Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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tcrefltntcn in Krankheitsfällen neben freiem Arzt und Medizin incl. Bädern rc. «ine wöchentliche Unterstützung von 2'/, bi» Thlr., geeignetenfall» auch Beihilfen zu Badereisen rc. Einschließlich der Verwaltungskosten hatte die Gesellschaft im sorffltn Jahre eine Ausgabe von 1479 Thlr., der eine Einnahme von 1616 Thlr. gegenüberstand. Der VermögensstatuS der Krankenkasse bezifferte sich ult. 1873 auf 6825 Thlr. — Die mit der Krankenkaffe verbundene HilfSanstalt für Wittwen und Waisen hatte bei 223 Mtgliedern eine Einnahme von 1034 Thlr., und zahlten an vier Wittwen 204 Thlr. Unterstützung. Ihr VcrmögrnSbestand beträgt 10,225 Thlr. — Der Jubelsond für invalid« Arbeiter endlich, eine Schöpfung des bisherigen langjährigen Vorsitzenden Hrn. Moritz Wolff, der in der Generalversammlung sein Amt uiederlegte, hat bereiteinen Bestand von 2675 Thlr. Statutenmäßig beginnt der Jubelsond seine Wirksamkeit erst bei einem Bestände von 3000 Thlr., es fand deshalb der Vorschlag, in dankbarer Anerkennung der Thätigkeit des scheidenden Vorsitzenden die Eompletirung der Fond» sofort durch Sudscription zu vollziehen, den freudigsten Wiederhall in der Versammlung, und bedeckte sich der circulirende Subscription»- bog:n schnell mit Unterschriften. — Zum Vorsitzenden wurde an Stelle de- Hrn. Moritz Wolff Hr. Commercienrath Weigert gewählt. Die übrigen Mitglieder de» Vorstandes wurden in ihren Aemtern bestätigt. Th«r». Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat den Jahresbericht pro 1873 veröffentlicht und an die Schwestergemeiuden versandt. Der Einblick in denselben ist ein recht erfreulicher und nach allen Seiten hin befriedigender; auf allen Gebieten gewahren wir WachSthum, Regsamkeit und gedeihliche» Fortschreiteu. Der Bericht zeichnet sich in allen seinen Theilen durch Klarheit und Ueberfichtlichkeit in der Zusammenstellung au». Lus die sehr richtigen Bemerkungen in der „(Einleitung" über die Bedeutung solcher regelmäßig erscheinenden Bericht« wollen wir in einem besonderen Artikel znrückkommen. Den statistischen Nachrichten entnehmen wir, daß die Zahl der im adgelaufenen Jahre zu den Abgaben -euigeschätzlen Gemeindemitglirder 220 betrug, dieselben wurden Mir 2"/» Proceut ihre» Einkommens zu den EorporalionSbeilrägen eingeschätzt — gegen 1872 um "/„ Procent ermäßigt. Die Einnahmen beliefen sich auf 6133 Thlr., die Ausgaben auf 5462 Thlr. Der vorhandene üeberschuß von 670 Thlr. soll zum größtenTheil zur Verminderung der Gemrindeabgaden pro 1874 verwendet werden. Lu» den Beschlüssen de» Vorstände» und neugelroffenen Einrichtungen heben wir zwei von allgemeinerer Bedeutung hier besonder» hervor, weil sie sich zur Nachahmung empfehlen. 1) Der Vorstand hat an den Magistrat daS Gesuch gerichtet, die jüd. Lehrer an der von der Gemeind« unterhaltenen Schule — dieselbe ist keine öffentliche im Sinne des Gesetze» — von der Eommunalsteuer zu befreien, wie die» bei den Lehrern der öffentlichen städtischen Schulen der Kall ist. Da» Gesuch hat den erwünschten Erfolg gehabt. (Wenn wir nicht irren, war in Th. der Rabbiner in dieser Beziehung stet» den Geistlichen der anderen Eonfesfionen gleichgestellt und von dieser Steuer befreit.) 2) Durch Beschluß de» Vorstand«» ist innerhalb der Gemeind« die Gründung eine» Eentral-Unterstützungs-Tomite'S herbeigefiihrl worden, um besonder« den verschämten Armen der Gemeinde die Unterstützung von einer Stelle au», und da um so reichlicher und zweckentsprechender, zu gewähren. Die Vorstände sämmtiicher WohlchätigkeitS-Vereine der Gemeinde sind zusammengetretrn und haben ein Eomite gewählt, welchemvon jedem dieser Vereine (sowie auch au« der Ge» rneinde-Kaffe) ein jährlicher Beitrag zu obigem Zwecke zur Verfügung gestellt wurde. Da» Eemral-Eomite setzt sich au» je einem Mitglied« de» Gemeindeu. jede« VereinSvorstandeS zusammen.