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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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giösen Dingen. al» besoldeter Rabbiner vor di« heilige Lade zu treten, salbungsvoll zu sprechen: „Gelobt seist Du Gott, der Du uns die Lehre der Wahrheit gegeben", während man diese Torah doch für ein von Hunderten von Betrügern tendenziös zusammengeftoppelteS Werk hält. Ist es nicht noch schlimmer als Schacher, ist eS nicht offenbare Fälschung, wenn eia Rabbiner von der Kanzel herab vas Judenthu«, welches neben seinen reinen Sittenlehren und seiner Erkenntniß der ewigen Wahrheiten auch Gesetze über unerlaubte Speisen und Verbot des GenuffeS von Ehamez am Peßach lehrt, als Küchen- Religion bezeichnet? Wer so denkt, mag offen sagen: „Ich halte mich für einen Juden, denn ich bin ein Kind Jraels, aber ich stehe aus dem Standpunkte der freien religiösen Gemeinde, und kan» kein Rabbiner sein. Wir werde» ebedauern, aber wir können einen solchen Mann sonstiger guter Eigenschaften ivegen schätzen, achten. Wer aber bei solcher Gesinnung als Rabbiner sich besolden läßt, der treibt Schacher mit religiösen Dingen. 10. Grutz (Prov. Posen) Unter der Ueberschrift: „Wie man'S nimmt" bringt auch die „Jüd. G. u. Sch. Ztg," das Organ der Fortschrittspartei in Ungarn, einen der Wallsahrte» nach Grätz gewidmeten Artikel, welcher ausführt, daß der Rabbiner EliaS Gut»>nacher nicht sich selbst für einen Wunderthäter oder Orakelspender auSgibt. „Rur die böse Fama, heißt eS, hat chn zu einem solchen gestempelt und erhoben, er gibt stets nur dem dringenden Verlangen nach, denn kein mit den verschiedensten Gebrechen behafteter Kranke würde sein Zimmer verlaffen, ohne daß der Rabbi sür ihn ein Gebet verrichtet hätte. Seit vierzig Jahren lebt der jetzt achtzigjährige Rabbi in Grätz, ausgezeichnet durch die Liebe der Gemeinde, durch sein reiches. Wissen und seine unermüdlich« Forschung im Äreisrnalter. Daß der Aberglaube chm, seines hohen Wissen» wegen überirdische Kräfte zutraut, ist nicht feine Schuld. Aber Rabbi Elias Gutmacher weist die Hunderte von Meilen nach Grätz oft auf elenden Wagen und schwer krank hingekommenen Zuzügler nicht ohne Trost von der Thür, und wenn er es thäte, würde man chn belagern und warten, bis er zur Synagoge schreitend, für Alle im Gebet die Hände erhebe« würde. Hilft die Ratur in vielen Fällen, so hat eS » des Rabbi's Gebet gethan, mit demselben guren Recht, wie der Pastor Jänicke die Schlacht von Großbeereu gewonnen hat. „Je maffenhafler der Zudrang, je größer die Milde de» Rabbi, Niemand ungetrüstet ziehen zu laffen, um so zahlrricher natürlich dir wirklichen Wunder, um so schwieriger wird es auch für den Rabbi, die Zuziegler in verschiedener Weise zu rrösten. Rur zwei Beispiele zur Kennzeichnung! Die Femden erhalten den Tag vorher bei dem Rabbi Nummern für die Rechensolge, in welcher sie zur Audienz gelangen. Milo und wohlwostend empfängt sie der Rabbi und hört die Ansuchen von täglich SO Hilfsbedürftigen und WiffmSdurstigrn- „Rr. 16 und 17 ist «in Ehepaar aus einer kleine« Gemeind« Galizien»; seit 11 Jahren verheirathet, ist chnen noch kein Sohn geboren. Der Rabbi ermahnt zum AuSharren uu Glauben und frommen Leben und segnet da« Paar. Alle drei sprechen Ein Gebet und getröstet zieht da« Ehepaar heim. Kein Opfertrller steht da und dennoch bleibt «ine reiche Gab« unbemerft im Zimmer des Rabbi zurück — für die Armen. „Rr. 30, 31, 32 ist Vater und Mutter au« Odeffa mit erwachsenen tanbstummen Sohn. „Rabbi, bete für ihn! Gib ihm die köstlich« Gabe der Sprache!" — „Der Herr ist weise," antwortet mild der Rabbi, „nur Er kann helfen. Vielleicht ist es gut, wenn der Sohn stumm bleibt. Kinder können den Eltern üblen Leumund machen. Harret aus i« Herrn." — Aber das Ehepaar ruht nicht, bis Rabbi Elias seine» Segen spricht. I« Wirthshaus am Markte richtet die Mutter «»gierig di« erst« Frag« an de» Sahn: s „Ist Dein