Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 80 — gesonnte, Fände» ptt Erricht»«- eine» sogenannten „Rabbi- SeminarinmS" ohne Einwilligung und Befragung der einen, d. i. der orthodoxen Confessio« beabsichtigt wirv Da» Reiultat dieser Jnirrpellation ist un» noch nicht bekannt. Et ist aber bezeichnend genug, wie ein ungarischer Deputirter von den „zwei Confessionen" al» feststehende Thalsache redet. Italien. Ro». „Educatore" und „Lorriere iSr." veröffentlichen zwei vom Senator Musio ihnen bereitwilligst zur Verfügung gestellte Briefe, die wir hier in getreuer Uebersetzuug wiedrrgeben: Bom Eentral-Comite der „Alliance isr. universelle/ Pari», den 16. December 1873. Unsere Glaubensgenossen in Italien berichten un» von allen Seiten über Ihre <dte Intervention zu ihreit Gunsten i» einer kürzlich angeregten Polemik über das Thema der rventuelleu Berufung eine» Israeliten zum Amte eiue» Minister». Mil bejouverer Aufmerksamkeit, der das Gefühl der Erkeuutlichkeit sich beigesillle, hat das Central-Comite die Broschüre gelesen, die Ew. Wohlgeb. unter dem Titel „Uebcr die Frage: «an» ein Jude Minister sein?" veröffentlicht haben. Dasselbe war tief gerührt von dieser liberalen Vertheihiguugsjchrifl, der Ihre Erfahrung uud der Adel Ihrer Gefühle rin ganz besonderes Gewicht verlecheu, und iudem r» verordnete, daß diese» Wert im Archiv der Alliance aufdewahtt «erde, hat eS mich beauftragt, Ew. Wohlgedoren im Namen desselben de« Ausdruck jemer warmen und tiefgefühlte» Dankbarkeit eulgegenzubruigen. Gtnchmlge« Eie rc. die Versicherung unserer Hochachtung. Für da» Eenlrat-ConiUe Cremieux, Präsident. An E«. Wohlgeboren den Senator Herru Giuseppe Musio. Antwort de» Senator» Mnsio. Rom, 18. Januar 1874. Hochgeehrter Herr! Erst vorgestern erhielt ich in liebenswürdiger und zugleich feierlicher Weife von den Hrn. Radb. I)r. Sam. ToScano, Armand Levy und Dr. Guifeppe della Sella Ihr Schreiben vom 16. Der., mit dem Ew Hochwohlged. im Rainen der Alliance isr. universelle mich zu beehren die Gewogenheit Hallen. Mir Bedauern muß ich bemerken, daß zwischen Ihrem Brief und dem meinigen ein Monat verstriche» ist, und wen» meine Verzögerung nicht eiue unfreiwilllge gewesen wäre, so hätte mein Llillichweigen Jedein al» eine unverzeihliche Unhöstlchkeil erschetne» muffen. Aber indem ich mich darauf berufe, daß ich beinahe eben erst Ihr Schreideir erhalle» habe, gebe ich mich der beruhigenden Zuversicht hi», weder al» unpünklitch noch auch als uuerkenullich zu ericheinen. Da ich alle Menschen als Brüder betrachte und an die Einheit de» Menschengeschlechtes glaube, so habe ich nichtandere» gethan, als eine h.tlige Psiicht erfüllt, iitdem ich für den edlen Stamm Israel'» da» allgemeine Menschenrecht in Anspruch nahur. Ich hätte c» bester machen können! Aber bei meiner Abgeschlossenheit von der Wett und dem Mangel an Büchern konnten die «raste meine» Geistes, der seiner Hilfsmittel beraubt war, nicht die G-fühle des von wahrem Eifer überströmenden Herzenerttiprechend wievergeben Rur auf meinen guten Wlllen kamt ich mit Selbstd.wußtsein Hinweisen, und dies um so nrehr, al» ich den» Verdienste meine» armseligen Schriftchen» die Belhätiguug hochherziger Gesinnung und die besonderen mir zu T^eil gewordenen Ehrenbezeugungen von Selten der wohllüblichen Alliance verdanke, die sich rühmen darf, von Ew. Hoch wohlgedoren in würdiger Weise präsivirt zu werden. Dreier Tage wurde mir da» Programm, dessen Verwirklichung die Alliance anstrebt, gütigst übermittelt, und kaum hatte ich «» gelesen, so mußt« ich mit unbeschreiblicher Freude l . auSrusea, daß nunmehr di« letzte Stund« jen«r graifffp, «st» tela'.terlichen Vornrthcile geschlagen habe, die zum Ziest nicht zu rechtfertigender, schrecklicher Unmenschlichkeitc» eiue« Thetl der menschlichen Famiile gemacht habe», der ^»i! bcm Evangelium der Geschichte in der Hand zur ganzen Welt spreche, dürfe. „Beispiellos war mein Martyrium, aber größer noch mein Heroi-muS." Genehmigen Sie rc. den Ausdruck ehrfurchtsvoller Ergebenheit. Nkomäuleu. T. Verlad, 17. Februar. Ein Telegramm der „N. Fr Pr/ meldet an» Bukarest. „Die Abgeordnetenkammer hat in der Sitzung vom 14. Februar ein Gesetz angenommen, welche» den landeSangehörigen Israeliten die «ommunal-Wahlrechte verlrcht. — Die Vorstellungen der verschiedenen jüdischen «örperschaften sind also doch nicht resultatlo» geblieben/ (Auch englische Blätter dringen ähnliche Telegramme. Red.) Thetlen Sie Ihren Lesern mit, daß diese Nachricht, daß der fragliche Beschluß nicht viel mehr a!» Humbug ist, daß Europa dadurch Sand in die Augen gestreut werden soll. Der § 26 de» Code cotninunal von 1864 sagt: Die Rumänischen Juden (Israeliti Indigeni) haben da» Eommunalrecht, ebenso diejenigen, welche den Doclor- oder einen Officiergrad in der Armee erlangt haben Dieser Paragraph ist unverändert geblieben, und da nach dem 8 7 de» Gesetze» von 1866, also eines späteren — e» kein« rumänischen Jude» gebe» soll, so bleibt e» wie bisher der Willkühr und der verschiedenen Ansicht der Primarien und Tribunale, welche bisher auch jüdisch« inländische Aerzte vom Bürgerrechte au»geschloffen haben, aaheimgegeben. Ebenso ist e» in Hinsicht auf Grnnderwerb, e< ist nicht» Zuverlässige» gewährt. Die Negierung hatte eine Abänderung de» 8 26 vorgeschlagen, die Kammer hat e» abgelehnt. (Wir berichtigen hier unsere Bcrmuthung in Rr. 8 unter Bukarest. Die Petition de» Verein» „Zion" ist nicht nur nicht identisch mit der dem Fürsten überreichten, sondern e» sind die» einander entgegengesetzte — Jntriguen. Soviel deuten wir für heute an. Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Der Kaiser hat dem Centralausschuß für innere Mission für dieses Jahr einen Beitrag von 1500 Thaler bewilligt. (Vrgl. Leitartikel.) — Die „Germania" bringt folgend« „eutsotzliche" Rachricht: Wie wir vernehmen, ist einem hiesigen jüdischen Doctcr die Concession zur Etablirung einer Privatschul« bewilligt worden, ii» welche er Kinder ohne Unterschied der Confessio», also auch katholische und evangelische, aufnehm«» darf. Leipzig. Im veriloflenen Jahre kämm au» der hiesigen Mendelssohn-Stiftung (zur Unterstützung unbemittelter Studirenden an höheren Bildungsanstalten oder durch Prtvatstudien für die schönen Künste sich ausbidender jungm Leute) 785 Thaler zur Vertheilung. Der Stiftungsfond» hat jetzt ein Vermögen von 4462 Thaler. Württemberg. Der pensionirte Rabbiner H. Berlinger in Berlingen, ist am 2. Sokbar gestorben. Neben seiner tal» mudischen Gelehrsamkeit werden an ihm Rechtschaffenheit und Leutseligkeit, Demuth und Anspruchlosigkeit gerühmt. Dschantowrr Am 31. Dezember v. I. wurde in Dschawtower im Hause des Herm Jakob Basch ein arme» Waisenmädchen, welche» von genanntem Herm auSgestattet wurde,, verheiralhet. Solche edle Thatsachen komme» oft vor; aber zu den Seltenheitm gehört es, daß ein Mann 16 Waisemnädchen verheirathete, uud da» that Herr Basch I (Pesth. jüd. Z.) Belsott. Der Rabbiner M Lehmann hat seine golden« Hvchzeü gefeiert, er ist feit 45 Jahren hier im Dienst«. .Hie^