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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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—^ 150 ist sicherlich so wie angegeben. Dazu kommt al« weitere« Argument der feststehend« Gebrauch. ES findet sich in der ganzen Bibel und in allen Schriften an« spätrer Ktz keine Spnr von einem. Berbrenneu odex sonst einer aderen Mr-^. tbode als dem Bvzraben der Leick». ««ige S^zDahme bildet der Bericht am Schluffe des ersten zT Samuel über die Bestattung Sauls und seiuer Söhne. Die Leichen derselben find W» puf di« Eftbeine yerfira»»».iüuft«l<*^>,gber auch' VÄ' Grund, welcher zu diesem ausnahmsweise angewendrten Verfahren führte, geht aus der Erzählung ganz klar hervor, um sie jeder weiteren Beschimpfung, seitens der Philister, zu entziehen. Zur Zeit, als die Magier (Gebern) in Babylonien herrschten, ervuldeten die Juden viele Lewen, weil inan ihnen da« Begraben der Todlen verwehren wollte. (Die (Gebern ließen nämlich die Leichen auf dem Felde liegen, damit sie von Thieren gefreffcn würden.) Wenn wir also bei dem Prinzip des Judenthums stehen bleiben, demzufolge dasReligionsgesetz uns Vorschriften gibt, die wir zu beobachten haben, ohne uns jeweiligen schwankenden Tagesanfichten, Moden und Gebräuchen zu accomodiren, so bleibt es für uns bei dem Begraben der Leichen, und die Erörterungen über Zweckmäßigkeit u. s. w. anderer Methoden haben für uns nur theoretisches Interesse. Wenn aber ein Jude seine Leiche verbrennen laffen will, so braucht er unsre Genehmigung nicht. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 15. April. (Orig.-Eorr.) Von den circa 6000 jüdischen Familien, welche hier wohnen, hängt ein sehr großer Theil nur noch sehr lo«'e mit den, Judenthume zusammen. In vielen Häusern ist die Erinnerung daran fast geschwunden; man feiert die christlichen Sonn- und Festtage, und nur ein Tode sfall erinnert daran, daß man noch dem Judenthume augehört. Andere werden noch durch die Pietät für die geliebte» Dahingeschiedenen veranlaßt, mindestens zur „Seelenfrier" sich in den jüd. Bethäusern einzufinden; Einige laffen auch den Lindern einen sogenannten Confirmanden Unterricht ertheilen und sie einsegnen. *) — Was geschieht nun von den geistlichen Leitern der Gemeinde, um diese absterbenden Glieder zu erhalten? Mit ehrender Anerkennung müffen wir uif Nijchmath Ehajim von Ranaffe den Israel II, 24. Daselbst ist sowohl di« kabbalistisch« wie die naturialistisch« Anschauung besprochen; ebenso da» Beschütten der Leichen mit Nalk, worüber wir in Nr. 17 (unter Stettins ein paar Worte gesagt haben. Ran. b. Israel sucht di« einander widersprechenden talmudischen Sätze: 712^ HIPp u. STJIB non nvo pt auSjugleichen, citirt auch Zijuni und de« Berf. des "IÖKO< welche vom Verbrennen der Leich« zu »sch« reden, ohne daß jedoch irgend etwa» für di« Zulässigkeit des Verfahrens praktisch daraus folgte. Ei« besprachen eS eben nur theoretisch. — (Cin Bekannter erzählt uns aus eigener Wahrnehmung, daß in Lentral- Amerika di« Leichen vor dem Begraben in Ofenhitz« gebracht und au«- g«trocknet werden.) **) Die Deutung, welche Jon. b. llsiel den Worten: „sie verbrannten sie dort," gibt, ist dem einfachen Sinn« nicht entsprechend. BemerkenSwerth ist «S jedoch, daß auch JosephuS von dem Verbrennen nicht« erwähnt. Er hat entweder die agadische Deutung angenommen, ooer da» Verbrennen erschien ihm so uajtidisch, daß er davon geschwiegen hat. — Die Stell« »mos 6, 10 ist schwer verständlich und streitig. Aber wenn man IB^DO auch auf Verbrennen beziehen wollte, so würde auch dort nur von dem Ausnahmefall während einer Epidemie di« Nede sein. — Daß da» Begraben der Todten von den Patriarchen her üblich gewesen, ist jedem lkind« aus der bibl. Geschichte bekannt. Auf Fabeln « kirlc« de R. Eliea. hinzuweisen, wie in einem Blatte geschehen ist, ist jedoch eine Albernheit; wer mit solchen Gründen zweifelnd« Leser überzeugen will, kann der Sach« nur schaden, und wer derartiges mit ernster Ries« erzählt, uni al« „Tradition" bezeichnet, macht die wirklich« Traditio« zum Gespätt. 