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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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daß auch in Deutschland Jude und Ehrist, Gelehrte und Laien an solche Dinge glaubten? Die Tage de» Aberglaubenwerdm auch für die russischen Juden gezählt sein. Oesterreich. Kien. (Biographische Notizen zur 70. Geburtstagsfeier SulzerS.) Salomon Sulzer, am 30. März 1804 zu Hohenems in Vorarlberg geborm, kann wohl als «in wahrhaftiger Ben-Oni betitelt und betrachtet werden. Mahnt doch sein v.ame schon an die Verbannung („Gerusch") seiner unglücklichen Glaubensbrüder, die seinen Urahn JosÄ aus Sulz nach der Zufluchtsstätte HobrnemS geführt! Hirz:: umgiebt seine zarte Jugend insbesondere ein tragischer Schimmer. In seiner Vaterstadt fand nämlich 1811 eine außerordentliche Anschwellung des Baches statt, und der aus den Wellen durch ein wahrhaftes Wunder geretttete 7jährige Solomon ward, einem zweiten Samuel gleich, von der frommen dankbarm Mutter „dem Dienste des Herrn geweiht." Auch die moderne Hanna machte ihrem Söhnlein ein weißes „Obergewand," kleidete es überhaupt ganz weiß bis zu dessen 13. Lebensjahre... — Ahnte der priesterlich gekleidete Knabe seine Levilen-Mijfion „zum Gesänge und Liede", d. h. seine Echulgenossen mußten eine Gemeinde bildm, derm Vorsteher und Vorbeter zugleich natürlich er war. „O der schönen, goldenm Zeit, wo ich noch die beidm Aemter des Vorstehers und BorbeterS in mir vereinigte!" pflegt der ehrwürdige Greis hmte noch lächelnd aufzuseufzen. Jndeß fühlte sich der tzuaoi-Levite von den süß-elegischen Psalmen mächriglich angezogen, während das Tälmudstudium ihm einen derartigen Stempel des Ernstes verlieh, daß die liebende Mutter bei Erledigung der KantoratSstelle seiner Vaterstadt an ihn die denkwürdigen Worte zu richtm wagte: „Mein Herz sagt mir. Du wirst unter Allen siegen, wenn Du auch nur 13 Jahre zählst!" Der zarte Knabe ward als Curiosum zur Eonkurrmz, resp. zu einem Probmortrag zugelasien: er mtledigte sich in aller Würde sein« schweren Aufgabe, und ein Prozeß begann — ein Prozeß, dm den ganzen Jnstanzenzug bis nach Wien durchzumachen hatte! Die Freidenkenden meintm: wenn dm Jüngling zu 13 Jahrm bezüglich der Strafm als reif erklärt wird, warum ihm bie Wohlthatm dm Reife vorenthalten; währmd dm Gegenpartei ein bartlofm Ehafm nun doch als etwa» ganz Befondmliche» schien. Me Sache, die, wie obm erwähm, ben Prozeßweg ging, wurde vom Kaiser Franz zur Zufriedenheit beider Anschauungen in dm That weise geschlichtet: dm 13jährige Sulzm ward als faktischer Kantor dm Gemeinde Hohenems bestätigt, mit dm Bemerkung jedoch, daß m noch drei Jahre zu seinm fernmen Ausbildung und Vervollkommnung für da» übernommene Amt benutzen möge. Da die Jugend ein Fehl« ist, dm mit jedem Tage abnimmt, gab sich die Gemeinde zufrieden — und Sulzm nahm feinen Weg zu einem dm berühmtesten Kantoren seinm Zeit, zu Herrn Lippmann in dm Schweiz. 1818 machte m al« „Meschorm", dm dritte im Bunde — dam sie waren Thasm, Baß und Singm — mit seinem Lehrer eine Reise nach Frankreich; eine absonderlich« Künstlmfahrt, wobei e» wohl di« Zuhörer mit dm Harmonielehre nicht gar zu genau genommen haben mochten. Erst zwei Jahre spätm (1820) konnte m — nachdem « sich berei'» strengen Musikstudien hingegeben, mit gutem Gewissen sein Kantoramt in Hohenems antreten, welches m mehr al» fünf Jahre lang zur größten Zufriedenheit dm Gemeülde bekleidete, indem m sich sowohl durch seine Vortragsweise, wie auch durch manche neue gottesdienstlich« Einrichtung die Liebe seinm Achörer erwarb. Sulzm legte abm auch eine «ehr al» gewöhnliche Wärme für seinen Beruf an den Tag. In kurzer Zett gelang e» seinem eifrigen Streben, einen Chor zu organifiren. Er faßte seinm Beruf durchaus nicht von lncrativm Seite auf, « sah in demselben kein« Melkkuh, „die ihn mit Buttm versorgt," sondern « gab sich seinem Berufe mit Begeisterung hin. MÜ dm Stelle, welch« Sulzm «me hatte, war et« JahreSgehalt von GA fl. GG kr. b .