Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Feier trug nach dem Wunsche de» Rabbiner» durchaus den Charakter einer häuslichen, doch brachte die Lyrs Belfortaine ein Ständchen, und ein großer Theil der Bevölkerung nahm herzlichen Antheil. Rotterdam. Dahiesige Taubstummeuinstitut hat seinen 21. Jahresbericht veröffentlicht. Die unter Leitung de» Dr. Hirsch, eine» Israeliten, stehende Anstalt ist ihren Erfolgen nach ttne der bedeutendsten in der Welt. Sie in für Zöglinge aller Confessionen bestimmt und zählt 9 jüdische. (I. Ehr.) ftlfton. Von Charles Beke, der, wie früher mitgetheilt, die Lage de» Berge» Sinai richtiger bestimmen zu müffen glaubt und daher eine Reise dahin unternommen Hot, ist folgende» Programm au» Suez vom 16. Februar einge- Sngcn: Glücklich hier angelangt, alle» wohl. Es ist mir gengen, den richtigen Berg Sinai jenseits Ataba zu entdecken und seinen Gipfel zu besteigen. Die Araber nennen den Berg Gebel en-Nur (Berg de» Feuer») und sagen, daß Gott auf ihm zu Mo e» redete. Da» Telegramm ist an die Gcttin Bete'» in London gerichtet. Ein Reuter'sche» von demselben Datum au» Kairo meldet daffelbe mit dem Zusätze, daß der Berg 5000 Fuß hoch sei, und daß Beke auf dem Gipfel Ueberreste von Lpferthieren (?) gefunden habe. Eonstnntitotzrl. Der „Levant Heralii" widmet der Hirsch'fchen Stiftung einen längeren, im I. Chr. abgedruckten Artikel. E» ist auffallend, daß in demselben von Anfang bi» zum Ende immer von der von Frau Clara v. Hirsch geschenkten Million die Rede ist. Da» ist nun freilich, wie unser« Leser au» dem früher wörtlich mitge.heilten Briese wissen, nicht richtig, aber e» ist auch wohl nicht aus der Luft gegriffen, und eine Absicht läßt sich doch nicht vermuthen. Wie dem sei — alt jüdischem Brauch und alt jüdi>cher Courtoifie oder Familiensitte entspricht e» ja erst recht, bei und auf Gaben und Spenden den Namen der Ehegattin milzusetzen und zu «innen. Zeuge ist jede» Synagogen-Parament ander früherm Zeft. So werde denn hier der Name der Frau Clara v. .Hirsch „zum Guten mitgenannt" Algier. Da» Journal von „Rlidah Tella berichtet; „Unter der mili airpflichligen Claffe von 1873 find hier neun Israeliten; e» ist nicht unnütz, ihren Verläumdern zu sagen, daß fünf von ihnen französisch lesen und schreiben können. Da» ist ein Verhältniß, welchemanche Departement» in Frankreich selbst noch nicht haben erreichen können" Feuilleton. Meier Hirsch. (Schluß.) Diesen wenigen, nach knrze» Besuchen ski,zielen Schilderungen möge sich endlich noch die schlichte Erzählung anschließen, die ich einer Dame verdanke, welche den BedauernSwerihe» mit menschenfreundlicher Theilnahme viele Jahre hindurch zu beobachten Gelegenheit hatte. Auf meine Bitte um Mitiheiittng ihrer Wahrnehmungen schrieb sie mir vor bereit» längerrr Zeft: „Alt im Jahre I83S meine Mutter da» Hau« Wallstratzk Nr. 73 käuflich übernommen hatte, wohnte daselbst in de» Etage dir verwittwet» Buchhalter S., bei der Meier Hirsch sich al» Pensionär befand. Einige Jahre später verstarb diese seine Pflegerin, und e» sollte ihm «in andere» Unterkommen beschafft werden. Da man un» aber sagte, Meter Hirsch sei schwer zu bewegen, da« Hau« zu verlassen, so rkchiete meine Mutter für di« Hinterbliebenen seiner bi»« hertgen Wtrthiu eine Wohnung in der dritten Etage, ein und er dqog in derselben ein« freundlich« Stube, um. wie wir ihm wünschten, tu gewohnter Ruh« weiter leben zu können. f*r fnttr tiatabfrmttaaF trowng mm», srmr um, in titln Hinsicht nuredlichen Pfleger hielten ihn schlecht. und nur au» Veranlassung einer in stet Wchnung wegen Diebehehlerei nokhmenvig gewordenen Kriminalrecherche wurde er ihren Händen wieder