Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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78 > durch auf sie «inzuwirken suchten, daß sie ihnen vorpredigten, man müsse Vater und Mutter erlassen und seinem Hella,iv Nachfolgen. Die Mädchen wären auch geblieben, aber Vr. Lewin bestand energisch auf di« Ausführung des mütterlichen Will«»«, und so muß.«» sie mit ihn» zuheu, jedoch nicht ohne daß chnrn die Brüder und Schwestern i» Christo nachriese»: „©leibt nicht bei den Juden!" — Die Linder sind nun hier bei Herrn Dr. Le min, wo sie vorläufig bleiben werden! Was die elende Seelcuretterei in so kurzer Zeit aus einem Linde zu niachen versieh!, da« mögen folgende Thalsachc» lehren. Maria Perez, die vor 5'/, Jahren „ach Reuendeltelsau al« Judeumädchen kam, ist heule eine fanalische Pietislii., die andere Christen bedauert die Juden aber verachier. Ten ganzen Tag deiet sie um Slandhasiigkeit. liest in der Bibel oder seuszr zu ihrem „S.eleilbräut:ga»>." Das Verrückt« sie aber .st, dag Maria sich in den Kopf gesetzt hat, den Rabbiner Dr. Lewin zu bekehre». Trotz ihrer iiiaiigelhafeen Leu»initz der deuischen Sprache knüpft sie Religions-Gespräche mit ihm an und legt ihm insgeheim hölzerne Cruz,fixe und Traktätchen aus sein Schreibpnlr, die sie von Reuendeltelsau mitgedracht. Rur di« Zeit kann wieder gut machen, was pfasfi sch« Verranniheit an diesem Linde gesündigt har. Dulha dagegen ist noch zu sehr Aind; sie giebl sich wtll,g dem Guiusse der erlangten Kreih.it hin und scheint sich n>ch, sonderlich n..ch Reuendeltelsau zurückzusehuen. Pikant ist »och, daß der Bruder der Mädchen, deffen „Bekehrung" den Seelenrettern gewiß ein hübjch.s Siuck Geld gekostet hat, inzwischen eine Jüdin geheirathet Hai und wieder zunt Judenlhui» zurückgelreten ist. München. In Betreff der Aussicht über die israelitischen Schulen, speciell über den Religionsunterricht ist nachstehender Allerhöchster Erlaß ergangen: „Auf den Bericht voui 26. v. MlS. wird der königl. Regierung Nachstehendes erwidert: Die Rabbiner zu Ajchaffenburg, Li,'singen, Litzingen und Würzburg haben in der im Duplikate auruhend zurncksolgenden Vorstellung den molioirten Antrag eingebrachl, eS möchte ausgesprochen werden, daß den Districtsfchulinspecloren rin Recht zur Prüsuug au» der israelitischen Religionslehre nicht zustehe, und daß diese Prüfung lediglich von den Raddluern vorzunehmen sei. Bei der Würdigung dieses Antrags utüffe» zwei Gesichispunkte in« Luge gefaßt werden, nämlich einmal der, daß der religiöse VolkSunterricht zu den inneren Arrchenaugelegenheiten zähet, deren Ordnung verflffungSmäßig unter Vorbehalt der oberste» Slaaltaufsicht den recipirten Lircheugejellschasle» anheiinggeben ist, dann aber auch der, daß der Religio,lSunterrichl nach den bestehenden Cincichlungen einen obligaten Lehrgegenstand in der deutschen Voltsschule bildet. Hieraus ergeben sich von selbst die Grundsätze, welche bereite in dem Rormalioe vom 28. Januar 1828, den Religionsunterricht der jüdischen Jugend betreff.no, Ausdruck gesunden habe», indem daselbst in den Acllkeln IX. und X. ougeorbnel ist. Art. IX. Die Rabbiner haben fortwährende Aufsicht über den Unterricht der israelitischen Religion zu fuhren, wahrgenommen« Mängel abzuhrlfen oder solche anzeigeu. Di« Schu.inspectoren und Poliz-ibehörden haben auf Einhaltung der Ordnung zu sehen. Art. X. Jährlich sind Prüfungen in der israelitischen Religion, welchen sich auch di« durch Hauslehrer Unterichtelen zu uiuersll'llen haben, in Gegenwart der Schuliusp. klaren und Radbiiier vorzumhmen. Dies« Bestimmungen haben bis zu einer anderweitigen Regelung der für sie maßgebenden Grundlagen Anspruch aus fortdauernde Geltung. UedrigenL ist bei dem Vollzüge darauf zu achten, daß jeder Grund zu einer Beschwerde wegen Beeinlrächtigung der vtm der Verfassung