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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— loa — nicht um un» iu Christen |u macken, sondern in unserem eigenen Interesse. Unsere ganz« Cnltnr und Bildung, sowie die Entwickelung unsere» BolkSthum» nnd StaatSwesen« haben da» Christenthum zur Grundlage, und ohne Krnntniß de» ChristenthumS ist ein Berständniß de» Mittelalter», der Reformation, der Neuzeit, der politischen Kämpfe der Gegenwart geradezu undenkbar. — Auch den bedeutendsten schrifistellerischen Leistungen stedt Jeder, der da» Christrnlhnm nicht kennt, urtheilSlo» gegenüber: also z B. der christen-seindlichen Geschichte de» Juventhum» von „@räj" und der neuesten Schrift von „U. Strauß." Wer ollerding» darauf verzichtet, derartige Werke mit eigenem Urihelle zu lesen, kann auch die Kennrniß de» Christentduin» entbehren." Der Direktor jene« Gymnasium», Herr Vr. Heine, erließ hierauf folgend« Erklärung: „lieber die Worte, welch« Herr Reichelt d-n Sexianern de» Magdaleuäum« mosaischer Coufesflou — beiläufig ohne mein Wissen — dictirt hat. theile ich folgende« zur Aufklärung mit. Zu allen Zeiten und auch jetzt nehmen viele jüdische Schüler der Borschule de« Mtgdaienänm» und einzelne de» Gymnasiuln« an dem christlichen Religionsunterricht Thcil, und Herr Reichelt riech den mosaischen Schülern seiner Klaffe einst mündlich eine solche Betheiiigung an Al» er darauf von einem Bitrr die Bescheinigung erhielt, daß er schon in anderer Weise für den Reli,;lon»uuterricht seine» Sohne» sorge, befürchtete er mißverstanden zu sein und, um di« Ellern auizukläreu und jeden Schein einer Peession zu zerstören, dictine er den Knaben die oben mitgelheiltcn Worte u. f. w. vr. Heine." Diese „Aufklärung" klärt allerdings nicht viel auf. Der Ansicht de» Hrn. Ordinariu« der Sexta über den Einfluß de» Christenihum» auf die Cultur stellen wir die, zufällig diese Woche gelesene, au» dem „Globus" (1874, Rr. g) gegenüber. Die Sülle, einer Siltenschllderung asiat. Bö.kerschaflen enlnoniwen, lautet: „Dem aufmerksamen Beobachter wird e» klar, daß nicht da» Christenthum die Böller civiltsirr hat, daß nicht die Taufe und der Glaube an unverständlich« und unverstandene Dogmen die Menichhelt au» btin Zustand« der Barbarei erhebt. Der Grieche zu PeriklcS' Zeiten stand, trotzdem er Christum nicht kannte, höher als der jetzige getaufte Grieche u. s. w." LI Hauch«», den 9. März. (Or.-Corr.) Heute melde ach Ihnen di« kürzlich deschloffeue Auflösung der einzigen hier noch bestehenden jüdische» Privatschule; e» ist da» die seit «iuem Jahre von Herrn S. Berlin geleitete israelitische höhere Bürgerschule für Knaben, die zu Ostern diese» Jahre« aufhören wird. Di« öffentliche Meinung, die sich niehr und mehr von den Schulen, die einen konfessionellen Charakter tragen, abwendet, hat Solche» erniöglicht. Ein fernerer Grund lag wohl in der geringen Aursicht für die Schule, von der Behörde jemal« die Berechtigung zur Ausstellung von Zeuguiffeu für den Einjährig Freiwilligendienst zu erlangen, ein Recht, welche« nur ausnahmsweise einer Prioatschule zu Theil werden kann, am wenigsten einer jüdischen, bei der die Gegenleistungen von Seilen der Eltern doch nur beschränkt sein «rrden, im Berhältniß zu den Anstrengungen, di« von Seiten der Schuldirection in solchem Falle gemacht werben müffcu. Ursprünglich in, Mai 18Ü9 von Privatleuten streng religiöser Richtung in» Leben gerufen und von denselben mit bedeutend,» Mitteln unterstützt, wurde die Schul« zuerst von vr. v. Placzek, jetzt Rabbiner in Brünn, eröffnet, ging später von 1861 bi» 1870 in di« Hände de» vr. Koref. gegenwärtig Rabbiner in Rawicz, über, nach derselben Tendenz, «her mehr selbstständig und unabhängig, ward st« von vr. -el», derzeitigem Lehrer unserer städtischen Realschule, von 1870 bi« 1873 fortgeführt und schließlich von Letzterem Herrn S. Berlin übergeben. In «eranlaffung der bevorstehenden lufUfutg machte eine Anzahl Gemeiild,Mitglieder eine Eingabe an unser« Ober» schnlbehörd«, um D'-pens.uion der jüdischen Lhü'er am Slbbath. (Heber den güustigen