Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935028-5935782--2138-5371657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lu» Sxftnü schreibt man: Die Regierung soll ernstlich gewillt sein, -ie Abänderung, eventuell Lbrogtrung der Artikel 8 und 12 au« dem EpirttuosenLicenz-G« setz von den Kammern zu verlangen. Ob ihr da» gelingen wird, wird selbst der größte Optimist nicht bejahend zu bestimmen wagen, umsoweniger, al» die genannten Artikel die Freniden im Allgemeinen und die Israeliten im Besonderen treffen. ES wurde mir mitgetheitt, daß daS Ministerium den hier residirenden Vertretern der fremden Mächte da» ernste versprechen gegeben habe» soll. Alle« aufzubitten, um die erwähnte Abänderung durchzusetzen, und zwar in Folge der gemachten Reclamationen, daß die Artikel --ine flagrante Verletzung der internationalen HandelStractate enthalten. ES mag vielleicht auch sein, daß die Regirung sich ücerzeugt hat, wie schädliH sülche Prohibitiv-Maßregeln für den FiScuS werden müffen — eine Thatsach«, die man ihr vergeben» vorausgesagt hat. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg, 3. Mai. Der Vorstand der hies. Genieinde hat beschlossen, für die von HungerSnolh heimgesuchte jüd. Bevölkerung Palästina'« eine Sammlung in der Gemeinde zu veranstalten. Berlin. Dem Eomite zur Errichtung von Waisenhäusern in Palästina ist die Abhaltung einer Collect« in jüdischen Haushaltungen für jenen Zweck gestattet worden. Man verspricht sich hiervon in dem wohlthätigen Berlin einen sehr günstigen Erfolg. Schweidnitz. Die hiesige jüdische Gemeinde hegt da» Projekt, einen Synagogenbau auszuführen. Bereis vor länger als Jahresfrist hat sie zu diesem Zweck von dbm Königl. Finanz- und Domainen-FiSm» einen Platz auf dem früheren FestungSterrain erworben. Seiten» der Sladt-Sommune ist der Synagogen-Gemeinde ein Theil de» Bauholzes im Werthe von 1200 Thalern. überwiesen worden. Zur Ergänzung der Geldmittel, welche die Ausführung dieses Baue», der in architektonischer Beziehung eine Zierde jenes Stadttheils werden dürste, erfordert, wird nach Genehmigung der König! Behörde eine Lotterie veranstaltet werden, für welch« eine Menge werthvoller Gewinn-Gegenständ« von Gönnern diese» Unternehmens eingeliefert worden find. Usingen (Raffau), IS. Aprll. Die alte Lea zu Cleeberg. deren Alter auf 107 Jahre geschätzt wird, ist zur Stunde noch wohlauf. Sie hat vorige» Jahr zum ersten Male in ihrem langen Leben einen Arzt gebraucht und war auch nach ein paar Tagen wieder munter. Sie hält noch ihren „langen Tag", besucht die Synagoge, ja geht selbst zeitweise allein nach dem '/, Stunde von Cleeberg entfernten Oberkleen. Ihr Gehör hat zwar nachgelaffen, ihr Gesicht aber ist gut und ihre FassungSgabe für ihr Alter erstaunlich. Wer sie sich vorstellen will, denke sich eine zu der Größe eines I4jährigen Kinde» zusammengeschrumpfte, vertrocknete, jedoch nicht gerade abstoßende Mumie. Seitdem sie „durch Gott und gute Leut" ihrer früher so drückend gewesenen RahrungSsorgen enthoben ward, ist sie zusehends wieder aufgelebt. Nunmehr ist der von Herrn Pfarrer Weygandt in Eichbach, früher in Cleeberg, verwaltete Unterstützungsfond», so west er aus der Creditcaffe in Oberkleen deponirt war, erschöpft. (Mittelrh. Z.) Da Cleeberg zu meinem ehemaligen RabbinatSbrzirke gehörte, so habe ich die alte Lea, die schon vor 25 Jahren so genannt wurde, wohl gekannt. Der obengenannte Pfarrer hat sich vor einigen Jahren ihrer angenommen und einige Hunden Gulden für sie gesammelt. ES liegt hier einer der Fälle vor, in denen da« sonst vernünftige Prinzip, daß zunächst jede Gemeinde für ihre Armen sorgen solle, nicht auSreicht. DieULulruSgcmeinde Cleeberg, zusammen mit den zu ihr gehörigen Filialen und noch ein paar umliegenden Dörfern, vermag