entzogen. E» war etwa zu Anfang de» Jahre» 1843, al» der Knminalkommiffariu» Herr v. P. sich an meine Mutter mit der Bitte wendete, die augenblickliche Fürsorge für den in unsercnl Hanse aufgefundenen Meier Hirsch so laiige zu übernehmen, bi» derselbe einer öffentlichen Anstalt übergeben, oder anderweitig für sein Unterkommen gesorgt sein würde. Die Bitten des Beamten, der früher Arlillerie-Oifizier gewesen und Meier Hirsch al» seinen Lehrer hochschätzte, waren so eindringlich und rührend, daß sie gern gewährt wurden. Alsbald wurde auch ermittelt, daß der Verleger der Werke Meier Hirsch'», Herr Kommerzienra.h Carl Duncker, bisher die Pflegekosten >ür ihn gezahlt Hab« und auch ferner zu zahlen gern berei. fei, und daß auch seine Neffen, die Kaufleuie H. und D. S., zu ,edem Beitrage bereitwillig wären. — Der so erbarmenswerth Vernachlässigte wurde nunmehr unser Pflegebefohlener. Es wurde ihm in der zwei.m Etage ein Zimmer eingerichtet, da» er bi» zu seinem Tode nicht wieder verließ, und nach einiger Zett hatten wir die Befriedigung, ihn zo zu sagen erwachen zu sehen. Er wurde ausuierk,am auf da», wa» um ihn vorging, sprach, wenn auch nur in kurzen Wor en, mit der Auswär erin und un», die wir ihm dann und wann Ersriichungen, Blunien brachten, und äußer e endlich da» Verlangen nach Lettüre, so daß, da er viel und wählerisch la», in der Fernbachschen Leihbibliothek ein Abonnemen. auf sranzösi,che und deutsche Bücher sllr ihn besorgt werden mußte. Am meisten la» er neuere französische Schriftsteller, doch wies er George Sand mit Widerwillen zurück Sein Lieblingsschriftsteller war Moliäre, au» deffen Werten er nicht selten einzelne Stellen mic salyrischer Beziehung auf seine Umgebung rezitirle, und die er, wie Voltaire'» Henriade of. zur Hand nahm, wenn die Fortsetzung eine» begonnenen Buche» nicht zu deichaffen war. Auch in der „Vosfiichen Zeitung", die er täglich erhielt, la» er fast ausschließlich nur technische wiffenfchaftliche Artikel, politische interessirten ihn nicht, es sei denn, daß sie Napoleon betrafen, deffen kleine in seinem Zimmer befindliche Gipssigur er gern bettach ete. Für alle übr.gen Verhältnisse und Bedingungen de» Leben», selbst sür die allergewühnlichsten und nothwendigsten, hatte er nicht da» geringste Interesse und Verständniß. Gegen Besuche war er stumpf und apathisch, er blieb stet» in halb liegender Situa.ion, da sein Fußübel keine feste Bekleidung ertrug und nur die los« Hülle einer Decke gestattete. — Am 31. August 1850 wurde der Greis von einem leichten Schlaganfalle betroffen, von dem er sich bald wieder erholte, obwohl er jeden Beistand unsere» Arzte» eigensinnig abwie». Die einzig«'Person, von der er ärztliche Pflege an seinem Fußübel lange Jahre stillschweigend duldete, war der Bartier. — Am 10. Februar 1851 wiederhol e sich der Schlaganfall, diesmal stärker al» zuvor, und wieder wie» er jeden ärztlichen Beistand zurück und verschied nach hinzugetretenem Lungenschlage am folgenden Tage, den 11. Februar. Seine Beerdigung am 13. Februar auf dem jüdischen Friedhofe fand nicht die gebührende Theilnahme oder Beachtung. Er war den Aettgrnvffrn seir Jahrzehnten abgestorben." Sein Grabstein hat die Inschrift: Hier ruhet vr. Meier Hirsch, geboren in Friesack, grst. am 11. Februar 1851 im Aller von 80 Jahren. Da» Endlich« berechnend unermüdlich Mit hellem Geist in langer Lebenszeit Ging er hinüber sinnend, still und friedlich Zum Reich« der Unendlichkeit. Leider ist diese Inschrift mehr schön al» wahr. Die lan>^ Lebenszeit war nicht von helle« Geist erlench.et. Und so ch ' 3HÄ prr EST diese» »«Mlchtete» Mali selbst am 1 Grad« di« richtig« Lösung nicht gefunden worden.