gewährleisteten Gewissensfreiheit fern« gehalten werde. Es ist mitbin die Vornahme der Prüfung au« der israelitischen ReligionSlrhre in den Elementarwie ReligiouSschulen dem Rabbiner zu überlassen Der Milan« wesende, von der Regierung bestellte Schult,ispector hat sich hieran nur insoweil zu detheilige», als die» für eine gründliche Jnforuieilion über den Stand der Schule eiforderlich und andererseits möglich ist, ohne selbst in das rein kirchlich« Gebiet eiiiziigreisen. Derselbe hat demnach sein Augenmerk zunächst ans jene Punkle zu richle», welche, wie z. B. die Lehrme.hoo« des Leh- - rers im Allgeuieinen, die Einhaltung de» Lehrpläne», die H»lbhabiing der Schu'znchl, die Befolgung der hygienischen Vorsh>i,ten u. s. w. vom Staiidpunkle der Schulaufsicht in Betracht komme» und »nch bei jeder Prüfung in den Kreis der Couirole gezogen werden könneir, ohne daß hierbei an sich ein Eingehen auf den sachlichen Theil des Prüfungsgegenstanoes iiolhwenoig erscheint. Hiernach ist von der königl. Regierung, Kammer de« Innern, an die Schulbehörde» und Rabbinale bas Weitere zu versügen. München, lv. Der. 1873. Aus Seiner Königlichen Majestät Allerhöchsten Befehl. Dr. von Lutz. Oesterreich. Wien. Dem einunLöreißigste» J ihresbericht. für 1873 der Vereins zur Besörderung der Handwerke unter de» österreichischen Israeliten enlnehmen wir folgende Daten: Die Zahl der uiuer dem Schntze des Vereins gestandene» Zöglinge betrug 346, von denen 55 als Gehülfen abgeschrieben wurden und 67 das Handwerk wieder verließ«'». Reu ansgeuoinmc» wurden 102. Die Zöglinge gehören, wie iuimer, den verschiedenen Kroniändern, einschließlich Ungarn an, nur 10 sind aus Wie». Zum erstenmal feit dem Bestehen de» Vereins hat die Zahl der Mitglieder und der Jahresbeiträge abgeilommeu (593 gegen 600 Mitgl. 5094 st. gegen 5199 fl in 1872) ebenso die Spende», wa« in de« .iUvekaiinlen Verhältniffen genügende Erklärung findet, doch ist der Ausfall der Gesaminteiaiiahme ein kauin nennenSwerlher. Auch erhielt der Verein eia Legat des fei. Herrn Mor. v. Tedeeco von 5000 fl. — Die Lehrlinge gehören 29 verschieoeiien Handwerke» an, doch ist kein Schneider darunter (statutarisch ausgeschlossen?), auch kein Maurer und kein Zimmer« mann. — (Ein Freund, der diese Liste bei uu» zu Gesicht« bekam, meinte, unsre Leute »leide» doch die gefahrdrohenden Handwerke. Wir g >be„ ihm jedoch zn bedenken, daß die Zögling« r deS Vereins natürlich sämmtlich arm seien, daß ein Maurer oder Zimmer,na,in, um selbstständig«!: Meister und Bauherr zn werden, ganz bedeutende Gelvmiitel bedürfe, wa» bei andern Handwerken nicht der Fall sei. Jauner abhängig, immer Geselle bleiben wollen, liege allrving« u,chl in des Israeliten Art, und das find.» wir in guter Ordnung. Aus demselben Grunde nlag sich auch in der Liste kein Buchdrucker finden.) AnS Ungarn, 11. Februar. (Or.-Corr) Den 3. und 4. d. MlS. tagte in Pest die „itänbtge Commissiou", welch« vom Cultusminister zu dem B.hufe ernanul wurde, die nölhigeu Vordereilungen zur Jnsl.be „ruiung der Rabbinerdil» dungsschule in Pest zu veramass.n. Die „ständige Commission" beschäftigte sich diesmal ernst uiil der fraglichen Angelegenheit uilv nahm die Berichte der bereit« in» Rooeuiber get wählten Subcomite'S entgegen In Betreff de« A»kauf« eine» geeigileten Baugrundes ist es dem Comite gelungen, einen geeigneten Bauplatz zu ermitteln und den Kaufjchilling nit Vocb.halt der Bestätigung der ständigen Commission und de« Ministeriunis sestzusctzen. Die Commissiou nahni in der Plenaisitzung den Alltrag de« Coinile'S ohne Anstand an, und somit wurde rin Baugrund um circa Fl. 48,000 für da« Seminar und die Piäparandie erworben. Weit mehr nahm die Commission der Bericht de« Fachcomite's in Anspruch über die von dr« CommisssonSmilgUe» der« vorgeschlagrne« Candidate» für die zu besetzende» j^tzr-