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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 178 — folgendermaßen ansgcsprachen: „Auch wir hatten biefe Weigerung für ein Hinderniß gehalten; aber in Rücksicht auf die günstigen Zeugnisse deS Candidaten und auf den Umstand, daß fragliche Schule von vielen i-raelinschen Schülern besucht wird, welche am Sonnabend und an ihren Festtagen nicht kommen, finden wir, daß man in unserm Lande, wo der Sonntag als allgemeiner Ruhetag eingesetzt ist, den Israeliten u»i solchen ArunveS willen die Beförderung nicht verjage» sollte." Der Siadlrath hat, ungeachtet der warmeil Befürwortung veS Unterrichtsraths, die Wahl mit IS gegen 14 Stimmen abgelehnl. Das Seltsamste bei der Sache ist, daß ein israelitischer Jurist, Dr. I. A. Leoy, im „Handelsblalt" einen Artikel gegen die Ernennung unter der vom Eandidalen aufgestellten Bedingung veröffentlicht hat. (Un. JSr.) (Seltsam findet dies der Redakteur der Un. JSr. Wir nicht! D. h. (wohlverstanden) nicht in unserm Sinne, in unsrer HB’tf, sondern in, Hinblick auf die Anficht unsrer deutschen ÄlaubenSgenoffen Stenn Zehntel und noch mehr unsrer aufgeklärten liberale« deutschen Juden würden die von Hrn. Elle gestellte Bedingung für ganz unerhört, mehr als unjnläsfig, durchaus unviScuradel und den Mann gar für oerr .... erklären. Wie man seine Religion in Wahrheit zu Ehren bringt, davon haben viele sonst wirtlich kluge und gute Leute leider gar keine Ahnung.) Aasterdam. Die Wahl des Hrn. vr. Dünner zum Oberrabbiner von Amsterdam ist noch keineswegs ratifikirte Sache. Es haben Agitationen, Prolestationen und Berfaminlungen stallgesunden, und die holländisch jüdischen Blätter haben manch lange Auslassungen für und wider gebracht. In einer Sitzuirg der Eentral-Eommissionam 26. v. M. scheint die Angelegenheit ihrer ErlerLgu^a, und zwar in einem für den Eandidaten günstigen Sinne, nä^r gebracht zu sein. Die Debatten, welche sehr lange Zeit in Anspruch nahmen und, soweit die» mil holländischer Ruhe vereinbar, auch erregt gewesen sein müffen, drehten fich formell um einige Bestimmungen deS Statuts, während die Personalfrage, welche selbstverständlich die Hauptsache bildete, in höchst anständiger Weise aus der Diskussion geblieben zu sein scheint. Die fraglichen Artikel der Statuten besagen: ei» ausländischer Rabbiner könne gewählt werden, wenn er . . . den Doctortitel an einer ausländischen Universität erlangt hat, in einer ausländischen Gemeinde zwei Jahre als Rabbiner fungirt hat, und wenn seine Diplom« in Ordnung befunden worden find. Run ist Vr. Dünner noch nirgend» Rabbiner gewesen. Auch stritt nian darüber, ob die Eoniulisfion conipelenl sei, den Moretitel eines Eandidaten zu prüfen. ES wurde nun beaniragl, den betreffenden Paragraphen adzuändern nno einzuschalten: „wenn der Canbidat mindestens sechs Jahre als Rektor am iliederl. isr. 'Seminar fungirt hat;" diesen Posten bekleidet eben vr. D., und da das Lmendemenl mit 14 gegen 5 Stimmen angenommen worden ist, so kann man den Ausgang voraussehen. Die More-Diplome deS Eandidaten sollen durch ein Collegium von drei Rabbinern geprüft resp verifirirt werden. Akumäuien. Bnze». Im Anschluß an den auch von uns in Rr. 20 auS der „Moldau Wallachei" gebrachten Arrckel der „N. F. P." erhält die Redaktion derselben von hier die Benachrichtigung, daß als vor Kurzem hier eine Actien-Gesellschast „Roumaine" gegründet wurde, die an dem Grundsatz sesthält, keinen Israeliten, selbst in dem kleinsten Orte, als Agenten anzustellen, dies dennoch drei jener „kleinen jüd. Rothschild's," welche die ersten Bankiers in Jaffy find, nicht abgchalten hat, unter den Gründern der Gesellschaft beizutrelen Eine nette Gesellschaft! Hierauf bringt di« „R. F. P." ein „Eingesandt," dem wir die folgenden Sätze entnehmen: „Gott hilft denen, die sich selber helfen!" riefen Sie in Ihrem geschätzten Blatte den Juden Rumäniens zu, und dieser Zuruf hat bereüs ein erstes Echo gefunden in einer Ihne« gesendeten