Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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tunten und ««fassenden Darstellungen der Zustände in den emzelneri, namentlich in den größeren, wohlhabenderen und gebildeteren Gemeinden nicht nur diesen selbst einen festen inneren Halt schaffe«, sondern auch auf die Stellung unserer Glauben-genoffen im Staat und in der Gesellschaft fördernd «inwirken können, indeni sie Zeugniß davon ablegrn, wie viel von unseren Glauben-genoffe» sur Cultur und indeale Zwecke gethan wird. Di« in anderen Geineinden eingetretenen offenen Spaltungen zwischen den in Lehre und in Andachtsformen sich gegenüber, lehendeu Parteien sind wenigstens in ihren praktischen Wirkungen von unserer Gemeind« fern geblieben, welche ihre Thäligkeu statt aus nutzlose Streitigkeiten über Glaubenssätze lieber auf ft,i,ialteu der Wohllhätigkeit und auf die Hebung der inneren und sittlichen Zustände gerichtet und für diese chre Bemühungen auch erfreulich« Erfolge erreicht har." iVesterretch, 8. Lemberg, Ende April. (Or.-Corr.) Er sei mir gestattet, im Anschluß au meint» vorigen Brief, über einige humanitäre Institutionen hiesiger Gemeinde weiter zu berichte». Ich beginne mit der Marcus Berustcinschen Stiftung, «elche sich die schwierige Aufgabe gestellt hat, Galizische GlaubenSgenoffeu zu tüchtigen Handwerkern zu erziehen, die Lehrlinge durch Unterricht im Hebräischen und in VolkSschulgegenständen auch geistig he>anzubilden, endlich materielle Unterstützung der durstigen Handwerker. Wir sehen, wie edel der Manu gedacht, wie noch edler er gehandelt, indeni er sein ganzes Vermögen, gegenwärtig auf circa 60,000 sich belaufend. diesen Zwecken gewidmet hat. Er bestellte zu seinen Testaments-Executoren.ein Comite aus den achtbarsten Männern der Gemeinde, die sich selbst zu ergänzen haben. Die ganze Anstalt stellt er außerdem unter das Protcctoral der k. k. Slatthallerei in Lemberg. Allein bei alle» den großen und edlen Ideen, die diesem Manne bei der Testirung vorgeschwebt haben, ist leider ein rin einziger — leider aber auch nie ungeschehen zu machender Fehler begangen worden, nämlich daß der Stifter aus dem Leben schied und fremden Händen die Ausführung seines edlen Vorhabens überließ.*) Wie treulich würde er dieses sein Testament selbst vollzogen, welche Hülse würde er dem Handwerksstanbe selbst gebracht habeil. Er würde es gewiß nicht dulden, daß Herren, dir es uvernommen haben, das Ehrenamt unentgeltlich zu führen, es gegenwärtig von einem bezahlten Beamten versehen zu lassen und so den Fond um 300 Gulden jährlich schmälern. Tie Abendschule wird leider nicht vom zehnten Theil der in Lemberg vorhandenen Lehrlinge besucht, so daß die auf dieselbe alljährlich verwendete Ausgabe ihren wahren Zweck nicht erreicht. Die Lehrlinge werden wie vordem in Rohheit und Unwissenheit aufwachseu, unfähig, das gewählte Handwerk auch geistig zu begreifen. Bezüglich der Lehrkräfte sei hier erwähnt, daß der Unterricht eben wenig vortheilhaft ertheilt werden kann, da die hierzu bestimmten Lehrer der hiesigen Schule, angestrengt von der TageSarbeil als Schullehrer, vielleicht auch als Eorrepelitoren zu Hause und in der Schule, nicht viele Lust und Lieb« zu dem Unterrichte am Feierabende von 7—9 mildringen. Lehrer und Lernende sind also in gleich uilgünstiger Situation. Rimml man noch hinzu, daß der hiesige Gemeindeoorftanv für die Benutzung 2er Klaffen einen sehr hohen ZniS bezieht, so wird man leicht einsehen, daß die Großchal des edlen Dahingeschiedenen nur zu sehr abgeschwächl wird. Diesem Uebel abzuhelsen, ferner di« Wohlthat dort walten zu taffen, wo es nüthig ist, sei der Zweck der öffentlichen Besprechung und der folgenden wohlgemeinten Rathschtäge. Das Lomite der vrrnstein'jchen Stiftung möge sich mit de« Somit« des hiesigen Handwerlerverein» Jad