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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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i ' * ** 1 IifyH, nenn auch hierin die Uebercnltur zur Uneültur zurückkehrt, da auch bet Wild« und Halb»ild«u Kßikflrr« und Fraue»-Leibe«Me kMm «»n eiPzudet m «fttrrf&g|0R sind. Doch übenüenua von f»i«seck'Di»e^ «aß dagegen!T löblicher und Micher W«fe iuDin»tstD die Hßtzyn^rage erstrebt wird, da» dürfen wir wohl al» bekannt voran«- »V IW«*'«: und ohne nähere Begründung zu sagen, daß da« Judenthum dieselben wohl billigen und rühmen kann. So die HinwegrLumung de« verrotteten und abgeschmackten, aber immerhin noch sehr verbreiteten Borurtheil«, al« ob sich für die Frau nur Stricken und Flicken, Kochen und Waschen gezieme, da« Aneignen höherer Bildung und da« Streben nach edlerer Geiste«beschäfrigung aber zum widerlichen Blaustrumpf und häusliche Tüchtigkeit unmöglich mache. Ferner dc« Streben, die Frau zu selbstständigem, ehrbaren Erwerb zu befähigen, ihr den Weg zum Aneignen und Berwerlhen jeder für sie geeigneten Kunst, Wissenschaft und Fertigkeit zu eröffnen. *) Ebenso die Abschaffung mancher au« veralteten Anschauungen hergrleiteten und vererbten Beschränkung der Frauen in ihren Privatrechten.**) Besondere Stellung zu diesen und ähnlichen Fragen nimmt indeß da« Judenthum nicht ein. Wohl aber desitzr e« gewiffe Elgenthüuilichkeiteu, denen wir «» verdanken, daß in unserer Mitte, wie oben gesagt wurde, die Frauenfrage keine brennend« ist. Di« Opposition weiblicher Kreise gegen die hergebrachten Ansichten über Stellung und Beruf, und demnach auch über Erziehung«- und Bildungsgang der Mädchen und Frauen, geht bekanntlich vielfach von der Küche und der fpeciellen Aufsicht über di« Haushaltung au«; will mancher die« al« einzigen Wirkungskreis der Fra« bezeichnen, so lehnt diese sich gegen solch« Erniedrigung auf und geht dann in dieser Opposition leicht über da» Ziel hinan». Aber die israelitische Frau? (versteht sich, wenn sie Küche und Haushaltung jüdisch führt.) Di« Religion hebt und adelt jede Thätigkcit, jede« Streben. Mag die hochgebildet« Dame e» unter ihrer Würde halten, in der Küche zu stehen u. f. w., die noble Dame sich de« schämen, di« Begüterte sich dazu Dienerinnen und Köche halten; di« jüdisch« Frau kann da« nicht, die Psticht gebietet ihr, selbst, soweit nörhig, nach dem Kaschruch de» Hauswesen« zu sehen, sie ist dafür verantwortlich, nicht der Man«, und nicht auf Dienerinnen, solange sie nicht erprobt find, darf sie sich verlassen. Solange di« Mutter sich nicht für zu gebildet, zu vornehm oder zu reich hält, um selbst da« kranke Kind zu pflegen oder gelegentlich da« gesund« einmal eigenhändig „vorzunehmen* — von Frauen, die da« unter chrer Würde und chrem Stande hal- •) So wird ti, nach unfern Begriffen von Sittenreinheit und Züchtigkeit, nur höchlich gebilligt werden können, wenn Frauen sich in geeigneten Füllen nur von Frauen ärztlich u. f. w. behandeln ju taffen Hütten, und wäre die« dem heutzutage zur vornehmen Mode gewordenen Se^ntheil hundertfach vorzuziehen. Daß mit solchem Studium da« gränelvolle Treiben von Studentinnen nicht verbunden sein muß, versieht sich doch wohl von selbst. **) Ö« kann nicht gelüugnet werden, daß da« talmudische Siecht «ich solche Beschrüntungen enthalt, aber e« hat ja für un« keine Set« dinolichkeit; hierin ist „da« Lande«gesetz