Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 11. -1874. _ IsrsrlilisHr ^Jahrgang. Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthumö. «Schentl. 1—1»/, Vo«es. Prel» {im(. „|üfc. LiterLturdl.-rr»Sgr. viertel« fährt. vel alles P»ftä»tern u. Vuchhandlusgen. Lirert« Zujesdsno: tn Deutschland 1" «ark. mach Oesterreich L ß, s. Frankreich 1« Areä.. «. >«ertke fährt. präsumerssvo. Expetzttlvs der I»r. Wochenschrift in Vkagdedsrg Berannvocilicher Redakteur und ^tuusgroec Rabbiner I)r. Ä. Treuenfels in Stettin. -- Magdeburg, 12. März. Anse ra te »erden mit % Sgr. für die dretaefpsttene Petitzelle oder deren Raum berechnet. V«t Sicderhalusgen Rabatt. — Die bis Sonntag früh bet der Expedition in «agdedurg eistreffendes finden in der nächsten Nummer Aufnahme. Aür den Vuchhandet: Robert Aries« in Leipzig. Inhalt. Leitrad« Artikel: (ScabstStte und Bearödniß — Bericht« und Correspanoe«»«» r Deutschland: Frankfurt».M. Hamburg. Hamburg. — Oesterreich: Nrakau. — (Großbritannien: London. — Dänemark: Kopenhagen. — Itordamerika: Remfort. rreio-Aork. Shicago. Philadelphia. — vermischte und neuest« Nachrichten, Berlin. Beuihen. Dretden. Metz. Baja. ZSien. London Lonoon. — Aeuilleto« r Eine originelle «läge Gut abgesertigt. — Inserat«. Grabstätte und Vegräbnist. Die« ist di« Lehre: wenn ein Mensch stirbt... 4. B. Mos. IS. t«. In den Leitarlikeln der beiden vorigen Nummern haben «n» TageSfragen und Zeilereignisse ungesuchte Anknüpfung an die beiden ersten der „vier Parschioth" geboten DaS Gleiche gilt heule in Beziehung auf die dritte, auf die w r für bibrlkundige Leier durch da« Motto hindenten wollten. E» ist ja wohl recht eigentlich die Aufgabe der Leitartikel» einer jüdischen Zeitschrift, Neueste-, das Interesse deS Publikumfür de» Augenblick Anregende- — mit mehr oder »linder strenger Ausschließung der rein politischen Fragen und Ereiguisse — an da- Alle anzuknüpscn, im Lichte de- Judenthum». deS ToraworleS oder alter Weirheit zu betrachten, und wiederum da- Alte aufzufrischen und inr daS Zeilbewußtsein neu zu beleben, indci» e» auf da- Neue angcioendel wird ZeitungSarlikel, oificiöser oder privater Natur, haben schon mehrmal» daraus hiugewiesen, daß die neue Gesetzgeb»ng über da- Berhältniß von Kirche und Staat auch die Frage von den Grabstätten in- Auge zu fassen habe uud da- Beerdigung-wrsen nicht mehr de» kirchlichen Genoffeuschasien und Behörden ganz überlassen köune. Ohne diese neue Gesetzgebung abzuivarten, hat mau bereitin einigen, aber wohl nur erst sehr wenigen, Städten in Deutschland consesstonslose Friedhöse eingerichtet, welche odne Unterschied die Leichen der Bekenner (oder Nichtbekenner) der verschiedeuen Religionen anfnrhnlen sollen. Daniil sind natürlich Communalfriebhöse, welche den einzelnen Konfessionen besondere Abtheilungen zuweisen, nicht zu verwechseln. Da nun dir Erfahrung im Inland« uns kein Material zur Benrlheilung der Frage an die Hand girbl, da iir Deutschland namenllich die Juden überall — wieder mit Ausnahme sehr weniger Orte und Fälle — nur ihre gesonderten, auf eigene Kosten 'angelegten Friedhöfe besitzen und denutzen, so niüffen wir uns u^rch den Ländern Umsehen, in denen die Sache durch Gesetz und Herkommen ander» geregelt ist. Ueber chie betreffe uv«» I Zustände in Frankreich und insbesondere in Paris hat »»iser > Blatt kürzlich (Nr. 45 v. I) «ine authentische Darstellung a»S der Feder de» Herrn Oberrabbiner» Kahn tn Pari» gebracht; wir verweisen ans dieselbe. In Belgien gebt >:»nn eben dainit um, die Angelegenheit neu zu gestalten. Die Liberalen wollen, daß Eommunal-Friedhöse, und nur solche, eingerichtet werden, auf denen die Tobten ohne jede Sonderung »ach und ohne jede Rücksicht auf consessionelle Unterschiede der Reihe nach begraben werden. Die Klerikalen bekämpfe» natürlich diese» Projekt mit Erbitterung. Die Klerikalen, — allerdings sind e» sicherlich nicht diese allein; aber in Belgien stehen einander nur diese zwei Parteien gegenüber; wa« nicht mit den Liberalen (die man aber hier zu Lande Radikale nennen würde) gehr, muß sich zu ten Klerikalen zähle» laffen; c» giebt keine drille, keine Mtttelpartei. Und die Juten? Ihre Zahl ist in Belgien ganz verschwindend klein, beträgt etwa 5000 Seelen, e» existirt nur eine größere Gemeinde und ein Rabbiner, in Brüssel. Escheint unmöglich, baß diese- „Stäubchen auf der Wage" niiigewoge», in Erwägung gezogen werden könne, und doch ist das i» bedeutungsvoller Weise geschehen; es ist eine wahre Verherrlichung unsere» Glauben- und uuserer religiösen Einrichtungen. Natürlich auch eine hohe Ehre und ein anerkei'neilSwerthc« Berdienst für Herrn Oberrabbiner Astruc. Erkennen wir eS aber auch an, daß man ,'S i» Belgien für nöthig erachtet hat, den Rabbiner üb»r die Angelegenheit zu hören und fein Votum wohl zu beachten; es geschieht das bekanntlich nicht überall, auch da nicht, wo die Zahl der Juden nicht so unbedeutend ist, und wo ihre Slcuern zur Eommunalkaffe, um die eS sich jn hier Handels, einen recht erheblichen Prozentsatz ausmachen. Nach dem, wa» über die Stellung der Parteien in Belgien gesagt und ohnehin jede», Zeitungsleser seil Jahrzehnten bekannt ist, begreift man leicht, wie heikel die Frage und die Sachlage für Hrn. Astruc sein mußte. Klerikal oder liberal? Mit jenen kann der Israelit nicht gehen, mit diesen in vorliegender Frage nicht stinlmen. Aber „die Wahrheit macht sich den Weg." Der Minister har alj» von Hrn. Astruc ein Gutachten übe»