-M. verbun-' dm Von diesem sogenanntm JahreSgehalt« — von 83st. 20 kr. wobei, wir wiÄmholm eS, durchaus kein Zifferirrthum obwaltet — zahlte et, um dm Gottesdienst zu verschönern, einem Bafsistm 110 fl. E.-M. und dm Sopranistm nahm m in gänzliche Verpflegung Da» klingt freüich komi' ch, und wäre eine solch splendide HaMungSweise einem armer: Kantor unmöglich gewesm; Sulzm hatte aber in dem elterlichen Hanse eine bedeutende Stütze und ersetzte so das Fehlend« au» Eigenem. 1828, also in seinem 21. Jahre wurde m al» Kantor dm iSr. Gemeinde nach Wim berufen. Hier fand m ei*: brachliegerü>e» Feld vor, und m mußte rüstig zufchreitm, um eS zu bebaum Sein Strebm war, die Regelung de» jüd. GotteSdimstes, welchm auf ganz neum Grundlage geschaffen wmdm sollte. Mt dem Eing-Sang war nicht wettm zu kommm, dm Schlendrian mußte gebrochen wmden, ein ästethisch erhebendm Kultus mußte an seine Stelle tretm Dabei aber sollte an dem eigentlich religiösm Inhalte des Kultus nicht gerüttelt wmdm, die alim Traditionm durstm., insowett sie mtt dem Wesm de» GatteSdimsteS zusammmhäidzm, nicht über Bord geworfm, nur ihre Form durfte modisizirt, dm altehrwürdige Inhalt abm sollte in allm Pietät beibehaltm wmdeir. Sulzer komponirte vorläufig für dm Tempel di« nothwmdigsten Choräle, dabei abm arbeitete m noch emsig an seiner eigmen Ausbildung: m nahm bei dein berühmt m Rittm von Seyfried Unterricht in dm CompositionSlehre und füllte allmtt, lig manche Lücke seinm mufikalifchm Bildung aus. Bei All. faffung dm Choräle war sein Strebm hauptsächlich aus Skr, söhnung dm Orthodoxm und Reformm gerichtct. Seine Ehi, räle an die vorhandenen alten Synagogm-We.sen anlehnmd befreite m sie von dm sie verunzimenden Schnörkeleim und führte sie in veredrltm Form aus ihrm uriprirngllchm melo-I diösm Wohlklang zurück. Hiebei betonte m auch di« hebräische Sprache in einm dem Wohllaute mehr Rechimng tragendm Weise, als die» bis dahin üblich war. 1840, also nach fünfzehn Jahrm angestrmgtestm Sk* mühungen, entstand au» diesen Chorälm jenes „Schir-Zion", welches seitdem fast in alle jüdische GotteShLusm wü> Hmzm sich Eingang errungen, und haben wir bezüglich d«S rinn künstlerischen WertheS deSselbm bloß auf da» höchst lobmde Urthell eine» Aßt Seyfried, Schumann rc. rc. hinzuweisen. Selbst in dm Burgm gekröntm HLnpt« fandm dies« elegischm ZionSliedm würdigende Anerkennung So erhielt Sulzm, als Beweis dm Anerkennung seinm Bmdienste von dem Kaiser Ferdinand einm prachlvollm Brillantring; von dem Kaiser Franz Josef die große goldene Mckaille für Kunst und Mffmschaft, einm kostdarm Brillcmtring und dm Franz* JosefS-Ordm; von dem Sultan dm Medfchidje-Ordm; von dem Kaifm von Rußland die große goldene Medaille für K»mst und Mffmschaft. Auch erhielt m von dm vmeintm Künstlern in Wim einm filbmnm Lorbeerkranz, dm ihm nach dem ihm zu Ehrm gegebenen Conzerte in grotzm Feier lichkeit überreicht wurde; überdies gründete diese Gesellschaft eile „Eulzm-Sttf* tung" für da» Consmoatorium. — Wm jene Liedm und Hallelujah's von ihrem begeistmtm Eompofitmr felbm je vortragm gehört, wird auch eine solche allgemeine Anerkennung mehr al» begreiflich finden. (I. G. u. .Sch. Z.) Frankreich. Paris. (Schluß de» Februar Bericht») Da« E -Eomit« nimmt dm Vorschlag de« Herrn Soldschmidt mit Dank an und beschließt, daß da« PortraU diese» edlen Wohlthäter» in dem Hauptsaale der Ackmbauschule angebracht wmdm soll. Sbmso wmdm Dankfagungm an tzemn Earl Rettm vottrt für die Uneigmnützigkeit und Hingebung, mit welchm dmselbe sich seit 8 Jahren dm Entwickelung und dem Gedrihm einm Anstalt gewidmet hat, die «inst gewiß zu dm schönstm und fruchtbarstm dm Alliance gehörm wird. Herr Earl Reit« soll ersucht werden, diese» Kerl fern« mit seine« Rat!»« zu

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