Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ffft (bfi diesem auch der Name) von Grund au« altgerma, «tsch, soiidern der ganze Heiligrncultu«, der Aberglaube jeder Art, ist notorisch dadurch entstanden, daß man di« alten Götter, die Heroen, di« (Sult«»* und BolkSgrbräuche in christliche Heilige, Feste, EultuSbräuche umprägte. Alle« Verderbte und verderbliche, alle» Verkehrte und di« Geister Verkehrende ist einzig und allein dadurch «ingedrungen, daß man nur auf die Menge der Bekehrten Gewicht gelegt, auf die Qualität der velebrung wenig geachtet hat. Daß die heutigen Heidenmissionäre e« noch genau eben so machen, wa« da» für rin Lhristenthum ist, welche« sie den Halbwilden deibringeu, da« lesen wir ja oft genug in den Berichten Reisender, aber auch in denen der bornirten Sendboten solbst. Wie ist möglich, daß ein Mann, wie M. Müller, derartige Dinge, die doch im protestantischen Deutschland sozusagen allbekannt und in hundert Schriften eingehend besprochen find, übersehen, vergessen konnte? Sann man ihn wohl ganz von dem Verdachte frei sprechen, daß e« ihm ein wenig um den Beifall der englischen Missionlzenosien zu thun gewesen ist? — Oder ist'« doch da« alt« vorgefaßte Unheil? Bei einem so durch und durch kritischen, besonder» auch in religiöser Beziehung freisinnigen Manne?! Wie sagt aber doch der Talmud? „Wirf den Stock in die Luft, er fällt doch wieder auf den Boden." Der bös« Talmud! Berichte und Correspondeazeu. D-«tschla»d. Stettin. (Notizen zur Tage«geschichte.) Ludwig Büchner, der Verfasser de« einst vielgenannten Buche« „Kraft und Stoff", hat im »origen Herbste Vorlesungen in Nordamerika gehalten und seinen wüsten Materiali«mu» gepredigt. Wir haben in dortigen Blättern gelegentlich Bemerkungen darüber gefunden, besonderen Ersolg haben sie jedoch wohl nicht gehabt. Jetzt ist er in Berlin ausgetreten, t«ine Vorlesungen haben jedoch daselbst total Fia«co gemacht. Eine Berliner Korrespondenz sagt darüber: „Die Blätter aller Farben fanden, daß die Vorträge de» Herrn Büchner, auf die er so «den in den Vereinigten Staaten gereist ist, sich besser für Hinterwäldler und die Schwei»ezüchler in Ehicago eigneten, al« für ein gebstdete« deutsche« Publikum. Unerwiesene und zum Theil unerwei-liche Behauptungen ohne viel Zusammenhang aneinanderreihen und dabei »och immer von Wissenschaft reden, da« hieße den» doch de« hiesigen Bildungsgrad unterschätzen. Und besonder« wird Herrn Büchner sein geschäfttmäßige« Verjähren verdacht, daß er bei jeder Gelegenheit auf feine Bücher verwie« und sich zum Eolporteur ferner eigenen Schriften machte. Die Blätter drückten sich noch schärfer au«, und die „National-Zeitung" schloß ihre Besprechung mit folgendem Satze: „Herr Büchner schloß seinen letzten Vortrag mit den Echiller'ichcn Worten: „Eng ist die Welt, doch da« Gehirn ist weit." Der Leser gestatte nn« diese« Mal ausnahmsweise den Sin» dieser Worte dahin zu erklären, daß mitunter in einem scheinbar weiten Schädel nur eine sehr enge und begrenzte Weltanschauung Platz hat." — Wie sich in einem ungarischen Schomre-Hadath-Kopf« die Welt malt, zeigt eine mehr al» naiv« Bemerkung de« Blatte« jener Partei. 6« soll bewiese» werden, daß di« harten Käuipfe in der ungarischen Judcnheit uur davon herrühren, «eil die ersehnt« Trennung in zwei Eonfessioneu noch nicht endgültig vollzogen ist. Im Schoße der christlichen Kirche, heißt e«, sei da« längst geschehen, und nun sehe mau, l wie friedlich die Katholiken muh Protestqnten mit ein«»- der leben, dl« Stimme der Leidenschaft sei längst verklungen — Einem keinen Artikel der Jüd. G. u. Sch. Z. „Proben au« der französischen Miisiont-Bibelübersetzung" entnehmen wir eiu«, wirklich ergötzliche. 