Vater ei« braver Mann?" — „Rein!" freist | der Taubstumme und leise murmelt die Mutter: „Trösten wir uns — vielleicht bat Rabbi Elias doch Recht." — Eine reiche Gabe blieb bei dem Rabbi unbemerft zurück. Rabbi Elias ist nicht gerade wohlhabend und bevenkt dennoch reich die arme Gemeinde, er ist ihr Hirt und ihr Wohllhäter — an die Gemeind« fließen die meisten der gesammelten Gaben. „Trotz seine« Alter« ist er in den Hütten de« Armen und überall ein Tröster mit Wort und That allezeit. Und wenil er zum Peffachseste Besuch erhält von einigen geliebten Schülern, so werden die heiligen Bräuche so niusterhaft ge» handhabt, daß die Schüler und die Fronimen ihre Freude daran haben. Dann würde des Rabbi's: „Friede sei mit Euch!" vielleicht auch seine zahlreichen Gegner versöhnen, welche sich vielfach ungerecht Mühe gegeben haben, ihn zum Eharlatan zu stempeln, denn es kömmt wirftich nur darauf an — wie man’» nimmt." B. Belgard, den 16. März. (Or.-Eorr.) Die Tendeu» Ihrer Zeitschrift geht ja auch dahin, den Aberglauben aus Israels Milte zu verdrängen, oder auf Schriften und Flugblätter auftnerftam zu machen, derm Inhalt im Wesen der jüd. Religion nicht begründet ist. Auf derartige Schriften und Flugschriften möchte ich das Publikum Ihrer geschätzten Zeitschrift aufmerksam machen, um es vor Aberglauben, Sristerdeschwören u. s. w. zu warnen. Ein Ihnen wohlbekannter Sammler sür Eolonisatio« in Palästina beschenkte hier einen Jeden, der ihit unterstützte, «U seinen Schriften, die den Zweck haben, sin Anbau Palästina'« zu wirken. Damü wäre ich sehr zufrieden, wenn derselbe nicht noch andere Schriften in den Kauf gäbe, die dem Wese« unserer Religion schnurstrakS entgegen arbeiten. Zunächst ei«« Schrift, betitelt: miJ 7WVQ, hebräisch und von ihm in» Deutsche (?) übersetzt und mit deutsch» Buchstaben gedruckt. Eiue kleine Probe der Uebersetzung will ich hier folgen laffe«: »In dem Jahr 5456 [1696] hat sich pafftet eine schreckliche Geschichte. I« die Stadt TchepiS von Medina« Paulen war ein Bücher, er hat geheißen Awrohom den Ehajim, er war hier ein guter, frommer und ein Lamden. I« in dem Bücher arein ein Ruach, d. h. ein (*313*31) Der Ruach pflegt de« Bücher asau viel matern, daß eS iS nicht gehert und gesehe» geworen, sint die Welt steü, etliche Mal dem Tag pflegt er fallen zu der Erd und voren fallen pflegt er sich augreite» ein Stein von 80 bis 90 Pfund." In dieser Schreibweise erzählt er nun weiter, daß dieser Bücher nach der heiligen Stadt Rikolsburg „in Preußen" gebracht wurde, von dort nach Prag, woselbst von den dort lebenden Rabbinm endlich dir Austreibung de« Ruach bewerkstelligt wurde. Als der Uebersetzer mir dieses Schriftchen gab, und ich einen kleine» Thell desselben la«, sagte ich ju ihm: „Lieber Rabbi R. Eie find ein so vernünftiger Man», so gelehrt in unseren Schrift», daß sie den Inhalt ihres SchriftchenS gewiß selbst nicht glauben, wie können Sie ei«» solche» Unsinn in Israel verbreiten Uebrigen» schab» Sie i .rer eignen Sache." „Das habe ich nur für die Frau» geschrieb«, sagte er, damü diese auch Etwa» zu lesen haben" — Ein schönes Frauengeschenk! die' gechrten Leserin»« Ihre» Blatte» verweise ich auf die Gartmlaub« Jahrgang 1872 Sette 740 bettteft: ein preußischer Bischof al» Teufelsbanner; sie werden dort dieselbe Geschichte mü nur gering» Abweichung» wiederfinden Außerdem hatte der Mann «och KameoS von Rabbi EliaS Suttmacher aus Grätz bei sich Ei« Trost bleibt uns bei diesem recht traurig» und bedauernswerth» Geschäft, und dieser ist, daß die Sache doch eher ei» lächerliche» Euriosum al» bedeicklich ist. Die Zahl derjenige«, welch« diesen Jargon, noch tag» in der jüdisch-deutsch« Schrift, lesm und versteh» können, ist in Deutschland verschwindend klein. Jenseits der Grmze find es freilich die Töne der Muttersprache, da find» solch« Schauermtchrch» auch noch Anllang und Glauben. Wie lange ist e» tarn %tx,

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