Anklage diverser dortiger „kleiner Rothschild«" — höchste- Ideal eineruinäiiischen Juden — daß diel« sich selber, richtiger ihren dortigen Brüdern, nicht helfen wollt». Gestatten Sie mir nun, Ihren Zuruf auch von einer anderen Seite aufzufaffen. Warum ist dort der Jude so sehr verachtet? und — daß ich's nur gestehe — leider nicht ganz uut Unrecht? Weil er sich keine Achtung zu verschaffen weiß. Die G-ichichte lehrt, daß jede unterdrückte Ration durch Beuprele von h<roi- Ichem Opserinulhe, Ehrgefühl und Freiheilssinn den» Unterdrücker, wo nicht Milde, so doch Achtung abgewaun Die Geschichte der jüdischen Ration ist überreich an oerarilgen Belspieien. Rur dort in jenen Winkeln der Ignoranz, wo noch der EhassidlSmus mit dem Gelosacke sich in vre Herrschaft theilt, ist voir dergleichen keine Spur. Wer wie ein Schuljunge jedesmal heulend „klagen" geht, wird dahin vertröstet, daß umn „mit dem Lehrer sprechen wird." Glaubt lhr, daß eure auswärtigeil Brüder, zu denen »hr jedesmal, wen» eure Mitbürger euch geschopfbeutctt habe», winselnd gelaufen kommt, um zur Ehre oer judiichrn Ration deren Intervention zu erlangen — daß diese eure Brüoer, wenil sie sehen, baß euch Ehre und Freiheit nithc als eure liebe Haut gellen, euch minder zu Hilf« kouiineii wurden? Bielleuhl mehr als ihr glaubt! Also, ihr ruinäiiischen Juden oder jüdiichen Rumänen, helft euch selber, „den» „Goltt hilf dem», die nch ürber helfen." Ei» Rachkomme der allen Hebräer. Amerika. W St. LoniS, 22. April. (Or.-Sorr.) Seit Wochen schon diu ich Willens, Ihnen Nachrichten üver hieiige jüdisch« Berhältniffe zukommen zu lassen, allein von un« amerikanischen Rabbinern gilt ganz besonders daS Wor«: „w.r fich mit Gemelnbeangelegenheiten befaßt, verändert leine Gewohnheiten." Hier zu Lande uiuß der Rabbiner im elgentticheir Srun« des Wortes die ÄemeinSetasteil tragen, von »hui hangt es ad, ob Der ober Jeirer sich der Gemeinde anichtiegen oder ihr den Rücken kehren will. Dasselbe Berhäitnig beinahe, das zwischen einer amerckanischen jüdischen Zeitung u»o ihren Lesern re>p. Sdonuenlen besteht, und das Ihr Re w yorker Eorrejponoent in einer vorjährigen Rümmer oer Wochenichrisl fo richtig geschildert, besteht auch zwischen dem ameiltanlscheu jüdischen Prediger und leinen Zuhörern, rezp. den Mitgliedern der Gemeinde, die ihn bezahlt. Der Rabbiner inuß in Folge beffrn hier zu Lande einer sehr vielseitigen Dhäligkeil sich befleißigen, und es bleibt ihm nur sehr wenig Muße, sich selbst zu leben. Wenn in Deutschland jüdische Gemeinden unter Verhält» niffen, wie sie hier vorherrschen, bestehen werden — Berhältniffe, die eS jedem JSraeluen vollständig frei taffen, ob er sich irgend einer Gemeinde anschließen und zu deren Erhaltung Beiträge leisten will oder nicht, und dreie Beiträge find meist zienllich bedeutende — dann wird man unseren hiesigen Berhältniffe» jenseits des OceanS auch gerecht werden und sie zu würdigen verstehen. BiS dorthin muß jeder Bericht über - hiesige jüdische Berhältniffe drüben wie eine Earricaiur erscheinen. Wohl ist es wahr, eS existirt hier zu Lande unter jüdischen Gemeinde» und jüdischen Predigern gar mancher Humbug, aber un Großen und Ganzen leisten oie jüdische» Bewohner Amerikas manch LodenSwerlhes und dem Gesammt- Juvenlhume zur Ehre Gereichendes. Mil der Zeit wird der Humbug ifymiJhen, und nach dem alten Grundsätze: „jede Gemeinschaft, Ijtkum GotteS willen zusammentritt, wird bestehen", wird da»>Kahre und Echte den Sieg erringen. Ich will Jhneii ein Bild über die jüdischen Zustände unserer Stadt geben; mögen Sie davon Ihren Lesern so viel Mlttheilen, als dieselben zu inleresfiren im Stande ist. I« , St. Louis wohnen bereits seit den 20tr Jahren Juden, aber * erst im Jahre 1834 wurde die erste jüdische Gemeinde ins Leben gerufen, und zwar von Auswanderer» au» dem Herzogthum Posen und einer geringen Anzahl böhmischer lJude«. ' Da hier Alles, was hinter verli» zu Hauke ist« mit de»

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