Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935028-5935784--2152-5371669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hut nach landesüblicher Fayon, von Zopf und Perücke, von langen Beinkleidern, da« »ufgeben der Jargon ». f- ». verschrie«, dar heißt von Seiten der ZWvwntm und Kanaliker. Da» Sende» »er Kinder in christliche Schulen -alt als erst« Schritt zum unausbleiblich letztes: bk1ltn4t. Die Redlichen oder lateinischen Letter» nannte man schriftlich-deutsch" al» Segmintz^« „jndksch-cheutschf«^ htnbdwWstche Be^ichnung für ein Mich mit solch«» Lelkerti ist der Älrrkn Hdstmktion noch erinnerlich; die „Schule", al» Gegensatz zum „Eheder" war Bielen ein Gräuel. Wa» so bei uns gewesen ist, da» ist jenseit» der Grenz« Deutschland» noch heute so, und dort ist jeder von un» eia „Deutscher", d. h Viertel- oder Zehntel- Jude, mtt kurze« Rock und „abgeschuittrner Haarecke," wir stehen darum (Jer. 9, 25) mtt Moabitern und anderen Arelim zusammen, wandeln in Satzungen der Heiden und find wie diese. Nicht bloS der Form, sondern dem Wesen nach neu, nicht au» der Barmitzwah entstanden, ist da» Heranziehen der Mädchen zur Eonfirmation. Für den Unbefangenen bedarf da» wieder keiner Rechtfertigung; wer di« Bedeutung de» weiblichen Geschlecht» für da» religiöse Leben besonder» in der Gegenwart versteht, der findet diese Neuerung sehr motivirt. Und steh« da, in der Schule der Adaß JiSroel lernen di« Mädchen Ehummesch, eine absolute Neuerung, strikt gegen den Echulchan Rruch, während die Eonfirmation der Mädchen weaigsten» nirgend» untersagt ist. Wir kehren noch einmal zur geschichtlichen Entwickelung der Eonfirmation zurück. Nachdem fie zuerst in einzelnen Gemeinden eingeführt worden war und fich allmLhlig weiter verbreitete, in Bagern, Württemberg, Baden sogar von oben befördert und angeordnet wurde, untersagte ei« preußische» Edikt von 1823, und noch schärfer unter dem 3. März 1824 de» Juden jede Neuerung, Predigt, Eonfirmation, Leichenrede, deutsche Gesänge. Bekanntlich ist dieser Schlag nicht ganz au» der Initiative der damaligen preußischen Regierung, der Juden und Neuerung gleich sehr haffenden Gefinnung Friedrich Wilhelm« Hl. hervorgegangen, sondern e« haben di« damaligen Leiter der Orthodoxen stark mit- und eingewirkt, also die geistigen Ahnen und Vorbilder Derjenigen, welche heute Gewissensfreiheit so laut und so umfaffend begehren. Jene Verbote find nicht aufgehoben worden, fie find gleich faulenden Pflanzen verwest, aber sie haben die Gemüther der jüdischen Parteien gegen einander verbittert, und al» man dann wieder anfangen mochte, in Preußen zu con« firmiren, da war die Gemüthlichkeit längst dahin, e« standen vielfach nur JndifferentiSmu» und Orthodoxi«mu» einander gegenüber. So ist «» gekommen, daß die Eonfirmation in den altpreußischen Provinzen keine festen Wurzeln schlagen konnte, die Einen waren über eine so gemüthlich-religiöse Feier bereit« hinaus, e» hätte ihnen Leid gethan, Religiosität durch derartige Veranstaltungen sich wieder befestigen zu sehe«; die Andern wollten jetzt erst recht nicht» davon hören. Dazu kommt noch der Umstand, daß der norddeutsche Jude, so wie sein christlicher LandSmann, kälter, skeptischer, für die gemüchlich-religiöse Anregung weit weniger empfänglich ist al» der Süddeutsche, und daß «» nur in verhältnißmäßig wenig Orten Rabbiner oder Prediger gab, welche di« Tonfirmation in der Synagoge hätten vornehmen können. Krei«- oder Bezirks-Rabbiner konnte «ad sollte e» in Preußen nicht geben, und gerade für diese bildet die reiheweffe in den einzelnen vr»irk»gemet»d«n abzuhaltenid« PwWßation «in »esstktlWeS Md Kid Re best» Handßdbe TtfWc Wirksamkeit. HgrKabbiM: tkttt da nicht bk«S mit der Dmeind« al» eine« MkeGivun^ soichet» Mt de» Familien wfr einzelnen Personen in lebendige, gemüthliche Beziehung.