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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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7 'W *• „T77*4' ' — 144 — sttUu Schill« gemacht hat; er hatte denselben Nieriandeu vorher. wiffen lassen und war daher über dagut« Betragen der Schüler und die Achtung, di« sie ihren» Lehrer zollen, doppelt überrascht. Auf sein« Beranlaffung wurden Einige von ihnen in den verschiedenen Unterricht-gegenständen geprüft, und er fand, daß sie verhältnißmäßig sehr fortgeschritten waren, ein Erfolg, der um so merkwürdiger ist, aldiese Kinder fast sämmtlich noch vor kaum einem Halden Jahre nicht lese«« konnten und in vollständigem Müßiggänge, sich selbst überlassen, ihre Zeit vergeudeten. Der H Eonsul meint, daß eS ebenso nbthig wäre, daselbst eine Töchterschule zu gründen, damit die Mädchen gleich« Grundsätze und Kenntnisse wie ihr« Brüder besitzen und einst mit denselben in Üebereinstimmung wirken und sie unterstützen könnten; aber eS sei schwer, ein paffende» Local zu finden; sollte jedoch H. Benoliel ein solcheausfindig machen, so wollte er ihin gern bei der städtischen Behörde die nörhige Eoncession hierzu zu erivirken suchen. Da- E.-Eomit« wird Maßnahmen treffen, um auch den dortigen jungen Mädchen Unterricht zu verschaffen. Eamacof. Die Eröffnung der dortigen Schule hat am 10. Januar stattgefunden. Sie zählt 108 Zöglinge, von denen ca. 30 nur Hebräisch lesen können; fast Alle sind arm, schlecht gekleidet, aber sehr gehorsam; da- Schullocal ist groß, hell und gut meublirt; alle gemachten Auslagen sind von H. Mose» Ariä vorgeschossen worden. Außer Hebräisch, daini Lektion-plan die wichtigste Stelle einnimmt, umfaßt der Unterricht noch Türkisch und Singen. Tanger. Herr v. Gültch, Gesandten de» deutschen Reichin Tanger, schreibt, daß der Unterricht der J-raeliten von Marocco und der Fortschritt der Civilisation in dieser fruchtbaren Gegend, nach seiner Meinung, zwei identische Dinge find. Da- Werk der Alliance J-raelite, sag: er, hat seine volle Sympathie, und er ist überzeugt, mit den Ansichten seine Regierungen übereinzustimmen, indem er sich hiermit bereit erklärt, zur moralischen und materiellen Förderung diese» zahlreichen Theile» der maroccanischen Bevölkerung deizmragen. — Herr Oberrbb. L. Jona aus Modena theilt dem L-Eomite mit, daß ein israelitischer Knabe, den die barmherzige Brüderschaft von Earpi ausgenommen hatte, in Folge gerichtlichen Erkenntnisses seinen Etlern zurückgebeben worden ist, und freut sich über die edle Unterstützung, die hierbei von vrrschicdenen Personen, unter Anderen von Herrn Borsari in seinem Journal II. Panaro der Sache der Humanität gewährt ivorden ist. Die Nachrichten aus Rumänien stimmen mit dem in unsrer unten folgenden Eorrespondenz au» „Berlad" überein. — Die Verhandlungen über di« Angelegenheiten der Juden in Rom, und über die Wiederbelebung de» Collegium Rabbinicum, welche in Fluß gebracht zu haben, ein überaus verdienstliche» Werk der Alliance sein wird, stellen wir unter „Italien" zusammen. — Großbritannien. * London. Die bevorstehenden Neuwahlen zu dem Board of Depulies geben den englisch-jüdischen Blättern Anlaß zu eingehenden Betrachtungen über die Leistungen und die Aufgaben derselbe«, lieber die Aufgaben sagt „Jew. Chron.": „Obgleich die politischen Beschränkungen der Juden aufgehoben find, jo leiden sie doch noch unter gewissen Beschränkungen wegen de» besonderen Charakterihrer Religion. Der Jude, welcher seinen Laden oder seine Fabrik am Sabbalh geschloffen hält und dieselben wieder nach den Anforderungen der Landesgesetz« am Sonntag schließen muß, leidet unter einer Beschränkung. Unsere unglücklichen Brüder in einem gewissen Gefänglich unweit London, welche nach der Entscheidung gewisser obrigkeitlicher Personen gezwungen wrrdeu, am Sabbath zu arbeiten, unterliegen einer Beschränkung. Die Juden in der Annee und der Marine und manche andere, deren Sabbathe, Festtage und Sprisegeietze nicht anerkannt werden, leide« unter einer Beschränkung. Die Juden, derr« Kinder