Gesetz", und diese« soll mit der Entwickelung der Zeiten sortschreiten, wie die« da« rabbinische Siecht seiner Zeit auch gethan hat. turten, für unmöglich erklären, reden wir freilich nicht — solange wird die jüMchr Fra« nicht KL mmMWerfea glauben, gch *M*Y*t*' Hier ist ja liraMBenjfcji^^utrcffcnb, wähch^rm EfMßMchen, dem „Hinter den Mägden Hersein", dem (niitunter etwa« drachenhafein Andere« ist da« Beaufsichtigen de« Kaschruth den« doch, da» wird niemand läugnen, e« ist der Frau religiöse, heilige Pflicht, und wo die Pflicht spricht, da hören die Rücksichten und Nebendinge auf. Jndeffen ist die« doch nicht so wichtig (wir meinen nicht: an sich, sondern im Verhältnis zur Frauenfrage); von entscheidendem Einfluß ist di« ganze Entwickelung de« Familienleben« und der sozialen Berhältniffe unter den Juden. Dah Frauen sich selbstständig, aber hochehrenhaft und geehrt, ernähren, daß Wittwen ohne Weitere« da« Geschäft de« Manne« fortsetzen, ohne dem Gerede zu verfallen, daß dt« jüdisch« Solidar-Wohlthätigkeit ihnen dabei so zu Hülfe eilt, daß da« Geschäft oft unter der Wittwe Führung beffer gedeiht al« vorher, daß Frauen, auch Unverheirathete, di« „Seele* eine« Geschäft« sind, und daß diese« weit eher ohne de» Mann, ol« ohne die Frau geführt werden kann, daß hier und da, und gar nicht einmal so phänomenal selten, da« Weib eher den Mann ernährt, denn umgekehrt — da« Alle« braucht für un» nicht erfunden und entdeckt zu werden, ti ist in unserer Mitte etwa« Alltägliche« gewesen und ist «» noch. Dazu kommt da« bi« dato noch nicht erloschene Strebeu «ad Ringen de« Juden nach Gründung de« eigenen Haufe« und Heerde« und da« gleiche oder vielmehr noch weit stärkere auf Seiten der Eltern, mit Einietzuirg de« ganzen Können« und Vermögen« die Töchter zu versorgen. Da« wird den« doch, solange die Welt nicht „auf den Kopf gestellt* wird,' die beste und schlichteste Lösung der Frauenfrage sein. Die« sollten zunächst nur einige Andeutungen über eia Thema sein, über welche« noch sehr viel zu sage» wäre. E« wäre auch wohl zu erörtern, inwiefern diese Berhältniffe,' LebeuSanschauungen und Gewohnheiten mit dem jüdische» ReligioaSgesetz zusammenhangen, ihm entstammen, mit ihm bestehe« und — mit ihm fallen oder vorerst sinken. Da da» hier zu weit führen würde, so möchten wir diejenigen Israeliten, welche da« ReligionSgesrtz für unwesentlich und entbehrlich halten, auffordern, daß sie sich doch einmal umschauen, aber ohne sich selbst zu täuschen oder zu belügen, ob sie nicht sehr merkbare Zeichen de« Verfall« erkennen «erden, nicht so bei dem älteren, mehr oder weniger noch unter de« Einfluffe de« religiösen Gesetze« herangewachsrnen Geschlecht«, aber sehr stark bei dem jüngeren Seschlechte. Man wird un« entgegnen, da« liege in den Zeitverhältniffen, der Richtung de« Tage«, nicht in der Emanzipation von der Torah. Wir bestreiten da« in einem Theile, indem wir eiafach sagen, daß Sinnlichkeit und Genußsucht vor Jahrhunderten gerade so mächtige Triebfedern gewesen find, wie heute, und daß e« dem, welcher sich diesen Trieben hingeben wollte, vor Jahrhunderten sowenig au Gelegenheit gefehlt hat, wie heut«. Wir geben wieder andrerseits, d. h. in gewiffer Beziehung, zu, daß Zeitverhältniffe mächtig umgestaltend auch in da« häu«lich« und Familienleben eiagreifen — aber um so mehr ist e« von wefent-

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