Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 14-15.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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tobet«, «äl kein der deutschen Sprach« Knn-Xger das Christen- I Ihn« eder das Hädeuthu« für die Loncreta: di« Lhriste» oder die Heide« setzt, sondern e« entsteht durch diese Ver- «echSluug der Ausdrücke auch eine Verwechslung der Begriffe. Obgleich Zimmermann mehrfach hervorhebt, daß «S ihm nicht um den „religiösen" *1 Segen atz zwischen Juden und Christen zu thun sei, so entschwindet ihm, oder wenn eS wider seinen Willen geschieht, doch dem Leser dies« Unterscheidung von Religion, ReligionSgesellschast und den Individuen jüdischer Religion von Satz zu Satz, und diese Begriffsverwirrung und BegriffSvertauschung gipfelt in dem Schlußatz«, welcher also lautet: „Es ist selbstverständlich, daß unter »em zu bekämpfenden „JudeMhum" nicht etwa die Gesammthät der Individuen zu begreifen ist, welch« sich zur „mosaischen Confession" bekamen. ES handelt sich vielmehr um jenen ägenthümlich korrupten „Geschäftsgeist," welcher in keinem europäischen BollSstamme so verbreitet erscheint, als im jüdischen u. s. w." — Also nun ist JudeMhum gleich Geschäftsgeist, nachdem e« eine Zätlang gewisse Menschen bedeutet hat. WaS nun der Berfaffer den Juden vorwirft, das brauchen wir jüdi chen Lesern nicht zu sagen, sie haben da» Alle», sät sie in die Schule gekommen sind, unzählige Male gehört, eS ist nicht» Neue», ledigüch, daß zu den alten Bekannten: Schacher, Wucher, Betrug, Schwindel rc. rc. noch der moderne „Krach" kommt. Besonders betont wird dann der Satz, e« sä salsche Senlimeutalftät, wenn man, um nuht der JMoUranz beschuldigt zu werden, auch „vor da» JudeMhum und seine Streiche die spanische Wand der christlichen Toleranz schieben" zu müssen glaube. Die Juden seien heutzutage nicht mehr die Verfolgten von ehedem, und man brauche sie in ihrem schlechten Treiben nicht mehr zu schonen. — Zu diäem Satze, zu sänen beiden Thälen, sage« wir vorläufig: Beide« richtig! und wenden uns jetzt zu der Rofcher'schen Cmtgegnung. Auch in diäer ist Reue» eben mcht enthalten — da» ist auch absolut unmöglich. Er erklärt, woher c» gekommen, daß die Juden viel« Jcchrhunderte hindurch sich ausschließlich dem Hantel u. dergl. widmen mußten, daß eS also nicht ihre, sondern der Christen Schuld sä, wenn sie babei. gewisse Untugenden sich anzueiguen gezwungen wurden. Sooanu sagt er, die Juden seien alkrding« Mcht mehr verfolgt, säen rechtlich, aber «och keineswegs gesellschaftlich gleich gestellt, e» stehe ihnen der Weg zu allen Lebensstellungen offen, aber so wie den gemeinen Soldaten der Weg zu den höchsten Ehrenstellen der Armee d, h. theoretisch. „Gerade so leicht, wie dem Schloffergesellen im Waffenrocke der Weg zum Ärtilleriegeneral, ist dem Juden der!V«g zum Genüsse der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung. Und wenn nicht da» bewunderungswürdige ÄeschäftSttüent der Juden ihnen in der Regä äne pekuniäre Unabhängigtest sicherte, so daß verarmte Edellmte die eheliche Verbindung mit den Töchtern Juda'S als einfachstes Mittel zur Jnoculirung lebensfähiger Zwäge in ihre halbverdorrten Stämme aniähen, fürwahr die ohnehin schlimme Stellung der Juden in der Gesellschaft wäre noch schlimmer! Die vielgcrühmte Toleranz der Christen gegen da» Judenthum ist in vielen Fällen weit weniger eine aus wirklich humaner Gesinnung beruhend« Achtung vor allem dem, wa» Menschenangesicht trägt, al» vielmehr eine auf materiellster Geldüberschätzvng gegründete Demuth vor gefüllten Geldbörsen. „Wir Christen empfinden au» leicht begreiflichen Gründen alle die intolerante, oft unbeabsichtigt grausame, Behandlung der Juden in» gewöhnlichen Leben viel weniger, al» die Letzteren selbst. Wir l-sen mit Vergnüge» die Romane «ine» Gustav Freitag und Anoerer, auch wenn die Rolle de» gemeinen EgoiSinuS, der schmierigsten Habsucht darin einem Juden zucrtheilt ist; wir sehen, obne Änstcß daran zu nehu»en, Lustspiele, in denen da» Judenthum zur Vertretung der unedelsien L idenschast herabgeivürdigt ist. Wir lachen herzlich