Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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leitungen getroffen für eine entsprechende Zahl Mscher Ast»- , «anderer ein« vollständige Koscherküche und Beköstigung auf den Schiffen einzurichten, wie s. Z. im Hamagid u. a. Blätt. bekannt gemacht wurde. Der Au-bruch des Kriege» vereitelte da» Unternehmen.) Feuilleton. Da» Mädchen von Langer. (Fortsetzung.) Nicht so, Vater. Soll ich, oder soll ich nicht? Ich bin Dein Kind und werde gehorchen. Du bist ein freie» Mädchen, erwiderte der Alte eMich, nachdem er mehrmals vergeblich nach Worten gerungen hatte, aus Dich fällt die Verantwortung. Gott erleuchte Dich und lasi« Dich seinen Willen wissen. — Wie Dein Entschluß auch aurfalle, Dein« Eltern werden ihn segnen. Ich versteh« Dich, mein Vater, entgegncte sie, und die Thränen stürzten ihr wider Willen aus den Augen, wie sie sich hinabbeugend ihre Hände in die zitternden Valerhände legte. Indem erschien die Wärterin, die im Fall der Entdeckung harte Strafe zu sürchtm hatte, und trennte mit harten Worten di« Jammernden. Man verabredete eine zweite Zusammenkunft auf den nächsten Abend. Die Familie ging, um Viele» beruhigter, nach Hause. Hatte doch da» Leid eine bestimmte Gestalt angenommen, war e» doch eine Hoffnung, da» geliebte Kind bald wieder zu sehen. Al» sie am folgenden Tage zur sestgesetzten Zeit sich ängstlich nach allen Seiten umblickrnd auf da» Gesängniß zuschlichen. kam ihnen die Maurin ärgerlich entgegen. Fort, Ihr Elenden, rief sie, soll der Taleb *) de» Herrn Euch etwa sehen? denn er ist drin und spricht mit ihr. Geht, sagte Jsachar zu seinen Eftern, geht Ihr nach Hause; laßt mich versucheu, ob ich etwa» erfahre. Sie gingen betrübt. Er waildte sich an die Maurin: Gute Kitub, und er drückte ihr ein Goldstück in die Hand, hast Du nicht auch mit Schmerzen geboren? Erbarme Dich jener armen Mutter, laß mich hineingehn und die Unterredung mit anhören. Du bist brav sür einen Ungläubigen, erwiderte sie, aber e» ist gefährlich. Aus mein Haupt die Folgen, sagte er. Komm. Sie führte ihn in da» Hau» durch niedrige Gänge und machte vor der Thür der Zelle Halt. Sie zeigte ihm ein Loch in der Wand und flüsterte weggehend: Die anstoßende Zelle ist offen. Nimm Dich in Acht; wenn er Dich entdeckt, kostet e» Dein Leben. Ta» meine oder da» seine, murmelte er, die nächste Zellenthür öffnend, wehe ihm, wenn er mich sieht. Nachdem er sich vrrgewiffert hatte, daß die Zelle leer sei, verließ er dieselbe wieder und blickte durch die Oeffnung, die ihm Kitub angezeigt. Die Kammer war durch ein Lämpchen schwach erhellt, so daß er erst nach und nach die Züge der Schwester unterscheiden komüe, die mit gefalteten Annen vor dem streng blickenden Schreiber stand. Wie eingefallen waren die sonst blühenden Wangen, wie matt die glänzenden Augen. Seine ganze Seele lag in seinem Gesicht; er sah, daß der alte Maure sprach, aber er hörte ihn nicht. Endlich ermannte er sich und unterschied folgende Worte: E» thut mir Leid um Dich, Mädchen; besinne Dich, noch ist e» Zeit. E» ist keine mehr, Sidi Mohammü». Ist e» etwa ein« Schande nachzugeben, o Tochter der Widerspenstigen? der Gewalt weichen auch Männer ohne Ta- , del. Willst Dl dem Schicksal widerstehen? ,E» ist Dir bestimmt, durch ta« Gesetz de« Propheten gerettet zu werden. Wer kann mich zwingen, sagte sie stolz, wcnn ich nicht will? Deine Gläubigen bethöre mit Bestimmung. Arme» fl mb, erwiderte der alte