^ Dies« nach vielen Seiten hin höchst praktische und' empfehlen»werthe Einrichtung hat sich im verflossenen -Jahre-bereit» recht glänzend bewährt. Wir gedenken auf Einzelne» in diesem intereffanten Jahresbericht später zurückzukommen und erwähnen für heute nur noch vaS elenfall» nachahmung-würdige Abkommen zwischen der Gemeinde und der städtischen Verwaltung, wonach erster« ihre Armen auf eigene Kosten unterhält, dagegen au» den von den Gemeinde-Mitgliedern gezahlten Communal-Abgaben 10'/, zurückgezahlt erhält. Für da« Jahr 1873 belief sich die au» der tzommunal-Kasse an die Gemeinde-Kaffe gezahlte Summe auf ca. 430 Thlr. (Schluß folgt.) Heilbrou a. Neckar, 24. April. In den Halbfeiertagen de» jüngsten Paffahfeste» hielt der hiesige ArmenunterstützungSverein — nru? .Ton — sei '.« elfte jährliche Generalversammlung, an welcher die Mazcrität der 132 Mitglie der lebhaften Anthril nahm. Die wachsende Zahl der wandernde» Armen und chre öftere Wiederkehr im Jahre hat nicht nur die Einnahmen an regelmäßigen Beiträgen, Spenden und Zinsen, sondern auch den vorjährigen Kaffenvorrath fast ganz aufgezehrt und mit Nothwendigkeit Den Beschluß hervorgerufen. eineStheilS die Gabengröße und Gabenzahl zu vermindern, cnderntheilS einzelne Mitglieder zu einer ihren Verhältnissen mehr entsprechenden Erhöhung de» Jahresbeitrag» zu verc»lassen und ausnahmslose Theilnahme zu erwirken. Jur Jahre 1873/74 hat der Verein ausschließlich der Verwaltungskosten und de» regelmäßigen Beitrags ar die »Alliance israelite universelle“ noch 2719 st. 12' U. in 1439 Pottionen auSgetheilt, welche in der Skala vor 24 kr. bi» fl. 5 sich bewegten. In Zukunft sollen die Gaben nur an Württemberg» und an die ausländischen Armen au» zehnstündigem Umkreis jährlich zweimal, allen entfernteren Bettlern aber bloß einmal innerhalb des Rahmen» von 's, bis 6 Mark verabreicht und arbeitsfähige Leute bis zum 30. Lebensjahre stet» mit dem Minimum adgefertigt werden. Um Täuschungen vorzubeugrn und die Identität ber Personen eher feststelleu zu könen, werden künftig nur solche Pässe angenommen und mit dem Vereinsstempel signirt, welch« auch in deutscher Sprache abgefaßt sind. Diese Bestimmunben sollen den Wanderbeltlern allmählich infinuirt, verbreit:- ten Zeitunger mit der Bitte um Veröffentlichung derselben zugejendet und den Heimathbehörden derjenigen Länder zur gefälligen B.iücksichtigung mitgetheilt werden, aus welchen der stärkste Zuzug solcher Armen zu kommen pflegt, (»ln Wütttemberger und angrenzende Badenser find Heuer 20>, an entfernter wohnend« Armen, insbesondere aus Polen, Böhmen. Preußen, Hessen, Elsaß rc aber 1234 Gaben verabreicht worden ) Allgemein war der Wunsch, nach Mitteln und Wegen zu streben, durch weiche der Slraßendettel gründlich verminderl, arbeitsfähige und junge Leute nützlicher Thätigkeit zugcführt urd die Provinzen aus Eentralkaffen kräftig unterstützt werden, wo die Armulh ihre Quelle hat und massenhaft zu Tage tritt. Es wird auch gehofft, daß da» allgemeine deutsche Gesetz über den Arnrenunlerstützungswohnfitz. conlequent durchs«führt, dazu beilragen müsse, die Armen in ihrer Heimath «her erhalten zu können, und die Aus stellung der so oft mißchrauchten Bettelbriefe und Empfehlungen auf di« notorisch dringendsten Fälle beschränkt werden möge. Obschon eS von Jahr zu Jahr schwerer wird, Vereinsmitglieder zu finden, welche dir lästige Funktionen der Anweisung und AuSdezahlung übernehmen, so ist «S doch auch diesmal gelungen, hiefür zwei wackere Männer zu freiwilliger Uebernah nr dieser Aemter zu siuben. Oesterreich. 8. Lettberg, 24. April. (Or.-Eorr.) DaS Fest der Erlösung hat un» bereit» verlassen, nachdem e» un» wieder an die Frecheit in feierlicher Weise erinnert hatte. Allein all diese schöne r und erhabene« Gedanken, die sich an da» Fest knüpfen, werden von jenem Sestirn überstrahl:, um da« unser« schlimuiften Feind« un» beneiden. Diese» Gestirn ist die Brüderlichkeit, ist all da» herrliche, humanitäre Willen, welche« in jüdischen Kreisen für die Brüder geübt wird.