Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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btm städtischen Gericht zugethellt worden) die unaetheilte Hochachtung seiner Milbürger. Der Gewählte verdankt seinen jüngsten Sieg bloß zum geringeren Theil seinen Glaubensgenosse», da in der Bajaer Sladtrepräsentanz nicht mehr al« achtzehn bi« zwanzig J«raeliten sitzen. Bei den „großen" Richterernennungen im Jahre 1871 hatte Dr. Hauser'« Bewerbung — wie man sagt, au« Mangel an Protection — keinen Erfolg gehabt. Wir». Der Wiener Semetnderath hat sich — so schreibt da« „Jll. Wiener Extrablatt" — ein ehrende« Zeugniß erlheilt, indem er dem Oberkantor der Wiener t«raelittschen Kultu«grmeinde, Professor Sulzer, da« Bürgerrecht der Stadt Dien taxfrei verliehen und dadurch wiederholt dargrthan hat, daß die Vertreter der ersten Stadt de» Reiche« nicht austehen, tu Freifinnigkeit und in der Anerkennung dr« Verdienste«, wo c« sich immer findet, al» Muster voranzugehen. Oberkantor Sulzer, der nun durch eine lange Reihe von Jahren in der Wiener J«raelitischen Kulturgemeinde ihälig ist, hat, unterstützt durch die herrlichen stimmlichen Mittel, die ihm in fast phänomenaler Weise selbst im Liter noch treu geblieben, sehr viel für dt« Berschvnerung und Geschmackoer- «diuug dr« tSraelitischen Gotte«dienste», nicht allein in Wien, sondern auch in den Judengemrinden dr» ganzen großen Oesterreich geiettek." (WaS hier weiter über Sulzer'« gotteSdienstitche Kompositionen u. Leistungen gesagt ist, ist allen unfern Lesern bekannt. Der Schluß de« Artikel« lautet:) »Die sich da« von einer Künstlernatur nicht ander« denken läßt, wird dem Oderkantor Sulzer ein von Mitgefühl erfüllte« und zum Wohlthun geneigte« Herz nachgerühmt, da« sich uur in jenen Momenten verleugnet, wo e« sich dem Ober» kaut« darum handelt, seinen Partner im Schachspiel Matt 1u setzen. Sulzer ist nämlich rin unerditterlicher Schachspieer. — Abbä Ltßt sandte kurz nach seinem so glänzenden Wiener Lonrert« vom 11. Jan. d. I. au« den ihm gewidmeten Lorbeerkränzen mehrere Blätter an den Wiener Oberkantor Sul- «er von folgenden Zeilen begleitet: „Lorbeerblätter au« dem Kranz de« Concerte« in Wien am 11. Januar 1874 in dankbarer Erinnerung an den begeisterten Sänger der Allmacht." Snta. Die scheidende Regierung beschloß ihre Amtszeit mit einem kleinen Pair»schub. Gladstone schlug sech« Kandidaten vor; di« Königin genehmigt' indessen nur fünf. Al« sechsten hatte Gladstone gutem Vernehmen nach da« frühere MUglied für die londoner City, Barm Lionrl de Rothschild, vorg «schlagen. E» mag s«tn, daß die KSutgin selbst rnt die konstitutionelle Neuerung Bedenken trägt, andererseit» kaum fraglich, daß da« Oberhau» sich sehr energisch gegen die Ernennung wehren würde. Der Eid, welchen Mitglieder de» Oberhauses beim Eintritt abzulegen haben, ist zur Zeit nur für Christen anwendbar, und e« ist nicht glaublich, daß die Pairtkammer in Bezug auf seine Abänderung in die Fußstapfen de« Unterhauses treten werde. (So schreibt die Berliner Bolkizeitung.) kondou. Die „KSln. Ztg." sagt: „Di«raeli spielt sicherlich ein« der wunderbarsten Rollen. Cr verläugnet sein« jüdisch« Abstammung nicht, sein krause« Haar und sein« ganze Physiognomie zeigen deutlich, daß er zu den Nachkommen Abraham« gehört. Sott den Zeiten Haman'« hatte kein Jude je einen größeren Erfolg. (Haman ein Jude?!) Er ist der anerkannt« Führer der stolzesten Aristokratie in der Welt. Sie hat aft geuog daran -«dacht, «inen andern Fitzer zu nehmen, aber fie hat «» nicht gewagt. Feuillet,». Eine originelle Klage. vor länger denn «ine« Deceuntum ward von »ine« Mttche» Lehrer, der imwtschen nach Amerika »»«gewandert JA, »Ä tti*m tksUte Mittfct Umt iuekiAi. fit Mtoi WWWO W« WW^wwvWW ww ihrer Originalität in Form und Inhalt wohl der Rittheilung