Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Mt berichtet jedes «eitere verfahre« einstellen. Für diese Modifikation, daß die Sistirung weiterer Schritte bloß gewünscht werde, stimmten 6 gegen S. Hierauf trat Ladislaus Ehögyänyi vom Referat zurück, und wurde Ernst Daniel zum Referenten gewählt. — Morgen, Freitag, als am Vorabende der in dieser Angelegenheit entscheidenden Reichstagssitzung, hält der Deakciub eine Konferenz ab, in welcher eben diese Sage hauptsächlichsten Gegenstand der Berathung bilden wird. verlautet übrigen» mit Bestimmtheit, dah Herr Kultusminister v. Träfort in Angelegenheit de» ung. jüdischen Schulfände» demnächst einen Gesetzentwurf zu unterbreiten gedenkt, was — wie da» „9t. P. Journ." bemerkt — in der Thal dos beste Mittel wäre, den unaufhörlichen Agitationen der vnhodoxensührer einen Riegel vorzuschieben und den hauptsächlichen Borwand zu entfernen, den die Agitatoren benützen, um Zant und Hader innerhalb der Judenschaft in Permanenz zu erhalten. Endlich lesen wir im „Pester Lloyd" bezüglich der, wie oben erwähnt, aus Freitag anderaumten Konferenz de» Deäkklubs noch folgende beuicrkenSwerthe Nachricht: „Was die Angelegenheit de» israelitischen Schulfond» betrifft, so dürfte hierüber zu einer eingehendern Diskussion derzeit keine Beranlaffung gegeben werden, da Minister Träsort, wenn mir recht unterrichtet sind, die Erklärung abzugeden gedenkt, daß er den bekannte» Beschluß de» PetilioilsauSschustes nicht nur acceptirt«, sondern auch den darin auigedrückten Wunsch al« für sich verpflichtend erachte. Daran soll di« Zusage geknüpft «erden, daß der vom Minister verlangte Bericht binnen zwei bis drei Wochen zur Vorlage gelangen werde, also rechtzeitig genug, um noch in dieser Session meritorisch verhandelt werden zu können. Dre peinlich« Frag«, die sich nun schon so lange hingeschleppt, dürfte also binnen verhältnihmäßig kurzer Zeit jedenfalls ihre definitive Lösung finden"*) An» der Mvldan-Wsllachri bringt die „R. Fr. Preffe" folgend« beherzigenSwerihe Ermahnung: ES gibt noch ein anderes, unserer Ansicht nach wirksamere», probatere» Mittel, die Moldau-wallachischen Gesetzgeber sammt ihrer Regierung nachhaltig zu überzeugen, daß ihre direkten wie indirekten Judenverfolgungen schlechte PoÜtik find. Diese» Mittel liegt in der Hand der großen israelitischen Banquier» auf den verschiedenen Börsenplätzen und Lapitalrmärkten Europa» Rumänien ist in der Lage, Anleihen contmhiren, d. h. Geld borgen zu mästen. Ehesten» wird und muß «» damit hervortrete»; die «Finanzlage drängt dazu. Bon dem Berliner israelitischen Eomite jglr Hilfe der bedrückten rumänischen Juden ist schon vor riustzer Zeit der Gedanke angeregt worden, an da» Gefühl der Solidarität der Börsen,ürsten und Barone mosaischen Glaube«» zu appelliren, damit diese Mitbeherrscher der europäischen Geldmärkte jede» rumänische Anleihegesuch zurückweise«, jeden derartigen versuch der Bukarrster Regierung bekämpft, so lange die in den Fürstenthümern wohnenden Juden bedrückt, schmachvollen AuSnahmtgesetzen hingegeben find. Jetzt »ird es sich zeigen, ob Lesfing Unrecht hatte, al» er den Saladm (in „Rathan der Weife") sagen ließ: „Der reiche Jude ist mir nicht der bester« Jude." — SU» in bet Blüthezeit der Bach-Thun'schen Herrschaft, au» Anlaß eine» Remoir,» de» damaligen Präsidenten de« obersten Gerichtshofes, de» verstorbenen Grafen Taaffe, de» Vater» unsere« jetzioen Tiroler Statthalter», den iSraeUtischen Staatsbürgern der Erwerb von Grundetgenthum untersagt wurde, da ließen die Ehes« des Hause» Rothschild zu Loiüwn, Pari», Frankfurt, ") Der «mg. isr. besteht aus 1,103,000 tsulden Norninallapitot mit einem Iahee«ertrLaniffe von V4.000 Buwen, welch«« sich tm Budget de« lausenden Jahre« folgendermaßen vertheilt: für da« zu Ireirend« «abbinerseminar 10,000 fl., für di« Lehrerbildung«anstatt und Uebima«schule 12,000 fl., für di» in den entsprechenden «nftalten «UeeDebrachten Blinden und Laubstummen 12,000 fl., für Unterstützung von chemeiudefchulen 20,000 fl., zur Deckung der «anzleierfarderuiffe