Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935028-5935770--2075-5371601- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 100 r- . ««sieht, «acht au» ih« tfon einen qualistcirlen privilcgirtea Schnorrer; den» auf diese Art de» vagtrendin Bettelwesen» lägt sich leider «uch da« Wort der Meist« «iweudeür »Jemehr er gesättW ist, desto mehr wächst stiü tzuüger." Hecht da- Autfertigk» solcher SchnDstück« Ocht, »deM Winden einen Anstoß geben?" Und versündig«« sich nicht in gleicher Mise dt« Hrün, Rndbiüet, S, M weil |i gmq bq'oklder« oll llne «debmänim ßckirn, oder weil fit drü MaitK lo» sein wollen, oder weil doch dieser und jener College den bekannten Ramen-zug darunter gesetzt, oder. . . , Wir wollen Niemandem unlautere Motiv« imputiren. Doch manchmal merkt man di« Absicht, und man wird verstimmt. Da konimt gar Liner heran (jüngst waren e» zwei zu gleicher Zeit), der un« gravitätisch ein Schriftstück vorzeigt, an besten Spitze wir oben den respectableir Namen der »Alliance itraelite universelle" eiugraoirt oder gestempelt lese« »ad unten den Namen eine« ebenso respeciablen Grenzrabbinrr» geschrieben s-hen. Alle TlaubenSgenoffen, alle Eomile'« (!!) werden in den. Schreiben aufgesordert, diesen Mann (oder diese Leute) reichlich zu unterstützen, denn Vorzeiger sei — ein braver Mann. Zugegeben, rin braver, achtbarer Mann au« Rußland giht in dl« Welt, um, wie viele tausend Andere, sich durch Wanderbettelei »Geld za machen". Liegt «» aber mit in de., Zielen der All. itr. uiiiv., un« hier in Deutschland mit solchen Bettlern zu überschwemmen, daß man den so hochachtbaren Namen dazu gebraucht? Hat denn jegliche« Eomitt Mitglied an allen Orten di« Befugniß, unter dein Stempel der Alliance derartige Bettelbriefe auSzustellen und aukzuhändigen? Wird dadurch, daß die Alliance sich so gleichsam zum Deckmantel der gewöhnlichsten Schnorrerei hingrden muß, deren Sache in den Augen de« größeren Publikum» «icht ni.hr gefährdet denn gefördert. Wir hoffen durch gemeinsame« Streben die Mittel HU finden, diese gemeinsame Plage de« »polnischen" Schnolrwesen« nach und nach bei un« in Deutschland au«zumerze.i. Doch müssen die Quellen de« Uedel« aufgedeckt und verstopft werden. Den Privatleuten euipjehlen wir e» ja so oft, ihre Scherstein nicht an umherziehcnde Bettler (ja »Strolche"!) zu verschwenden, um einerseit« den heimischen, würdigen Armen keinen Abbruch zu thun und um andererseits jiner unsittlichen und eutfittlichenden Art der Bettelei durch allmälige» Entziehen der anderwärts bester anzuwendenden Gaben endlich Einhalt zu thuu. Welche Gab« fördert aber wehr da« beregle Unwesen al» die Mitgabe eine» Bet- Irlbriefe« auf die Reise uur di« Welt?! »Gold und Silber giebt» in Menge, doch ein kostbar Werkzeug ist de» Verständigen Wort." Spr. Sal. 20, IS. (?. Midr. rab. Ans. de» S. B. R.). — Darum, so ungern wir e« thun, müssen wir doch den Schreibern und Uutrrschreibern derartiger Schriftstücke zurusrn: Chmchatnim his&haru! —n - n. Da« «eue russisch« MtUtLrgesetz. H. K. Warschau, End« Februar. Di« im Anfang diese» Jahre« für Rußland und da» Königreich Pole» angekünßtgtt Militärreorganisation blldet «inen bedeuteude« Weudetpuud für di« Geschicht« diese» Reiche». Der schwerste Druck für da» Volk war unter der vorigen Regierung de» Kaiser» fl Nikolaus di« Militäraushebung» und