2 Mos. S, 14 Ehjeh schlachani u. s. w. ist übersetzt: Celuiqui a’appelle JESU1S m’a enroy6 rera vous. Wie vielsprachiggewandt und schlau diese Eonvertiten-Köpfr! Rur ein solcher brütet dergleichen au« und zwar einer, der vor der Umwandelung ein menig Gemara gelernt hatte.*) — Denn andere Leute haben auch mitunter seltsame Einfälle, aber e» liegt nicht jener Witz darin, oder sie tragen nicht die Signatur de» „Drehtop,.'«." So hat eiu französischer Abbä soeben eine neue Deutung einer bekannten Stelle de« Buche« Daniel veröffentlicht. Da« vierte Thier mit den zehn Hörnern ist der Deutsche Bund, da« kleine Horn, welche« wächst und größer wird, al« die andern, ist Preußen, und diese« Horn wird zerschmettert durch den Sohn de« Manne«, d. t. den Grafen Chamdord und zwar spätesten« di« de» 21. October t. I., denn die Zeit, Zeilen und eine halbe Zeit bedeute» 3'/, Jahre vom Frankfurter Frieden an gerechnet. — Eine ergötzliche Randglosse zu einer alttestamentorischeu Stelle liefert« kürzlich, wie die „Volkszeit." berichtete, die Lehrerin einer Berliner Töchterschule, welche während de« Religionsunterricht» mit der Befriedigung de« stolzen Pharisäer« in die Worte autbrach: „Kinder, Ihr müßtet Euch freuen, Ehrisien zu sein, denn die Juden und Heiden werfe« ihre Kinder weg, wie da« Beispiel der Mutter Mose« lehrt." — Da« nennt man vibelauSlegung! — Zum Schluß noch ein Pröbchen höherer biblischer Wissenschaftlichkeit, zu „Purim." Im „Ausland", also einem streng wissenschaftlichen Blatte, Nr. 7, wird nachgewiesen, daß bei den Juden, trotz de« sehr vernünftigen Verbote«: „e« sollen Kinder nicht getödtel werden um der Väter willen", dennoch di« Blutrache forlbestand, denn die Jude» in Susa hätte» ja (wohl gemerkt: beim Straßenkampf, der ein Act der Nothwehr war) die Söhne Haman'« umgebracht! Nürnberg, 20. Febr. Folgender Vorfall erregt hier Aufsehen und Entrüstung: In unserem Mittelsranken liegt da« bekannte Muckernest NeueudettrlSau, wo sich verschiede« Anstalten, Diakonissenhäuser, Rettung«häus«r rc. befind«» und von wo au« man auch, wir da« bei unserer evangelischen Pfaffheit in Bairrn überhaupt mehr und mehr Mod« wird, stark in Proselyten macht. Die Anstalt Versender Eommi» voyageur» und läßt namentlich auch Südrußland bereisen, um dorr nach Judenjeelen zu fischen. Dieser Tage nun bekam der hiesige Rabbiner, Dr. Lewin, die Miltheilung au« Odessa, daß zwei junge Judenmädchen au« Odessa wider den Willen ihrer Mutter nach Reuend«ltel»au verbracht worden seien, er möge dieselben rekiamireu. Dr. Lewin begab sich rasch nach NeueudettrlSau und fand di« Miltheilung vollkommen bestätigt. Maria und Dulha Perez, zwei Töchter ei«« vor Jahren schon verstorbenen Rabbi au« Wilua, die erste« 17, die letztere 10 Jahre alt, waren vor IS Monaten von ihrem durch einen NeuendettelSauer Sendling zum Ehristemhum bekehrten Bruder ohne Wissen der Mutter entführt und nach Neuendettel«au gebracht worden. Dort wurde die bekannte, geistige Tortur angewandt, der die ältere Maria, welche gerade in de» Jahren steht, in welchen da« zur Jungfrau sich entwickelnd« Mädchen zu mystischen Schwärmereien geneigt ist, nach kurzer Zeit erlag und getauft wurde. Die Taus« der jüngeren Dutha dagegen stand täglich bevor. Da kan, De. Lewin an, legte seine LegitinlationSpapiere vor, welch,: so überzeugend waren, daß di« frommen Herrn die Mädchen nicht mehr mit Gewalt zurückhallen wollten, sondern nur da •) Di« «nMt« feasetdst «mg«führt« Slrll» au« Sau. SS, 26. „C«Jol qui «m Mmmmd «ule» «w trtrm“ ist auf fei« lat. Vulgata zurlUtju- ,ufet«u, fei» sch«« TU «» .Niutmui“ iiderptzt.