Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 14-15.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 14-15.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 117 — fie »achdenllich bi« Urabrskr« an der Decke. Ja. auch da» füßbängltch« Gefühl de» verstohlenen Genuss«» fehlt« ihr nicht, und wenn sich dasselbe wie leicht bei zarten Gemüthern au- Wollust in Geiviffen-biff« verwandeln wollt«, so sprach sie jii sich selbst: E» ist freilich nicht Recht, dast ich, nieine Arbeit in Such lassend, inich an« bellen Tage auf da» Faulbett lege; t-l-er brsser, ich bin nicht zugeg-u, wenn Tahara mit Ver Mutter spricht, ich würde nicht misse», wo ich vor Scham hiuseheu solllk. —- Was wird Tahara, fuhr sie satt» ihre Gedanken aus ein andere» und liebere- Thema richtend, was wirb sie nur 'agen, wenn Aiulter sie in »nser schSnen Zininicr führt — denn sie wird sie doch nicht in der Küche empfanden? — Wenn sie meine Kissen von Sammet und ge itickiem Lever sieht und den neuen Teppichs die Arme hat ja nicht einen lieben Bater und Ernährer wie wir. — Wallet»' ich ihr nnr iür diesen Liebesdienst? — Und sie musterte nachdenklich ihre Kleinigkeiten, Schätze einesiebzehnjährigen Herzen-. — Etwa den rothseidenr» Gürtel, den mir Jsachar voa Tetuan uiitgebracht hat, und den sie so bewundert s Sie verdient ibn, wenn sie mir die Mutter wieder besänftigt. O, «» wird ihr gelingen, dacht« sie mit dem der Jugend so natürlichen Vertrauen aus die Arlterrn, Erfahrenen; «ach den», was sie mir letzthin von de- Gouverneurs Frau erzählt hat, vermag sie mehr al» gewöhnliche Menschen. Ob st« ihr wohl Vorschläge» wirb, mich zu verheiraihen s Man sagt, daß Tahara sich >uit dergleichen abgebr, aber an wen? — Der bisher deutlich« Faden ihrer Gedanken o>rwirrte sich hier zu tausend Fädchen, denen die schöne Träumerin vielleicht nicht folge» wollte, vielleicht nicht konnte, — genug, st« schloß die Auge», und unter den nebelhaften Bildern uin sie im Kreis« kauernden schwarzen Sctavinne» und den fernhertönendeu Klängen Maurischer Instrumente, war sie bald ta liefen Schlaf versnnten. > Sie mochte eine Stunde geschlafen.haben, als es an die Thür stopfte; zuerst leise, dann lauter. Endlich ging die Thüre auf, und ein alte- Weib steckte den mit einenl dunkeln Tuch uutwundenen Kopf ourch die Oeffnung E» war Limcha, Esther« Mutier. Eie sah sich prüfend um und «vagte sich nur allmälig in da- Zimmer. Alsie in dem »nait erhellten Gemach die Schlafende erkannt hatte, aihniete st« ans wie von einer Last befreit, und sich über sie beugend betrachtete sie mir gerechten, Stolz« ihr liebliche» Kind. Eimcha gehörte zu jene» tiefen aber unharmonischen Eharakurr», denen die schwerste Pflichterfüllung leichter wird al« «>n« kleine Aenßerung ihrer Befühle. Jetzt, da sie sich nicht beobachtet wußte, wagte sie der Wiedergefundenen einen scheuen Kuß auf die Lippen zu drücke«. Esther erwachte, und, wie sie die Mutter mit dem Autdruck inniger Liebe über sich gebeugt sah, löste sich ihre unwillkürliche Besorg,,iß in di« reinste Freud« auf, sie schlang die Arme um ihren Hals und küßt« sie zärtlich. Rärrrsche» Mädchen, sagte Simcha, sich nicht ohne Verwirrung aufrichtend und auf ihr Lager setzend, wie bist Du nur imnier in Leidenschaft, nie besonnen. So läufst Du Deiner Mutter davon; ich sitze und ängstige mich und muß Dich endlich hier bei der nicht-würdigen Maurin finde». Verzeih' nur, erwiderte Esther, ihr die Hand küffenb, ich bi« froh, daß Dn mir wieder versöhnt bist; und zürne Tahara nicht, sie meint eja gut mit mir. Mir gefallt Deine Freundschaft mit dieser Fremden nicht, Esther; noch nie brachte J-iuael unser», Stamm Segen. Aber laß unnach Hause gehen, Kind — »nd sie faßte sie sanft bet der Hnid, denn sie halte sich mehr