Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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84 da« erwähnte Projekt eingesordert. Die« geschah schon im vorigen Frühjahr. Da« Gutachten ist veröffentlicht worden, wir haben darüber s. Z. (Rr. 16 v. I.) berichtet, haben e« nach Form und Inhalt gleich ansgezeichnet genannt und letzteren mitgetheilt- Ebenso hat Mt Mische Presse ia allen Ländern und von allen Parteischattirnugen sich darüber ausgelassen, und da« ist bemerken«werch. Es gibt also über diese Frag, lUu un& tim MeinnnMerschirtnnheit; der starrste Orthodoxe braucht sich nicht entschiedener aukzudrückcn, als e« Astruc getban hat, und der entschiedenste Liberale, sofern er noch Jude ist und den Religionsverschiedenheiten nicht dadurch rin Ende machen will, daß er die Religion überhaupt au« der Welt schafft oder fie für ganz gleichgültige«, gleich nichtsnutzige« Rococco erklärt, kann zu keinem „liberaleren" Resultat gelangen. Wir erinnern un« auch nicht, daß irgend jemand noch weitere Gründe al« di« von Astruc vorgetragenen angeführt hätte. Wir fassen diese noch einmal kurz zusammen: Wir J«raeliten können die vorgeschlagene Einrichtung nicht acceptiren; ersten«, weil wir auf den Friedhöfe« zu deren pflegen, und die auf unmittelbar benachbarten Gräbern »ufgestellten Symbol« einer anderen Religio«, welche di« Gottheit selbst darstellen solle«, un« in unsrer Andacht störe» müßten. Ebensowenig können und dürfen wir verlangen, daß mau unserthalben Andere« die Ausstellung solcher Symbole untersage. Zweiten« stad wir verpflichtet, unsern verstorbenen Glaubensgenossen, auch den armen, ein« ewige Ruhestätte zu gewähren, die« kann oder wird un« die Eommune nicht bewilligen; folglich müssen wir dafür stimmen, daß un« besondere Friedhöfe oder besondere Abtheilnngen belasse«, resp bewilligt werden. Geschieht die« nicht, so werden wir, wie überall, da» EtaatSgesetz anerkennen und ehren, werden aber dann eigene Begräbaißplätz« anlrgeu müssen und hoffen, d->ß man die« auf unsre Kosten zu thun »n« nicht «ehren werde. Die« Gutachten ist nun im Januar in der Kammer vorgelegt worden und hat die allgemeine Aufmerksam auf sich gezogen. E« versteht sich von selbst, daß die Klerikalen e» freudig begrüßte«; mußten aber die Liberalen e« bekämpfen, oder mußten fie seine» Verfasser, die Juden «ad da« Judenthu» in heftigster Wesse angreife»? Da« war gewiß weder «öthig »och provocirt, da da« Schrifstück, wie schon bemerkt, über»»« taktvoll, «ach allen Seiten schonend, nirgend« Anstoß gebend abgefaßt war. E« ist aber ein«, un« namentlich längst bekannte Thatsach«, daß der Liberalismus, d. h. der falsch«, oder der Radikalismus genau ebenso iutoleraut und fanatisch ist, wie di« Orthodoxie, und daß der religiöse und politische Radikalismus bei gegebene» Aulaß dann einen Judenhaß „lorläßt," de« man e« anmerkt, daß er lange verhalte», durch di« Eoufeqnevz de« Prinzip« gewaltsam unterdrückt, die Gelegenheit denutzt oder „vom Zaun bricht", um sich Luft zu mache». Hermann Wagner — Richard Wagner; Bruillot'» „Univer«" — Gambetta'« „Repudlique franyaise", um von Ramen au« der vorige» Generation, rechten «ad linke« Ha man«, zu schweigen, beweise» da«. Die „Judependance velge" fiel wüthend über da« Gutachten und seinen Verfasser her.