von dem Besuch« einiger großen öffentlichen Schule«, *f< Eton, Rugby und Harro«, absolut au«geschloffe« find stnrch die eigenthümltchen alterthümlichen Specialstatuten dieser I»- staltenj, stehen unter einer Beschränkung. Ja noch mehr, di« Juden, deren Religion durch Gesellschaften angegriffe« wird, welche die Bekehrung ihrer unwissenden und verhungernde« Brüder und ihrer unschuldigen Kinder zum Zwecke hat, stehe« unter einer Beschränkung" — Wir berichten bei dieser Gelegenheit nachträglich, daß der unlängst gefaßte Beschluß über Zulassung von Deputirten der Berkeley (Reform-) Synagoge nutzlos gewesen ist. Diejenigen, welche bei der Debatte betont haben, daß kein Antrag der fraglichen Gemeind« vorliege, daß man erst constatiren solle, ob diese denn ausgenommen sein wolle, und daß man in zweckloser und schädlicher Weise einen Streit annge, haben Recht behalten Die Majorttät der Gemeindevertretung hat die Beschickung de» Board abgelehnt. Der darüber zwischen Julian Goldschmid und Henriquez in den Blättern geführte Streit bietet wenig Interesse. — Unter dein Titel „Jewish Directory for 1874“, herausgegeben von Ascher I. Meyer», ist ein Adreßkalender der jüdischen Gemeinden in England erschienen. Derselbe enthält ein Berzeichniß der Synagoge», jüdischen Schule«, Vereine, Wohlthätigkeit-anstalten und Gesellschaften in der Hauptstadt und den Provinzen, nebst den Namen und Adresse» aller bei denselben fungirenden Personen, sowohl der besoldeten wie der Chrenfunctionen, nebst vielen einschlägige« Angaben. „Jew. Chron." stellt aus Grund diese» Handbuchfolgend« interessante Data zusammen: Synagogen find in der Hauptstadt 23, in der Provinz 47; in elfterer Zahl find jedoch einige kleine Chebrah-Synagogen nicht eingerechnet. Friedhöfe giedl «S 11, darunter 6 geschloffene. Schulen in London 13, in der Provinz 17, incl. Sabdathschulen. In London lind 18 Armenhäuser und 10 Ho-pitäler im alt-englischen Sinne de» Worte», d. h. Asyle für Kinder, Greise, Kraute. Andere Wohlthätigkeit-anftallrn sind in London 33, in der Provinz 40 vorhanden. Gegenseitige Wohlthätigkeit-» gesellschaften in London 22, in der Provinz 5. Zu den Londoner Anstalten gehört da» »Jew- College," welches vor etwa 22 Jahren von dem Chief Rabbi in- Leben gerufen wurde und recht eigentlich da» Kind seiner Sorge ist — wie wir anderweit wiffen. Da» College ist bestimmt, Rabbiner, Prediger, auch Cantoren für England und die Colonien auSzubilven, überhaupt Gelegenheit zur Erwerbung höherer Ausbildung im Radbinischen zu bieten. Zugleich wird in den geeigneten allgemeinen UniverfilälSfächern Unterricht ertheilt. Mit dem College ist eine Schule verbunden, welche einen gediegenen hebräischen Unterricht für Knaben mit de« in den Elementar- und Realgegenständen verbindet. Dirretor der Anstalt ist Dr. Friedländer. Da» College hat lange Zett nicht recht proSperiren wollen, e» fehlte an Schülern, wenig» ften» an solchen, die den CursuS mit „Zeichen de» Segen»" durchmachlen. Bei dem Ausbleiben sichtbarer Resultate war auch der Eifer der Beitragenden sehr gering, und ohne die Mühe und den persönlichen Einfluß de» Gründerwäre die Anstalt sicherlich schon sehr lange eingegangen. Doch wird der heilige Spruch: „wer de» Feigenbäume» wartet, wird die Frucht genießen", nicht zu Schanden werden — wie steinig gerade für einen solchen Baum aueinleuchtende« Gründen auch der Boden Londons sein mag. Bei der kürzlich gehaltenen Generalversammlung und Prämiirung der Zöglinge der Schule hat der Chief Rabbi ausgesprochen, daß er sich glücklich fühl«, die Wichtigkeit de» College allmälig i« der Gemeind« anerkannt zu sehen. — Es verdient bemerkt zu werden, daß seit Kurze» einige junge englische JSraelite», versteht sich au« guter Familie, in die Kriegsschule zu Woolwich, und auch bereit» al» Lieutenantin die Armee «ingelreten find. — Die „Entdeckung de» wahren Berge» Siuai" durch Bek« wird in England viel besprochen. Wir könne« hier nicht näher auf die Frage eingeh««, veke'« Bermuthnng, der

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