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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Aber Eonfession und Nationalität füglich ans sich beruhe« laffeir föimtfti , aKr uufcr Grftnuiiou bnrüKr ansiprechen tnüfjni, dag von allen 26 Conferenz Mitgliedern, zu weichen doch der Unterrichtsminister Falk (früher Jnstizbeamter und Mitglied de- BnndesralheS), der Unterstaatssecretär Sydow (früher AppellationLgerichlSpräsident) und der Ministeraldirector Greifs gehörten, kein einziger aus den Art. 12 der preußischen Bersaffungs-Urknnde, oder wenn der nicht au»reichen sollte, auf daS dieieni vorgehenden Reichsgesetz vom S. Juli I86S zurückgekommen ist, welches letztere die Lösung der Frage außer allem Zweifel stellt. Ja, der Minister erklärte, daß die Regierung sied jeden Einzelfall besonders ansehe und entscheide, ob der rechte Mann auch für die rechte Stelle passe. Man sollte meine», da das doch überall geschehen muß, daß Hinsicht« der Israeliten eine besondere Vorsichtsmaßregel getroffen würde, während, wenn die Zurückweisung nur aus Rücksichten aus die Religion des Nachsuchenden erfolge, letzterer das Recht und die Pflicht hat, den Schutz des Reichskanzlers anzurufen. Diese allein richtige Auseinandersetzung wird in der ga»zen Debatte vermißt, weshalb es gut ist, hier nur auf da« hinzuweisen, was allein Rechtens ist. (Frf. Ztg) Hamborg, 2. März. (Orig-Corr.) Die in Nr. 8 Ihres Blattes aus Rumänien nach „I. World" gegebene Notiz: „Die 19,000 Seelen zählende Gemeinde zu Bottuschau" ist wohl nur ei» Druckfehler st. 1900. Ganz B. zählt vielleicht 5000 Einwohner. Ich möchte bei dieser Gelegenheit den Wunsch aussprechen, einmal eine genaue Statistik der jüdischen Einwohner Rumäniens zu sehen. In der Reponse aux atlaue« dirigdes contre les Isradlites dans l’exposd des motifs u projet de loi pour la rdgularisation de la Situation des Israelites de la Ruuianie (1868) heißt eS Seite 34 ff, daß der Bericht dieselbe» aus 500,000 angebe, daß aber in den statistischen Arbeiten des Ministerium« deö Innern von 1859— 1860 hie Zahl auf 160,000 geschätzt werde, und daß in Ermangelung einer neuen officiellen Statistik, die ofstciösen Angaben unserer Glaubensg-»offen eine jüdische Bevölkerung von etwa 200,000 auSweisen. Dr. F. Hamborg. Der Verein zur Hebung des jüdischen Gewerbeflande» feierte am 25. d. MtS. in einer in H i r s ch e l'S Hotel abgehaltenen General-Versammlung den Tag, an welchem Herr L. Victor 25 Jahre hindurch unuuterdrochen dem Vorstande deS Verein» angehörte. Der Jubilar, welcher keine Ahnung von dem ihm zu Ehren veranstalteten Fest hatte, wurde bei seinem Eintritt in die Versamnilung NamenS der Anwesenden von denr Präses Herrn Eduard Löwe mit einer herzlichen Ansprache begrüßt und auf einen reich bekränzten Ehreubesitz geleitet. Sodann wurde ihin feierlichst eine außerordentlich sauber und geschmackvoll kalligraphine Gedenktafel in antik geschnitztem Rahme» mit der Widmung: „Zur freundlichen Erinnerung an seine 25jährige treue Wirksamkeit als Vorsteher der Rrankenlade Nr. 248, genannt: Verein zur Hebung des jüdischen GewerbestandeS, Herrn L. Victor, gewidutet in dankbarer Anerkennung von den Mitgliedern" mit warmen Worten von dem, gleichfalls dem Vorstand angehörig, n Herr» I. Blum überreicht. Nachdein der Jubilar tiefbewegt seinem Dank Ausdruck gegeben und sodann die Tagesordnung der General-Bersanimlung erledigt worden, vereinte ein solennes Souper in den für derartige Gelegenheiten recht geeigneten und für die Festfeier sehr sinnig geschmückten Lokaluälen von Hirjchel'S Hotel etwa 150 Mitglieder deS Vereins, wobei eS an ernsten und heileren Toasten nicht fehlte. Erst zur vorgerückten Nachtstunde lreiinlen sich die Festtheilnehmer. Wir bemerken beiläufig, daß der Verein gegenwärtig 180 Mitglieder zählt, von denen nur etwa zwei Drittel moiaischen Glaubens sind. — An die Oberschulbehörde hatte sich kürzlich eine Anzahl jüdischer Familienväter mit dem Gesuch gewendet, den gesetzlich nicht begründeten Zwang, ihre Rinder an den Festtagen und Sonnabend« in