der Gedanke einer -- vstrundzimntzigjährißrN Dienstzeit »nacht« die Geburt eine» ÄtoHii für da» Haas ju eineu Trauertagch ßatt zum Freu» denfO«. SaeiUu» die ich Al« stiud «M angesehen, wen» " - der militärpflichtfße Jüngling zur Zeit der Einberufung am SJhft sich scheu «ecdarg uckd ckUr iü dor Reicht da«,Hdü» ) seiner Eltttn aufjufnchen wagt«, wenn dann um Mitmßnitzt eine Patrouille da» Hau» umstellte und den jungen Man» - au» seinem Bette, von dem Herzen de» Vater», der Mutter, und, wa« sehr häufig, auch von dem Herzen der Hoffnung»» vollen Gattin hiinvegriß — diese Scene« schweben heut« noch in ihrer ganzen erschütternden Tragweite vor meiner Phantasie, und di« Hand zittert noch, wenn ich sie nirderschrribe. Da« sind freilich tempi possati. Aber mich wundert'», daß unsere Dichter und Maler mit Fedcr und Pinsel solche Sce» ne», die bereit» am Horizont der Geschichte allmälig verschwinden, nicht festzuhalten suchen, um den Pessimisten zu zeigen, daß die Welt dennoch fortschreitet, daß wir einer immer liäitvollrrn Entwickelung entgegengehen. Aber wer uu» da» noch vor zwanzig Jahren gesagt hätte? De?'hätte damals um die Zeit de» Krimkrieget, also im Jahr« 185« daran gedacht, daß im Jahre 1874 die vicrundzwanzigjahrig« Dienstzeit in eine sechsjährige sich verwandeln wird? Aber - wir leben ja in der Zeit der Wunder, und da» größte Wunder ist, daß wir un» über nicht» mehr wundern. Unter Alexander H. wurde die Dauer der Dienstzeit schon drein»al herabgesetzt, und dreimal schon wurden die Herzen der Soldaten freudig bewegt, da ihnen die kaiserliche Botschaft eine schnellere Rückkehr zum helmathlichen Heerde verkündete. Und nicht bloß in Bezug auf die Z e i t de» Militärdienste», sonder» auch in anderen Hinsichten ist im Soldatenlebe» Manche» ander» geworden. Al» ich nach längerem Aufenthalt in Preußen hier herüberkam, war ich nicht wenig erstaunt über die Rücksicht, mit welcher man hier de» gemeinen Soldaten behandelt, r» erlaubt sich kein Offizier, ihn thätlich oder nur mit Worten zu kränken. Und noch ein Zweite» überraschte mich beim hiesigen Militär: ich sah hier jüdische Mllitärärzte in General-uniform und mit Generalsrang, eine Erscheinung, die selbst Preußen nicht bietet. Doch, ich bin von meinem Thema ganz abgekommen, und mancher Leser wird vielleicht verwundert fragen, wa» dieser Bericht in einem Blatte für jüdische Interessen zu bedeuten habe. Ich sollte freilich meine», daß ein jüdische» Blatt di« Berechtigung hat, auch allgemeine Kulturfragen z» besprechen, da der Fortschritt de» Judenthum« von der Entwickelung der Völkerintereffen allzeit bedingt ist. Aber e» ist auch ein spezifisch jüdische» Interesse, welche» mir den vorliegenden Artikel diktirt. Ich hege die enthusiastische Hoffnung, daß die neue Gestaltung de« Militärwesen» ein bedeutender Motor für die Hebung der Bildung bei de» Juden im Königreich Polen sei», und daß der Geschichtsschreiber dieser Periode mit Freuden eiuen neuen Abschnitt von diesem Datum ab konstatiren wird. Da« »eu« Militärgesrtz bestimmt sechs Jahr« al» die normal« Dienstzeit im stehenden Heer«, reduzirt die Dauer auf »irr Jahr« für Diejenige», welch« di« Bildung einer einfachen Bürgerschule wrrden auf,«weise» habe», »och kürzer« Dienstzeit für di« ) Schüler eine» Gtzmuafium» und so herab bi» auf ei, halbe»