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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Wtttn nicht mehr nie jetzt tz» oft selch physisch verkümmerten Gestalten auf dem Schloßberge begchnen werde. Eine Deputation de» Vorstände» wird nächster Tage dem edeln Menschenfreunde seinen Dank im Namen der Kleinen erstatten. Schweiz, 19. April. (Or.-Eorr.) Der heutige Tag verdient auch von jüdischen Blättern al» Wendepunkt in der Stellung der Schweizer Juden verzeichnet zu werden. Er ist ein Siege»- und SegenStag, an chm ist die reoidirte BundeSversaffung vom Volke mit mehr al» Zweidrittelmajorität angenommen worden. Flammenzeichen lodern auf den Bergen nnd verkünden die frohe Botschaft nach allen Richtungen hin. Wie ehedem im heulen Lande derartige Feuersignale auf den Bergen die Verjüngung de» Neumondes anzeigten, so find sie bei un» die Herolde de» Lichts, der geistigen Wiedergeburt, der Freiheit; die Glaubens- und Gewiffensknebelung ist heute vom Schweizervolk zu Grabe getragen. Die kofcharsteu Güter, die sie nunmehrige Bundesverfaffung uns bringt, find: die Gleichberechtigung aller ReligionSgenoffenfchaften, Verbot der Bestrafung wegen GlaubenSanfichten, confeffionSloje Schule, kurz die Glaubens- und Gewissensfreiheit mir allen ihren wohlthätigen Eonfequeuzen. „Gepriesen, der die Zeiten lenkt und zum Guten ändert!" Petersburg, 12. April. In Folge de» neuen Militärgesetzes herrscht unter den Tataren auf der Krim große Aufregung; was die muselmännische Bevölkerung wünscht, ist nichts mehr und nicht» weniger, als die Vergünstigung einer Exemtion von der Militärpflicht oder die Erlaubniß, in die Türkei auSwanderu zu dürfen Um die Erfüllung chrer Wünsche yuter allen Umständen zu erlangen, ist der größere Theil der Muselmänner entschlossen, seinen ganzen Wohlstand auf'S Spiel zu setzen, d. h. die Felder zur Aussaat nicht vorzubereiten. Die Karaüen (Israeliten) beobachten einstweilen Schweigen; e» unterliegt aber keinem Zweifel, daß sie sich in noch größerer Aufregung besinnen, weil sie fast alle» verfügbare Gelb den Tatareu al» Darlehen gegeben haben und sie bei der bevorstehenden Auswanderung derselben befürchte», nicht wieder in den Besitz chre» Geldes zu gelangen. (R. Z.) Berrelli. Rabd. G Raffael Levi erhielt nach S0;ähriger höchst erfolgreicher rabbiutfcher Tätigkeit den ital. Kronenorden. Dieser Auszeichnung von Seiten de» Staates schloß sich eine andere von Seiten der Gemeindevertretung an. Dieselbe faßte nämlich den Beschluß, chrem hochverdienten Rabbiner den Titel eine» Oberradbiner», welchen Herr Levi in aufrichtiger Bescheidenheit di» dahin zurückgewiesen hatte, durch am von drei bedeutenden Rabbinern ausgestellte» Diplom ertheilen und sanclioniren zu laffen. Ohne sein Wiffea war ihm diese Ehrenbezeigung zugedacht worden, und e» gelang nnr sit Mühe, ihn zu der Annahme derselben zu bewegen. Um Sabdath Ki Sissa wurde chm zu Ehren der Gottesdienst sit erhöhter Feierlichkeit abgehalten. Den erhebendsten Eindruck mochte die improvifitte Festrede de» Jubilar-, der die Feier de» Tage» al» „ein Familienfest" bezeichaete, „von dem Hauche durchweht, der die Feste un» besonders werch und theuer macht, dem Hauche der gegenseitigen Liebe." Au» Jerusalem, Hebron, Tiberia» find Nachrichten über -raste Ttzeweruug der Leben-mittel, welche sich für die ohnehin arme Mische Bevölkerung zu einer Hungersuolh steigert, nach Europa gelangt. Die Uriache liegt in den sehr abnormen, fast nuerhvrtm Wuieru»^»oerhältuiye» de» verwichen« Winter». Gälte, Schneemasien, heftige Stürme und unaufhörliche lflegengüffe haben umso größere» Schade» «richten muffe«, als man gegeri solche Elemenunträfte uuhl gerüstet ist. So sind denn Häuser eingestürzt, die