über di« psychologischen Verzerrungen, während vielleicht Durch di« ALusefühche» »ill der 8«rf. oh« Zioeifel andeutm, daß «r tat» JUUjum sür Ho»«, aichtlsagead« Worte hüll. neben »«S ei« ehrenwerther Man» sitzt, de» tzläät« Par« stellung mit der ganzen Bitterkeit unverdienter Kränkun^kH durch die Seele schnädet I Und da» nenne« wir sociale Gleichberechtigung, dir Beachtung dieser Ungerechtigkest ist in de« Augen de« Herr» Zimmermann eine „abgeschmackt« und lächerliche Modesentinientalstät!" Denn — „e» girbt bä un» keine verfolgten Juden niehr." Al« ob di« Verfolgung mit den kleine» Stacheln beiläufiger Kränkungen nicht viel bitterer wäre, al« die Verfolgung mit den plumpen Waffen gesetzlicher Beschränkung, der Haß nicht leichter zu ertragen, al« boshafte Zurücksetzung!" Für den heutigen Zweck eine« Referat« genügen diese Auszüge. Die Sache selbst ist un« damit nicht erledigt. Roscher vertheidigt trefflich, aber besser al« gut vertheidigt werden, ist: nicht in Anklagestand gerathen. Wir machen kein Hehl daraus, daß Zimmermann manche« Wort au-spricht, welche» scharf ist, aber wahr; nicht neu, aber auch nicht an» tiquirt, welche« widerlegt werden kann, aber doch beherzigt werden muß. Wir gedenken also später in selbstständiger Besprechung auf da« Kapitel zurückzutommeu. Oesterreich. An» Löhme«, 18. März. (Or.-Eorr.) Nachdem sich die vielbesprochen«, mehr noch beschriebene famose Kreisrabbinersrage nun schon seit vielen Jahren wie die berühmte Seeschlang« immer wieder von Zeit zu Zät an der Oberfläche zeigt, um dann wieder sür lange zu verschwinden, haben im vori» gen Monate die CultuSgemeindevorständ« Böhmen« nachstehende amtlich« Zuschrift »eiten« der k. t. Bezirklhauptmannschafleu erhallen. „Anläßlich der in Verhandlung stehende» Frag« wegen Anflaffung de« Institut« der KreiS-Rabbtner in Böhmen fordere ich die geehrte israelitisch« CultuSgemeind« auf, genau festzustellen, welcher Wirkungskreis den. Kreis-Rabbinern jetzt thatsächlich zukömmt und sich bet Vorlage de« dierfalligen Ergebnisse« darüber zu äußern, in welcher Weise die bisherigen Funktionen der Krei«rabbiner, namentlich insoweit sich dieselben auf öffentlich« Angelegenheften beziehen, versehen werden sollen, beziehungsweise an wen dies« Funktionen übergehen sollen." — Wie un» mitgetheilk wurde, haben die meisten CultuSvorstände sich dahin geäußert, daß nachdem bä der vollkommenen Competenz de« in jeder größeren CultuSgemäud« fnu» girenden OrtSrabbiner« zur Vollziehung aller rabbinischea Funktionen innerhalb der Gemeind« e« allenfalls doch nur die einzelnen Familien, die außerhalb einer Mischen CnltuSgeuieinde ihr Domizil haben, sein dürften, di« di» jetzt noch, vortommenden Falle«, in ihren religiösen Angelegenheiten an den oft viele Meile» weil entfernt von ihnen wohnenden Krei»rabbinern angewiesen sind, «a» immerhin zu allerlei Verdrießlichkeiten und unliebsamen Competenzfrage« Veranlassung zu geben pflegt; so wird al« wünschenSwerch und höchst opportun eine naturgemäße Abrundung der Rab» binatSsprengel in der Art bezeichnet, daß jedem Rabbiner, er möge nun bisher Kreisover Orl«-Rabbiner heiße», die seinem Amtssitze zunächst liegend« Gegend al« Rayon für seine amtliche Wirksamkeit zugewiesen werde, so daß au» de« oft nur allzu großen KreiSrabbinaten kleiner« Bezirk»- rabbinate sich herausbilden würden, wie die» sät 18SV in Mähre» unv Ungarn mit Erfolg eingerichtet wurde. — Ein cigenthümlicher Fall hat im böhmischen Israel vor einiger Zeit viel Sensation erregt. Im Städtchen Jaromer hat ei» jüvischer Arzt ei» Mädchen christlicher Confessio» im Wege der Eivilehe, nachdem er sich zuvor confejfionSlo» erklärt hatte, zu seiner Gattin gemacht, hat jedoch später, al» auS dieser Eivilehe ein männlicher Sprößling heroorgegyugefl war, seinem angestammten jüdischen GlaubenSbennrnisse getreu, sein Söhnchen mit Einwilligung der christlichen Mutter desselben, der Beschneiduug unterziehen lassen. — Den verläßlichen Mittheilungen eine« Freunde» zufolge wird die die von einem Herrn P. geleitete jüdisch« Schme in der Kreisstadt Jiän von etwa einem halbe« Hundes ■ j 4 ■-\ . i i (/<j '4 '1