*) Wenn nun zuzugeben iß, daß die Form ttn Eonfirmation entlehnt, aber darüt» stoch nicht al« Vdvta» KatzSj z» qualificiren ist, so fragt fich, ob der Inhalt, ob die Eonstrmation materiell eine Nachahmung christlichen Religion»ge« brauch» sei. Aber dazu fehlt auch der geringfügigste Anknüpfungspunkt. Der Name mag durch einen beliebigen andern ersetzt werden, wenn daran liegt; bediene» wir ua» aber de» landesüblichen: Eonfirmation oder Einsegnung, so ist e» dasselbe, wie wenn wir gelegentlich von Ostern und Pfingsten sprechen und unsere Feste meinen. Mit Solche», die auch da» für ein Vergehen halten, können wir nicht di»- cutiren. Nun ist aber die katholische Firmung «in «nrrläßliche» Sacrament, die protestantische Eonfirmation hat solchen Eharakter zwar nicht, gilt aber doch al« ein« gewlffe Ergänzung und B e st ä t i g u n g de» Taufbunde», woher auch der Name. Noch ist e» aber keinem Rabbiner eingefallen, der Lonstr« mation eine entfernt ähnliche Bedeutung und Wichtigkeit beizulegen und den durch Zufall oder Absicht nicht Lonfirmirte» für nicht vollberechtigt oder verpflichtet zu erklären. Man liebt e« ferner, di« Eonfirmation al» etwa« Aeußerlicher, al» eine leere Schaustellung u. s. w. zu bezeichne», fi« zu carrikiren und zu perfifliren. Man sagt, fie sei eine Entlaffung au» dem Judenthum, ein Freipaß für de« Lintrktt in di« „Welt" und ihre Genüffe, die Eonfirmanden sagen ihr Pensum mechanisch her, freuen sich, wenn fie ihre Sach« gnt gemacht u. d. m. — Wa» läßt fich nicht perfifliren? ES verstehen die Eonfirmanden doch unbedingt da«, wa« fie sagen, weit bester und eher, al» die meisten Barmitzwah- Knaben die von ihnen zu recitirend« Paraschah oder Haftorah. Will man von mechanischem Abrichten reden, so paßt da» auf die Barmitzwah weit «her; redet man von gedankenlosem Aussagen, so ist da» unwahr, in den meisten Fällen unmöglich — unsere heutigen Eonfirmanden vrrstehrn denn doch einen deutschen Satz, und wo sie zweifeln und kritifiren, da halten fie mit ihrer Klugheit wahrlich nicht zurück! — Daß übrigen» die Eonfirmatton bei Knaben die Barmitzwah in hergebrachter Weise beseitigen, verdrängen solle, hat auch noch niemand verlangt. Da» diesjährige Programm der Adaß-Ji«roSl-Religion» schule (vgl. da» Liter.-Bl. Nr. S) hat denn auch den Fehler vermieden, Lonfinnation und Barmitzwah einander gegenüber zu stellen und, nach beliebter Manier christlicher und jüdischer Tendenznovellen-Echreiber, jener alle» erdenklich« Böse anzudichten, diese in da« herrlichste Licht zu stellen. Wa« e» an beiden tadelt, daß die Vorbereitung auf beide oft höchst *) Der Rabbiner hat di« zu confirmirenden Rind« allmählig bet den Schulprüfungen kennen gelernt, dt» besierm RSpf« unter ihn« hat er fich gemerl>, er weih an jede« ein individuell paffende» vort z» richten «« ist dann im Laufe der Jahr« «in für beide Theit« erhebende Sefühl, men» er Diejenigen zu trauen hat, dt« er bereit» confiemtet oder Rinder ,u constrmire» hat, deren Litern er getraut hat. Für d» Rabbiner Io et giebt <* natürlich »ieie ander« perflnlich« vezi«h»»>«h dt« in einem vejirke »egfelle».