Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 17.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 185 licht» Tütflusse, ob ei» 9UUgio»*g<f(t hemmend, «lldernd unb »ttber förbttnb etntritt, «der ob da», wa» »»» «Inmal so a» der Lage«ordnung ist und «Nischuldigl wird, den einzigen lodet Ver Sittlichkeit abgibt. LeULufig lägt sich indesieu diese» Thema nicht erörtern. Da wir ohuehin mit vorstehendem nur «ine Einleitung zu zwei kleinen Ldhaudiungen von F r a u e n Hand, welch« den nächsten Artikel bilden werdrn, geben wollten, so mag die« al» erster kleiner Beitrag zur Frauenfrage im Judenlhum genügen. Berichte und Lorrespondellzen. De»tschl««d. Stettin, 15. April. (Notizen zur Tage«geschichte.) Der gerichtliche Jnstanzenzug hat eine schon ziemlich alte, in dteseül Blatte aber noch nicht erwähnte Beschichte wieder in die Zeitungen gebracht. Im Mai v. Jahre« hatte ein socialdemokratischer Agitator in einer Volksversammlung — angeblich zum Zwecke der „Erheiterung* — einen ursprünglich von einer amerikanischen Zeitung gebrachten „SensationSartikrl* vorgetragen, in wrlchem die überraschende Entdeckung »itgetheilt war, daß die Hohenzollern-Dynastie italienisch-jüdischen Ursprünge« sei. In Italien, wurde behauptet, lebte bi« jüdische Familie Eollalto (d. h. deutsch Hohenzollern), weiche nach Art ihrer Siauben«genossen Geldgeschäfte trieb; fpäker fiedelte sie nach Deutschland über, wo mehrere Glieder sog. kaiserliche Uammerknechte wurden. Da« Haupt der Familie ließ sich taufen und wurde mit Uebrrwachung und Einkasfirung der kaiserlichen Gefälle und Zölle betraut und nach Nürnberg zur Ausübung diese« Amte« versetzt. Man räumt« ihm di« Burg zu Nürnberg al« Sitz ein, und er erhielt dann de» Titel „Burggraf von Nürnberg*. — Der die versammln»- überwachend« Polizeilieutenaat Rach löste dieselbe wegen diese« Vorträge» auf, und die Staat«anwaltfchaft erhob di« Anklage aus MajeftätSbelechigung, indem der Dolu« dafür durch die Art und Weif« de« vortrage» in einer Vollversammlung erwiesen sei. Da« Stadtgericht aber erkannte auf Freisprechung, da der Artikel objektiv, nicht beleidigend und auch die Absicht der veleidiguug nicht erwiesen. In der AppellationSinftanz vor dem Aammergerichte beantragte die Oberstaalauwallschaft 1 Jahr Gefängniß gegen den Angeklagten, indem sich au« dessen Antecedentien und den begleitenden Umständen die Absicht der Beleidigung mit Sicherheit folgern lasse. Der Gerichtshof erkannte jedoch nach langer Berathung tu Uebereinstimmung mit dem ersten Richter. — ES ist also gerichtlich anerkannt, daß di« Behauptung an sich nicht beleidigend sei. Ob sie r« Hab« sein sollen und nach Zusammenhang und Vortrag so Hab« aufgefaßt werden können, interessirt uu« nicht. — Die Gesammtftatiftik der Juden beruht «tf sehr willkürliche» Annahme» und differirt daher sehr stark. Wir finden jetzt wieder eine angeblich von dem statistischen Comit« in Berlin ausgestellte Berechnung Sie lautet: „E« leben gegenwärtig circa 8 Millionen Juden auf der ganzen Erde, und in Rußland allein betrSgt die Zahl derselben anderthalb Millionen, in Ungarn über eine halbe Million, in den österreichischen Erbländern circa '/, Million, in Deutschland über eine halbe Million, Frankreich zählt 100,000, Großbritannien 50,000, Italien ebenfalls 50,000, in Vorderafien leben 600,000, in Nordafrcka 630,000, und in Amerika 300,000* Die Fehlerhaftigkeit dieser Angaben ist fast handgreiflich. Die Summe der einzelnen Zahlen beträgt noch lange nicht 5 Millionen, wo sollten denn in aller Welt di« »och reftirenden 3 Millionen wohnen, da außer den hier ausgezählteu Ländern nur noch Holland und die europäische Türmt eine erhebliche Zahl jüdischer Einwohner besitzen? dagegen ftafc wieder die Zahle» für Rußland um «ehr als eine ganze Million, für Oesterreich um eine viertel Million zu klein, für da« hmittge Kmnkreich um da« Doppelte zu groß, di« für „vorderafien* an,,-ebene Ziffer ist «be» so phantastisch wt« der Begriff