da» nicht. Dl« Cioilgemeind« ist zwar schon i nach dem früheren naffauischen Gesetze von 1842 zur Armenunterstützung ohne Unterschied der Confession verpflichtet, aber solche Unterstütznng schützt kaum vor dem Hungertod«. Dt« Gegend ist eben arm. (Red.) Metz. Die Stelle eine» Grand - Rabbin für beit Confistorialbezirk ist endlich wieder besetzt worden, und zwar durch den Rabbiner Bigart, bisher in Pfalzburg Wien. Der Äönig von Dänemark hat Herrn vr. Ludwig August Frankl, al» dem Präsidenten de» von ihm in» Leben gerufenen ersten europäischen Blindenlehrer-Congrefle», da» Ritterkreuz de» Danebrog-Orden» verliehen. — Au« Rom wird un» geschrieben, daß der rühmlichst bekannte Hofcapellmeister Julius Eulzer dort eiutreffen wird, um sich auf einem in Wien gebauten Prachtflügel vor dem König Victor Emanuel hören zu laffen. (N. F. P.) DzUow. (Orig.-Corr.) Ein blutdürstiger Anhänger der „Alleinseligmachenden" hat eine polnische Uebersetzung der i« Jahre 1872 in Münster erschienenen Schmähschrift „der Talmudjude" von Prof. Rohling in vielen Exemplaren hierhergrschickt und dadurch in unserer Gegend den seit einiger Zett schlummernden Judenhaß zur Hellen Flamme angefacht. DaS wülhende mit zahllosen Cilaten geschickte Pamphlet, bedarf einer gründlichen Widerlegung von einem jüd. Gelehrten aus der neuen Schule; eine solche ist ihm zur Zett vom Herrn vr. Kroner in Münster (jetzt Landrabbiner in Stadt« LengSfeld) zu Theil geworden. Dieselbe müßte jetzt, um di« hervorbrechenden Flammen de» Judenhaffe» im Keime zu ersticken, sofort in'» Polnische übersetzt und unter die christlich« Bevölkerung vertheilt werden NikelSbnrg. Der Rabbiner vr. Feuchtwanger, der bisher als ultraorthodox betrachtet wurde, hat am Peßach drei „Reformen" rinführen laffen, beziv. warm befürwortet, nämlich die Abschaffung der Mischeberach«, de» HinauSlausen» während de« Seelengedächlniffe» und die Aufrechterhaltung de» ChorgesangeS. Daß da» „Trad. Judenthum" nun über den Man» seinen Zorn ergießt und sich nach einem lUp sehnt, der über den au» Deutschland Jmportirten komm« (*13 W1B) ist — ganz in der Ordnung. Lrikan. In Folge der Verwendung de» vr. Eamuelfohn hat der Magistrat einen Platz zur Erbauung eine» neuen i»r. Waisenhauses gratis hergegeben. Am 14. Aprfl fand die Grundsteinlegung statt, bei der der Bicepräsident de« Magistrat», vr. Weigel, eine Ansprache hielt und die OpferwUigkisit der Juden für Werke der Barmherzigkett rühmend anerkannt«. Ein Frauenverein will Beiträge für die Einrichtung de» Hauses herbeischaffen. Hr. Jos. Heidenfeld ist zum Director der galizischen Bank erwählt, hat aber die Bedingung gestellt, daß er sich am Sabbath um die Geschäfte nicht zu kümmern Hab«. An dieser Bedingung war die Wahl, die sich schon einmal auf H. gelenkt hatte, früher gescheitert; jetzt ist da» Consorttum auf dieselbe eingegangen. (Hamag.) Rom. Laffar Donati (Jsraeltt) ist zum ersten Secretär im Unterrichtsministerium ernannt worden. Liverpool. Eine Anzahl iSraelittscher Auswanderer, zumeist Polen, wollte sich von hier nach Amerika einschiffen. Die Arrangement» waren derart getroffen, daß man »roch einige Tage vor Peßach in New-Aork ankommen konnte; aber die Abreise wurde in Folge entftanbenet Einschiffungsschwierigkeiten verzögert, und die Auswanderer warm gewiß, vor Peßach vm amerikanischm Boden nicht betreten zu können. Die „National steam ship Company“ hat hierauf die I»- raelitm mtt Mazoth versehen und dafür Sorge gettagen, daß die religiösen Vorschriften der auSwanderndm JSraelttm auf dem Schiffe vollständig beachtet würden. (Arch. J»r.) (Dieselbe Gesellschaft hatte im Jahre 1869 eine Verbindung zwischm hier, Stettin, und Rew-Bork eingerichtet, und der hiesige Vertreter derselben, C. Messing, hatte Bn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.