Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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-innig ixt <W«mo*. Danach ist al>'o v», orlhodox-r d«le aui's Allerosficiellix bestätigt, dag du- Abschaffung der Opfergebete und kxr auf dx Rnckkchr nach Jcr>»,al«u» bezüglichen (worüber die Petition völlig mit tzchnxigen hiuweggeh») lei» neu Anlaß zur Trennung geben würden. Oder habe» die Orthodoxen in einer Anwandlung von moderner Aufklärung Lnstand genommen, di« Opfer und die Rückkehr nach Jerusalem beim Reichtrathe zur Sprache zu bringen? — Außerdem suchen dir Petenten noch weitläufig nachzuweisen, daß sie nicht den Altkatholiken gleichzustellen seien. Letztere leugneten mit Unrecht ein „rechtmäßig zu Stand« gekom menet" Dogma, während sie — bic Orthodoxen — den Standpunkt der Htkeuuer der Unfehlbarkeit behaupten. So werden also ans der einen Seite die Liberalen und auf der anderen die Ultramoulanen gekitzelt. „Sei listig in der Frömmigkeit!" — dieses Motto wäre dx beste Ueberschriit der Petition. Ich brauche Ihnen aber nicht hinzuzusngen, daß die Behauptung von der Äbrogiruag de» Messiasglaubens ans Unwahrheit beruht und seinerzeit von compotenlester Stelle aut die entschiedenst« Zurückweisung erfahren wird. Nteberlanbe. dl. R. Amsterdam, 13. März. (Or.-Corr.) In der gestrigen Sitzung der Repräsentanz der hiesigen nüderländischmrael. Genxmd« sollte ein vom Mitglied« Herr» Vr. Pinner vor etwa vier Wochen gestellter Antrag zur Behandlung kommen, der dahin ging: Den Titel und das Amt det Oberradbinatt und Rabbinatt-Assessora:t aufzuheben, die geistlichen Functionen an drei Personen, unter dem Titel Rabbiner, zu übertragen, und zu den jetzigen zwei Radbinats-Assessoren, eoemuell Raddinen, noch einen brüten zu erwählen. Mit diesem Antrag war das Mitglied Hr. Lkiba Lehren nicht einverstanden. In einem. a«,augs die,er Woche den Mitgliedern zugesandten gedruckten Schreiben stellte der ehrwürdig« Greis den, wie es sich später zeigt«, mü Beifall aufgenommeueu Antrag, dar bereits seit 36 Jahren vacante Oberrabbinat wieder zu besetzen und zwar (unter Beibehaltung det Rectoralt) durch Herrn vr. I. H. Dünner, den die Gemeinde und das niederländische Judenlhum alt Rector des nied«rl.-israel. Seminais (es giebt auch ein portugiefisch-israelitischet) seit 1862 in seiner Person, Wirksamkeit und seinem Charakter kennen gelernt habe, und sich über die Wahl des anzustellenden dritten Affeffor später mü dem Oberrabbiner zu verständigen. Gestern Abend wurde dieser Antrag, nachdem er von den Herren Lehren, L. P. Jacobs, Bice-Präsident, der bei Abwesenheit des Präses den Borsitz führte, vr. I. S. Mulder, A. C. Werlheim, Vr. Planer, dem es mü seinem Antrag nur darum zu thun war, einen bessere« Zustand der hiesigen geistlichen Leüung ins Leben zu rufen, nebst andern intelligenten und einflußreichen Mitgliedern eindringlich befürwortet und unterstützt war, mit großer Majorität angenommen und überdies beschlossen, in einer bald zu berufenden Versammlung der Repräsentanten des ganzen Provinzial - Synagogen- Bezirts Herrn vr. Dünner als Oberrabbiner des ganzen Bezirks in Vorschlag zu bringen. Da in dieser Versammlung die Abgeordneten der Amsterdamer Gemeinde die Majorität bilden, so steht auch dieser Wahl nichts im Wege Diese Acquisitum ist für die Amsterdamer Gemeinde, und für das niederländische Judenlhum überhaupt eine höchst erfreuliche; sie bedürfen eincs Hirten, wie es Herr vr. Dünner zu sein erwarten läßt. Von seinem Amtsantritt darf man in vielfacher Hinsicht den Anfang einer neue» Aera für das hiesige Judenthum erwarten; er besitzt alle dazu erfordcrlichen Ergenschaf en. Mehr wollen wir über die Person des Hrn. vr. D. nicht hinzusügen. (Wir aber können nicht umhin dies zn tbu». Herr vr. D. ist Rector eines Seminars! und dennoch von Hr». Akiba Lehren zum Oberrabbiuer vorgeschlagen! W>ts werden die ungarischen Orthodoxen dazu sagen? Es ist jedoch natürlich, daß zwischen