Wege »npassirbar geworden, die Felder weit nnd drei: verwüstet. Sogar auf telegraphischem Wege hat man sich um Hülse au da« Eoume in Amsterdam, cm Sir Maseo Momestvre u. AA. gewendet. Soviel bekannt, hat «fcrinMitai der Board af Leputie» eine Summe von 2000 Pf. Hr., «mlche noch mm frühere» Sammluugeu vorhanden Feuilleton. Das Mädchen oon Langer. (Fortsetzung.) Elende, stammelte er endlich mir unverkennbarer Wnth, Du hast den Namen de» Propheten gelästert, und Du sollst meine Macht kennen lernen. Auf den Knieen fällst Du vergeben» erflehen, wa» meine Güte bereit war. Dir umsonst zu gewähren. Auf! — und er stampfte mit dem Fuße — führt sie in da» Gefängniß der Weiber. Bei Waffer und Brod, in einem feuchten Loche mag sie sich eines Besseren besinnen. Bist Du nun zufrieden? Ich lache Deiner Drohungen, sagte das kühne Mädchen, als die Soldaten sie abführte». Deine Gewalt soll mich ebensowenig rühmen wie Deine Lockungen. Er sah ihr nach mit einem Blick voll Wnth, der wider seinen Willen allmälig in Bewunderung überging. Wochen vergingen, ohne daß man in Tanger erfuhr, was aus dem Mädchen geworden war. Die ganze Judenschaft war über dieses Unglück und Anzeichen neuer Verfolgungen auf's Tiefste aufgeregt. Die Mauren vertheidigten, die christlichen Kaufleule bedauerten bie Handlungsweise de» Gouverneurs. Rur der spanische Eonsul, Do« Jose Rico, wagte oder hielt eS der Mühe wertb, energische Vorstellungen gegen dieS gewaltsame Verfahren zu machen, ward aber unter Berufung auf unantastbare religiöse Satzungen höflich zurückgewiefen. Doch was war alle Theilnahme der Fremden gegen die Trauer der Familie Hachuel! Nicht um den theu» ersten Tobten hätte man so trostlos geklagt. Die Geschäft« hatten aufgehört. Wenn der alte Hachuel seinen tägliche» Rundgang bei allen Eonsuln gemacht und wieder und wieder stehendlich um ihre Fürsprache gebeten hatte, setzte er sich auf die Erde und beweinte sein Kind. Sein Weib ging herum einem Schatten gleich; nur Jsachar war unermüdlich, über da« Loos seiner Schwester Erkundigungen einzuziehen, da« Gefängniß, in welchem sie saß, zu beobachten und bat Fenster ihrer Zelle in liebender Geduld zu bewachen, ob er st« vielleicht erblicke. Eines Tage« kam er nach H«se und sagte: Vater, heut gelang eS mir, die Wärterin zu bestechen. Wenn die Sonne untergegangen ist, dürfen wir an da» Zellenfenstcr, um Esther zn sprechen. Gesegnet seift Du, mein Kind, sagte der Alte; wie lange müssen wir noch harren? Noch vier Stunden, Vater. Er seufzte tief, zog den Gebctmantel, in den er gehüllt saß, über den Kopf und war still. Al» er Abend geworden war, machte sich die Familie auf den Weg. Esther stand schon am vergitterten Fensterchen, sie erwanend. Sie streckte ihren Lieben beide Hände entgegen, die sie voll Wehmuth ergriffen und mit ihren Thränen benetzten. Was thut Ihr? sagte fie bewegt. Es geziemt sich, keineswegs, daß mein ehrwürdiger Vater, meine lhenre Mutter di« Hände einer Schuldvollen küssen. Meine Eltern, könnt Ihr mir verzeihen? Was sprichst Du, mein Leben, sagte der alte Mann schluchzend. Du bist unS nicht Schuld. Was kann das Lamm dafür, daß der Wolf eS anfällt. Rein, mein Vater, sagte daS Mädchen, Gott ist gerecht. Ich habe diese Strafe verdient. Ich suchte Trost bei den Fremden, darum hat Gott mich unter die Fremden gestoßen; ich wollte mich nicht von der Hand meiner lieben Mutter strafen laffen, darum muß ich mich unter de« Fuß der Tyrannen beugen. Meine Tochter, rief die schweigsame Frau, Gott soll Dich erhalten, wie Du unschuldig bist! Ja, Dein Later hat Recht, ich habe Dich zu hart behandelt. Bon mir wird-«» Heiß«»: Seht, die unnatürliche Mutter! ' ---'v -

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