u>» die Abwesende gehärmt, alsie zu bekennen wagte. Al» die Frauen eben im Begriff war»», da- Zimmer zu verlassen, trat Tahara herein. Sie grüßte Eimcha niit einem Kopfnicken und sagte zu dem Mädchen: - Dein Wunsch ist erfüllt, mein Kind, der Gouverneur will Dich sprechen. - Die Jüdinnen stände, nicht ander«, al» ob ein Blitzstrahl zu ihren Füßen eingcschlagen hätte. Simcha, unfähig, an« gepreßter Kehle ein Wort hervorzubringe», ,'ah mit entsetzten und mißtrauischen Blicken bald auf die Tochter, bald aus die Maurin. Esther, die Hand der Mutter nicht toslas» send, gewann zuerst die Fasiung wieder und entgegncle: Ich weiß nicht, wovon D» sprichst. Tahara. W»» hätte ich mit dem Gouverneur zu schaffen? Sieh hier «eine Mutter, der ich augebör«. Ich ,ehe, Esther, sie ist es, vor der Dn Furcht hast; aber sei unbesorgt. Du stehst jetzt unter höhere», Schutze. Esther, murmelt« die Alt« mit zitternder Stimme. Da« Mädchen uniarmte sie. Liebe Mutter, sagt« sie fest. Gott ist mein Zeuge, daß ich nicht versiebe, wa<> diese» Weib will. Aber ,ch nierke, daß Du niich mit Recht vir der Fremde., gewarnt hast. Komm, laß uns gehen. Wie sie die Thür öffnete, stand «in kaiserlicher Soldat davor, die in Marotto Polizeidieuste verrichten. Die Weiber traten zitternd zurück. Welche ist ,», die ich zum Kaid führen soll? fragte er Tahara. Sie wies auf Esther. Riinmermehr, rief die Alte mit flammenden Augen vorstürzend, wage es, mein Kind zu berühren! Da« zitternde Mädchen unifaßl« di« Murer, und der Soldat sagte unwillig: Was Ihr Weiber für ein Geschrei macht, al» sollte da» Mädchen geipirßt werden. Der Kaid hat befehlen, und ich muß sie bringen. Wenn Ihr eS vorzieht, daß ich sie Mit Gewalt fortjchleppe, mir ist eS Recht. Und er legte seine Hand an den Kaftanärmel de» Mädchen». Hall, rief diese, sich ausrichtend, ich gehe schon selbst. Und Du, theure Muurr, sorge nicht. Wa» kann mir geschehen, da ich unschuldig bin? Gewiß, bald bin ich wieder bei Euch. Die Mutter schüttest« trübe da» Haupt; sie hielt gewab» sam ihre Thcanen zurück und wintte der Tochter zu gehet» Dann folgt« sie ihr und dem voraufschreitenoe» Soldaten in einiger Entfernung und bewachte noch Stunexn lang de» Eingang de» Gouvernement-Hauses, in den Esther verschwur den war. Obgleich da« Kind ihrer charakterfeften Mutter, konnie sich Esther eine» leichten Schaudernicht erwehren, al» sw über die gefürchtete Schwelle trat, und der Soldat sie dnrch eine Reihe von Wachen in einen runden Hos führte, wo «r sie war««» hieß. Sie stand am Springbrunnen und dlicki« ohne ezu sehe», aus daplätschernd« Wäger, auf di« mit dunlen Ziegel» belegten unv mit häufigen Koransprüchen br« schrieben«» Wände. Der Soldat kam daid zuruck und winkle ihm zu folgen. Er brachie sie durch einen großen, mit prächtigen Teppichen belegten Saal, dergleichen Esther noch nie gesehen halte, in rin kleine- Gemach, wo ein stattlicher Grei«, eifrig mit einem schwarz gekleideten Franken plauder.d auf dem Polster saß. E« war A,bi Esido, der Kaid oder Gouverneur von Tanger. Al« der Franke sich verabschiedet hatte, ,sandte sich der Alte an da- Mädchen und sagte freundlich: Dn bist also, niein gutes Kind, di« Jüdin, die, von der Wahrheit unserer heiligen Lehre gerührt, «ntschioffen ist, ihren Unglauben abzuichwüren? Esther antwortete nicht. Fürchte Dich nicht, mein Kind. Denk, Du ständest vor Deinem Vater. Entschleiere Dich. Sie rhat es. Er stand auf. betroffen von ihrer blendenden Schönheit. Holde» Mädchen, der Ruf sagt nicht zu viel von Dir. Wie gerne erfülle ich Dein Verlangen. Du sollst die Uilsre werden, sollst glücklich sein, da» sei mein« Sorge. A!>er warum antwortist Du nicht? Hstr bist Du sicher, hast Niemand zu fürchten. Wa» soll ich meinem Herrn erwidern? sagte sie Iclfe