de« betreffenden Ländercomplexeä unbestimmt. — Die „Germania* bracht« neulich eine» lmlmiimnten Artikel gegen ein« Liedersammlung: „Vaterländische Festlieder, gewidmet dem EultuSnlinister Dr. Falk*, welche von rheiuiichru Bürgermeistern a» di« Lehrer versendel wurde«, und in denen sie „verbrecherische Attentate gegen die L-ckuljuaend" erblickt. Al» höchst anstößig bezeichnet sie da« so unschuldig«, ja zarte und rein« „Steh' ich in finstrer Mitternacht*, und al« uachristliche« stneipenlied da« „Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher* von dem (obendrein sonst recht frommen) Math. Llaudiu«. — Welch ein Gegensatz zwischen diesem verbissenen, finstern ZelotiSmu« und dem orthodoxesten Judenthume! Bei aller Sttlenreinheit und Sittenstrenge bat doch die jüdisch« Orthodoxie die Deinunb Liebeslieder der Ji.m E«ra, Jeh. Halevy u. A. weder geschmäht, noch verketzert, dieselben Dichtet haben, wie allbekannt, durch ihre religiösen Dichkungest die Liturgie bereichert; wem ist eö je tir den Sinn gekommen, letztere um der ersteren willen zu bemängeln» Iben ESra'S Sabbath-Ehanükah-Lied, gewiß ein sehr weltliche«, hat sogar in „dem dicken Eiddur* Aufnahüie gefunden, und um R. Jos. Äaro'S VerdammungSurtheil g<- gen die allerdings mitunter frivole Dichtung Jitimäituel'S hat man sich im Ganzen auch wenig gekümniert. — Die Agitation für die Leichenverbrennung findet auch in England und Amerika Diederhall, und wird in den dortigen jüdischen Blättern besprochen. „Jeiv. Ehr.* meint, die Verbrennung sei auch bei den Juden in Gibraltar und Nordafrika gebräuchlich, man verbrenne die Leichen durch Aufschüttung von ungelöschtem Aalk. Auch auf dem sefarvtschcn Fttethofe in London geschehe da» zuweilen. — Diese« Verfahren ist uralt und wohlbekannt; die Austösung der Weichtheile wird dadurch beschleunigt, auch wird wahrscheinlich dr« gesundheügefährdende Wirkung der Verwesung verringert, da» Skelett bleibt aber intakt; wa« hat da« also mit den, verbrennen ander» gemein, al» daß man dabei figürlich von Verbrennung reden kann?! — Oh wollen bei dieser Gelegenheit bemerken, daß Herr Aliagenstein unsere Bemerkungen im Leitartikel der Nr. 12 gründlich mißverstanden hat. Er nimmt da«, waS wir über n»tzbare Verwendung, ja Berspeisung der menschlichen Ueberreste gesagt habt«, für fürchterlichen Ernst, und meint lohne BiSmarck zu citiren), „so weit find wir doch noch nicht"; die Pietät gegen verstorbene und ihre Gräber, belehrt er un«, finde auch in nichtjüdischen Herzen „vielfach* Anerkennung und Unterstützung. Daß wir nur zeigen wollten, zu welchen Eonsequenzen eS führe, wenn man in solchen Dingen lediglich die praktisch-verständigen Gründe in Erwägung ziehe, und daß wir dabei der Mischaah die Ehre vindiciren wollten, diese UtilitätSberechnungen und nationalökonomischen Maximen in schlagender Weise widerlegt zu haben, hat er nicht verstanden Auch in der Mischnah werde» die Interpellanten nur »ä absurdum geführt. Berlin. Da« hiesige Eomite der „Alliance JSr. Univ." hat unter dem 26. März einen kurze« Bericht über seine Thätigkeit im Jahre 1872—73 auSgegeben Wir theilen Einige« daraus mit. „Das im Oktober 1869 in Berlin von der Allianz begründete HilfSwerk für die weftrussischen Juden ist in Thätigkeit geblieben, wenn auch, wegen der beschränkten Mittel, in geringerer Ausdehnung als früher. ES ist die Absicht, in Zukunft auch dem russischen Werke eine dauernd« und seiner Wichtigkeit angemeffene Stelle in der regelmäßigen Thätigkrit der Allianz zu sichern. Ueber den speziellen Antheil de» Berliner Lokalcomite« an diesem Hilfswerke in der Zeit vom 18. Mai 1872 bi» 31. December 1873 (dem seit Erstattung unseres ersten Berichtes verflossenen Zeitraum) giebt der Lassenbericht Auskunft. Wie in der ersten Periode ha: auch in den verflossenen 20 Monaten unsere Thätigkeit sich, zumeist auf Anweisung de« LönigSbergrr Hauptgrenzcomite«. erstreckt auf Unterstützung vc» Stndire»deu, Ausbildung von Handwerkern,