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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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oder gar rin utfrtcl Jahr, je nach brr absolvirlen Klaffe. Bau Loekaus orci Slclloerlretnng wird hinfort kem« Rede Mehr sein. Sie sehen, die Lage wird erns:, der alle Schleudriau wird gar sehr au» seiner Ruhe ausgrrütlelt, der Drang zur Beschickung der Schulen geht bereit« durch alle jüdische» Kreise und sogar bi« in di« dunkelste Hülle de« Chassidäer«. Der hierdurch zu erwartend« Bildung«umschwung der polni- »ischen Inden, der durch regulären Schulbesuch nach wenige» Jahren stch heran«stellen wird, läßt sich mehr ahne» al« genau berechnen; da vou nun ab nicht blo« di« sogenaunlen Resornijuden, sondern auch di« Orthodoxen mit der Schul« sich befassen werden, so wird man endlich auf eine Berjöhnung und B.rschwisterung zwischen Religion und Bildung ernstlich bedacht nehmen und jene« verderdiiche »Entweder- Oder" schließlich ausheben. Kerner will ich nnr cndeuten, daß auch die Tracht der polnischen Inden, die dir Machtworte eine» Ritolau« nicht verkürzen konnte, am Feuer der neuen Schulbildung bedeutend zusaunnenschrumpfeu wird, und daß dies« innere wie äußer« Umwandelung dazu beitragen wird, den Haß und den Fanatl«mu«, der meisten« nur den ungebildeten Juden rntgegengebracht wird, bedcu.rnd zu verringern. Nächst diesem Bildungsmoment bietet di« Militärreorganisation auch für di« Hebung der ütonomischrn und volks- »irthsch-lftliche» Interessen der Judenheit in Polen eine bedeutend« Gewahr. Eine« der Hauptüdel besteht zur Zeit darin, daß man die Kinder in einem fast unreifen Liter und unter sehr ungüilstigrn Vermögen-Verhältnissen verheirathrt. Man glaubte den Sohn dadurch vom Militär zu befreien, indem «au den zwanzigjährigen Militärpflichtige» al» einen solchen reclamirte, der bereit« eine Frau und Linder zu ernähren hätte — aber freilich nicht ernähren konnte. Du« hieß wahrlich: iocickit in Scyllarn etc. Aber diese Scylla war auch der dunkle Quell, aus den, so viele Uebel für die Juden Polen» hrrvorgingen, die vielen Agunoth oder verlassenen Ehefrauen, die vaterlosen Linder, jene jungen Ehemänner mit dem Zwiespalt in der Seele, da» große Proletariat und die Unzahl von Bettlern, alias Schnorrer, von denen Polen dem LuSlande jährlich ein bedeutende« Lonlingent zuschickte. Diese« Alle« wird hoffentlich die verkürzte Dienstzeit, welch« di« Aushebung nicht u»ehr al« ein Schrecken«gespenst wi-d erscheinen lassen, wie auch die, mit dem neuen Militärmodu« Verknüpften Bedingungen der Bildung bedeuteud ändern ober ganz abftellen, und dani» wird auch die Zeit kommen, wo «in jüdischer polnischer »Schnorrer" im Auslande nnr noch hächstea« für Geld zu sehe» sein wird. Ei« sehen, ich hege bedeutende Hoffnungen von den» neuen Gesetz, und wenn auch Manche» auf Rechnung einer poetische» Einbildung zu fetzen ist, di« Alle» nur iin rosigen Lichte betrachtet, so wird doch selbst der nüchterne Verstand di« Hälft« wenigsten« al« wahr zngeftehen müssen.*) Schließlich füge ich hier noch eine Mittheilnng hinzu, die ich unkerm hies. Blatte: „Jsraclita" entnehnle, wonach ») Dir haben gleich bet der ersten Siachrichl aber da« neu« Besetz die Sach« so auf,»fehl. Sieh« Sir. S unier Peterädur,. Die Hoffnung »uf rin« veffergestaltung de« UnterlchUwesen« in Folg« de« Besetze« ist fichrrltch leina chimärische, auch jugendlich« UeberlLuser müssen sel» wner werden. Bi« zum gänzlichen Bewinden der Schnorrer ist'« frei. Uch noch »eit; für di« älter« Beneration ist j« mit dem neuen B«. setz» nicht« geändert. (*«*•) bcr hiesige Gemeindevorstand sich an die