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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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letzterer j«rt Zeit der BereinSgründung florirte; er machte «etter« Angaben über die Person de» „Mannheimer Judendöetor»," welcher Vorsteher der itraelitischen Gemeinde zur Zeit der Stiftung de« Verein» gewesen. Wir würden den Rahmen eine« Ateferat» weit überschreiten, wollten wir alle jene lichtvollen Momente d.» interessanten Vortrag« wieder' geben Der Redner wie« an der Hand der weitern Verei»«- »rtnnber. und der von 1690 ab von den jeitigen Kurfürsten den Israeliten ertbeilten Schutzbriefe, welche sich in den Archiven de» hiesigen Synagogenrnth» befinden, die Schicksale der jüvisch-'n Gemeind« während und »ach dem orleans'schen Kriege nach. Genau in die Zeit der zweiten Restauration Man»- heim» falle auch diejenige der israelitischen Gemeinde und de« gefeierten Verein«, wofür die zweite Urkunde ein schätzen«- «erther Beleg ist. Seit dieser Zeit haben sich Gemeinde und Verein in einem steigende» Wach«thum befunden, denn währeud der Schutzdries von 1690 nur 84 jüdische Fantitien kennt, töricht der Schutzbrief Carl Theodor'« (1748) bereit« von :40U Familie». Zn dies« Zeit falle eine Crivciteriing der Woyithäf.gkeit ve« Verein» durch ein demselben zu Theil geworv, ne« Vrrmächtuiß 1730, zur Au«stattung armer, vaie>- ierloier Bräute. Da« Daluin der dritten Stiftung«urkunde ist Fedruar 1786. Gänzlich neue Quellen, die der Redner benutzt hat, sind: RrSponien der zeitigen Rabbiner; da» für Seeleuieier bestimmte Meutorialbuch der hiesige» Gemeinde und da» Archiv de« Synagogenrath». Zu dein zweiten Theilr de» Vortrag« gab der Redner in äußerst gedrängter Kürze die Cntstehung solcher Vereine im Juoenthum überhaupt als vom vierte» Jahrhundert herrühreut,; beleuchtete da« Wesen und die Ausgabe de« i'ligiM» humaitea Verein«, wie» nach, daß schon nach den strengsten talmuotjche» orthodoxen Vorschriften rin solcher Verein auch zur Ktankenpflege und Leichenbestaituug von Richti«raeliten und toost tzliven verpflichtet sei. Der Redner hob anerkennend h. rvor, dab der gegenwärtige Verein seine religiös humane Tendenz in vollem Mast« gegen Arme und Reiche zur verwirtlistung dringt und forderte seine Zuhörerschaft auf, dies« Lugend, „Liebe den Lebenden und Treue den Tobten" treu zu bewahren. — Referent kan» nicht umhin zu bemerken, daß in die Thäthigkeit eine« solchen Verein», der gegen Arme und Reiche ohne j.gitche Belohnung, ja mit Zurückweisung ciner jeden Anerkennung da» Werk der Pietät gegen Jeden übt. von einem ächl humaneit Sinne Zeugniß gibt. — Der ernsten Feier folgte ein stöbe» Festmahl, weichem jedoch eine warme Ansprache de» zeitigen Lehrer» de» Verein«, de« Herrn Rabbiner« Lindemanii in den Räumen de« Klaurgrbäude« noch voranging. Da« Festmahl vereinigt« die Mitglieder der BeerdigungSdrüderschati, die Vertreter de« Synagogenrath», sowie diejenigen der terael. Kranken- und Wohlthätigkeit«-Vereine, wobei ernste und heitere Trinksprüch« wechselten. Da« erst« Hoch brachte te'rr Rabbiner Lindemann dem Stadtraddiner Herrn Dr. riedmann au», der da» Fest verherrlichte; weitere galten dem Eyuagogenrathe, dem Frieden und der Einheit der Gemeinde, ivoriu Mannheim musterhaft u»ter den Schwrstergemeinde» Deutschland» dasteht. Wtr hebe» noch hervor, daß Herr Ile. Fciedman» in einer besonderen Ansprache init großer Warme die Verdienste der edlen Frauen feierte, welche in demielbe» Geiste wie der Brüderverei» der Bestattung «eidlich, r Leichen sich widmen. vr. Blumenstcin. Nürnberg. In Sachen de« „Mortarafall« in Bayern" (Rr. l'y hat der Pfarrer Weber in NeuendettelSau Erklärunge» zu geben sich gemüssigt gesehen. (Sine solche hat er im „Alton. Mercur" veröffentlicht; dies« ist un» zugesendet worbe«, wtr'erkennen au» ihr die vollständig« Richtigkeit der nachsotgenden Bemerkungen. Red.) Der „Fränk. Kur." dringt «tue eingehende Widerlegung dieser „Berichtigungen" »Nb sagt: „Wir stehen nicht an, anzuerkennen. daß wir Kn» in «ine« Punkt« geirrt haben. Di« Kinder find der Mutter nicht im