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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 21. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 21.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Mgexfigrsb imb mechanisch, daß es verderblich sei, den Wahn >« hegen oder zu pflegen, al» ob mit dem *ctu» der Bar* »itzwah oder der Sonfirmatiou nun alle« abgrthan sei, daß vielmehr da« Lernen und da« Aneignen der Religionslehren »nd Gebote nach der Zeit erst recht beginnen müsse, daß überhaupt der Schwerpunkt für da« künftige religiöse Leben der Jugend nicht im Lernen der Religion, sondern in der HLu-ltchen Erziehung und Gewöhnung liege — da« Alle» ist sehr wahr, aber wer hat denn da» Gegentheil behauptet?! Wer verkennt, daß der i«rael. Religionsunterricht heutzutage meist sehr, sehr weit von dem Ideal entfernt sei? «elcher Rabbiner von der extremsten Reformrichtung hat je auch nur angedeutet, daß mit der Eonfirmation Alle» erledigt sei, und di« Eingesegneten nun der Religion, der Bibel, der religiösen Belehrung — warum nicht gar Sott selbst! — Valet sagen mögen? I Klagt aber der Verfasser de« Programm«, wieder «st vielen Hunderten einsichtiger Männer seiner, unsrer und viel «eiter „lint»" gehender Richtung, darüber,daß der Religionsunterricht viel zu früh abgebrochen, abgemacht werde, so bedenke er, daß dt« Eonfirmatioa in der Regel erst nach beendetem vierzehnte». auch wohl erst im sechSzrhnten Lebensjahre vorgrnommen wird, doch also bei dieser Einrichtung doch noch ein, zwei, ja drei Jahre für Religionsunterricht gewonnen werden, die, wenn di« Barmitzwah den Abschluß bildet, verloren find. Aber man fängt dafür um so später an? Darauf ist lediglich zu antworten, wa« wir, zusammenfaffend, nochmal« auf all« Einwendungen gegen die Handhabungen von Tonflrmation und Eonfimandenlehre, wie sie oft genug Vorkommen. erwidern: Mißbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht a»f. ES liegt un« sehr fern, zu vertheidigen oder zu beschö- »igen, wa« nicht« taugt, aber wa» kann die fraglich« Jnstitution dafür? Soll-man etwa da« Gebet verwerfen, weil «» bei Bielen eia erbärmliche« Geplapper ohne Sinn und Berstaud wird?! Oder steht da« zum Mißbrauch gewordene Beten darum höher, al« die zum bloßen Schaustück gewordene llvnstrmatioa, «eil bet jenem auch der äußere Anstand auf da« Schmählichste vernachlässigt wird?! Wie die Eonfirmation gehandhabt werden sollte und müßte, und wa« sie dann bewirken könnte, darüber viel zu sagen, wird überflüssig sein. Doch haben wir allerdings einige »och nirgend«, soviel un« bekannt, erörterte Momente zu besprechen, und dadurch werden sich auch noch einige erheblichere Einwendungen gegen die Eonsirmation erledigen. Berichte und Correspolldeuzea. Deutschland. Stettin, 13. Mai. (Notizen). Die Hallberger'sche Berlag»buchhandlung in Stuttgart hat einen Prospectu« und da« 1. Heft einer „Jllustrirten Pracht-Au»gabe der Heiligen Schrift für J-raeliten mit reichen Verzierungen im Text und 1ö4 großen Bildern von Gustav Dor6" versendet. (Da« Ganze soll in 40 Lieferungen & 15 Sgr. erscheinen.) Die Uebersetzung ist die der israelitischen Vibelanstalt, von Philippson, nevidirt von Landau und Kaemps und von Ersterem noch einmal durchgesehen, die Apokryphen sollen in der Uebersetzung von D. Eaffel beigegeben werden. Sehen wir von den Dorö'schen Bildern einen Augenblick ab, so ist zunächst zu constattren, daß in so prachtvoller Ausstattung, wa« Papier, lVruck »nd herrliche Randoerzierungen auf jeder Seite betrifft. »och kein We.ck für Israeliten erschienen ist, wenigften« nicht in Deutschland. Der Kunstwerth der Dorschen Bilder (Holzschnitte) ist ferner anerkannt und geht »n» zu einer kritischen Würdigung derselben die Eompetenz ab. Aber auf die Gefahr hin. schnöder Ketzerei in Kynstsachen, alberner puritanischer Prüderie, banausischer