N-'gleNUtg gewandi. habe mit der Bille um ein« Concession zur Errichtung tincf Seminar« für Lehrer in Verbindung mit einer Schule für Linder. Ob dieser Schritt de« Vorstände» infolge de« neuen Militärgesetzc« oder ohne Rücksicht auf dasselbe geschehen ist. kann ich nicht angeben; aber jedenfalls war c« eine That zur rechte» Zeit, und Alle« scheint darauf angelegt, un» ein« Hoffnung» ' volle, blüth.nrriche Zukunft zu verheißen. Berichte mit) Correspoudeuzen. Deutschs«,«»-. Strtti», 18. März Ein Wochenblatt kann mit den Tagesereignissen nicht Schritt hatten, und so kann «» nicht fehlen, daß unsre thatsächlichen Mittheiluugen und Bemerkungen oft, bereit« ehe sie unter die Press« gelangen, überholt sind und der Ergänzung oder Benchtiguug bedürfen. Wir haben im Leitartikel der Rr. 11 gesagt, über di« Fried» hostfrage gebe «* unter un« keine Meinungsverschiedenheit. Wir haben allerbing« ein« Einschränkung hinzugcfügt und find auch nicht der Meinung, daß wir alle Einfäll« irgend eine« Juden zu kennen vermöchten. Inzwischen hat ein Repräsenlaut der Berliner Eynagogengemrinde den Antrag gestellt, der Vorstand solle auf einem der jüdischen Friedhöfe »ine Leichendrennerei einrichten. Ob er dwjen Ausdruck gebraucht hat, ist un« nicht erinnerlich, der Mann aber, deffei, (Geichafls-k) Devise jedenfalls lautet: immer.nur von dem Reu» strn das Neueste", heißt v. Friedheim. Heule lesen wir einen Artikel der »B. Börsen-Zeit." für die Leichenverdrrnnuug. Er bezeichnet da» Begraben als senlilisch, da« Verbrennen al» hellenisch, die H»llenrn nennt er die edelsten Priester der Ethik. (Daß sich Gott erbarm'!) Die Hindere niffe seien am b»sten durch die Reichsges.tzgebung hinwrgznräumen, die da« Begraben einfach verdielen solle. — Wik lheilen die» hier ohne venierkung mit. — Wunde« sich abex jemand darüber, daß sich die B ö r f e n zeitung damit zu schas» feu macht? Sehr einfach, da gäbe r» ja met zu gründen, Central-, ContiuriUal-, Provinzialrc. rc. Leicheu-Breuu-Ai!» tieu-Gej»llichafl«n Hat mail nicht schon Verwallungsräch« und Direcloreu in Petto? E» wäre wirklich sehr erwünschij, wenn in die flaue »Bude" einmal wieder neues Leben kämt, — Dagegen wird da«, was wir iui vor. Blatte (unter Stettin) über den Fond» für Geistlich« gesagt haben, roritir bestätigt. Die Zeitungen melden: »Durch den diesjährigen Staatthaushalls-Eiat ist der Fond« zur Berdefferung tx« äußeren Lage der Geistlichen und Lehrer um die Summe von 260,000 Thlr. verstärkt worden Dieser Betrag soll dazu dienen, da« Enlkommen der Geistlichen, ausschließlich bi*r Wohnung, in evangelischen Gemeinden auf 600, in katholischen auf 600 Thlr. zu erhöhen und di« Lage der »eben einem Emrriten angeftelltr» Geistlichen zu verbessern.* Also für Juden nicht«. Die Nachricht ist freilich kein« fff« ficnlle, aber da» Volkswort sagt: »eine döse Nachricht pflegt wahr zu sein." Oder ist sie gut? Man kann di« Saöze auch fo auffaffen. Di« Juden, haben wir ja gehört, verschmähen Unterstützung au« Staatsmitteln. E« wird uns kein« geboten werden, so kommen wir nicht in die unange» »ehin« Lag«, di« freundlich geboten« — adweisen zu muffet. Magdeburg. 20. März. Di« »Magd. Zeit." berichtet folgende» Curiojum au« Breslau: »Der Gymnasiallehrer und Ordinariu« der Sixta da- Magdalenen-Gyaliiastum«, Herr Reichelt, fordert« am iz. d. Mt», seine Schüler israelitischer Confeision auf. Folgend!- in ihr Diarium einzuschreide» uud seidige« den Eitern mit» zuihetlrn: »Um etwaigen Mißverständniffeu vorzubeugen: _Unf«t Herr Ordinariu« hat un« eingelade», tu Zs» kunst am christliche« Religlou»nut«rricht Tbeil zuueh««,.

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