di« Schul« zu schicktu, zu beseitigen. Di« Oberschulbehörde hat, einer Vestimmung de» Schulgesetze« entsprechend, die Petenten dahin bei.liiede», daß es dem Eruicffe» eine« jeden jüdischen Familienvaters überlass n ble.den solle, ob er seine Rinder an den vorerwähnten Tagen in die Schnle schicken wolle oder nicht. — Herr Louis Bernay« — ein Sohn de« sel. Ehacham — schenkte am Barmizwah-Tage seine« ältesten Sohne« der großen Synagoge eine prachtvoll geschriebene Sepher Thora. — Herr Dr. Ettlinger in Mohilew edirt auS dem Nachlaß feines Vaters des sel. Altonaer Oberrabbiners zu de» Traktaten Synhedri» und Rasch haschana. Oesterreich. Ikrakau, den 25. Februar. (Or.-Corr) Von der Lage der hiesigen Juden hat schon lange weder in einer jüdischen noch in einer politischen Zeitschrift em Wort verlautet. Ei» jegliches Stillschweigen wird gewöhnlich und mit Recht entweder für ein Zeichen behaglichen Wohlseins, oder selbstsüchtige» Eigennutzes, oder für die tiefste Gleichgültigkeit gehalten. Aber außer solchem Schweigen des Wohlbehagens und der Gleichgültigkeit giebt c» auch ein Schweigen des äußersten Schmerzes, deffen Ausdruck den Grad des Wehs nicht erreichen würde; ei» Schweigen de« Unmuth« und des Ueberdrrs- >se«. Hier also, in diesem Eentrunt alles jüdischen Interesse«, sei eS mir vergönnt, einige Ansichten nicderzulegen, die lange schon von mir gehegt wurden. I.» Krakau giebt eS keine einzige Religionsschule, in der hebräische Grammatik, eine lichtvolle Kenniniß der Bibel, Geschichte unsere« Volke« den Kindern gelehrt würde, aber an deren Stelle giebt es eine Unzahl Cheders. Wollen wir den Unterricht in diesen Schulen näher beleuchten, schauen wir auf ihre Außenseite — welche Entfaltung der kindlichen Geister können wir durch die Troglodytcn dieser Höhlen erwarte»? Stelle man sich ein kleines Seitengäßchen vor, deffen Bode» stets Roth bedeckt, stelle nian sich darin eine Reihe halbverfallener Häuschen vor, an denen die Fensterscheiben durch ausgekleistertes Papier ersetzt werden, nian hat dann die hiesigen israelitischen Schulen vor sich. Echo» von weitem vernehmen wir von alle» Seite» die gellenden Stimmen der heiseren Präcepioren, denen die jugendliche» Chöre ihrer Schüler folgen. Schon von weitem hören wir da« Gewinsel der gestraften Rinder, mit dein höhnische» Gelächter der Strafrichter, den eintönigen Gesang deS Alphabet» mit dem Gesunime der Vorgerückteren, welche die tiefsinnigen Commenlare aufsagen. Gelangen wir in« Innere, so begrüßen unS vier kahle, vom Rauche der geborstenen Schornsteine stark geschwärzte Wände, ein hinfällige« Bett, ei» hundertjähriger, von zerbrochenen Stühlen umgebener Tisch, der unter der Last zerriffener Folianten hinzusinten droht Oben, in einen langen Kaftan und kurze« Talith gehüllt, sitzt der Lehrer und blickt mit boshaften (?) ArguSaugen auf seine demülhigen Sklaven, auf deren Gestchtszügen sich die Furcht vor den tyrannische» Peitschenhieben abbildet. In solchen Lehrstuben erhalten die Knospen Israel« ihre Entfaltung. Kaum fangen die Rinder zu sprechen an, nock» sind ihre Organe unfähig, die Worte zu ordnen, und schon werden sie von den Boten solcher Elementarlehrer wie die Heerde von Hirten herdeigejagt. Sobald die Kinder ihr erstes Lustrui» zuruckgelegt haben, werden sie aus diesem Elementar - Chedarim entlasten. Trotz der mischnischen Vorschrift gehen sie, ohne die Bibel in die Hand zit bekommeil, sofort zuin Talmud über, und allwöchentlich bringt ihnen der Präceptir eine Stell« des Talmuds auf jede mögliche W.ise Iwi, daß sie, ohne jene im geringsten verstanden zu haben, bei der Sabbathprüfung sie hcrzusagen oern ögen, wobei der anwesende Lehrer durch Mimik und geschickte Einlenkung sie glücklich durchbringt. Im siebenten Jahre beginnen die Tosefot- Rlaffen, dann Maharjcha und PoStim; der Verstand b,a Rindes nimmt dann eine so schüfe Richtung, daß «S, außer dem auf jeden Sabbath erlernten Mischmasch, nicht« in der Welt zu begreif»« vermag. Sv wächst da» Rind lster ofync

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