*) Astruc antwortete mit *) Zit teMesseNdm Artikel der „KW. velge" lieg» mW erst jetzt z» Um „AMHim«" mW „tfam. IM." »örtlich Mt; st» »arm mW |«t Heit «hre« Erscheinen« (38., 30. gam. 3. Fedr.) nicht Pwänglich ttmtu hm, «w «och km lal^fx in dentschrn vtiluem. »«lch» mW nngwer- Mt^ ttUUmm. gmw» ak MM ImkMm »•Im. Ruhe und Würde. Die Judependance replicirte sehr zahm, schwach; die Partie war gewonnen. Ein nähere« Eingehen auf diese Polemik ist nicht nölhig, da e« sich hier nicht um einen Bericht über dieselbe, sondern um die Sache, die Frag« selbst handelt. Wir geben also nur einige Proben und Andeutungen, und den Schlußsatz der Astruc'schen Erwiderung Der Ausfall der Jndepeudance war eine Kette von Uebertreiknigeu und Sophismen gewesen. Da« bürgerliche Gesetz, hicß e« da, müßte sich also jedem willkürlichen Brauch«, jedem Einfalle, jeder Phantasterei der religiösen Genossenschaften fügen. Um der EultuSsreiheit willen niüßt« man, wenn e« Quäker und Mohammedaner in Belgien gäbe, jenen den Kriegsdienst erlassen, diesen die Polygamie gestatten. — Jede« Kind weiß und sieht, wie leicht gerade nach diesen beiden Beispielen die Antwort in Beziehung auf die Juden zu geben war, da wir ebensowenig Krieg«dienst, etwa am Sabbath, verweigern, wie wir Gestaltung der Poly - gamie verlangen. — Dann geht e« an die Person de« Herrn Astruc. Derselbe, heißt e«, ist „ein au«gezeichneter, sehr gelehrter Mann, sicherlich liberal gesinnt, nicht engherzig, sogar gewissermaßen sozusagen tolerant; aber er ist Rabbiner, d. h. Priester. Und Priester, da» heißt soviel al« kirchlich«, sektireriiche, Neritale Gesinnung, Absonderung nnd Ausschließung, Geringschätzung. Verachtung und Zurückstoßung anderer Sekten, und obendrein die Prätention, dem bürgerlichen Gesetze die Lehre und die Willkür der Gruppe, welche diese beschräukte und schroffe Gelinnung beseelt, auszuerlegeu.*) Endlich kommt die Judependance an die Jude» überhaupt, spricht von der Kreuzigung Jesu und «eiul: weun ihr also im Grabe für euch bleiben wollt, warum daun nicht im Leben i» «ine» Ghetto? Wenn ihr an Symbolen eure« fremden Eultu« Anstoß nehmt, warum sollen dann die Katholiken nicht an eurer Person, a» eurer Existenz Anstoß nehmen, und nicht nur von den tobten, sondern, wie ehedem, auch von den lebendige» J-rarliten getrennt sein wollen? Haben wir über da« durchbrechend« Feuer zu viel gesagt? Wird man solch».« Unsinn widerlegen? Astruc thut die» auch nicht. (Schluß folgt.) Berichte und Correspoadeuzen. Deutschland. Frankfurt».M., 16.Febr. Die amtliche» Protokoll« der im vorigen Oktober, unter dem Vorsitz« de« LuterrichtSmini-erS gehaltenen Eouferenz über die Umgestaltung de« höher» Schulwesen» sind immerhin al« Material für die künftig« Unter» richtSgesetzgebung zu betrachten. Bon besonderem Interesse sind die Fragen über die Lonfesfioaalftät und de» Religionsunterricht ia den höheren Schulen. Ein« merkwürdige und schon früher besprochene Anomalie der Verhandlungen war die Frage wegen Anftellung jüdischer Lehrer an de» in Red« stehenden Lehranstalten, wobei wir alle veralteten Ansichten *) vetzr treffend und richtig kemerkt „Und». J«r." |a diesem al» derne« nnd «ildrn Nnlsalle: „Alsa der Hirt» einer s» »inz>>m Heerde »i» seine Lehr« und seine» SiUm der ganz«, kwhMischen Aatia» de« Lande« «uftvingmt Utens» könnte» »ir nn» de» Nrtiketschreider dm „3»k«tmk.- fern: „Ihr seid SiderUe. nnd lideral heißt MMM, nnd da« heißt soviel «U Materialist. Atheist. lomeannard, Petralenr, Apastel dm »iiter. nnd «etder-Oemeinschaft, Sanarnletk», Anhänger dm tine in Pmnrnmz."