Mann traurig. Du wirst erkennen, daß »er Kaid die Macht besitzt. Deinen Starrsmr zu brechen, un» dann wird e» zu spät sein. Sie schlu; die Augen auf und sah ihn mü einem mtlan cholischen Läch lln an. Ich bin ein unerfahrene» Mädchen, sagte sie, und mein Herr ist alt und weise, aber ich habe ein junge» Schwesterchen am dösen Fiel er sterben sehen, und ich weiß, daß da» Leben ein Ende hat. Wa» wollt Ihr mir thun, da un» der gnädig» Gott den Tod verliehen hat? Esther, Esther, rief er, wa» bist Du für eine Thörin! Wir lieben Dich und, möchten Dich retten, aber Tu willst nicht. Ich will nicht, murmefte sie, eine Thräne zerdrückend. Nein, Dt: willst nicht. Sieh, ich komme hiiwher mit denr strengen Befehl vom Kaid, Dich im Falle andauernder Widersetzlichkeit in i ketten legen und in den Kerker der Verbrecher dringen zu la sen Und um was alle» diese Roth? Wa» weißt Du vor Religion? Und ist nicht Allah Gott unser Aller? Aber Dich verblendet Eitelkeit; vielerlei find Arten der Thoren. Du bist stolz darauf, daß man Werth auf Dich legt und, voll von dem Haß und der Hartnäckigteft Deiner Nation stößt Du die Freundeshand zurück, die ich Dir biete. Da glaubst, die fchmutzigeu Judm werden Dich hoch halten. Dich verehren, wenn wir Dich entlassen; aber Deine Hoffnung wir» vernichtet werden. Sieh DiH um, entgegnet« sie, auf die nackten, feuchten Wände, auf ta» faule Strohbündel am Boden deutend, hi»r Hause ich ich jetzt einsam fünfzehn Tage und fttnfzehn Nächte. Saubere Polster und Kiffm hatte ich in meines Vater» Hau « und meine Gstiebten zur Seite. — Ihre Stimme brach abcr nur einen Atgentlick, dann fuhr sie fort: Ich kenre nicht die Meinung der Mensckien über mich, und wenn ich meine Mutter wieder bedienen könnte, wollte ich Sklavin sein mein Lebelang; aber Effendi, flüsterte sie nähertretend: Er will nicht. Er? sagte er verwundert, wer? Er! rief sie die Arme erhebend, während ein schwärmerische» Feuer au» ihren energischen Augen strahlte, der Gott Israel»! — Wer bin ich, daß Er zu mir sich herabläßt? Aber Nacht», wenn Menschen und Thiere schlafen, kann ich nicht ruhen. Dann höre ich die süße Stimme de» Erbarmers; sie tröstet mich und stärtt mich; mein einziger Gott bestehlt mir — o Esfendi, soll ich meinem Schöpfer nicht gehorch«:? Er trat erschreckt einen Schritt zurück. Allah schütze uns, murnteüe er, gegen die Dsin», gegm die bösen Geister und die Menschen, die Umgang mit ihnm haben. O Tale», sagte sie schmerzlich, wa» habe ich dir zu Leise gethan? Nicht», entgegnete er bewegt, Du Wunderbare. Aber der Wille Allahs geschehe; er mache Dir Deine Ketten leiöst, Tochter der tlngläubigen. Ich muß thun, wie der Kaid befiehlt. Sie v« beugte sich demüthig, und er verließ die Zele. An der Thür stand er noch ein Mal still, ttef nachdenk« d; dann schüttelte « seufzend den Kopf und schloß zu. In seiner Aufregu tg hatte et den Schatten nicht bemerkt, d« in die nächste ZÄe schlüpfte. Dort lag Jsachar am Boden und benetzte die kalte Erde mit seinen Thränen. Dann sprang et auf und horchte. Schritte ertönten den Gang entlang, Waffen klirrten, eine Kette wurde am Boden nachgeschleist. Wie ft die Soldaten in Esther» Zelle treten und unter rohen Späsien ihr Schlachtiwf« feffein hörte, verließ ihn die Besinnung. Seiner selbst nicht mächtig, war et im Begriff hinauszustürzen, um üb« die Henk« herzufallen, al» d« Eltern ehrwürdige Gestalten uni Erbarmen flehend, vor ihm auf stiegen. (Fortsetzung folgt.) *) Schreib«.