Erfolg ist in Rr. 11 berichtet.) Minnhei«, 23. Februar. Sestern wurde auf Beraulassung de» Großh Synagogenrathe« da« 200jährige Jubiläum der diesigen Beerdignng-drudrnch ist in der hiesigen Syna» goge feieüichst begangen. Der Gottesdienst ward« mit eine» Choräle eröffnet, ivorauf Herr Stadtrabbiuer vr. Friedm inn vor einer dicht georängien Zuhörerschaft in einem I'/.ständigen Vortrag in lichtvoller nnd klarer W it'e die Geschichte de» Verein» an der Hind dreier Slifti«ng«urk»»den (ntroicMtc. Wir glaubten un« in einen« akademischen Lehrsaale zu befinden. in welchem ein bewährter Meister a»« vergilbten Pergamenten Licht und Leben zu schaffen weiß und dadurch sein« Zuhörer auf da» Lehrreichste und Angenehmste seffelte. Wen» man erwägt, daß für eine derartige Studie die Quellen äußerst spärlich fließen und die historische Sp.cialsorjchnng nach dieser Seite erst in ihren Anfängen liegt, dem gegenüber die von dem Redner gewonnenen Resultate, deffen glücklich« Combinalioneu nnd Folgerungen stellt, so wird man de» Werth einer solchen Forschung nicht hoch genug anschiagen können, und wir können nur den Wunsch äußern, daß derselbe seine historische Arbeit dem Drucke übergeben möchte, wodurch die Geschichte der israelitischen Gemeind« und der Stadt Mannhriiil überhaupt einen sehr schäyenSwertben Beitrag erhalten würde. Wir wollen jedoh de» reiche» Inhalt in Kürze jkizziren. Der Redner hat die Becrdiguugsbrüdekschaft al« ein Moment der Geschichte der diesigen israelitischen Gemeind« beleuchtet; letzterer wie« er ei» hohe» Alter zu. Während nämlich von den Geschicht-soricheru die erste Spur de» Vorhandensein» von Inden in Mannheim erst im Todesjahre Carl Ludwig» (1680), der sich von einem „Mannheimer Judenarzte" behandeln ließ, gefunden wird, ist der Redner vielmehr der Ansicht, daß die Entstehung der jüdischen Gemeind« sehr kurz nach der ersten Gründung der Stadt Mannheim (1606) erfolgte. Eine solch« Bermulhung habe bereit» Prof. vr. Fick.er leise angedeutet, welche der Redner aber durch neue Beleg« au» der ersten StistungSurkunde d.» Bereit,» und au» den Privilegien der Juden von 1690 ab zur Wahrfch inlichkeit erhob. Sein Resultat ist, daß Kurfürst Friedrich IV.. der erste Gründer Mannheim», welcher „alle und jede Rrsugiä» nach Mannheim zog, auch die jüdischeu Aesugiü» der damaligen Zeit herbei rief. Jüdische Refngiä» aber waren Marannen, portugiesisch« Jude», die nach der Vertreibuug der Juden au» Spanien heimlich den alten Glauven bewahrten, jedoch in Folge wiederholter Verfolgung di« pyrenäische Halbinsel verließen und die Gemeinden Amsterdam, Rotterdam, Hamburg und Mannheim rc. gründeten *) Der Redner gab zu, daß diese» Resultat noch der Bestätigung durch weitere Forschungen, die et vorhabe, bedürfe. Einen sichern Boden für die Geschichte der jüdischen Genieinde gewinne man allerdings von der Zeit der zweiten Gründung Mannheim» ab, und besonder» durch die SliflungSurkund« de» Verein», welche vom Februar 1674 datir). Er charat««- risine aulsührlich die große Persönlichkeit Carl Ludwig», de» zweiten Gründer» Mannheim», und deffen Berhältniß zu den J«raeliten In letzterer Beziehung bespricht er die von Carl Ludwig geschehene Berufung de» große» i«raelitischen Denker» Benedikt Spinoza nach der erneuerten Heidelberger Universität, er führte einen höchst intereffanten Dialog zwischen Carl Ludwig und dem Stadtrabbiner von Mannheim an, welcher •) Sir erlauben un« gegen diese verinuthung Einwand zu erheben. Wären di« ersten jüdischen Ansiedler in Mannheim Veiardi» gewesen, so mUfctt sich »in« dt ei Sende Spur davon finden. Auch ein« klein» Minorität von Sesardii» hat sich überall selbstständig gehalten und nicht «t« einer deutschen äkmcinst amalaamirt dl müßten ihrer als» so wenig« gewesen sein, daß sie kein« (»«mein»« bilden konnten; dann Hab«» sie also die ,«tzige Mannheimer Gemeind« nicht gegründet. — Jüdisch» -Aefugiä'«- g^ e« zn jener Zeit «u» all«. Orten, s» auch »och im 1». Jahrh-, wo jotch« g. & Ui Mt Gründung von Aeuwie» Ansna^nw

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