eigentlichen Sinne de» Worte» gestohlen , worden, sie find mit Einwilligung der Mutter nach Dewschlaut) gebracht woroeu, und d e Mutter hat auch gewußt, daß sie in Reuende.teleaa sind. Unbekannt war e» der Frau im fernen Osten aber, wa« Reueudettel».,« eigentlich ist; sie »t ßte nicht, daß ihre Kinder in eine christliche, in eine Pietistenanl'tait gebracht wurde», in welcher und von welcher au» die Proselytenmacheret handwerksmäßig betrieben wird. „Um et,o»S zu lernen" hatte sie die Kinder nach Druifch'.and stehen lassen und nicht, damit sie getauft würden. Da» behaupten die beiden Schwestern, und da» geht auch evident au» deu Erklärungen d«S Hrn. Pf. W — e» liegen tut» deren drei vor — hervor; rr geht in denselben wie eine Katze um den heißen Brei und spricht wohlweislich nur davon, daß die «lnoer mil Wissen der Mutter in eine „Unterricht»anstalt" gebracht worden seien, um „etwa» zu lernen". — Rach den Aussagen de« altern der beiden Mädchen — und da dasselbe seine christliche Erziehung dnrch Hrn. Pf. W. erhalte» hat, wird er seine Glandivürbigkeit nicht anzweifeln ivollen — halten weder die Mutter »och die Schwestern K.nntniß davon, daß der Bruder Christ geworden sei. Al« die Äeschwister nach Berlin kamen, führte sie der Binder in eine christliche Kirche, und al» die Kinder ihn fragte», warum er da« tyue, antwortete er, man niüffe darnach trachten, alle» zu sehe» und kennen zu lernen. — Wir bekennen also unfern Jrrthum; die Kinder sind nicht gestohlen worden; wohl aber ist die Mutter getäuscht, sie ist um ihre Kinder betrogen worden. Alle» Uebrige wird durch die Erklärungen de« Hrn. Pf. W. nicht besser, sond.-rn schlimnter, indem auS denselben deutlich heevorgeht, daß diese fromme» Herren in ReuendettelSau so verblendet und von ihrem llnsehlbarkeitSoünkel so durchdrungen sind, daß sie e» nicht einmal fühlen, der Sffeittlichen Moral in» Gestchi geschlagen zu haben. Man lese nur folgenden kostbaren Paffu« der an uns gerichteten Zuschrift de» Herrn Pfarrer W: „Ich habe e« für Pflicht erachtet, die Mutter mehrere Wochen vor der Taut« von dem Vorhaben der Tochter in Kenntniß zu setze». Darauf hin kanten ungestüme Forderungen, die Kinder zurückzuschicke». Am Uli. Decembcr 1873 wurde die ältere der Schwestern getauft, sofort ersuchte man das k. Bezirktamt Hetlsbronn um einen Paß für die Kinder, erhielt aber keinen." Also Herr Pf. W. gesteht offen zu, daß man da» weite Äewiffenbesaß, die „ungestümen Forderungen" der Mutter, die wiederum bewe.- sen, daß dieselbe vorher doch keine Ahnung davon hatte, wo eigentlich die Kinder sich befanden, damit beantwortete, daß mau daejenige der beiden Mädchen, da» man taufen konnte, ohne mit den Strafgesetzen in Collision zu gerathen, schien» nigst lauste, und nachher allerding« „sofort", — e» ist köstlich, diese» „sofort", — sich um Päffe für die Kinder umiah. Da« ist eine feststehend« Thatsach« von niederschmetternder Bedeutung." (Schluß folgt) Oesterreich. Wien, 16 März. (Orig.-Corr.) Die Orthodoxen haben nun endlich «ine Petition um Lo»lösung von der Muttergeuteinde beim Reichsrath« eingereicht, richtiger auSgedrückt: <i> haben endlich eintge social ziemlich bei Seite stehend« Jndbvid'.en, dem unausgesetzten Dräitgen de« Herrn Spitzer nachgegeben und die Petition unterschrieben. Di« Ramen dieser Männer, welche keine Scheu evtpfanden, in die Einheit und Einigkeit eine« so großen und achtbaren Gemeinwesen» Bresche: legen zu wollen, verdienen der Nachwelt aufdewahrt zu werden. Sie lauten: Jsac Kusfler, Samuel Spitzer, Jacob- Reurath, Carl Tauber, Philipp Back, Lazar Lüw-Beir, I. L. Freistadti. Die weitaus achtbarsten und bekanntesten Mitglieder der streng orthodoxen Partei haben ihre Unterschrift oerweige-t, «in Verfahren, wodurch diejenigen, die sie »ade» und die auf diese Weife ihren Ramen herostratische Publicität verschafften, hinlänglich gerichtet sind. Der Inhalt der Petition ist leider nicht geeignet, den Glanben an di. Ehr» lichkeü der Petenten zn bestärken. Denn di« Petition begründet ihr Begehre» nur mtt der — «»geblichen — »bro-

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