Engherzigkeit und dergleickxn noch mehr bezichtigt zu werdrn, müssen wir gegen die Bilder «in Bedenken auSsprechen. Dir haben die DorS'schen Bilder zur Bibel für Protestanten vor längerer Zeit durchblättrrt, e« find darunter gar manche, die zu den israelitischen An* schauungen schlecht paffen. E« ist indeffen möglich, daß aian diese weglaffen wird; auch von den Randoerzierungen sind, soweit sie un« jetzt vorliegen, einig« für diese israelitische Bibel besonder« angefertigt. Aber wir nehmen gleich an dem zweiten Bilde, »die Erschaffung Eva'«", Anstoß. Nicht al» ob wir vrrkenneken, daß wir hier ein ganz vorzügliche« Kunstwerk vor un« haben, und daß Haltung und Ausdruck finnig und auch sittig sind, aber in eine Bibel für J«raeliten gehört eine nackte Frauengestalt nicht hinein. Wir könnten e« un« nicht ander« denn al« eine Entweihung denken, wenn die« Bild in eine hebräische Bibel und zu den heiligen Gotte»- Namen gebunden werden sollte, wir würden e« für eine Entweihung halten, eine Bibel mit solchem Bilde mit in die Synagoge zu nehmen — daß der Text hier deutsch, und daß man dies« Bibel schon ihre« Volumen« wegen nicht zum Synagogengebrauche wähle» kann, ändert ja an der Sache nicht« — und wir würoen e« un« höflich verbitten, wenn man un« etwa eine solche Prachtbibel auf die Kanzel legen wollte. Alle« diese«, wird man sage», treffe nicht zu, da« Werk sei für den Salontisch bestimmt; wir können un« nicht helfen, die israelitische, allerding« „puritanische" Ansicht weist Derartige« zurück. Und sagt man un« etwa: „dem Reinen ist alle« rein", so erwidern wir: der Spruch ist eben nicht» weniger al« jüdisch und — nicht« weniger al» wahr. Wahr ist da« Gegentheil! dem Unreinen ist alle«rein, wie dem Riedriggesinnten nicht« gemein, dem Habgierigen kein Gewinn schmutzig, dem Ruchlosen nicht« sünvhaft und dem Wollüstigen nicht« verboten erscheint. Von solcher „Reinheit" weiß da« Judenthuni ebensowenig wie von „heiliger Einfalt", „seliger GeisteSarmuth" u. dergl. m. — Wir haben unsre Bemeri'ung über den sel. Rabbiner Jeremia« Löw zu berichtigen. Derselbe hat sich von ven Schomre-Hadalh nicht fern g<halten, er ist vielmehr einer der Gründer de« Verein« gewesen. Unser Jrrthum beruhete auf einer ziemlich naheliegenden, bet dem mit den Personalverhätlniffen Ungarn« nicht genau Bekannten, leicht verzeihlichen Verwrchselung. di war uni erinnerlich, daß Löw ein Gegner der Ehassidim gewesen, daß er (wie die „Jüd. Pr." sich auSdrückt) „auch nach recht« vor dem Kampfe nicht zurückschreckte", und daß ihm die Ehassidim da« Leben miiunrer verbittert habe», trotz seiner außerordentlichen Gelehrsamkeit und unanfechtbaren Orthodoxie. Oder sollen wir sagen: wegen seiner Gelehrsamkeit? Wer ist so weise, daß er da« wüßte? Wenn wir au« den Ehassidim und Schomre-Hadalh, au» ihrem Zusammen- und chrem Awteinandergehcn, au» deren Eonstruttion der so entstehenden Partei „nicht klug werden können", so halten wir darum un« noch nicht für thöricht, und die Weisheit, diese Dinge zu wiffen und zu begreifen, ist e« wahrlich nichl, die wir ersehnen. Richtig ist von un« jedenfalls der Umstand beurtheilt worden, daß der viel zu frühe Heimgang de« c.llge« mein geehrten Manne«, der auch vor ven Ehassioim sich nicht fürchtete und den diese haßten, rin schwerer Verlust für Ungarn ist. (Daß wir au« dem „P. Ll." nur die Tode« Nachricht an sich genommen hatten und die Bemerkung über da« Verhültniß zu den Sch. Had unsre eigne — irrthümliche — gewesen ist, ist nicht nur richtig, sondern auch vollkommen ersichtlich. Die Grobheit de« „Tr. I." ist daher ganz unmolivirt, für da« Blatt selbst aber ganz natürlich.) — In Folge der von un« in Nr. 9 gegebenen ilnreng über die Nützlichkeit eine« Berzeichniffe« jüdischer Reurationen und Hotel« besonder« t» Äur- und Baderrten,

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