der Kvrtschriit«- und der Orthodorenpariei »000 fl., für di« Fondiverwal. im «X« fl. «s st» somit b» »an»« bloß 87,000 «ulden de« jshr. ltcher Ztiefenerlrilgnifse« in Infpruch genommen. mit Zustimmung ihre» Wiener Hauses, den damalige« Machthabern erklären, sie würden um keinen Preis m einem vst:rreichischen S nlehm sich betheiligen, so lange die erwähnte gehässige Masregel gegen ihre österreichisch«! GlaubenSgenofen nicht zurückfienommen sei. In der Thal litt der österreichische StaatScredit ahre lang unter der Abstinenz de» Welthause», besten Beispiel von anderen groben und kleinen Bangui, r» iSraelittscher Glauben», namentlich im Ausland«, befolgt wurde. Wenn die» damals die alten Herren gegenüber einer Grußmacht gethau, mit welcher ihre Häuser seit langen Jahre» in gewinnreicher Geschäftsverbindung standen, dann sollten ihre Söhne und Nachfolger, sollten die sonstigen großen jMsck»en Firmen in London, Pari», Amsterdam, Berlin, Frankfurt vnd Wien dasselbe Verfahren gegenüber dem kleinen Rumän:en einzuschlagen nicht zu schwachmüthig sein, und nicht blo» um Rumänien Isandelt e» sich in diesem Falle. In unserem Abendblatte vom 1. Äpril haben wir die Judenverfolgung in Serbien geschilliert, auch diesem Lande gegenüber, da» für seinen Eisendahnbcu demnächst an den öffentlichen Eredtt appellint ncuß, wäre von der wirk amen Waffe der Eredit-Entziehuag, welche die reichen Glaubensgenossen der in diesen Länbwn Mißhandeltem in Händen > alten, Gebrauch zu machen. Geickn die großen jüdischen Bankhäuser mit dem Beispiel« voraus, verweigern sie einem Land«, einer Regierung, welche ihr« Glauben»ge noffen mit rasfinirter Grausamkeit in Roth und Elend stürzte, jede Unterstützung, verschließen fie ihre Kassen und ihren lLinfluß auf die Eapitalmärkte Europa» dem unleihebedürft.gen Rumänien, so wird unzweifelhaft da» Gro» der verschiedener Börsen um so mehr die Schuldverschreibung der verfolzungSsüchttgen Donaufürstenthümer zurückweien. Alle Schriftstücke und Bemühung« der sogenannten „iSrarltttschen Allianzen" zu Pari» und Wien, alle Demonstratio «» der Londoner Anglo-Jewish-Astoriation und de» Berliner J$o* mite» für rumänische Judcnangelegenheiten wiegen praktisch zusammen nicht so viel wie die in Bukarest — und auch in Belgrad — austauchende Erkenntniß, daß di« barbarische.'ftttoleranz ilwer neulichen Maßnahmen den Donaustaaten-Regierungen die europäischen Geldmärfte versperren wüch«. 9tur diese Erkenntniß wäre vermögend, die dortigen Gewalthaber zur Besinnung zu bringen, sie auf den Weg der Sult»rstaaten zu führen. Wir, und die liberal« Partei in alle» europäischer Staaten, treten überzeugungStreu ein, wo imner eine ReligionSgesellschaft bedrückt, Menschen ihre« Glaubens wegen verfolgt werden. Um so berechtigter find wir, in Betreff der cumänischen Angelegenheit dm Bekennern deS nosaischei Glaubm» zuzurufen: „Der Himmel hUst dmm, die sich selber helfen!" Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Der Borstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat ein »eitere« Eirmlar in Betreff der bekanntm Petition wegen gefchlicher Regelung de» jüdischen Gemeindewesm» versendet 4» geht au« demselbm hervor, daß bi» Mitte März 420 Gemiindevorständ« der Petition beigetreten warm, darunter die der grüßtm und angesehenstm Gemeindm in ellen Landr«theilen, wie Bre«lau, Vrieg, Bromberg, Caffel, övln. Eoblenz, Emden, Gleiwitz, Glogau, Gumbinnen, -ilde«heim, König «der; i. Pr., Krotoschin, Liffa, Magdeburg, Rakel, Oppeln, Ostrowo, Posen, Ratibor, Ramitz, Stettin, Wie«baten. Berlin, S. Mai. Heut« hieft der Verein der jüdi'cheu Hochschule eine von Herren und Damen besuchte Genera.Versammlung ab, in welcher der Eurator derselben, Prof.!azaru«, über den Stand de» vor 2 Jahrm eröffnet«» Instituts, besten intellektueller Schöpfer der verstorbme Stadlrath Moritz Meyer wir, Bericht erstattete. Darnach schloß der Verein mit einer Einnahme von 6403 Thlr., und einer Ausgabe vo« ca. 4000 Thlr. ab. Di« Schüler der Hochschule kommm sehr spärlich cus Deutschland, zumeist aus ferum Ländern, ihetl-