werth sein dürfte. „Am ü. April 18 . . kam verklagter zu niir, theilte nur weinend mit, seine kranke Frau werv« w»l,t ihr« irdisch« Laufbahn vollenden und sterben, denn e« scheine ihm, al« wenn der Tode«engel mit stammender Klinge bereit« an ihrer Kopfseite stehe, mit himmlischer Instruction vrrsehEU, ihre Seele muh dein HimmelSsaai« zu tranSportiren, und, fetzte er verzweifelnd hinzu, ist dieser schreckliche Gast erst zum Besuch« bei meiner Frau da, dann scheitert jede Kunst de« Arzte«. Gleichwohl, tröstet« sich verklagter, leucht« ihin noch ein Strahl der süßen Hoffnung, seine Leben«gefährttn au« der Hand de« himmlischen, unwillkommenen Gaste« zu erretten, unv er, der verklagt«, fordert« mich nun in seinem und in, Nanien seiner nun im TodeSkampf« liegenden Frau cuf, daß ich ein mehrstündige» Gebet, und zwar nach talmudistber und kabbalistischer Vorschrift, in der hiesigen Synagoge für seine Frau inbrünstig verrichten möchte, wonach auch der von ihrer Kindheit an geführte Name „Ralä," besten erst« 6t<lbc „Ra" in hebräischer Sprache ohnehin „der Böse, einen Dämon" bedeute, für immer verlöschen und ihr dafür einen anderen jüdischen Namen beilegen, den sie lebenslänglich führe« solle. Die« heilig« Mittel, glaubte verklagter unerschütterlich, verfehle bet seiner Anwendung seinen Zweck nicht, tnitm der unsichtbare Würgengel gleichsam dadurch beschworen wird, unverrichteter Sach« seinen Posten zu oeriaffen und unverzüglich der Kranken da« Zimmer zu räumen. Dieser dringende« Aufforderung gemäß habe ich da» Gebet, da« mehrere Stunden dauerte, verrichtet, verlöschte für ewig ihren alten unheilbringenden Namen „Ralä" und vertauschte denselben mit einem anderen jüdischen Name« „Chajä", welcher „da« Letrn" bedeutet, den ste nunmehr bi« zur letzten LebenSftund« flchrt. Eine Stunde nach Beendigung de« Geber« kam verklagter riiend zu mir, Freudcnrhränen perlten sich in seinen Augen, den wärmsten Dank zu zollen, und im üebermaß der Freud« versicherte er, daß ich vermittelst de« quest. Gebet« und d«r Veränderung de« Namen« nicht nur de« Todeseergel die Beut«, nämlich seine Frau, «ntristen, sondern auch denselben exmittirt habe. E« zeigten sich schon Symptome der Besserung, und jede Gefahr ist nun vorüber. verklagter versprach niir eine reiche Belohnung für meine Bemühungen, dt«, «t« er mir selbst gestand, übernatürlich waren, und zwar so viel Thaler, al» du drei Buchstaben de» neuen Namen« „Chajä" an Z-chl enthalte», da da« hebräische Alphabet auch gl«ichz«ilig Zahlenbuchstaben sind. Nachdem der ihr von mir deigeirgle neu« Namen 23 an Zahl enthält, schulden mir di« verklagten 28 Tvaler. Da ich berechtlgt bi«, von de« Elter«, die ihrem S Wochen alten Mädchen eine« Namen i« Tempel von mir beilegen laste», ein« reiigiöse Handlung, di« kaum vier Minuten währt, einen Thaler zu verlangen, um soviel mehr steht e» mir zu, für die mit zweistündigem Sebet verbundene Beilegung eine» Namen« einem öS Jahr« alte» Weibe, da« ich noch obendrein au« den Klauen de« Tode« gerettet habe, 23 Thaler zu fardern. Ungeachtet der an die verklagten ergangenen Aufforderung weigern sie sich dennoch, Zahlung zu leisten, weshalb ich beantrage, di« verklagten zur Zahlung von 23 Thaler« nebst Zinsen von einem Jahre und zur Tragung der Gericht»koften zu verurtheilen." (Folgt die Namhaftmachung von Zeugen und Sachverständigen.) ®nt abgefertigt. Zu einem jüdische» Clergyman, erzählt „Je». World", kam dieser Tage ei« polnischer Jüngling und quälte ih« mit de« Anliegen um Unterstützung, Empfehlung u. s. w. Wie es zum Handwerk gehört, citick« *t dabei maßnchaft Pibeluud Talmudsprüch« über die Vkizwah des Vohlthnn«. Da riß dr» Andern die Geduld, «ud er eitirte ebenfalls: pt ifTiUtfS rnxp „Für eine« Mensche« in deine» Jahre«, giebt es »och keine Kizwah l" (feste Unterstützung.)