1 Diejenige», welch« de» lknaben mechanisch den Segen über di« Tor ah oder auch ein« Haftara oder Parfchah lerne» lasse« und sonst nicht«, handeln noch verkehrter. (Ned.j hier den Rabbiner vr. Ungerleider nenne».. Er versäumt keine geeignete Gelegenheit, mit glühenden, zu^sitzen dringenden'L^rten'hlie Schäden, und die traurigen Folgen der Re- .ligijfisßgsigkeit zu schildern- Er ermahnt, wieder einzulenken voili,.dW W/Ee, der zum sittlichen und religiösen Verfall führen »ruß und znrückzukehren zur frommen einfachen Sitte der Väler, den Tempel GotlcS in Haus und Familie wieder auszurichnu, rmd in Befolgung der Vorschriften und Lehren des Judeuthums das reinste Glück zu finden. Aber die anderen Herren? Wahrlich wir können ihnen nur die Worte des Propheten zurufen: „Wehe den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden; »lüffen nicht Hirten die Schaafe weiden? Ihr stärkt nicht die schwächlichen, heilet die kranken nicht, verbindet kein verwundetes, holet das sich verlaufende nicht zurück" u. s. w. Wir hatten vor einiger Zeit Gelegenheit, einer Eonfirmanden-Prüfung, geleitet von vr. Aub, die der Einsegnung vorhergehl, beizuwohnen. Die Knaben nannten eS sehr bezeichnend: die General Probe. Statt die Linder, welche i« elterlichen Hause wobl wenig vonr Judenthuni gehört hatten, wenigstens mit der großen Aufgabe des JudenthumS, seiuer hohen Bedeutung, seiner wunderbaren Geschichte bekannt zu machen, ihnen so Liebe und Begeisterung für die Religio» der Väter einzuflößen, wurden sie mit philosophischen Darstellungen der Eigenschaften Gottes gelangweilt, doch, daß wir cs nicht vergeffen, sie hatten auch gelernt, da« erste Eapitel im „Schma" und einige Kapitel im Hallel zu übersetzen. Was haben sie für'S Leben davon mitgenoinmen? WaS aber, wird man fragen, sollen die Männer, deren Beruf eS ist, die religiösen Führer der Gemeinde zu sein, der allgemein herrschenden Gleichgültigkeit gegenüber denn thun? Run, sie sollen nicht dem sogen. Zeitgeiste huldigend mit der Strömung schwimmen, sollen nicht, den falschen Propheten gleich, den Absall voin Gesetze der Väter als Fortschritt preisen, und in theatralischem Gepränge Ersatz finden für religiöse Innigkeit. Da leset unsere Propheten und sehet, wie die gottesbegeisterten Männer offen auftraten gegen den Abfall und nicht aufhörten zu mahnen und Strafreden zu verkünden und hinzu- . weisen auf die hohe Bestimmung, welche wir zu erfülle» haben Und auch noch nach ihnen, dis auf unsere Tage hinab, hat eS nicht an Männern gefehlt, welche sich „in den Riß gestellt," ihre lehrende und warnende Stimme haben ertönen laffen, und welche eine reiche Saat ausgestreut haben, die sicher nicht ohne Segen geblieben ist. Ewig wird Dein Andenken unter uns fortleben, Michael Sachs! der Du zu den Auser wählten gehörtest, die Gott begnadet mit der Kraft de» Worts, und der Du dies« hohe Gabe nur in seinem heiligen Dienste verwandtest. Wohl blutet unser Herz, jetzt von der Stätte, von der Du das Wort Gottes verkündetest, Worte zu vernehmen, die die Pflanzen mit der Wurzel niederreißen möchten, welche auf jüdischem Boden gewachsen. „Sie verlegen die Religion nach der Küche;" wurde unS an dem Feste zugerufen, welches uns als Erinnerung an die Befreiung vom Sklavenjoche das Ehamez-Verbot auferlegt. Ja, wir verlegen die Religion nach der Küche, aber nicht nur nach der Küche, sondern auch nach unfern Kinderzimmern und Schlafstuben, in unsere Werkstätten und Geschäftsräume. UnS ist das Judenthum mehr, als bloße» Anhören einer Predigt und Beiwohnen einer mehr oder minder gelungenen gottesdienstlichen Ausfiihrung. UnS soll die Sötte» - lehre Führerin durchs ganze Leben sein, um diese» ihre» Vorschriften gemäß zu regeln. So lehrt eS uns da» Wort, welches unS unsere Väter beigebracht, und welches wir unseren Kindern weiter vererben werden, und welches die Fortsetzung drS VerjeS ist, den ja Alle auSrufen, di« den Namen Israel tragen. 10. Berlin, 1. Mai. Im Saale der Gesellschaft der Freund« versammrlte sich am Mittwoch Bormittag die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur statutenmäßigen Generalversammlung. Die Gesellschaft, die gegenwärtig 274 ordentliche und 224 Ehreumitglleder zählt, gewährt ihren In-

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