierung in Algerien verfaßt. Dieser Herr sucht in seinem Berichte zu de«ei,en, daß alle« Ungemach, von dem diese Colonie betroffen wurde, den Juden zuzuschreiben wäre. Er schleudert sein >nat ema insbesondere gegen Eremieux, welcher den Juden in Algerien politische Rechte verliehen hat, und beantragt, den Juden sowohl diese als auch alle anderen Rechte wieder zu nehmen. Da« Pikante an der Sach« ist, daß Eremieux eingeladen wurde, der Verlesung diese« Berichtes in der Commission beizuwohren, ' was dieser begreiflicherweise abgelehnt hat. Holland. Da« 25jährige Regierungsjubiläum des König« lst, wie von allen Schichten der Bevölkerung, io auch von den Juden, mit großartigem Jubel gefeiert worden. E« liegen darüber lange Berichte vor, die wir auch nicht ein nal in kürzestem AuSzuge miltheilen können. Es liegt überaus nah«, die drei RegierungSjubiläen, welche in so kurzer Frist auf einander gefolgt sind, unter einander zu vergleichen haben die Juden Oesterreich» und Italien« ihren Monarchen unendlich viel zu verdanken, und mußten sie deshalb die Jubiläen derselben mit großer Freud« und Daiuoarkeit begelzen, so hat Wilhelm lll seinen jüdischen Unurthanen keine besondere Gunst beweisen, ihnen keine »e»e n Rechte oerle.hen können, Mil e« deffe» nicht bedurfte. Jeder weiß, was Holland seit Jahrhunderten für die Joraeinen geivejen ist. So ist eS denn gar nicht ander« möglich, al« daß die holländischen Juden an dem Lande und am Hause Oranien »tu einer Liebe hangen, die einer Steigerung nicht fähig ist, und daß sie auf 25 Jahre voll Ruhe und Frieden mit hoher Befriedigung zurückblicken. Unter den bei Gelegenheit de« Feste«'mit dem Riederl. Löwen Decorirtrn besindet sich der Oberrabbiner Lehman« in Rymwegen. — Bor einigen Monaten wurde ein armer Jude in einem holländischen Städtchen der Brandstiftung beschuldigt und cingezogen. Rach oiermonatlicher Unterjnchungshasl wucoe er freigejprochcn, halte aber inzwischeu seine Beschäftigung cingebüßt und befand sich in hulfloser Lage. Lin junger protestuntischer Pastor hatte Mitleid mit chm und veraustnltete für chn eine Eolleclte, welch« etwa 500 Thlr. eindr achte.