Charuzim •J SDal (ft «kt tarn doch Um g^Ut, foatam ri» Unglück, vis jetzt hol »och ftioMRb fcta restoment setdft »ottstreckt. (Aed.) in» Einvernehmen setze« — wie ja auch der Lrblaffer in seinem Stift»,,gsbrisfe für den Fall de« Entstehen» eine« selchen Vereinetrstirt hat. Das Jad Charuzim-Somit« führe die Control« über die Zöglinge bezüglich ihrer materiellen und geistigen Foitschritte, wirke mit bei Unterbringung von Lehrlingen t ei Meistern. Die Ausgaben skr den besoldeten Beamten soll'« wegfallen und vom Handwerkerverein alle jene Rechnungen in Stand gehalten werden. Ebenso sollte die ungerechter Weise eiugehobene Mielhe von 300 fl. jährlich de-wegen wegfallen, weil edie Aufgabe deiSr. Cultusvorstande» ist, die Bildung zu heben nnd zu fördern, somit die Schule, als Gemeinde-Institution, zur Benutzung für Untcrrichlszwecke in freien Stunden unentgeltlich zu überlaffen. UebrigenS kann »mu nicht unerwähnt lassen, daß der Handwerteroerein sich die lobenSwerthe Aufgabe gestellt hat, au» eigenen Mitteln eine Handwerkerschule in» Leben zu rufen. Hingegen wäre eS die heiligste Pflicht der Bernsteinschen Stiftung, der armen Handwerksklaffe unter die Anne zu greisen. Die Unterstützung aber will ich nicht so verstanden haben, daß man die armen Handwerker zu Bettlern mache — sondern hier wäre die Hülfe derart zu gewahren, daß jeden» Handwerker, deffen Handwerk auf eine gewiffe Saison berechnet ist, in der arbeitsfreien Zeit Geld vorgestreckt würde, uni die Arbeit im Gang zu erhalten. Der Vorrcth könnte allenfalls bi» zur Höhe des Darlehens zur größeren Garantie dem Comite der vernstein'fchen Stiftung deponi rt werden. Die Stiftung könnte dann all die eingeliefenen Arbeiten zur rechten Zeit losschlagen. Dem Comite de» Vereine- Jad Charuzim ertheilen wir den Rath, sich dieser höchstwichligen Angelegenheit wegen an die Bernsteinsche Stiftung zu wenden und sich nicht von gewiffen Jntereffenten gängeln zu lassen, die auf zwei Stühlen sitzen wollen und unehrenhaft durch hinters Licht führen von Rathbedürftigen Ehrensitze occnpiren. Petz, 4. Mai. Vergangenen SamStag — 2. Mai — gelangte der Bericht der Pelilionskomission über die SchulfondS- und Eenlinar Angelegenheit vor den hohen Reichstag. Der Antrag der Petitionscommission lautet: „Gegenwärtige Petitionen werden mit Hinweis auf die vom Abgeordnetenhause in dieser Sache gefaxten Beschlüsse ddto. 18. März 1870 und 30. März 1871 dem Kultus- und Unterrichtsminister zugewiesen mit tem „Wunsch", er möge einen erschöpfenden Bericht über die objchwebenve Angelegenheit dem Abgeordnetenhause vorlegen, bi» dahin aber alles weitere Verfahren in dieser Sache einstellen." Bevor hierüber die Debatte eröffnet wurde, erhob sich der Kultusminister von seinem Sitze und sprach: „Da ich eS für nothwendig halte, daß das Haut über den israelitischen Schulfouü und über die damit in Verbindung stehende Angelegenheit de- Rabbiner-Seminars Aufklärung erhalle, acceptirte ich den Antrag de» PetitiouSauSschuffes und bitte da» geehrte Hau», denselben anzunehmen, jedoch in der Weise, daß der erste Theil desselben bleiben soll, in welchem ich aufgefordert we^de, den Bericht einzudringeu, und ich versichere da« geehrte HauS, daß ich in der kürzestrn Zeit den detaillirten Bericht einbringen werde. Ich bitte da» geehrte Hau», den zweiten Theil de» Antrag», i« welchem der „Wunsch" ausgedrückt wird, wegzulaffen, da ich so frei bin, zu erklären, daß bis zur Einreichung und „reichStäglihen Verhandlung" de» erwähnten Berichte» bezüglich des Rabbiaerseminar« jede» weitere Vorgehn fisttrt wei den wird. Ich bitte das geehrte Haus, diese Erklärung ins Protokoll aufzunehmen." Daniel Jrtnpi giebt sich «U der Erklärung des Minister» zufrieden, nur wünscht er, dieser möchte künfti,O» di« Beschlüsse des Ha»s«s mehr refpekttre», da sein bisheriges