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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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immer zn verlassen, ober ihn in eine Reformsynagoge in be« {leiten. Dieser erflArte, lieber da» Hau« und einen solchen saler zu verlafien, al« seine Ueberzeugungen opfern zn wollen. Darauf erhob Kläger die Klage wegen schlechter Aufführung, und brachte die Sache vor den Gerichtshos. Da« Unheil ist auf eine Woche vertagt worden. (I. W) — Der „Rew-Aork Sun" meldet: Der so eben erstorbene Jacob Loui« war in Pari« am 24. November 17S7 geboren. Sr hatte unter Napoleon die groben Feldzüge mitgemcchl und bei Alexandria, Eairo, Austerlitz, Moskau, Leipzig und Waterloo gekochten und lg Wunden, fast alle am rechten Fuße, davongeiragen. Er kam 1847 in unser Land. Er behielt bi« etwa 14 Tage vor feinem Tode seine Kürperkräfte und war von jovialer Laune; er war unter dem Name» der alte Loui« bekannt. Er hiuierläßt eine 80jahnge Wittwe. Chikttg». In der letzten Januarwoche (25 -28) hat hier eine Eonvention oder Generalversammlung von Delegirten der Vnal-Berilh Logen getagt. Die Versammlung reprafentirte zunächst an sich die impouirende Bedeutung de« Bunde«, indem von der Äesainmtzahl der Logen, welche jetzt etwa 210 beträgt, ungefähr 160 durch eigene Abgeorduele vertreten waren. Da« Resultat der Berathungen hat, soweit wir absehen, den Erwartungen und den seit Monaten in den Zeitungen geführten Debatten über vorgeschlagene und bekämpfte Amendement« und sonstige Anträge eigentlich nicht entsprochen, ja die Resultate scheinen zumeist negativer Art gewesen zu sein, d. h die Anträge auf Gtaiutcu-Aenderung und neue Einrichtungen sind abgelehnt worden zum Theil mit einer eigenlhümlich geringen Majorität z. B. 74 gegen 71. Abgelehnl wurde z. B. nach langer bi« über Mitternacht hinan« währender Debatte die Gründung einer allgemeinen Wittwen- und Waisen-Kasse de« Orden«. Demungeachtet ist der Eiudruek, den die Versammlung im ganzen Lande gemacht hat, ein günstiger. Die gesammte Presse widmet den Beriammliingen Beachtung. Einige Blätter erkennen e« besonder« an, daß eine so bedeutende Versammlung von Angehörigen einer Eoufession gewissermaßen confessionelle Angelegeuheiten beratheu hat. ohne aus andere Eonsessiouen zu schimpfen oder Propaganda für sich zu machen. Die Eonventiou hat an P ixoiio ein Telegramm gesendet, ihm ihre Anerkennung ausgesprochen und fernere kräftige Unterstützung »«gesagt. Philadelphia. Da« Meeting der episcopaleu Gesellschaft zur Beförderung de« EhristeuthumS unter den Juden gibt der „Sunday Republik Aniah zn einer Reihe von scharfen und mehr oder minder witzigen Ausfällen gegen einen Verein, der trotz allen Mißerfolges so starr in seinem — Geld-Verschleuveru verharrt. Die Bemerkungen haben für unsere Leser wenig Interesse, nur zwei sind mitrheilenswerth Einmal, daß in diesem Jahre gar kein Eonvertit nach- oder gar vorgewiesen werden konnte. Bermuthlich, meint Sunday Rep., ist der sonst bei solcher Gelegenheit „ausgestellte" jüdische Bekehrte eben krank gewesen. Dan», daß Rev. vr. Rudder in seiner Predigt gesagt hat: Und wenn e« auch eine Million Dollar« kostete, einen Juden zu bekehren, so wäre da« immer noch ein erfreuliche« Resultat. — O „Lümpchen" — Heine'fchen Andenkens — der du gegen einen Rothschild deine Würde bewahrt und von ihm weiter nichts am Freitag Abend verlangt haben würdest, als daß er deine siebeuarmige Messinglampe ein wenig putze, hast selbst du dich auf eine Million taxirt?! Vermischte und neueste Nachrichten.. Btrli». Wie die „Nat.-Zig." hört, ist in Folge eine« Nescripke« de« Minister« de« Innern in allen ReichSlagSwahlkreijen und namentlich auch in Berlin genauer ermittelt worden, wie viele Neichstag««ähler den einzelne» Eonsesfioneu - angehüren. E« hat sich dabei ergeben, dah von den 126,000 Wählern Berlin« nur etwa 7000 Katholiken, 7400 Juden, 200 Dissidenten sind, der Rest aber al« evangelisch bezeichnet wird. 6. venihen O.