einem Anhänger der strengsten Orthodoxie, der, wie Hr. L, in der europäische» Cioüisatiou lebt, und einem nng irische, Chiisid, aych zwischen «ine« «hrluaen Mann« und einem Lohuichrelber ein geiv.zltig.r Unter» schied besteht. Aber Hc. ve. D. ist auch fett Jahre» ein fleißiger Mitarbeiter der Grätz'sche» Monatsschrift und in Deutschland nur dilrch diese seine Arbeiten (rühmlich) bekannt — was werden unsre deutschen Orthodoxen dazu sage«? Di« fraglichen Aufsätze verstoßen freilich nirgends gegen die Orthodoxie, wie wir sie verstehe», aber sie gehören doch de« historisch-kritischen Richtung an. — Rach den Miltheilungen eines hier lebenden Freundes und Judengenoffen des Hr«. vr. D. thrilea wir »och folgend« Roiize» mit. Derselb« ist aus Ikrakau gebürtig, galt schon früher für eine« große« „Charis", aber auch bei den chassidischen vachurim für „freisinnig", und ein solcher v«rüdt« «inst ein Attentat gegen ihn. welches an Spinopa's Leben erinnert. Von Krakau begab sich D. nach Würzburg (Höchberg), war eine Zeitlang i« Münstereifel und Deutz, besuchte das Gymnasium in Cöl« und ftudirte dann in Bonn. Red.) tforftanterifa. 8. 8. Re»-V»rk, Februar 1874. (Or.-Corr. II. Brief, siehe den I. in Rr. Sv v. I.) Gern« vermeid« ich Persönlichkeiten bei meiner Berichterstattung da, wo Personen nicht mit spielen. Glauben Eie sicher, Herr Redakteur, meine Berichte sind nicht übertrieben, und das wissen die Herausgeber der jüdischen Blätter in Rew Aork ganz wohl. „The Heb* rew Leader“ Rr. 13 gesteht ja selbst rin, daß der Bericht in Rr. S0 der Wochenschrift der Wahrheit gemäß geschriede« sei; nnr begreift er nicht, daß man sich in Deutschland übe» die traurigen Znständ« der jüdischen Gemeinden tu Amerika noch wundere und ruft uns zu: 120 «p -xv ."6nno d. h. „Haben Eie denn etwas Anderes zuvor ocrmulhe«!" *) Dasselbe Blatt meinte auch in Rr. IS, daß der Präsident der Geuxinde Ansche Chesed zu unvortheilhast in genannter Rr. dir Wochenschrift geschildert sei. er entschuldigt sich gleichsam dadurch, daß die Wahrheit in der jüdische« Presse nicht klar enthüllt wird, und schließt seiix Bemerkung mü •pan DK fin bn »richte deinen Nächsten nicht, dis du an seine Stelle kommst." Der würdige Redakteur des H. L. hat wirklich Recht, da es nicht leicht wird, in einem Linde, wo nur Seldftintereffe, Ruhin, Lobsncht und Schaugepräge eine Rolle spielen, eine Zeitung herauszngeben und sich Leser uud Inserat« zu verschaffe» und zn erhalten. — Lassen Sie mich heut« nur noch über einige Gemeinden und deren Leiter berichten. Die Gemeinde „Rodeph Schalom" hat de» herkömmlichen Gottesdienst, ohne Orgel und Chor, mit Kopfbedeckung, beidehallen. Run denken Sie an die bekannte Berachah im Morgengedet; zuweilen kommt es aber vor, daß der Hahn des Hauses nicht zu unterscheiden versteht zwischen Tag und Rächt.“*) Die Synagoge in der 44. Straße hat auch noch den alten Ritus, und der fromme und ehrliche Reo. Isaaks ist noch immer der Scelenhirt dieser aus poluiichea und engltscheu Individuen znsammeugesetzten Gemeinde. Rede« ihm wirkt seit kurzem der junge vr. de 3ola Mendez. In der 34. Straße leidet die Gemeinde, in dere« Synagoge früher Vr. Raphael (seligen Andenkens) gewirkt hat, am Wechselfieber. Jininer werden neue Cantoreu gesucht, und auch mit der Liturgie hal'S keinen Bestand. Rur der vr. Wivaver scheint sich wohl zu fühle«. Derselbe predigt in englischer Sprache und wird sehr häufig von der jüdische» Preffe anerkennend genannt. Auch ein Belh-Hamivrasch, Hagadol geuaniü, giebl's i« dem großen Babel, (Malhcurika) Ein unansehnliches Ha»s, 3 Siockwerke, wie die Arche Stoah's! Im untersten Stockwerk wohnt ,13in am da kehren die Andachtiuchenden zuerst ei«. Im 2. Stockwerk ist ein Lager-Bier-Salon, da stille» sich die •) Diese Bemerkung des Herrn Cd. H. Lead, war ander« gemeint; dach intrressirr da» unsre Leser nicht. , («**) **; Cim Criäuterung diese« War »spiel« ist für de«, der «t wcht »ersteht, nicht nSthig.