-Schl., 1. März. (Or.-Eorr.) Seit Kurzem macht die Wunderthäligkeit de« Grätzer Rabbiner«, Herrn Guttmacher, viel von sich reden. Au» allen Theilen Polen« strömen allwöchentlich Hunderte van Hilfesuchenden zu dem berühmten Rabbi, auch die engere Heimath desselben, da« Grobherzogthum Posen, liefert Uioer deren eine große Anzahl, lieber» ll erzählt man sich Wunderdinge, die, wie man sieht, Glauben finden. Ein christlicher Gerber in Ostrowo, S . . . ., - dem die Leiden de« in dem dortigen Gefäugutffe intermrten Erzbischofs Lebochowsky sehr zn Herzen gingen, wandte sich nun auch um Hilfe für diesen an Rabbi Elia Guttmacher nach Grätz. Ob und welche Antwort ihm zu Theil geworden, wissen wir nicht; da» erzählte Faktum aber wird von sehr glaubwüroigen Personen verbürgt. Dresden. Erfreulich ist die jüngst einem hier geborenen jüdischen Arzt gewordene Anerkennung: l)r. Lehmannbeer, zur Zeit in Zittau, Inhaber de« eisernen Kreuze« und mehrerer Orden, ist zum Oberstabsarzt erster Klasse mit Major»- raug ernannt worden. Diese Ernennung unter König Albe« darf von den Inden in Sachsen günstig gedeutet werde,i. Denn leider sind die Znstäitde in Deutschland heutzutage doch noch nicht allenthalben hinsichtlich der Juden so geordnet, dah den gesetzlichen anch die thalsächlichen Verhalt« niffe entspräche». Da ist e« denn bezeichnend, daß in unserem SanitätScorp« ein Jude die zweite Stelle, die erste nach dem Geueralstab«arzt, einnimmt. (I- «•) Mty. Den „Arch. J«r." wird unter dem 20. Febr. berichtet: „Die Deutschen hatten hier einen Earneval«-Umzug veranstaltet, an dem mehrere deutsche Juden sich deihei« ligt haben. Aus einem der mit Masken besetzten Wagen befand sich ein Individuum (leider ein Jude!), welche« al« Rabbi mit langem Barte, dreieckigem Hute und großem TaliS verkleidet war, ein hebräisches Buch in der Hand hielt und in posienhaster Weise mit lauter Stimme Gebete vorlrug. Dabei warf er gedruckte Zettel mit deutschen, allerlei Unsinn enthaltenden Versen aus. Das sind schöne Acquisitionen, die wir in unsrer Gemeinde seit der Annexion gemacht haben. Es ist gut, wenn die deutschen Israeliten durch ihr Blatt erfahren, wie sich ihre GlaubenSgeuossen hier betragen." — Wir wissen wohl, daß es unter den deutschen Juden pöbelhafte Jadioiduuen gibt, denen mau das hier Berichtete wohl zutrauen tau», aber mir legen gegen jede Solidarität mit ihnen Verwahrung ein. Nachdem wir insgesammt genug darunler gelitten haben und »och leiben, daß mau un< allzumal für die Gemeinheit, den Uuiinn oder die Verworfenheit eine« einzelnen Inden veraulwortlich gemacht hat, fehlte nicht«, al« daß wir nun unter unS selbst ansingen, die Thai der Einv jelnen einander vorzuwersen. Baja. In Nr. g diese« BiatteS wurde bereit« mitgetheilt, daß Herr vr. Hauser am 5. d. M. hier mit groper Majorität zum Bürgermeister gewählt wurde. Ueber die Persönlichkeit de« Gewählte» erhält da» „N. P. Journal" folgende Miltheilungen: 1)r. Hauser ist ungefähr 32 Jahre alt und aus Arad gebürtig. Seine juridischen Studien absolvirie er in Wien, woselbst seine gediegene Bildung und namentlich sein juridischer Scharfsinn ihm bald die vollste Ausmerksaiiikeit seiner Professoren gewann vr. Arud«, der Professor de« römischen Recht«, lhat ihm gegenüber einst die schmeichelhafte Aeußerung, ein Professor, der solche Hörer in der Schulbank zähle, dürfte sich nicht auf den Katheder setzen, vr. Hauser praktizirte d>« zum Jahre 1870 in Pest. In vaja zum MagistratSralh gewählt, erwarben ihtst. sein streng ehrenhafter Charakter und seine eminente Tüchtigkeit (er »nr

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